wettern,
vb. ,
ableitung von 3wetter;
in heutiger sprache fast nur noch in übertragenem sinne geläufig; insbesondere '
fluchen, schimpfen' (4);
s. auch gewettert,
teil 4, 1, 3,
sp. 5707.
weithin gleichbedeutend mit 2wittern,
s. teil 14, 2,
sp. 817,
doch in gegensatz zu diesem nicht in anwendung auf den geruchssinn. 11)
dem wetter aussetzen, in der freien luft trocknen; vgl. wittern 5 b, verwittern 2: eines sumerlangen tages wart do breite sie den weitze uz bi dem tore ... dar komen zwene schachere ... unde ... namen den weitze, den man da weterte (12./13.
jh.)
in: anz. f. kde d. dt. vorz. 8, 427
Mone; wenn die gerste gemeinet ist, so mus sie einen tag oder drey umbs futters willen auff dem felde wettern, sonst scheust sie nicht wol und wechst ins gras Coler
hausb. 3 (1617) 160.
mundartlich: wäädern
entbittert werden, vom heu ... es musz drauszen in haufen schwitzen Lademann
Teltow 275.
wohl im anschlusz hieran noch gelegentlich in neuerer sprache '
wetterfest machen, abhärten': ein schlichter bauer, ... dem harte arbeit die glieder verknorrt und gewettert hat Rosegger
schr. (1895) I 3, 353; die französischen küsten liefern nimmer den gewetterten matrosenschlag Englands H. Laube
ges. schr. (1875) 5, 256.
im übertragenen sinne gewettert '
durchtrieben',
vgl.wetterkerl: geschmeichelt nickte er: ich war ein gewetterter kerl! Zillich
siebenb. flausen (o. j.) 112. 22)
reflexiv '
in erscheinung treten, sich zeigen'
; vgl. wittern 4: (
der in der erde ruhende schatz) pflegt ... seine gegenwart durch eine auf ihm leuchtende flamme anzuzeigen ... brennt flamme über ihm, so sagt man 'der schatz wettert sich' J. Grimm
dt. mythol. (1876) 2, 811. 33) '
wetter sein'
; aurare wedderen (15.
jh., md., nd.) Diefenbach
gl. 61
b: wenn die dicken wolcken fürüber sind, so wettert es anders Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Bbb 4
b. 3@aa)
in hinsicht auf die jahreszeit, '
passende witterung haben': darumb ist zu distillieren ein iedes krut etwan speter oder früger nach dem daz iar wettert vnd landt gelegen ist H. Braunschweig
kunst zu distilieren (1500) 28
b.
ähnlich noch mundartlich: 't wäärd good upp't saad
es ist gutes wetter für den raps Stürenburg
ostfries. 321
b. 3@bb)
allgemein von ungünstiger witterung; tempestat es wettert Diefenbach
gl. 576
c: wie sich birgt ein vögelein, wettert es, in hole stein'
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied 3, 97.
die art des unwetters wird durch zusätze näher bestimmt: es war schon um die zeit, wenn kalt und stürmig wettert der strenge Boreas Neumark
poet. u. musik. lustwäldchen (1652) 142; aber wie wettert es ... immer wellen, immer wind Rodenberg
stilleben auf Sylt (1861) 4.
mundartlich: in ungewöhnlicher weise regnen, schneien Halter
Hagenau 193;
stark regnen Kaiser
Todtmoss 30;
stürmen Henzen
Lötschen in: PBB 64, 281;
unwetter sein Bacher
Lusern 227.
übertragen, '
wie ein unwetter daherfahren; stürmen, donnern' (
vgl. c): da schmettern trompeten so hell und wild, da wettern die reiter durchs schlachtgefild Schneckenburger
dt. lieder (1870) 37; dunkler schwoll immer die schlacht um die höh, und der rosse gestampf scholl donnernd, es wetterten über die hügel die schilde herunter durch das nächtliche grauen Sonnenberg
ged. (1808) 162; komm! ergreif den augenblick! ... gebeut die rache, und wir wettern wie die würgeengel über Rossitz hin H. v. Kleist
w. 1, 150
E. Schmidt. ungewöhnlich: er ... wetterte mit dem daumen in einer solchen schnelligkeit über alle sechs gitarresaiten, dass sie ... fast nur in einem akkord zusammen klangen Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 101. 3@cc)
oft in engerem sinne '
gewittern, donnern, blitzen'
; ob das wort prägnant eine dieser erscheinungen bezeichnet (d, e),
läszt der zusammenhang nicht immer erkennen; es wettert
egli tempesta, tuona, fulmina Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1339
c: wens gewülckig ist, wettert, plitzet, da sihet man, das etwas da ist, da wasser kan aus werden (1535) Luther 41, 163
W.; disz ist die tugend-bahn, ... die zu den sternen führt, die sterbliche vergöttert; und ein gedachtnüs schafft; das wenn der himmel wettert, die marmel-seuln zermalmt, colossen schlägt entzwey, und tempel legt in graus, ist vom verwesen frey Lohenstein
Ibrahim sultan 130
lit. ver.; bis endlich, längst umwölkt, der himmel wettert, das paradies und seinen hain zerschmettert Göthe I 4, 16
W.; wie ein gewitter nach schwülen tagen urplötzlich heraufzieht und donnert und wettert Jahn
w. (1884) 2, 311.
übertragen: halte dich nur im stillen rein, und lasz es um dich wettern; jemehr du fühlst ein mensch zu seyn, desto ähnlicher bist du den göttern Göthe I 3, 311
W.; gefahr und schrecken wettern in der luft, vertraue keinem, als nur mir allein G. Freytag
ges. w. 3 (1887) 220.
mit richtungsbestimmung, die vorstellung des donners und des blitzes vereinend: so ging es dir Stettin, als gegen mitternacht, die an sich schrecklich ist, der grossen mörser macht, von allen lägern her, auf dich began zu wettern Besser
schr. (1732) 1, 57; das schmetternde geschütz läszt aus den finstern lagen den donner und den tod von beyden seiten schlagen ... der von den Tschäicken uns behertzt entgegen wettert Pietsch
geb. schr. (1740) 13; hätt ich den mächtigen donner, ich wollt dich zusammen wettern, verdammte welt Klinger
Otto 52
lit.-denkm.; des todes nacht schlug über mich zusammen, als es gekrümmt, mit auf die brust gesetzten hörnern, auf dich ein, das rachentflammte untier, wetterte H. v. Kleist
w. 2, 327
H. Schmidt; sein schwert wetterte nieder wie gottes blitz (1861) W. Raabe
s. w. I 4, 141; wie sie sich rühren wollten, ist von ihrer hölzernen lagerstadt tief in Panonien drin kein span mehr übrig geblieben, so hat die fränkische landwehr drein gewettert Scheffel
Ekkehard (1855) 156. 3@dd)
im sinne von '
blitzen, wetterleuchten',
meist in übertragenem gebrauch: es brennet, leuchtet und wettert daselbst allenthalben, von heiliger fewriger liebe Nicolai
teutsche schr. (1617) 1, 2, 8
a; nun wird der lange tag durch rauch und dampf zur nacht und die bewölckte nacht durch wettern licht gemacht Pietsch
geb. schr. (1740) 14; so wie sonst Jupiters geschosz dem adler in den klauen wettert ... so gieng des deutschen adlers flug, so liesz Eugen den wunderzug, durch kalte wolken gehn, auf hohen bergen blitzen Gottsched
ged. (1751) 1, 21.
wie wetterleuchten 2 b
γ: alle ... fältchen der ironie um seinen mund wetterten und zuckten Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 75; der sprecher merkte in seinem eifer wohl nicht, wie es in dem gesichte des alten wetterte und zuckte Polenz
Büttnerbauer (1895) 1, 62.
im vergleich: wie ein gewitter schnell von wolke zu wolke überbrennt, ... so wettert eine begeisterung blitzschnell durch ganze völker Görres
ges. schr. (1854) 1, 244.
in anlehnung an 4: bald heist der müller dieb, bald musz der bäcker her, bald wettern maul und bliz auf die, so mehr gewinnen als sie mit fauler hand und niemahls rechtem spinnen (1720) J. Chr. Günther
s. w. 3, 98
lit. ver. 3@ee)
prägnant für '
donnern'; es wettert
oder wittert
it thunders Ludwig
t.-engl. (1716) 2462: wie man beim ersten schmettern des donners denken mag: jetzt fängt es an zu wettern, das war der erste schlag Schwab
ged. (1828) 2, 8.
so auch in nd. mundarten: donnern Mi
Mecklenb. 105
b; Mensing
schlesw.-holst. 5, 562.
übertragen auf andere geräusche: draufschlagen, dasz es wettere Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1339
c; Torf, der es freudig hört, wie man ihm beyfall wettert Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 30; und ein hönisches wetterndes gelächter brach über ihn aus Lose
schattenrisse (1783) 1, 40; fühlt ihr nicht ein dumpfes wettern? hört nur die trompete schmettern, das verderben ist nicht weit Göthe I 15, 1, 216
W.; es scholl ... hinauf, als ginge ein wettern im erdinnern Zahn
Albin Indergand (1901) 223; es wetterte dumpf in meinen ohren, wie in der nähe eines dampfkessels B. Kellermann
Ingeborg (1911) 210; Ziskas stimme, wie einst, mit macht wettert durch Böhmen: erwacht! erwacht! gott will die schlacht! Münchhausen
balladen u. ritterl. lieder (1922) 30; A. hob gewaltig den weiszen taktstock: hörner, trompeten! die basztuba — wettert ihn hinaus! Kluge
Kortüm 1938) 638. 44) '
fluchen, schimpfen, poltern, drohen' (
im anschlusz an 3wetter IV); der soldat wetterte entsetzlich
miles omnia execrationis verba protrudebat Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 987: die unverzagten helden ..., die itzt Sant Velten, potz macht ... donnern und wettern, so dazumal nichts denn ach und awe singen kundten Luther 31, 1, 81
W.; wann mann ... wehrt das jn (
den weibern) übel ansteht, da sehen sie, es solt ein milch daruon ersauren, sottern, brummen, wettern, dondern oder hencken ein kumaul an vnd herab
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 130
b; umsonst wird Addison des Miltons geist vergöttern; des Franzen leichtsinn lacht, wenn dessen teufel wettern Schwabe
belust. (1741) 3, 243; und ein soldat hat bey dem degen noch lange nicht genung bravour ... der nicht scharf wettert, schreyt und flucht, und gott stets zu erzörnen sucht Triller
poet. betracht. (1750) 1, 295; aber da fing er (
Goethe) auch zu wettern und zu fluchen an über die verfluchte teufelsimagination unseres reformators
Goethes gespr. 21, 383
Biederm.; darüber fing die mutter wieder an zu wettern Arnim
s. w. 2, 218
Grimm; hier fehlt uns aber so ein langer Matthes, ... der den ganzen tag wetterte und die faulen anhetzte Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 106; das ... selbstgespräch ... gieng ... in einen hagel von flüchen über, die ... von einem wütenden ... wettern begleitet wurden Vischer
auch einer (1879) 1, 16; es sah nach krieg aus. zuerst wurde diese möglichkeit an der bewaffneten macht erkennbar, die officiere drillten eifriger ... und wurden in der weinstube lustig, weil sie mehr tranken und wetterten G. Freytag
ges. w. 13 (1887) 35; er ... began ein schauderhaftes schelten und wettern gegen ... den steuerboten Rosegger
schr. (1895) I 1, 90; zornig wetterten sie (
die buszprediger) gegen gut und glanz dieser welt K. Brandl
reformation (1927) 35; übrigens traf die maschine pünktlich ein. sie war noch nicht ausgepackt, und schon wetterte Diederich H. Mann
d. untertan (1949) 196.
mundartlich in diesem sinne allgemein üblich; u. a. verzeichnet bei Mensing
schlesw.-holst. 5, 562; Hönig
Köln 200; Bauer-Collitz
Waldeck 181; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 661; Fischer
schwäb. 6, 739.
ungewöhnlich ist transitiver gebrauch: der teufel soll euch holen! erzählt, oder ich wettre euch! Lenz
ges. schr. (1828) 1, 173.