wohltat,
f. ,
beneficium, bonum opus. ahd. wolatât, woletât;
mhd. woltât;
mnd. woldât;
fries. woldâd;
ags. weldǣd;
schon got. in gleicher bedeutung wailadeds,
aber mit auffälligem stammvokal ai (
worüber oben unter wohl
sp. 1025).
pl. wohltaten,
im 15.
und 16.
jh. noch starke flexion und umlaut entsprechend dem simplex tât,
als altem i-stamm: woltete
erste dtsche bibel 2, 7, 19
Kurrelmeyer; Schaidenreiszer
Odyssea (1537)
vorr. 1
u. a. bedeutung und gebrauch. ahd. für beneficium, benefactum bei Otfrid, Notker, Williram,
s. Graff 5, 331.
mhd. (mnd.) wenig gebraucht, vgl. mhd. wb. 3, 148
f.; Lexer 3, 974; Schiller-Lübben 5, 761.
noch im 15.
jh. übersetzen die bibeldrucke vor Luther beneficium, benefactum der vulgata regelmäszig mit guottat.
die Zainerbibel ersetzt einmaliges woltete
der Mentelbibel in der vorrede zu Pauli ep. an die Römer durch guotete.
nur einmal (2.
Macc. 6, 13)
ändert die Koburger bibel umgekehrt guottat
in woltat.
bei Luther
findet sich woltat
schon häufiger (Teller 1, 89; 170)
und vom 16.
jh. an kommt wohltat
rasch zu breiter verwendung. die wbb. verzeichnen es regelmäszig für lat. beneficium, benefactum: Diefenbach
gloss. 71
c; Alberus (1540) v 3
a;
nomenclator lat.-germ. (1634) 270; Dentzler
clavis (1716) 356
a; Steinbach 2, 783. 11)
im allgemeinen sinne '
sittlich richtiges handeln, wohlverhalten'
; diese bedeutung begegnet nur in älterer sprache und nur vereinzelt: in allerhande woltat sach man in stete vul wesen beide singen unde lesen vnde dar zu ouch sin gebet
passional 197, 57
Hahn; nu ganc du balde minen rat, wider sage der vnvlat vnde grif vurbaz an woltat, wande dir got wil gnade geben
ebda 391, 4; bidde wij, dat gij den vromen luden erer woldat vnde horsames io geneten laten (1422)
Lüb. urkb. 6, 807; bidde wy, dat her Tideman ... des ... Godeken woldad vnde horsames nicht entgelde (1422)
ebda 432.
in der gegenüberstellung von wohltat
mit übeltat, missetat: der Tanhusaere gemachet hat die rede mit sumlicher rat. sie lêret wol für missetat Tannhäuser
hofzucht 261
Siebert; es ist besser, das ir von wolthat wegen leidet, denn von ubelthat: (
melius est enim benefacientes ... pati, quam malefacientes) 1.
Petr. 3,-17; der wohltat vergisset man bald, der übelthat aber gedencket man lang Tappius
adag. centuriae septem (1545) Aa 4
a. 22)
als beneficium, benefactum. die bedeutung verschiebt sich von der haltung und handlung (
actio)
zum ergebnis der handlung, dem begriff '
gabe, geschenk' (
actum): unkund ist mir drato ob er (
Christus) si ubildato, ruerent mih in drati thio sino uuoladati Otfrid III, 20, 114; vnd ob ir woldede iht beginnent gein den die wider uch dunt wol (
si benefeceritis his, qui vobis benefaciunt Luc. 6, 33)
st. Pauler evangelienbuch (14.
jh.)
in: Wiener sitzungsber. phil.-hist. kl. (1898) 157;
[] hass nicht dinen frunt umme suss, der in dime besten straffet dich, di wol dat nicht an ym rich! (
um 1400) Joh. Rothe
lob d. keuschheit 4589
N.; under euch ist ainer, der wirtt mich verratten ... ich hett mir in zu ainem junger auserkchorn, alle wolthatt ist an im verloren
altdeutsche passionsspiele 369
Wackernell. gern von den werken christlicher barmherzigkeit, häufig mit almosen
gleichbedeutend: (
er) lîz sich alle armin mit woltât irbarmin Nikolaus v. Jeroschin 15384
Str.; mit schutz, schirm, essen, trincken, herbergen und ander nachbarlicher wolthat Luther 53, 528
W.; der gemeine orden der christlichen liebe, darynn man ... einem iglichen dürfftigen mit allerley wolthat dienet als speisen die hungerigen, trencken die dürstigen
ders. 26, 505.
von den gaben und gnadenerweisen gottes: (
Christi geburt) ist die gröszte wolthat, die weit, weit übertrifft alle andern werk der schöpfung Luther
tischr. 4, 198
W.; dise geystliche wolthat, das er (
gott) ihnen die ohren öffnet und die zunge löset
ders. w. 52, 451
W.; in zwillingsformel: in solchen seinen (
gottes) werken und unzähligen wolthaten
tischr. 6, 20
W.; wunderwerke und wolthaten gottes
ebda 5, 623; alle seyne gutter und wolthat
w. 10, 1, 1, 13
W. 33)
verbale verbindungen. jemandem wohltat(en) tun: da danckete ich ir sere der woledait die sij mir mere hatte getaen und bewijset
pilgerfahrt d. träum. mönchs 6443
B.; fühlen sie (
anrede), welche wohlthat sie mir thun, wenn sie bleiben Göthe I 11, 149
W. häufiger wohltat erzeigen: wolthat erzeigen
far bene Hulsius (1618) 2, 58
a; einem eine wohlthat erzeigen ...
beneficium alicui tribuere Widerhold
t.-frantz.-lat. (1669) 426
b; Adelung (1801) 4, 1599: wir ... rühmen die wolthat, die gott an solchen festen erzeiget hat Luther 34, 2, 228
W.; der tag, ... darinnen gott dem menschlichen geschlecht die höchste wolthat erzeiget und bewiesen hat Prätorius
saturnalia (1663) 2; die gäste glaubten den kindern eine wohlthat zu erzeigen, wenn sie ihnen ... süszen wein gäben Göthe I 22, 206
W. wohltat(en) beweisen, erweisen: die wohlthat und güete, so uns gott beweyset Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 187
ndr.; in gedechtnuss der wolthat, so mir ... von euch zu allerzeit ... bewysen und von euch geschehen (1559) Val. Schumann
nachtbüchlein 3
lit. ver.; wolthaten, so er (
Karl der Grosse) seinem geliebten vaterlande ... erwiesen Neumark
neuspross. palmbaum (1668) 117; man kann einem jungen menschen keine größere wohlthat erweisen, als wenn man ihn zeitig in die bestimmung seines lebens einweiht Göthe I 21, 58
W.; ihr habt mir heute die gröszte wohlthat erwiesen A. v. Arnim
w. 15, 166
Gr.; A. Stifter
s. w. (1904) 3, 138. wohltat(en) spenden: mit welcher weiszheit und mäszigung hat nicht die höchste güte ihre wohlthaten ausgespendet Schiller 1, 65
G. wohltat(en) empfangen: sey der entpfangen wolthat ingedenk
beneficii accepti memento (1524)
mon. Germ. päd. 20, 56; für empfangene wolthat ... dancksagen Widmann
Fausts leben 54
K.; ich vergasz wohlthaten, die ich empfieng und die ich austheilte Schubart
leben u. gesinn. 1, 153. wohltat vergelten, erwidern: wohlthaten ... erwiedern W. v. Humboldt
ges. schr. (1903) 1, 15. eine wohltat genieszen Kant 5, 160
akad. 44)
in weiterer verwendung für '
gnade, glück, gunst, segen, labsal'.
es fehlt die beziehung auf einen persönlichen urheber der wohltätigen handlung, bzw. der günstigen lage, oder tritt doch zurück: (
sie begeben) sich aller unnd jeder rechtlichen wolthaten, freyheiten, begnadungen Jac. Ayrer
hist. proc. juris (1600) 316;
mit gen.: auch mir müszte diese wohlthat des gesetzes zu statten kommen Lessing 10, 69
M.; die wohlthaten des stillen ... häuslichen lebens Eichendorff
s. w. (1864) 2, 82; (
die) wohlthat des ... schlummers Carossa
d. arzt Gion (1931) 185; etwas ist, wird eine wohltat
gnade, gunst, glück: ein seliges stündlein
[] ist die letzte wolthat, die uns auf erden widerfahren kan Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, c 1
a; nach einem so langwierigen traurigen krankenlager (
des vaters), dasz ... der tod eine wohlthat war (1796) Schiller
briefe 5, 72
Jonas; in den augenblicken solchen wüsten geschickes erstarrt meistens der zuschauer, und dem, den es trifft, ist es eine wohlthat, dasz ihn die sinne verlassen Göthe I 81, 99
W.; thränen wären eine wohlthat gewesen W. Alexis
ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 1, 300; Mörike
w. 2, 187
Maync; die gröszte wohlthat im kriege ist die schnelle beendigung des krieges Moltke
ges. schr. u. denkw. 5, 196; welche wohlthat der schlaf!
ebda 1, 88;
mit dat. der person: ihre worte sind mir wahre wohlthat Göthe IV 9, 4
W.; es ist mir eine ... grosze wohlthat, wenn ich dich zufrieden weisz Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 379; seine anwesenheit ist mir eine wahre wohlthat (1865) W. Scherer
briefw. mit Müllenhoff 150. wohltat für jemanden: es wäre eine wahre wohlthat fürs menschengeschlecht, wenn man dem gemeinverstand ... nachweisen könnte, wie weit er reichen kann Göthe I 42, 2, 259
W.