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wuchten

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wuchten vb.

Bd. 30, Sp. 1729
wuchten, vb. , junge ableitung von 3wucht (s. d.); seit dem ende des 18. jhs. (zufrühest 1792 bei Chr. Fr. Sintenis, gebucht von Heynatz antibarb. 2 [1797] 654, Campe 5 [1811] 782b, nicht bei Adelung, noch als landschaftl. von Heyse 2 [1842] 1999) mit zunehmender häufigkeit bezeugt, findet das wort in jüngster zeit starke entfaltung. insn. entlehnt als vugte, s. ordb. over d. danske spr. 27, sp. 614. die anfängliche verbreitung entspricht der des substantivs ('eigentl. niedersächs.' Heynatz a. a. o.). wuchten bezeichnet durchweg das schwere, lastende eines zustands, einer bewegung oder verrichtung; vgl.: dunkles, gruftdunkles u, samten wie juninacht! glockentöniges o, schwingend wie rote bronze: grosz- und wuchtendes malt ihr Weinheber adel u. unterg. (1934) 100. trans. und intrans. wuchten sind etwa gleich stark entwickelt. räumlich (und zeitlich) begrenzt ist ein refl. gebrauch: sich wuchten das durchbrennen, weggehen, fast immer ohne bezahlung Meier hallische studentenspr. 45, mit verweis auf Laukhard: das wuchten oder das geheime abziehen aus einem wirthshause, ohne die zeche zu bezahlen, war ... schimpflich leben u. schicks. 5 (1802) 111. refl. auch in der zs. herauswuchten: der zaun hat sich herausgewuchtet nach der einen seite hin gelehnt, schief gestellt Gutzeit Livland 513a. 11) in enger anlehnung an wucht 1 'schwer sein, lasten'. 1@aa) das feste, breite stehen oder liegen. 1@a@aα) allgemein von schweren lasten und massigen gegenständen: welches geschlecht ruht auf der erde rücken? auf der erde rücken wuchtet der riesen geschlecht R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 6, 103; bei trübem wetter grauschwarz, wuchtet er (der Monte Saracte) schwer auf den grünen gefilden Steinitzer a. d. unbekannten Italien (1911) 136; (der wassersüchtigen) beine wuchteten schwermächtig wie steinsäulen unter der tuchent (federbett) Watzlik d. alp. (1923) 7; auf kahlem berg ... rostig Canossa wuchtet türmeschwer Paul Ernst d. kaiserbuch 2, 2 (1927) 205; da wuchtet eines groszen felsens last ebda 3, 2 (1928) 157. mit dem nebensinn 'aufragen': aus dem fetten wiesengrunde nah am Schmerlenbache wuchten üppig junge erlen maler Müller w. (1811) 2, 401; gram dem spiel von freund und schwester sprengt er einsam über schluchten. felsen-an die drohend wuchten hebt er aus der geier nester Stefan George d. siebente ring (1909) 58; in einer ecke des burghofes wuchtete der dicke viereckige turm Paul Ernst gesch. zw. traum u. tag (1930) 79; der mond schielte in die schmalen, dumpfen gassen herab, in schwerem schatten wuchteten die versperrten tore Watzlik d. rückzug d. 300 (1936) 111. 1@a@bβ) häufig von wetter- und naturerscheinungen, bes. schnee, tau, nebel: und er (der schnee) wuchtete dicht auf den kiefern, und weit und breit sah es weisz aus Alexis Woldemar (1842) 3, 101; im kessel des Karwendels braut gewölk und wuchtet schwer auf des gebirges zinnen Pichler marksteine (1874) 219; an jedem grashalm wuchtet dicker thau Liliencron s. w. (1896) 9, 180; die hitze wuchtet schwer auf dem gelände Liller kr.-ztg., ausl. (1915) 2, 189; der winter wuchtete schwer auf dem gebirge, nur die fichten stieszen dunkel aus dem weisz Watzlik d. alp (1923) 114; atmosphärendruck ..., der beklemmend ... auf den wänden der gondel wuchtete Th. Mann Faustus (1948) 426. 1@bb) im übertragenen sinne 'lasten, bedrücken': der gedanke wuchtete schwer auf mir Scherr Michel 1, 143 Hesse; das leben, das auf ihm wuchtete, wollte er sich rein gestalten Holländer d. weg d. Thomas Truck (1904) 1, 185; eine bleierne stummheit wuchtet auf der kolonne Bröger d. unbekannte soldat (1917) 7; der alp der angst wuchtete mit äuszerster gewalt auf dem dorf und drohte, es zu erdrücken Watzlik d. alp (1923) 318. 22) als bezeichnung einer bewegung. ein schweres, behäbiges gehen: ein schwerer menschenklotz wuchtete aus dem rotgeäderten dunkel Strobl Bismarck (1917) 2, 168; (häufig bei Paul Ernst:) die sonne steigt, die sonne steht; sie sinkt, die Deutschen wuchten weiter kaiserbuch (1923) 1, 1, 288; das rosz spornt Otto, es wuchten nach die massen (in der schlacht) ebda; der (general) auf seinen breiten beinen durchs zimmer wuchtete A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 136; jetzt wuchteten und stieszen seine (Edwards) holzkrücken auf den gängen und treppen. seine prothese stampfte und knackte Döblin Hamlet (1956) 247. vom fluge der vögel und der bewegung der flügel: in der luft nahte ein wuchten, wie der schwung von groszen, unsichtbaren flügeln H. Stehr drei nächte (1909) 355; klatschenden fluges wuchtet es sich hoch — schnepfe, — zwei! Schmook schwarzkittel u. rotröcke (1937) 114; die gänse kommen ... durch den dichten nebel wuchtet es heran ... da sind sie! ebda 137. (auf-)schlagen, gegen etw. prallen: und keine sage verkündete mir, dasz gute klingen darunter gelitten (unter einer verzierung) und minder gewuchtet und stumpfer geschnitten Max Waldau Cordula (1855) XIX; ich glaub, wenn ein fahrzeug daran wuchtet, das seil ist imstand zu zerreiszen O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 288; es ist still im zimmer; manchmal wuchtet der sturm gegen die fenster Gmelin sommer m. Cordelia (1933) 62. in vereinzelt bezeugten verwendungen: ihr (der seele) edles rosz, ... strebt aufwärts nach dem götterpfad. das andre ... ... wuchtet erdwärts, zerrt und haut Lenau s. w. 504 Barthel; 'schwanken, die stang wucht' ze sähr' Müller-Fraubeuth obersächs. 2, 814b; drei, vier stiche mit dem beil im kreise um das tau ... werden zu einem einzigen groszen risz, wenn ... die wuchtende bewegung des fahrzeuges (für den schieferdecker) um den turm das gewicht des mannes vergröszert O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 282. wohl stärker auf die fülle bezogen, vgl. wucht 3: die gewaltige, tiefschwarze last (der haare), vielfach geflochten und gewunden ... wuchtete rund um den kleinen kopf G. Keller d. grüne Heinrich (1854) 2, 140. 33) neben dem intrans. gebrauch steht ein, bes. in umgangssprache u. ma., stark entwickelter trans. gebrauch. 3@aa) selten 'das gewicht eines dinges zu erforschen suchen, indem man es in der hand hält und mit derselben gleichsam wäget' Campe 5 (1811) 782b: (sie) begeht die schwachheit, den (gold-)beutel zu wuchten Sintenis Flemmings gesch. (1792) 3, 270. 3@bb) eine schwere last heben, fortbewegen, sei es zunächst mit hilfe eines hebe- oder wuchtbaumes (Frischbier pr. 2, 481; Block Eilsdorf 102; Danneil altmärk. 251a; Helfft wb. d. landbaukunst [1836] 412; die leute setzen hebebäume an und wuchten los Paul Ernst kaiserbuch 2, 2 [1927] 164) oder ohne hebevorrichtung, mit der hand heben (ausreiszen), so oft in ma.-wbb. '(schweres) heben': Mi Mecklenburg 109; Liesenberg Stiege 222; Hertel Thür. 260; Jungandreas schles. zeitw. 22. ferner: während ein artillerist die deichsel in die höhe wuchtet, macht ein zweiter die protzkette los Hoyer wb. d. artillerie (1804) 1, 2; er ergriff die alten eichen und wuchtete die ungeheuer mit stamm und kron' und wurzel aus der erde Waiblinger w. 12 Frey; da liegt sie (die granate) ... von derbknochiger faust in die stählerne kammer gewuchtet Liller kr.ztg., 4. auslese (1916) 148; vier starke männer wuchten den hirsch auf den wagen Kapherr Möff Pürzelmann (1926) 78. 3@cc) 'stoszen, schlagen': sechs, acht reiter standen abgesessen auf der strasze und zwei davon wuchteten mit ihren stahllanzen gegen das torgitter Bröger d. unbek. soldat (1917) 66; der ungeheure bihander, den der alte hitzkopf (Petrus) dem Malchus über das ohr wuchtet Pinder d. Naumburger dom (1925) 26. 'drohend schwingen': der junker stiesz einen fluch aus und wuchtete in der faust den dicken knotenstock, womit er es vorhin dem hunde zugedacht hatte Storm s. w. (1920) 6, 202. 3@dd) seltener, wohl nur umgangssprachlich und munartl. 'eine schwere arbeit verrichten'; vereinzelt auch absolut gebraucht: wuchten, schuften bezeichnet jede schwere arbeit, wie z. b. anstrengende schanzarbeiten Imme soldatenspr. 82; sware aarbât kann hei nich wuchten bewältigen Böning Oldenb. 153; sie arbeitete weiter; ich möchte sagen, sie wuchtete weiter, so heftig und jagig war sie in ihrem werk Frenssen Babendieck (1926) 291.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wuchtenv., ntr, trs

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Wuchten , v. I) ntr . mit haben , Wucht, d. h. ein großes Gewicht haben, in hohem Grade schwer sein. »Der Hohlweg soll m…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wuchten

    Goethe-Wörterbuch

    wuchten [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    wuchtenintrans.

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    wuchten 1. heben Mi 109 b ; Schweres anheben Schw Pamp ; Sünd sei (Gänse, um ihr Gewicht vor dem Kauf abzuschätzen) denn…

  4. Spezial
    wuchten

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    wuchten (Lakune) вкалывать разг. ; таскать тяжести; тяжело работать; работать, как проклятый идиом. ; надрываться; у ког…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wuchten

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wuchten als Zweitglied (2 von 2)

loswuchten

MeckWBN

los·wuchten

Wossidia loswuchten Kartoffelstauden bei der Ernte aufwerfen Wo. Sa.

œwerwuchten

MeckWBN

ow·er·wuchten

Wossidia œwerwuchten hochwerfen: beim Aufnehmen der Kartoffeln mit ne grot dreitinnig Smäd'fork rinstäken un œwerwuchten Ro Rostock@Gorow Go…