wabbeln,
wabeln,
verb. sich in schwankender bewegung befinden. ein in obd., md. und nd. mundarten vorkommendes wort, mit reicher bedeutungsentwicklung, das aber litterarisch nur selten hervortritt. in einer bestimmten, schon von Stieler
und Steinbach
beachteten bedeutung (
s. u. 4)
ist wabbeln
nebst wabbelig in die neuere schriftsprache eingedrungen, Campe im 3.
versuch über die reinigung und bereicherung der deutschen sprache s. 335
empfahl sie beide als zwei malerische niederdeutsche wörter und nahm sie, trotzdem Heynatz
antibarbarus 2, 606
den gebrauch der worte wegen ihrer unbestimmten bedeutung nicht für wünschenswert erklärte, in sein wörterbuch auf. neben wabbeln,
dessen bb
wo es nicht blosz mundartliches w
nach kürze darstellen soll, auf die geminata deutet, steht wabeln,
mit dehnung des a,
und, mit umsetzung des bb
in pp, wappeln.
auch die verwandten dialecte zeigen mehrfache formen: anord. vafla
wankend gehen Fritzner 3, 839,
norw. vavla
wanken, umherirren, undeutlich reden. Aasen 904. Ross 892,
schwed. vavlä
unzusammenhängend reden Rietz 801;
engl. wabble (
auch wobble, wapple)
wackeln, schlottern, eine sache ungeschickt verrichten, schwed. vabbla
die zunge im munde hin und her bewegen Rietz 785.
über die sippe vgl. unter wabben;
am nächsten steht wafeln,
während in den ebenfalls mit einem l-
suffix gebildeten webeln, wibeln, weibeln, wubeln
der vocal abweicht. ein etymologischer zusammenhang mit den anklingenden quabbeln
und schwabbeln
besteht nicht. 11)
sich durcheinander bewegen, wimmeln, von kleinen tieren, auch von menschen. schweiz. wabbeln Stalder 2, 425.
schwäb. wablẽ Wagner 138.
gern in verbindung mit ablautsformen pfälz. wiwele und wawele,
auch wuwele und wawele Autenrieth 153. 154,
oberhess. wibeln und wabeln Crecelius 886,
nass. wibeln und wabeln Kehrein 435,
westerwäld. wieweln und waweln Schmidt 331,
im Harz esz wiwelt und wawelt ẚllesz Liesenberg 102,
ebenso thür. Hertel 257;
götting. et wawelt allet dor enander Schambach 289; hascha wie gehts an ein wapeln, seht wie sie im bluet herumb kraplen, etliche ligen halb gestreckter, etliche liegen ganz verreckter.
das Fadingerlied (1626)
in Görres
hist. polit. blättern 33, 964. 22)
wallen, sieden, österreich. Höfer 3, 263. Loritza 139. Hügel 211.
das wasser wabbelt,
wenn es laut kocht und wallt. 33)
sich schwankend hin und her bewegen: wabbelen,
vacillare, titubare, fluctuare, vibrari. Stieler 2449. Schmeller
2 2, 829,
oberhess. wabeln Crecelius 886,
hess. nass. wappeln Pfister 330. Kehrein 438,
thür. wäbeln Hertel 252; dan er helt nith still sein hertz, sunder wappelt und schluttert hyn und herr. Luther 2, 127, 9
Weim. ausg. (
ausleg. des vater unsers 1519); wenn de wind weiht, so wibbelt un wabbelt
dat. Wossidlo
mecklenburg. volksüberlief. 1, 91 (
nr. 189
var.).
in der verbindung auf und ab wabeln: alrêrst der strît nû walgt als mer sich ündet, alsô in des strîtes sûr ros und liute wabelet, der ûf, der abe, der hin, der her.
Lohengrin 547
Rückert; denck wie die hoffnung allzeit zabelt in sorg und forcht auff- und ab-wabelt. Hans Sachs 20, 493, 21
Keller-Götze; also das ir gewissen stetigs in ungewisshait auff und ab wablet und nit waist, waran es ist. Melanchthons
anweis. in die h. schrift deutsch v. Spalatinus (
Augsb. 1517) 117.
auch unbehilflich, schwerfällig, schlotternd gehen. Loritza 139: er (
der mond) ist nicht mehr der alte, jener rüstige, frische, unermüdete nachtwanderer ... sondern er pimpelt, blässelt, und wimmelt und wabbelt nur so nächtlich dahin. Tieck
ges. novellen 4, 199.
oberhess. wird wabeln
auch von geheimnisvoller, gespenstiger bewegung gebraucht, vgl. wafeln.
ferner sagt man von einem der irre ist: es wabelt ihm im kopfe. Crecelius 886. 44)
insbesondere von der schlotterigen bewegung einer fetten masse, eines weichen schlappen körpers. so in den meisten nd. mundarten wabbeln Richey 329.
brem. wb. 5, 158. Woeste 313. ten Doornkaat Koolman 3, 494. Schütze 4, 329. Danneil 242. Frischbier 2, 450; dat einen de buk wabbelt. Sackmann
bei Schambach 289.
auch schles. wappeln Weinhold 103. Bernd 343,
hess. wappeln (
von einer geronnenen masse) Pfister 330. wabbelen
ob pinguedinem se motitare, pendulum et flaccidum esse. Stieler 2449; wappelen
ob pinguedinem se motare. Steinbach 2, 934. Campe
s. v. w. quabbeln. 55)
in verbindung mit einem persönlichen dativ (
vgl. wabbelig 4)
entwickelt sich daraus die bedeutung sich flau, unbehaglich im magen fühlen, übelkeit empfinden, ebenfalls im nd. verbreitet: o den kopf mir schnell gefaszt, dasz ich speie! denn mir wabbelt stets vor helmgebüsch! (
βδελύττομαι γὰρ τοὺς λόφους.) Voss
Aristoph. 1, 43; ein rundes weib, das oft kapaunen dir auftischt, nicht zu oft kaldaunen ... und, wenn dirs früh im magen wabbelt, kirschbranntwein schenkt und wenig kabbelt.
gedichte 6, 137
mit der erklärung: sich schwach bewegen, hier vor übelkeit. 66)
thätig sein, aber ohne rechte kraft, schlecht arbeiten. Frommann 3, 132
aus Henneberg. in Osnabrück specialisiert zu der bedeutung geschwind und schlecht schreiben. Strodtmann 280. 77)
unverständlich oder sinnlos reden, schwätzen. österreich. wabbeln Höfer 3, 263. Loritza 139,
bair. wabeln, waweln Schmeller
2 2, 829 (
Oberpfalz).
Bayerns mundarten 2, 268 (
Bayreuth).