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zipp

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zipp

Bd. 31, Sp. 1560
zipp , den laut meist junger vögel nachahmende lautgruppe. 11) als lockruf an die jungen küchlein: zip zip zip Martin-Lienhart 2, 910a; zip zip zip Göpfert sächs. Erzgeb. 68; tritt auch mit langem vokal auf und bildet bezeichnungen von küchlein, s. o. ziebelein (sp. 893) und 1ziep (sp. 1133), wo neumärk. šīp šīp (aus tsīp) zs. f. dt. maa. (1910) 15 nachzutragen ist. 22) in Norddeutschland auf einen menschen übertragen, der nicht zip sagen kann, wie man auch nicht piep sagen in derselben bedeutung gebrauchen kann, und zwar [] weil er auszer atem ist oder sich krank fühlt, oder weil er sich vor blödigkeit, schüchternheit, auch bescheidenheit und schamhaftigkeit nicht getraut, den mund aufzutun: he kann nich zipp sëng'n er ist ganz auszer athem Danneil altmärk. 252a; meckl., brandenb. nich zipp seggen könen nicht den mund auftun können zum reden, vgl. zs. f. dt. maa. (1910) 34; der darf nich zipp sagen, der duht, als wenn er nich zipp sagen kann Brendicke Berliner wortschatz 195b; de kann knapp zipp seggen so ziert sie sich Mensing 5, 760; wenn man nicht mehr zipp sagen kann, oder zahnweh oder einen strom- und trompetenschnupfen oder eine furchtbare migräne hat (1883) Fontane familienbriefe (1905) 2, 27. zu adjektivischer und adverbieller verwendung aus diesem satz herausgelöst, vereinigt zipp in sich die seelischen ursachen, welche das hervorbringen des tones zipp verhindern, als bedeutung. man vergleiche: zipp und zippheit nennt Campe zwei 'sehr artige' niederdeutsche wörter, wodurch jungfräuliche bescheidenheit, blödigkeit und zartheit der empfindungen bezeichnet werden. meines wissens wird es, wie das bekannte beinahe gleichbedeutende verzumpfen, nie anders als im nachtheiligen verstande gebraucht Heynatz antibarb. (1796) 2, 670. in seinem wb. 5, 873b gibt Campe die bedeutung zimperlich an. diese gilt weithin, auch bereits früher: he is zipp sagt man von einem, der sich scheut rauhe oder niedrige geschäfte anzugreifen, der weichlich, übermäszig reinlich ist brem. nieders. 6, 424; zipp 'fein und eben in minen und gebärden. man braucht das wort von frauenzimmern, die so zu seyn sich mühe geben: se is so zipp, et is mit eer so zipp, junfer zipp' Dähnert plattdt. wb. 561b. ebenso vielfach bezeugt als zimperlich, prüde, geziert, besonders von jungen mädchen gesagt: węs doch nich so sipp, se deit ümmer so sipp vornehm Mensing schlesw.-holst. 4, 497; Stürenburg ostfries. wb. 338; ssipp Böning Oldenburg 97a; Schumann Lübeck 85; Schambach Göttingen 308b; Mi Mecklenb. 110a; Frischbier pr. 2, 495b; Schemionek Elbing 45; Sallmann Estland 43; un büst du mi got, denn so kumm up min'n schot un wäs' man nich zipp un nich öt! John Brinckman plattdt. w. (1924) 1, 97. in der form zips: ich durfte ebenso wenig seine ganz zufällig herbeigeführte ... begleitung abschlagen, ohne linkisch, zips und kleinbürgerlich zu erscheinen B. Goltz ein jugendleben (1852) 2, 298. zuweilen in lobendem sinne: se geit ümmer so sipp sauber und sorgfältig gekleidet Mensing 4, 497. begegnet einigemal in landschaftlich gebundenem schreibstil, sogar als attribut und namensapposition: aber das püppchen war sehr leutscheu, und mich dünkt, ein bisgen zu fromm; eine saubere, jungferliche sprache — das ging nur immer zip zip zip, dasz ich kaum hören konnte, was sie sagte Hermes gesch. d. miss Fanny (1781) 2, 75; seht nur, wie die mädchen trinken, zipp, wie finken Kind ged. (1817) 3, 110; es thut zuweilen not, wenn er gar zu zipp ist Alexis ruhe (1852) 1, 135; nicht als ob es nicht auch hier prüde ('zippe') alte jungfern und ceremoniös geschulte herren gegeben hätte Bahnsen wie ich wurde (1905) 13; die lüge ist die oberhofmeisterin der mode, welche auch sitte seyn will; ziererei, äfferei und buhlerei heiszen ihre hoffräulein; und die zippe jungfer, falsche schaam genannt, ist ihre erste kammerjungfer E. M. Arndt schr. (1845) 2, 161; jumfer zipp ein mädchen, das sich ziert, affektiert, vornehm eingezogen, in sich gezogen thut Schütze Holstein 4, 382; s. ob. Dähnert 562a. substantivisch: et is eene rechte zippe die frau ist sehr petit, sehr fein Strodtmann Osnabrück 296. ebenso sind entstanden zu denken: zippe ein dummes, verdrehtes, eingebildetes, eitles menschenkind Müller-Fraureuth 2, 708a; zippedieschen schwächliches, affektiertes frauenzimmer Kehrein Nassau 1, 454; ausführlich Vilmar-Pfister 343; zîp, f., (aus zippe) verzärtelter mensch lux. wb. 504b; auch das [] knabenspiel jüngferlein zippe das schnellen eines dünnen, platten steins über eine wasserfläche Spiesz Henneberg 291 läszt sich als der tänzelnde gang eines jüngferleins verstehen. auf einer dritten stufe dient zipp 'zum ausschämen der kleinen kinder, wenn sie etwas zeigen oder thun, wodurch das sittlichkeitsgefühl verletzt wird' Schambach Göttingen 308b; Flemes Kahlenberg in: Hannov. geschichtsblätter (1917) 381; zip zip beschämender zuruf für kinder, ūtzippen Fromme Hohenbostel 94 Alpers. eine ähnliche verwendung berichtet J. Grimm hs.: zipp! zipp! sagt man im gemeinen leben, etwa für: angeführt! oder: er hat sich anführen lassen, z. b. wenn jemand sich hat in den april schicken lassen.zusammensetzungen: zippenglisch, adj., affektiert englisch: ein zippenglisches, platt tugendhaftes weib Laube ges. schr. (1875) 8, 361; -liese, f., zimperliches mädchen Mensing schlesw.-holst. 5, 760; Pfister nachtr. 343; -rîs, f., geziert, affektiert, vornehm tuendes mädchen Schuller siebenb.-sächs. ma. 73. — dazu ein adj. sippsch wie sipp, zipp Mensing schlesw.-holst. 4, 479. 33) ahmt den laut der singdrossel, turdus musicus, nach; dieser vogel heiszt danach zippdrossel, f., und zippe, f.; auch andere drosselarten und die zippammer werden nach dem laut zipp benannt; auch laut des sperlings W. Wackernagel voc. var. anim. (1869) 134.
5800 Zeichen · 93 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zipp

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    zipp s. zipf.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zippadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    † Zipp , adj . u. adv . im N. D. so viel als zimperlich . Davon die — heit , der Zustand, die Eigenschaft, da man zipp i…

  3. modern
    Dialekt
    zippInterj.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Wossidia zipp Interj. , den Hunden zugerufen: 'interjectio, canes arcens vel vocans, zipp! est in usu creberrimo' Mantz.…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zipp

109 Bildungen · 101 Erstglied · 5 Zweitglied · 3 Ableitungen

zipp‑ als Erstglied (30 von 101)

Zipp(e)rīn(d)li

Idiotikon

Zipp(e)rīn(d)li Band 14, Spalte 1081 Zipp(e)rīn(d)li 14,1081

zippammer

DWB

zipp·ammer

zippammer , f. , emberiza cia Naumann vögel (1822) 4, 270 ; Oken allg. naturgesch. 7 (1837) 281 ; Brehm tierl. 4, 348 P.-L.; s. ziepammer ( …

Zippdraußel

MeckWB

zipp·draussel

Wossidia Zippdraußel f. 1. Singdrossel, turdus philomelos: Zippdrausel Drossel Mi 110 a ; Zippdrooßel Sta Stargard@Grünow Grün . 2. Rotdross…

zippdrossel

DWB

zipp·drossel

-drossel , f. , die sing- oder graudrossel, turdus musicus; zipfdroschel Hohberg georg. cur. 2 (1682) 679 b ; zipp- 3 (1715) 2, 360 a ; zipf…

Zippe(r)

SHW

Zippe(r) Band 6, Spalte 831-832

Zippedille

MeckWB

zippe·dille

Wossidia Zippedille f. wie Zebedäus 1: sine Zippedille Ha Hagenow@Redefin Red . Zu Düll 1 . Vgl. MeckWB Zippeldäus .

zippeil

Lexer

zipp·eil

zippeil stn. BMZ = zipfel? Crane 4514 u. anm.

zippel

DWB

zip·pel

zippel , n. , küchlein s. ziebelein ( sp. 893). —

zippeldänsich

LothWB

zippel-dänsich ungeduldig Fo. u. s. vgl. ElsWB els. 2, 362 zipfel-sinnig eigensinnig, halb verrückt.

Zippeldäus

MeckWB

Wossidia Zippeldäus m. wie Zebedäus 1: de Zippeldäus kickt jo rut Ma Malchin@Pinnow Pinn . Vgl. MeckWB Zippedille .

Zippelding

MeckWB

zippel·ding

Wossidia Zippelding n. Distelblüte im Rätsel: Hett 'n rugen Ring Un 'n rod' Zippelding Wo. V. 1, 208.

zippeler

DWB

zippe·ler

zippeler , m. , zippelerin, f., mhd. ' schüler, jünger '. wie ciplîne mystiker 1, 130 Pf., das lat. discipulus, discipula fortsetzend: mit m…

zippelfeige

DWB

zippel·feige

zippelfeige , f. , aloe, für zimpelfeige ( s. zimpelfi sp. 1361) Frischbier pr. 2, 495 a .

zippelig

SHW

zippelig Band 6, Spalte 831-832

Zippelklott

MeckWB

zippel·klott

Wossidia Zippelklott f. wie das Folg. 1: de Poppenspäler hadd' ne Zippelklott Lu Ludwigslust@Neu Brenz NBrenz .

Zippelmütz

MeckWB

Wossidia Zippelmütz f. 1. eig. Zipfelmütze: donn süht se em (Zwerg) dor mit sin rode Zippelmütz S. Neum. Märchenfrau 90; 'n Mann mit ne Zipp…

zippeln

DWB

zipp·eln

zippeln , vb. , weinen Schütze Holstein 4, 383 ; Mensing schlesw.-holst. 5, 760 ; siebeln weinen, empfindsam sein, zärtlich tun 4, 484; zipp…

zippeltrit

Lexer

zippel·trit

zippel-trit stm. BMZ trippeltritt Msh. 3, 236 b . vgl. zipfelzêhen.

Zippelzêrke

Wander

Zippelzêrke Sie ist 'ne Zippelzêrke. – Frischbier, II, 3007. Ein geziertes, zimpferliches Frauenzimmer.

zippelære

KöblerMhd

zippelære , st. M. nhd. „Zippler“, Schüler ÜG.: lat. discipulus EvSPaul Hw.: s. discipuler Q.: EvSPaul (1300-1350) (FB zippelære) I.: Lw. la…

zipp als Zweitglied (5 von 5)

gezipp

DWB

gezipp , gezippe , n. : bald überwiegt das gezippe der kohlmeisen, das geplapper der staare, bald tönt der finkenschlag vor Tschudi thierl. …

Ableitungen von zipp (3 von 3)

gezipp

DWB

gezipp , gezippe , n. : bald überwiegt das gezippe der kohlmeisen, das geplapper der staare, bald tönt der finkenschlag vor Tschudi thierl. …

verzippen

RhWB

ver-zippen: de Koh v. durch schlechtes Melken verursachen, dass die Kuh keine Milch mehr gibt Bergh , Dür .

zippe

DWB

zippe , f. , gleich zippdrossel, ein md. wort, das auch ins ostnd. eingang gefunden hat: zipp Mi Mecklenb. 110 a ; Schumann Lübeck 3 ; Danne…