wohltätig,
adj. ,
bereits mittelhochdeutsch bezeugt in der bedeutung '
sittlich richtig handelnd',
also im gegensatz zu meintætic, missetætic
oder übeltætic: hyn vuren zu dem gerichte ... da dyn tyf grundeloser rat den menschen pinet durch missetat und lonet gutlich al da by den woltetygen wandels vry
Hiob 5298
Karsten; frühe vocabulare verzeichnen das wort in der verbindung wohltätig leben
als übersetzung des lat. vita activa,
im gegensatz zu vita contemplativa,
das von ihnen mit beschaulich leben
wiedergegeben wird: eyn woltetik lebyn Bernt
beitrag zu mittelalterl. vokabularien 454; ein wole dedig leben Diefenbach
gloss. 623
b (15.
jh. md.).
seit frühneuhochdeutscher zeit erscheint wohltätig
häufiger in den quellen. 11)
im sinne von beneficus '
guttätig, mildtätig',
vgl.wohltat 1
und wohltäter 1. 1@aa)
von personen und persönlich gedachtem gesagt, zur bezeichnung einer inneren haltung oder eigenschaft; beneficus, benevolus woltetig, woltedig (15.
jh.) Diefenbach
gloss. 71
c;
charitable ... bountifull Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2530; wohltätig seyn
estre bienfaisant à son prochain Hulsius-Ravellus (1616) 420
a;
beneficum esse Widerhold
teutsch-frantz.-lat. (1669) 426
b;
charitable ... bountifull Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2530;
beneficus, benignus Steinbach (1734) 2, 784; Eberhard
synon. (1795) 3, 107
versucht wohltätig
gegen guttätig
abzugrenzen: '
derjenige ist gutthätig,
der irgend etwas thut, das für den dürftigen ein gut ist und wohlthätig,
der für jemand etwas thut, das ihm das gefühl des wohlseins giebt',
engt aber damit, wie der gebrauch zeigt, die bedeutung zu sehr ein; Luther
verwendet es in der bibel nur einmal (
neben häufigem wohltat): ich weis alles was heimlich vnd verborgen ist (
in der weisheit), denn es ist in ir der geist, der verstendig ist, heilig, einig ... sanfft, freundlich, ernst, frey, wolthetig (
vulgata: benefaciens)
weish. 7, 22.
im 16.
jh. ist jedoch das wort bereits üblich: der sehr wolthetige und milde könig Bas. Faber
Saxonia (1563) 278
a; schaw, was ein wolthätig gemüth allein ausz gutem hertzen thut Kirchhof
wendunmuth 2, 76
lit. ver.; got ist mein hürt, darumb mir was mir nöhtig nicht manglen wirt, dieweil er stehts wolthätig G. R. Weckherlin
ged. 2, 76
F.; sie hatten einen leutseligen und wohlthätigen charakter
neuestes aus der anmuth. gelehrsamk. 4, 609; den wohlthätigen, den mitleidigen zu entdecken wird einem guten beobachter nicht schwer Sturz
schr. (1779) 2, 299; seine tochter ... lebte ... still und wohlthätig wie ein sanftes himmelslicht H. v. Chezy
erz. u. nov. (1882) 1, 127; Savigny, der immer helfend und wohlthätig ist, nützt ihr ... viel Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 234; er wurde als ein sehr wohlthätiger mann ... gepriesen Chr. v. Schmid
ges. schr. (1858) 8, 5.
die übliche verbindung wohltätig gegen jemanden
begegnet schon früh: also sind die christen ... wolthetig gegen ihren beleidigern Heyden
Plinius (1565) 253; sonsten waren die Preuszen durchaus kegenst die frembden liberal, milde und wolthetig, so dasz sie auch die armen leute nicht betteln gehen lieszen Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) a 4
b (1.
buch); das ist ein guter ... herr, ... wohlthätig gegen die armen Tieck
schr. (1828) 3, 454.
vereinzelt steht auch der dativ, so bei Göthe: herrschen heiszt sich und andern im ernstlichsten sinne wohltätig sein I 42, 2, 236
W.; er sann auf mittel, ihnen wohlthätig und nützlich zu sein
ebda I 22, 70
W. 1@bb)
neben abstrakten in gleichem sinne gebraucht: aus den wohlthätigen stiftungen der voreltern war der reichthum der kirche ... zusammengeflossen Schiller 8, 15
G.; alle übrigen minuten widmet er der groszen menge von kranken, ... sein wohlthätiger beruf verschlinget sein ganzes leben Zimmermann
über d. einsamkeit (1784) 4, 88; um ein augenzeuge seiner wohlthätigen bemühungen zu seyn, liesz ich mich in den krankensaal führen Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 35; jene frau, die ... allen wohlthätigen gesellschaften beiwohnt Göthe I 45, 65
W.; zu ... wohlthätigen zwecken eine collecte ... machen Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 186; einem wohlthätigen zweck vermachen (1886) G. Freytag
briefe an s. gattin (1912) 48; wohlthätige anstalten für kranke und arme Heinr. v. Kleist
w. 3, 156
Er. Schmidt. 22) '
angenehm, erfreuend, förderlich, nützlich, heilsam'
; der accent verschiebt sich vom persönlichen ins sachliche und betont die wirkung, das ergebnis des wohltuns; von konkreten und abstrakten: ich (
die podagra) könnt deren hie sehr vil erzelen, die durch wolthätige mittelung meiner zu erkantnus der sprachen ... sind kommen Fischart
w. 3, 90
H.; handlungen, die ... einen wohlthätigen einflusz auf die verbesserung seiner nebenmenschen haben Cramer
d. nord. aufseher (1758) 1, 49; der wohltätige einflusz der ... dichter zeigte sich im ganzen land Novalis
schr. 4, 79
M.; auf Friedrich hatte das stille leben den wohltätigsten einflusz Eichendorff
s. w. (1864) 2, 82; mit recht nannte Humboldt diese einführung des alterthums in die deutsche sprache die gröszte und wohlthätigste einwirkung auf die nationalbildung Gervinus
gesch. d. dtschen dichtung (1853) 5, 53; der krieg richtet gräuliche verwirrungen an, ... bringt aber auch die wohlthätigsten früchte hervor Heinse
s. w. 4, 396
Sch.. von wirkungen der naturkräfte: die heitere luft und die wohlthätige sonne werden ihre kräfte in die höhe bringen
schr. d. Göthegesellsch. 17, 103; die wohlthätigen folgen der bäder Hebbel
br. 7, 363
W.; der mutter brust giebt dem säugling die wohlthätige nahrung Fr. L. Jahn
w. 2, 221
E.; die lange verkannte wohlthätige fieberrinde A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 13; ich möchte in die berge, ein wohlthätiges kraut zu holen G. Freytag
ges. w. (1886) 12, 105.
mit dat. der person: dieser aufenthalt wird ihr (
der mutter) und andern hoffe ich wohlthätig seyn Göthe IV 9, 211
W.; erde, himmel und menschen ..., alles ... wird mir täglich wohlthätiger IV 25, 17
W.. wie bei wohltat 4
betonen die konstruktionen mit für
und dem persönlichen dativ die verschiebung des blickpunktes vom subjekt zum objekt: wohltätig für jem.: die naturwissenschaften lassen sich praktisch machen und dadurch wohlthätig für die menschheit Göthe
gespräche (1889) 1, 265
v. B.; (
vögel,) die ... die schädlichen würmer ... wegfressen und also mehr wohlthätig für euch sind als schädlich J.
M. Miller
pred. fürs landvolk (1776) 1, 8; o der herrlichen tage, wie wohlthätig für leib und geist! U. Bräker
s. schr. (1789) 2, 230; es war die erste wohlthätige empfindung für den guten burschen seit langer zeit! Melch. Meyr
erzähl. aus d. Ries (1868) 1, 332.
ungewöhnlich vom persönlichen träger: es blieb ihm nichts übrig als zu frau von S. zu gehen, die selbst und besonders eine ihrer schwestern wohltätig für ihn war Göthe I 52, 40
W. mit dat.: ihre jetzige gegenwart in Berlin (
ist) dem almanach sehr wohltätig Schiller
br. 7, 105
Jonas; grün ist eine den augen wohlthätige farbe maler Müller
w. (1811) 3, 341.
als adverb: er überlegte, ob er ... die verlassene freundin wohlthätig überraschen solle G. Keller
ges. w. (1889) 2, 120. '
förderlich': eine ... schöne umgebung wirkt immer wohlthätig auf die gesellschaft Göthe I 47, 310
W.; seine unstörbare ruhe wirkt sehr wohlthätig auf mich Grillparzer in:
jahrb. d. Grillparzergesellsch. 1, 96; es wirkte alles wohlthätig und beruhigend auf ihn G. Büchner
nachgel. schr. (1850) 206.