wächsen,
verb. mit wachs bestreichen u. dgl., ableitung vom subst. wachs,
mit der häufigeren nebenform wichsen (
s. d.),
in der das umlaut-e
weiter in i
übergegangen ist, wie in wirmc, schwirmen.
ahd. incerat, wahsit Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 497, 39, giwahsta 2, 515, 56,
mhd. kommt dagegen nur wihsen
vor, während seit beginn der nhd. zeit wieder daneben auch wächsen,
seltener wachsen,
erscheint: cerare, wechsen. Diefenbach
gl. 113
c.
die wörterbücher bevorzugen anfangs die form wächsen,
die durch näheren lautlichen anschlusz an wachs
empfohlen wurde: wächszen,
cerare, incerare. Dasypodius 450
b (Maaler 178
a hat gewächszt, 480
b wächszung,
ceratura, dagegen wichsen), wächsen,
incerare Hulsius 272,
cera obducere Schottel 1439,
cerare, cera illinere et inficere Stieler 2400, wächsen
neben wichsen Krämer 1202. Dentzler 2, 350. Ludwig. Kramer. Rondeau;
dagegen kennen Kirsch, Steinbach, Frisch, Adelung
nur noch wichsen.
für die beurtheilung der beiden formen ist wichtig, dasz es in den übertragenen bedeutungen (wichsen '
prügeln', geld aufwichsen)
nie wächsen
heiszt, diese form scheint also erst von wachs
aus wieder eingeführt, wichsen
dagegen die lautgesetzliche bildung zu sein. doch lebt wächsen
auch in den mundarten: im cimbrischen bechsen Schmeller 170,
im Harz weksen Liesenberg 218,
nd. wessen, wassen Schambach 296. ten Doornkaat Koolman 3, 520.
hess. wegse Crecelius 911
wird auf wichsen
zurückgehen. im ndl. entspricht wassen.
gebrauch. 11)
transitiv: mit wachs
bestreichen, überziehen. die schneider wächsen
den faden um ihn steifer und fester zu machen; zwirn wächsen,
als ausdruck der nähterinnen bei Amaranthes
frauenzimmerlex. 2093; einen faden wächsen. Ludwig 2359.
s. auch theil 4, 1, 4740,
wo der gebrauch des gewächsten fadens
bei den wundärzten hervorgehoben ist, vgl. noch: het sy in ainem gemalten thrüchlin vast klaine eingefedmete nädelein mit gewechsten seyden feden. Wirsung
Calixstus (1520) c 1
a; aber sobald es (
die lanze) die teuffels schrecklich kutt antraff, bog es sich beim späreisen, als wann einer mit eim gewächszten faden auff ein amposz schlüg oder mit eim federkengel an ein wand rent.
Garg. 254
b (405
neudr.); der vaden soll auch getzwirnet sein on all knöpff und gewechst und damit soll die wund gehefft werden. Braunschweig
chirurgie (1497) 21
a.
auf dies wächsen
des fadens geht wol: so ist schmirben, reuchen, wachsen und das holtz legen alle die kunst der artzte. Paracelsus
chir. schriften (
Straszb. 1618) 147 A.
das zerschnittene zeug wird auf dem schnitt gewächst: wächsen, mit wachs ausstreichen, wie die schneider thun. Rädlein 1023; zugeschnitten seidenzeuch wäxsen, dasz es nicht ausfasere. Kramer (1719) 260,
ähnlich Rondeau. leinwad wächsen,
d. h. mit einer wachsmasse überziehen. Stieler 2400; gewächsete leinewand. Ludovici
kaufm. lex. 583; stifelen wächsen. Stieler 2400; schuh von gewächsten leder. Ludwig 2359. eine diele, möbel wächsen,
d. h. mit wachs abreiben, bohnen: man kommt zusammen in der stube; steht auf einem gewächsten boden, dasz man sich alle augenblick den hals zerbrechen möchte. Möser
patr. phant. 1, 267;
ostfries. wassen ten Doornkaat Koolman 3, 520.
mit wachs klebrig machen: denselben (
studenten) verehre ich zum neuen jahr, eyserne köpffe, güldene beutel, bleyerne hosen, und gelichte oder gewächste stuhlküssen, und bitte, sie wollen damit wieder auff die universitäten ziehen, und etwas redliches lernen. Schupp 668. gewächste tafeln
zum schreiben s. theil 4, 1, 4740.
vereinzelt gewächste flügel
d. i. wächserne
ebenda 4741. 22)
intransitiv nur vereinzelt: die bienen wächsen, machen wachs,
apes cerificant. Stieler 2400.
die bedeutung '
wachs in wasser gieszen'
scheint das wort an folgender stelle zu haben: es sol niemant in die brunnen wachssen (waschen?), noch darauf reiben, wetzen, oder einerlei dorein schuten, noch dorein weichen, von gefessen, reiffen oder anderm geholtze.
stadtrecht von Arnstadt (1543)
bei Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen 75.