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wuchs

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wuchs m.

Bd. 30, Sp. 1718
wuchs, m. , 'wachstum, art und weise des gewachsenseins; das gewachsene'. seit dem beginn des 18. jhs. bezeugte neubildung zu wachsen mit dem vokal der präteritalstufe. als vorgangsbezeichnung spätes glied in einer seit dem got. wirksamen bildungsreihe m. abstrakta, die nhd. noch in hub, hieb, bedarf produktiv wird, vgl. Wilmanns dt. gramm. 22, 186. in diesem sinne zuerst in der naturbeschreibenden dichtung der frühen aufklärungszeit und bei Gottsched: der wuchs hingegen (gegenüber dem konkretum gewächs) heiszt die zunahme, der anwachs irgend einer wachsenden sache beob. (1758) 117. ein zweiter bildungsanstosz führt zu wuchs in konkret-kollektiver bedeutung (wuchs 4, bezeugt um einige jahrzehnte früher aus dem ökonom. zweckschrifttum, vgl. schon Stieler [1691] 2401). rückbildung aus zuss. oder ableitungen wie bei wachs teil 13, sp. 62 f. ist für beide wortverwendungen wahrscheinlich, vgl. mhd. wuohshaft 'was gut wächst' Rudolf v. Ems weltchronik (bei Lexer 3, 1004 nach sammlungen W. Grimms, nicht nachweisbar in der ausgabe Ehrismanns), gewüchs(e), teil 4, 1, 4, sp. 6754 (16. jh. und später), wüchsig (forstausdruck seit dem 17. jh., s. sp. 1724) und früh (17./18. jh.) auftretende zuss. (mit konkreter bedeutung aus dem bereich der waldwirtschaft) wie unter-, ober-, bei-, jahres-, sommerwuchs, auch zuwuchs; bes. auffällig wuchsgürtel (1562) Unger-Khull steir. 639a. offenbare rückbildung ist wuchs konkret 'omne id qvod crescit, deinde vero omnis proventus' bei Stieler stammb. (1691) 2401, hergestellt als stammwort aus den zuss. jahr-, obst-, auf-, erwuchs. selbständiges wuchs fehlt lexikalisch bei Schottel, Kramer, Ludwig, Steinbach und noch bei Frisch (1741); erst 1749 wuchs 'wäxt, tilwäxt' Lind dt.-schwed. wb. 1841 und seitdem fortlaufend. in älterer zeit gelten für wuchs in allen oder in einem teil der verwendungsweisen abstraktbildungen mit der vokalstufe des präsensstammes: got. wahstus αὔξησις, ἡλικία, uswahsts αὔξησις; aisl. umlautend vǫxtr; ahd. wahst, wahs(a)mo, giwahst(i); mhd. -wahs(t), gewahs(t), gewähste, (ge)wehsede, gewahsenheit, wahsunge, wahstuom, frühnhd. (-)wachsung teil 13, sp. 156 f. und (-)wachs teil 13, sp. 62 f., beide im 17. jh. durch wachstum teil 13, sp. 148 ff. verdrängt, daneben frühnhd. und nhd. gewächs teil 4, 1, 3, sp. 4709 ff., gewüchs(e) teil 4, 1, 4, sp. 6754 und wachsen in der verwendung als substantivierter infinitiv. wuchs lebt auszer als simplex als grundwort in einer reichen zahl von zuss., die überwiegend dem späten 18. und dem 19. jh. angehören, darunter rückbildungen aus adjektiven mit -wüchsig, z. b. eigenwuchs. die zuss. treffen groszenteils mit parallelen bildungen auf -wachs zusammen, das in älterer zeit neben -wachsung die bezeichnungsaufgaben wahrnimmt; kompositionstypen mit beispielen (ausführliche zusammenstellung bei Sanders 2, 2, 1667 f.): 11) das grundwort erscheint überwiegend in der verwendung als nomen actionis (bartwuchs) oder als konkretum (jahrwuchs), vereinzelt im sinne 'art und weise des gewachsenseins' (hünenwuchs); zwiefachauffassung ist nicht selten (pflanzenwuchs 'das wachsen der pflanzen' und 'gesamtheit der wachsenden pflanzen'). 22) charakter des bestimmungswortes. 2@aa) bestimmung durch kompositionspartikeln (vgl. die verbalkomposita von wachsen): anwuchs, aufwuchs, auswuchs, beiwuchs, erwuchs, miszwuchs, nachwuchs, oberwuchs, unterwuchs, zuwuchs. 2@bb) das bestimmungswort bezeichnet das subjekt des wachstums, den wachsenden organismus: bartwuchs, baumwuchs, graswuchs, haarwuchs, pflanzenwuchs. 2@cc) das bestimmungswort bezeichnet zeit oder dauer des wachstums: jahrwuchs, maiwuchs, sommerwuchs. 2@dd) das bestimmungswort bezeichnet die art und weise des wachsens oder des gewachsenseins: hochwuchs, hünenwuchs, längenwuchs, schiefwuchs, schwanenwuchs, zwergwuchs. der in den zuss. nicht ungeläufige plural (vgl.auswüchse, fortwüchse, anwüchse) wird beim simplex vermieden Stieler stammb. (1691) 2401; Adelung 5 (1786) 298; vereinzelte belege mit wuchs in konkretem sinn: classe der feinen wüchse (der fein gewachsenen menschen) Bode Yoricks reise (1768) 2, 144; gewöhnliche wüchse (gewöhnlich gewachsene bäume) H. v. Salisch forstästhetik (1902) 253; unsicherheit bezeugt der umlautlose plural jahreswuchse Döbel jägerpractica (1754) 3, 59 (neben -wüchse). die vokalquantität schwankt wie in den präteritalen verbalformen von wachsen, wo die ursprüngliche länge vor mehrfacher konsonanz teils beseitigt teils nach analogie langgesprochener formen wiederhergestellt ist; in Norddeutschland gilt umgangssprachlich vŭks, in gehobenem vortrag vūks, das auch von Siebs dt. hochspr. (161957) 53 gefordert wird. mdal. bleibt das wort selten: wugs Schatz wb. d. tirol. maa. 2, 712; auffällig kärnt. wūst (?) 'wuchs' Lexer Kärnten 261. in gehobener schriftsprache vereinzelt paarige verbindungen: trieb und wuchs Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 18; stabreimend wurz und wuchs Leppa herzenssachen (1923) 148; wuchs und wachs Gutzkow ges. w. (1872) 5, 24. bedeutung und gebrauch: 11) als vorgangsbezeichnung 'das wachsen'; ursprünglich und noch später vorwiegend für die pflanzlichen entwicklungsvorgänge des organischen bereichs: der wuchs des getraydes ist seit acht tagen sehr merklich Gottsched beobachtungen (1758) 443; da das getreide eben in vollem wuchs stund Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 273; so häufig üppiger, geiler, freudiger, fröhlicher wuchs; ein guter boden kan ... den ersten wuchs einer zarten pflanze begünstigen br., die neueste litt. betr. 17 (1764) 125; schnell trieb sie (die lilie) zur höhe im grünenden wuchse maler Müller w. (1811) 1, 40; die burg wird dir zu eng, ich seh es wohl. doch wer wird mit dem eichbaum rechten wollen, wenn seines wuchses aufschusz mauern bricht? Fouqué held d. nordens (1810) 1, 33; eine ... luftverschiedenheit beförderte den wuchs und die zucht aller ... pflanzen und thiere J. v. Müller s. w. (1810) 1, 377; stockung im wuchs oder ausbildung des (getreide) keims Muspratt chemie (1888) 1, 1307. vereinzelt für das wachstum der tiere: denn weder stieren beförderst du (Delos), noch schafen den wuchs Göthe I 4, 323 W. literatursprachlich gerne bildlich, übertragen auf gleichsam organisches: lob befruchtet die seele, wie den acker milder regen, damit die saat im ersten wuchse nicht sterbe Herder 27, 129 S.; geschlechter, welche wie sommergewächse sich mit geilem wuchs erheben, sterben in der herbstzeit Fr. L. Jahn w. (1884) 1, 285. du hemmst mit behutsamer klugheit den zu fruchtbaren wuchs der phantasie Wieland w. I 2, 25 akad.; eine der menschlichen vernunft unentbehrliche wissenschaft, von der man wohl jeden hervorgeschossenen stamm abhauen, die wurzel aber nicht ausrotten kann, ... zu einem gedeihlichen und fruchtbaren wuchse zu befördern Kant 3, 42 akad.; sie (d. klass. kunst) ist kein produkt der schule, sondern erwachsen auf offenem felde, in der stunde des kräftigsten wuchses H. Wölfflin d. klassische kunst (1901) 3. in freierer allgemeiner verwendung ohne ausdrückliches hervorrufen der grundvorstellung pflanzlichen wachstums: hier konnte die willkühr verkehrter begriffe den freien wuchs der natur nicht fesseln Fr. Schlegel s. w. (1846) 5, 79. unter zurücktreten des begriffsmerkmals der keimbedingten, wachstümlichen entfaltung in den blasseren sinn '(nichtorganische) vermehrung, vergröszerung, zunahme' übergehend: der tugend wuchs ... stärken anmuth. gelehrsamk. (1751) 3, 666 Gottsched; was bedeutete dies aber im poetischen gegen den gewaltigen wuchs, den unsere spekulation für sich nahm? Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 556; den raschesten wuchs durch ankauf ganzer sammlungen zeigt das kgl. münzkabinett zu Berlin Luschin v. Ebengreuth münzkde u. geldgesch. (1904) 105. 22) anschlieszend an wuchs 1, doch unter zurücktreten der vorstellung des vorgangshaften 'trieb, keim, wachstumsanlage, vermögen organischer entfaltung'; im pflanzenreich: so, wie du rosen siehst, die noch nicht ausgeschlagen, im aufbruch, saft und wuchs in sich verschlossen stehn Schwabe belust. (1741) 1, 439; hab ich sie abgepflückt die rose, ich kann ihr nie wuchs des lebens wiedergeben Herder 25, 288 S.; bildlich: Göthe I 39, 363 W.; Schiller 5, 21 G. wachstum des menschen: und ist der wuchs des lebens mir verdorrt, sind auch die vögel, meine lieder, fort Lenau s. w. 81 Barthel. sprichwörtlich: dass dir der wuchs nicht vergeht Rother schles. sprichwörter 313a; vgl. zur erklärung Albrecht Leipziger ma. 238a. 'wachstumsart, wachstumsrichtung': sie arteten doch alle nicht nach ihm, dasz sie sich vom wetter nicht verbiegen lieszen, sondern ihren unentwegten wuchs in sich hatten Ric. Huch d. gr. krieg (1920) 2, 269. auszerhalb des organischen bereichs: keine lebendige kraft, kein strebender wuchs kann im gebilde (indische götterdarstellungen) sichtbar werden Herder 16, 74 S. 33) 'art und weise des gewachsenseins'. 3@aa) vom menschen 'körperform, körperbau, statur', insbes. in hinblick auf die figurbildenden rumpf-, büsten-, taillenteile, vgl.: er ... konnte ... nicht unterlassen zu bemerken, dasz ein wuchs und eine taille, wie der liebe gott gewissen leuten gegeben, ohne solchen 'wespenharnisch' (korsett) weit schöner sei Holtei erz. schr. (1861) 9, 37; in der regel gleich gestalt, gelegentlich unterschieden: wuchs geht eher auf die körpergrösze, gestalt auf körperfülle und körperprofil, vgl.: völkerschaften von oft niederm wuchse und schlanker gestalt Ratzel völkerkde (1885) 2, 221, doch hat der unterschied keine durchgreifende geltung (s. u.). über gewächs und gewüchs, die umgangssprachlich für wuchs eintreten, vgl. Adelung 2 (1775) 641; 5 (1786) 298. ohne begrifflich näher bestimmendes attribut 'die jedem menschen eigentümliche, ihn kennzeichnende körperliche gesamterscheinung': sie hat in ihrem ganzen wuchs und betragen, und besonders in den gesichtszügen, eine solche ähnlichkeit mit Dorchen Miller briefwechsel dreier akad. freunde (1778) 2, 241; halte dich über niemands gestalt, wuchs und bildung auf Knigge umgang m. menschen (1796) 1, 84; denn du gebahrst und erzogst mir den wackeren sohn Zacharias, der an wuchs und gemüt ... nachartet dem vater J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 291; die gestalt ihres bruders in dem fahrzeuge ward ihr mit jedem augenblicke kenntlicher an wuchs, bewegung, und farbe und schnitt der kleidung Fouqué zauberring (1812) 1, 113. übertragen: ein gebildeter mann von eigenem wuchs und mit interessanten ideen Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 38. 'körpergrösze': den wuchs vom manne versagte mir bisher das glück Lenz ged. 187 Weinhold; wie? puppe? ha, nun wird ihr spiel mir klar. sie hat ihn unsern wuchs (our statures) vergleichen lassen, ich merke schon! auf ihre höh getrotzt. mit ihrer figur, mit ihrer langen figur hat sie sich seiner, seht mir doch! bemeistert Shakespeare 1 (1797) 241. bezogen auf den (durchschnittlichen) körperbau einzelner völker oder menschenrassen: (der Hottentotten und Kaffern) farbe ist gelbbraun: ihr wuchs wie der meisten Europäer, nur mit kleineren händen und füssen Herder 13, 231 S.; J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 41. gewöhnlich mit attributiver erweiterung und gerne in attributiver stellung (ein mädchen von schönem wuchse, schönen wuchses, schön von wuchs); mit formal kennzeichnendem attributiven zusatz; körpergrösze und körperfülle bestimmen den charakter des wuchses als niedriger, kleiner, mittlerer, stattlicher, hoher, schmächtiger, schlanker, zierlicher, feiner, voller, kräftiger, stämmiger, fülliger wuchs: wenn in Horazens arm sein blondes mädchen liegt, und ihn, was er sich wünscht, ihr schlanker wuchs vergnügt Löwen schr. (1765) 1, 73; Schiller 2, 343 G.; ein erhabner wuchs Ramler lyr. ged. (1772) 219; sollte nicht ... unter den choristen ... sich ein mädchen ... finden, ... von mittlerer grösze, leichtem wuchs, hübschen augen Göthe IV 24, 223 W.; diesen leib kräftigsten wuchses etwas über mittellänge krönte ein prächtiger kopf E. M. Arndt schr. (1845) 3, 397; es lebt im norden ein schönes weib von hohem wuchs und weiszem leib Heine s. w. 1, 334 Elster; unter mittlerer grösze war Kerner trotz seines zierlichen wuchses sehr kräftig in: Kerner bilderb. (1849) 408; von schmächtigem wuchs O. Jahn Mozart (1856) 2, 27; ihr wuchs, der sich im bauerngewand stattlich ausnahm ..., hatte im städtischen anzug denn doch etwas einigermaszen unzierliches und schwerfälliges M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 2, 91; (er betrachtete) mit wohlgefallen den mägerlichen wuchs, der durch sehr knappes gewand fast einen eindruck von geschmeidiger fülle machte G. Keller ges. w. (1889) 2, 107; der eine der beiden jungen männer war von grossem kernhaften wuchs Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 43; hatte sie nicht Grazias schönheit seit ihren frühesten tagen bewundert, das blonde haar, den weiszen teint, den schmalen hohen wuchs, die beine? Werfel geschw. v. Neapel (1931) 394. auch: die völker vom mittleren wuchse Peschel völkerkde (1874) 359. übertragen: (Dürer) steht nie abseits wie Nithart, sondern bei den anderen, nur höheren wuchses Pinder dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 285. mit ästhetisch bewertendem attributiven zusatz, ebenmasz und gefällige proportion der körperteile kennzeichnend: vollendeter, prächtiger, tadelloser, schöner, guter, ebenmäsziger, richtiger, zierlicher, feiner wuchs, mit bezug auf die ästhetische wirkung auch vorteilhafter, gefälliger, einnehmender, bezaubernder wuchs: man wird schwerlich an einer mannsperson einen schönern wuchs finden als an dem herrn Selio (1748) Lessing 2, 40 L.-M.; ein artiges gesicht, ein feiner wuchs ist dasjenige, wornach sich alle weiber ... sehnen theater d. Deutschen (1768) 8, 330; der ganze wuchs war ebenmasz Hölty ged. 20 Halm; und doch war sie auf ihre bildung und ihren vortheilhaften wuchs übermäszig stolz Miller Siegwart (1777) 1, 102; ein schöner körperlicher bau, ein zierlicher wuchs ... zeichnet das englische frauenzimmer vorzüglich aus Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 437; tochter ... von prächtigem wuchs Wieland Lucian (1788) 4, 53; haar, wuchs und wade ohne tadel Lichtenberg nachlasz (1899) 119; er hatte kein schönes gesicht und keinen einnehmenden wuchs Heinse s. w. 3, 132 Schüddekopf; eine person von gutem wuchse Adelung lehrg. d. dt. spr. 2, 319; ihr gesicht ist anziehend ohne schön zu seyn, aber ihr wuchs ist bezaubernd (1804) Schiller br. 7, 187 Jonas; eine sehr grosse frau vom gefälligsten wuchse Arnim s. w. (1853) 10, 203; in der that das gesichtchen, der wuchs, der fusz — alles prima sorte Bauernfeld ges. schr. 3 (1871) 167; ein vollendeter wuchs ebda 2, 38; Th. Mann Faustus (1948) 470. mit ethisch bewertendem attribut: dieser reine wuchs Klinger w. (1809) 1, 178; bemerken sie nur den schönen, schlanken, kühnen wuchs Ferdinands! ebda 8, 28; eines weibes edler wuchs in vollem ebenmasz seiner theile J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 59. mit vergleichendem attribut: diesen königlichen wuchs, diesen edlen stolz in blick und gang .., den sahst du jemals? Meissner skizzen (1778) 1, 117; der alte burgherr ritterlichen wuchses Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 189; er war eine figur von hohem, frauenhaftem wuchse Mörike w. 3, 38 Göschen; so auch mädchenhafter, nymphenhafter wuchs; ein Russe fast herkulischen wuchses Chamisso w. (1836) 1, 27. vgl. seine felsenfeste brust, sein Potsdammer wuchs Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 14; in ihrem wuchs ist nichts griechisches Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 261. 3@bb) nicht auf den menschen bezogen; von organischen erscheinungen 'statur, körperbau des tieres', insbes. nach grösze und mächtigkeit des leibes: ein vogel ... ein schmuck der bunten pfauensöhne, an wuchs und farben und gestalt Schwabe belust. (1741) 2, 352; seine (Polyphems) widder waren sehr feist, ... grosz und stattlich von wuchs J. H. Voss Odyssee 165 Bernays; Schiller 11, 19 G. 'pflanzliche wachstumsgestalt', insbes. von bäumen: wie wusztest du das zarte reis mit klüglichsanfter hand zu beugen, die oftmals auch den wilden zweigen den rechten wuchs zu geben weis Gottsched ged. (1751) 1, 116; vier lindenbäume, einander gleich an geradem wuchse maler Müller w. (1811) 1, 57; manche berge standen öde, und einen gleichen (gleichmäszigen) wuchs hatten nur noch die ältesten schläge Göthe I 23, 57 W.; er hatte den schlanken, glatten wuchs eines bäumchens mit der umfassenden hand verfolgt O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 121; dieses holzgewächs (die birke) variirt in grösse und wuchs nach dem standorte Schlechtendal flora v. Deutschland (1880) 10, 114. mit quantitativer bestimmung 'ausgewachsene gestalt, höchsterreichbare grösze als ergebnis des wachsens': 'greise des haines', die älteren bäume, die nun ihren vollen wuchs erreicht haben br. von und an Klopstock 336 Lappenberg; von anderen gewächsen: im schatten vertraulicher ulmen, wo sich epheu mit mahlrischem wuchs am stamme hinaufschlingt Zachariä poet. schr. (1763) 4, 43; sie trägt in der rechte ein kräutlein zart, von niedlichem wuchse und feiner art Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 17, 84. wachstumsstruktur des holzes: wimmeriger wuchs (wellenförmiges, verworrenes gefüge) kommt ... an dem wurzelstocke vor Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 4, 384. wachstumsform des haares: sein haar, das er auch auf der strasze im natürlichen wuchse trug Gutzkow ges. w. (1872) 4, 113. ähnlich 'wachstumsrichtung': hast du kraft dazu gewonnen, magst du immer unverholen schwimmen gen den strom des flusses, streichen gen den wuchs der borsten Brentano ges. schr. (1852) 3, 140. übertragen, auch mit der grundvorstellung des menschlichen wuchses (wuchs 3 a); auf nichtorganische konkreta: (der dom von Orléans) hat zum schlanken gothischen wuchse etwas südlich sattes durch seine thürme H. Laube ges. schr. (1875) 4, 93; von büchern Holtei erz. schr. (1861) 24, 209. nichtkonkretes: sonderbar ists, dasz selbst bei zween autoren in einer sprache der wohlklang eines sylbenmaasses nicht derselbe ist, und in seinem zartesten wuchse kaum vergleichung leidet Herder 5, 356 S.; 15, 556; übergang aus einer schreibart in die andre, aus dem wilden westfälischen wuchs in die anmutige form der heutigen literatur (1843) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 244 Schulte-K.; stark und schlank, wie der palme stamm, ist der wuchs seiner (Grillparzers) stücke jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 2, 329; eine satanische romantik ganz eigenen wuchses J. Schlosser präludien (1927) 389. 44) konkret 'das gewachsene, das wachsende', vgl.-wuchs in zuss. wie jahrwuchs, oberwuchs, nachwuchs. 4@aa) als kollektivbezeichnung für pflanzen im wachstumsstadium, so frühzeitig bezeugt als ausdruck der waldwirtschaft: (das wild schädigt die nadelbäume) gestalt dasselbe den jungen wuchs (die jungen stämme), wann er manns hoch ungefehr gewachsen und seine schale noch zart ist, ... abschälet Hohberg georg. cur. 3 (1715) 12, 332b; denn solcher junger wuchs ... wird von dem vieh ... vornehmlich am gipffel abgebissen Fleming vollk. teutscher jäger (1719) 41; wuchs 'aufschlag des jungen holzes in wäldern; jeune bois qui revient sur une coupe de taillis' Schwan dt.-frz. 2 (1784) 1074a. im literarischen schrifttum: schwer, in waldes busch und wuchse, füchsen auf die spur gelangen Göthe I 3, 180 W.; über jungem wuchs stieg eine turmspitze auf O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 149; (die) gebäude liegen neben der basilika in trümmern unter wildem wuchs von farnkraut und ölgestrüpp Gregorovius wanderj. in Italien (1871) 4, 43; im garten roch es nach jungem wuchs H. Hesse diesseits (1907) 46; kein stückchen boden war zu sehn, nur grüner wuchs, der aufwärts schosz mit lanzenblättern, blanken schäften Bartning erdball (1947) 428. das gewachsene als ertrag, frucht, vgl. Stieler stammb. (1691) 2401: den üpp'gen wuchs der saat, des weinstocks abzumähn Falk satiren (1800) 1, 119; vgl. weinwuchs, weinwachs. frei übertragen: freilich dachte sie nicht an den jungen wuchs (nachwuchs junger mädchen), nur an sich selbst O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 367; die wende von der ottonischen zur salischen zeit ist durch einen dichten wuchs deutscher dome ausgezeichnet Pinder kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 135. vom aufschieszenden trieb der einzelpflanze: (1724) Henrici ged. 1 (1727) 328; der wuchs vermehrte sich mit immer-regen sprossen (stengelbildung, blattansatz einer glashyazinthe) Drollinger ged. (1743) 69; vgl.wuchs als gärtnerausdruck 'jet des arbres' nouveau dict. (1762) 1, 1109a; ein spanisches rohr von einem wuchse Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1653c, vgl. einwüchsig. 4@bb) stilistisch und grammatisch bedingte konkrete verwendungsweisen. 4@b@aα) wuchs 'körperform, körperbau' (3) in verbindung mit ausdrücken konkret-anschaulichen sinngehalts der bedeutung 'leib, körper' sich nähernd, am ausgeprägtesten in fester stilistischer figur (vertauschung der glieder): dort stählt am kühlen felsenbach der hirsch den wuchs der schlanken glieder Mastalier ged. (1774) 20 (eig. die glieder von schlankem wuchse); ohn unterlasz dein schlanker wuchs sich drehet J. H. Voss s. ged. (1802) 4, 91; über den hohen braunen stiefeln ... schmiegten sich engere hosen an den markigen wuchs Alexis hosen (1846) 1, 132. 'taille' nahekommend: ihr (des mädchens) wuchs wird fast mit einer hand der schlanken weide gleich umspannt Schubart s. ged. (1825) 3, 66; arme werden um den schlanken wuchs des jungen weibs geschlagen (1878) C. F. Meyer s. br. 31 Langm. vom pflanzenkörper, 'stamm': wie sich der blätter wallend kleid rings um den wuchs der palme reiht Strachwitz ged. (1850) 305. übertragen auf anorganische konkreta: wehe den elenden, die ihren (der säule) schlanken wuchs an plumpe mauern geschmiedet haben! Göthe I 37, 143 W. 4@b@bβ) in pluralischer verwendung: Maria war zwar nicht gross, aber doch von der ersten classe der feinen wüchse Bode Yoricks empfindsame reise (1768) 2, 144; seltene, besonders grosse, herrliche bäume ... sollte man erhalten so lange als möglich, müssten auch gewöhnliche wüchse zu ihrem beistande mit stehen bleiben Salisch forstästhetik (1902) 253; s. ob. sp. 1719.
22153 Zeichen · 431 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wuchs

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Wuchs , des -es, plur. inusit. von dem Verbo wachsen. 1. Der Zustand, da etwas wächset, im eigentlichen Verstande, w…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wuchs

    Goethe-Wörterbuch

    Wuchs [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Wuchs

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Wuchs Band 15, Spalte 364 Wuchs -ue- 15,364

  4. Sprichwörter
    Wuchs

    Wander (Sprichwörter)

    Wuchs Dass dir der Wuchs nicht vergeht. – Klix, 124.

  5. Spezial
    Wuchs

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Wuchs m. (-es) 1 (Wachstum) chersciüda (-des) f. 2 (Pflanzenwuchs) vegetaziun f. 3 (Gestalt, Körperhöhe) statöra (-res) …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wuchs

34 Bildungen · 9 Erstglied · 21 Zweitglied · 4 Ableitungen

wuchs‑ als Erstglied (9 von 9)

wuchsbar

DWB

wuchs·bar

wuchsbar , adj. , ' wachstumskräftig, fähig zu wachsen ': überständig heisst ... altes ... holz, das nicht mehr wuchsbar ist Voigt hdwb. f. …

wuchshaft

DWB

wuchs·haft

wuchshaft , adj. , mhd. wuohshaft ' gut wachsend ' ( vgl. sp. 1718) und in der ersten hälfte des 20. jhs. gebildetes ersatzwort für organisc…

Wuchsig

Campe

† Wuchsig , — er, — ste , adj . u. adv . Wuchs habend. »Die wüchsigsten Pflanzen.« Reichsanzeiger (R.) Besonders in Ansehung der Art und Wei…

wuchskräftig

DWB

wuchs·kraeftig

wuchskräftig , adj. , ' zu starkem wachstum befähigt ': mit schauern der andacht bist du wohl manchmal in einem walde dahingewandelt und has…

Wuchsneⁿ

Idiotikon

Wuchsneⁿ Band 15, Spalte 365 Wuchsneⁿ 15,365

wuchsstoff

DWB

wuchs·stoff

wuchsstoff , m. , ' hormonartiger stoff, der das pflanzliche wachstum durch zellstreckung regelt ': der wuchsstoff wird in der spitze eines …

wuchs als Zweitglied (21 von 21)

anwuchs

DWB

anwuchs , m. incrementum: anwuchs des jungen holzes, anwuchs des volkes; nach dem masze des anwuchses des klumpens eines körpers. Kant 8, 27…

auswuchs

DWB

aus·wuchs

auswuchs , m. excrescentia, nnl. uitwas, vgl. anwuchs und anwachs . 1 1) des getraides, abitio frumenti in fruges, der volle wuchs. 2 2) an …

baumwuchs

DWB

baum·wuchs

baumwuchs , m. die wundersame üppigkeit ihres baumwuchses. Humboldt ans. der nat. 1, 325 ; nun erschien erst die herlichkeit des baumwuchses…

graswuchs

DWB

gras·wuchs

graswuchs , m. , älter vereinzelt mit fugenvokal, s. Zincke unter 2 . die bildung ersetzt seit dem 17. jh. das ungebräuchlich werdende grasw…

haarwuchs

DWB

haar·wuchs

haarwuchs , m. incrementum capillorum: einen starken haarwuchs haben; pomade zur beförderung des haarwuchses; wie überhaupt in der stellung,…

jahrwuchs

DWB

jahr·wuchs

jahrwuchs , m. 1 1) was in einem jahre an einer pflanze in die höhe wächst oder schieszt, jahrschusz, loden: auf den duftenden hügel, wo sch…

lagerwuchs

DWB

lager·wuchs

lagerwuchs , m. der zu fette und starke wuchs des getreides, der dasselbe zum lagern bringt ( vgl. unter lager 22).

nachwuchs

DWB

nach·wuchs

nachwuchs , m. das nachwachsen, das nachwachsende und nachgewachsene. 1 1) von pflanzen u. dgl.: in jedem wald ... herscht ein natürliches s…

Nā(ch)wuchs

Idiotikon

Nā(ch)wuchs Band 15, Spalte 365 Nā(ch)wuchs 15,365

oberwuchs

DWB

ober·wuchs

oberwuchs , m. das oberholz einer waldung und eines baumes ( wipfel, äste ), das über das unterholz emporragt. Heppe wohlred. jäger 281 a . …

U(n)wuchs

Idiotikon

U(n)wuchs Band 15, Spalte 364 U(n)wuchs 15,364

unterwuchs

DWB

unter·wuchs

unterwuchs , m. , alles kleine holz, welches unter gröszern bäumen wächst Jacobsson 8, 58 a ; gs. oberwuchs, -holz; nachwuchs, unterdrücktes…

wi(e)derwuchs

DWB

wieder·wuchs

wi(e)derwuchs , m. '1) der zustand, da etwas von neuem wächset. der wiederwuchs des abgetriebenen holzes. 2) dasjenige, was wieder wächset, …

Wīdliwuchs

Idiotikon

Wīdliwuchs Band 15, Spalte 365 Wīdliwuchs 15,365

Ūfwuchs

Idiotikon

Ūfwuchs Band 15, Spalte 364 Ūfwuchs 15,364

Ūswuchs

Idiotikon

Ūswuchs Band 15, Spalte 364 Ūswuchs 15,364

Ableitungen von wuchs (4 von 4)

BEWUCHS

DWB2

BEWUCHS m . abl. von bewachsen vb. an, auf etwas wachsende vegetation: ⟨1804⟩ der üppige bewuchs von feigen und eppich am eingang .. machten…

erwuchs

DWB

erwuchs , m. proventus: einen stattlichen erwuchs bekommen, messem metere maximam. Stieler 2401 ; das verhältnis der aussaat und des erwuchs…

Mißwuchs

Campe

Der Mißwuchs , — es , o. Mz . so viel als Mißwachs in der zweiten und dritten Bedeutung. S. d. »— er (der launige Schriftsteller) verleidt s…

Verwuchs

Campe

Der Verwuchs , — es , o. Mz . ein fehlerhafter, verkrüppelter Wuchs. Moerbeek.