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vorwerfen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorwerfen vb.

Bd. 26, Sp. 1922
vorwerfen, vb. , ahd. forauuerfan kl. ahd. sprachdenkmäler 252 Steinmeyer (Benediktinerregel); part. prät. forakiuuorfan ebda 266, 28; furiuuorfan (9. jh.) ahd. gl. 1, 286, 2 St.-S.; mhd. vorwerfen, vürwerfen mhd. wb. 3, 736; Lexer 3, 460; 589; frühnhd. fur-, vur-, vorwerffen Diefenbach gl. 387a s. v. obicere; fürwerffen Frisius dict. (1556) 891a s. v. objicio; s. ferner unter fürwerfen teil 4, 1, 1, 935 ff., wo auch die allmähliche verdrängung des für- durch vor- in den nhd. wörterbüchern dargelegt ist (sp. 937); mnd. vorwerpen Lübben hwb. 535; mndl. vorewerpen Verwijs-Verdam 9, 1142b; ndl. voorwerpen Dale 2, 1934. in heutigen mundarten: fürwierpen Bauer-Collitz waldeck. 37; förwarpen Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 546; vôrwarpen Schambach Göttingen 277; vörwerpe Rovenhagen Aachen 158; vörwerfe Hönig Köln 197; virwerfen luxemb. 471; frwąrfən Hofmann niederhess. 255b; vorwerfen Martin-Lienhart elsäss. 2, 848; Fischer schwäb. 2, 1689 und 6, 2, 1942. — unfeste zusammensetzung mit lokalem vor-, die als wiedergabe von 'pro-jicere' vereinzelt in der ahd. übersetzungsliteratur auftritt. auch in mhd., mnd. und mndl. überlieferung nicht allzu häufig, wird sie doch ein gängiges wort des nhd. und ndl.; in beiden sprachen entwickelt sich neben der ursprünglichen sinnlichen bedeutung eine übertragene (vgl. die parallelentwicklung von vorschmeiszen teil 12, 2, 1491; vorhalten teil 12, 2, 1140; vorrücken teil 12, 2, 1424). AA. in sinnlich-räumlicher vorstellung (vgl. vorwerfung 1 und vorwurf II A 1). A@11) mit rascher bewegung nach vorn (vorwärts) bringen. A@1@aa) sich selbst vom eigenen standort aus schwungvoll nach vorn bewegen, sich vorwärts (hin)werfen; in dieser reflex. verwendung nur vereinzelt zu finden: ... forauuerfe ... (fragmentarisch erhaltene nachbildung von) projiciat se ... kl. ahd. sprachdenkm. 252 Steinmeyer (Benediktinerregel); ähnlich: fürwürffe dich projicias te erste dt. bibel 4, 432 Kurr. (la. zu Ruth 3, 4); vgl. auch unter 2 c: Wieland s. w. 26 (1856) 372; Hartig lex. für jäger (1861) 575. A@1@bb) teile des körpersbesonders die händenach vorn bewegen, schnell vorstrecken: gedenckt er so wenig an das, was er thut, als ein mensch, wenn er fällt, dasz er die hände vorwirfft Thomasius vernunfftlehre (1691) 108; so fährt sie ... mit verwandtem angesichte, die hände vorgeworfen und den körper weit übergezogen, zusammen, indem plötzlich die empörte natur aus dem herzen der mutter heraufschreit Engel schr. 7 (1804) 229; das jähe vorwerfen der hand (gebärde der angst) ebda 186; er warf die hand heftig vor Heyne wb. 3 (1895) 1313; von anderen körperteilen seltener: den oberleib vorgeworfen Welcker alte denkm. (1849) 1, 498; wenn ich (als Süddeutscher) sagte: 'der kaiser', sah er (der ultrakonservative preuszische partikularist) mich mitleidig von oben herab an ... und sprach mit vorgeworfener brust: 'mein könig' Alfr. Steinitzer aus dem unbekannten Italien (1911) 148; (ein) füllen, das nach seiner mutter laut die ohren neckisch vorwarf Carl Hauptmann Einhart, der lächler 2, 198 Marquardt; den kopf, die beine vorwerfen d. grosze Duden, stilwb. d. dt. spr. (1934) 624 Basler; dazu das part. prät. in adject. verwendung: die vorgeworfene lippe wäget worte Herder 26, 292 S.; an ihm (Simon auf dem gemälde des abendmahls) ist die vorgeworfene unterlippe, welche Leonard (da Vinci) bei alten gesichtern so sehr liebte, am übertriebensten Göthe I 49, 1, 243 W. A@1@cc) in neuerer zeit auch von truppenteilen, 'rasch in vorderster linie einsetzen', 'an die front werfen', vgl. vorschieben (3) teil 12, 2, 1460, vortreiben (1 d) ebda 1783 und 1vorziehen (A 2 a): dann rückte er mit vorgeworfenen blänkern (plänkern zu plänkeln, s. teil 7, 1893) ... gegen die waldung an Fouqué altsächs. bildersaal 2 (1818) 460; (ort,) in den man stündlich zum kampfe vorgeworfen werden kann qu. v. j. 1928; auch in der wendung mit vorgeworfenen abteilungen ein ziel erreichen. A@1@dd) bildliche einzelanwendung: 'weisz sind die eier' wäre zwar grammatisch möglich; aber es ist kaum eine echte sprechsituation ausdenkbar, wo heiszes gefühl und drängender wille 'weisz' an die ausdrucksstelle (satzanfang) vorwerfen würde Drach grundgedanken d. dt. satzlehre (1937) 27. A@22) etwas mit rascher bewegung vor jemanden (bzw. vor etwas) hin bewegen, jemandem vor die füsze werfen, hinwerfen. A@2@aa) vereinzelt in allgemeiner verwendung mit objekten verschiedener sachgebiete: (wenn man) den wust vor unsere häuser ... mit sollichem ungehewren gstanck vorwirfft und auszschütt Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 504; (die soldaten haben säuglinge) von einander gehawen und den müttern vorgeworffen (1618) acta publica 1, 245 Palm; erst hier erwacht der kläger, hebet den handschuh seines feinds empor und wirft den seinigen ihm vor Alxinger Doolin v. Mainz (1787) 165; du wirfst dem walfisch, wie das sprichwort sagt, zum spielen eine tonne vor (s. teil 11, 1, 1, 788 s. v. tonne 1 c β) H. v. Kleist w. 2, 351 E. Schmidt; mit verächtlichem beisinn (vgl.b β): einem entblöszt dastehenden etwas sich zu decken vorwerffen Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1334b; da wirfst du mir (dem bettler) die dreier vor Brentano ges. schr. (1852) 1, 472. A@2@bb) häufig in der besonderen verwendung 'speise vor jem. hinwerfen': A@2@b@aα) vor allem vom füttern der tiere: wenn es (brot) den schweinen sol vorgeworffen ... werden Pape bettel- und garteteuffel (1586) V 2a; (weil er) einen andern castellanen zu kleinen stücken gehawen und unter den träbern vermenget den sewen zu fressen vorgeworffen Rätel J. Curaei chron. (1607) 71; auf den abend um 8 uhr wirft man ihnen (ochsen) ein wischlein heu vor viehbüchlein (1667) 11; ein hund gehöret an die kette, dem wirfft man harte knochen vor Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 455; (der adler) seinen raub denen jungen im vorbeyfliegen, ohne dasz er fuszet ... vorzuwerffen weisz Göchhausen notab. venatoris (1741) 143; wenn sie (vögel) das vorgeworfene futter schleunig fraszen Löwen schr. (1765) 3, 91; brod den fischen stückweise vorwerfen Holston u. Augusta (1780) 42; Jason warf ihm (dem drachen) die einschläfernden kräuter vor Klinger w. (1809) 2, 194; hatte 'vader' den kühen ihr letztes futter vorgeworfen Storm s. w. (1898) 3, 141. im bilde: (bestien) wie laster und sünde, ... denen ich die ruhigen stunden und tage meines lebens wie gemordete tauben und lämmer zum gierigen frasze vorwerfen müszte Seb. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 326; etwas den hunden oder säuen vorwerfen, meist eine redewendung des hasses oder der verachtung: wirf deine arzneyen den hunden vor (throw physic to the dogs) Wieland II 3, 126 akad. (Shakespeare's Macbeth 5, 3); Hektorn schleif ich herbei und werf ihn den hunden zum frasz vor (δώσειν κυσὶν ὠμὰ δάσασθαι Ilias 23, 21) Bürger s. w. 241 Bohtz; das herz reisz ich ihm aus und werfs den hunden vor Grabbe w. 1, 36 Bl.; kühner: nein, deine worte sind zu kostbar, um sie den hunden vorzuwerfen Shakespeare (1797) 4, 181; mit beziehung auf Matth. 7, 6: werffet eure perlen nicht den säuen vor Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1334b; doch fühlt er, dasz er seine perlen den säuen vorwirft Knigge umgang mit menschen (1796) 3, 115. anders als begräbnisbrauch: etliche ... völcker haben die toden denen geyern vorgeworffen Chr. Weise polit. redner (1677) 569; bekanntlich warfen die Perser ... ihre leichen den hunden vor, wie noch heute die Mongolen J. Grimm kl. schr. 2 (1865) 212; als tötungsart: er nun solte in den todt gehen und den heiszhungerigen löwen vorgeworffen werden Dannhawer catech.-milch (1657) 9, ):( 4b; wie man die leiber der blutzeugen den bestien vorgeworfen anmuth. gelehrsamk. (1751) 3, 727 Gottsched; ... den prinzen nimm und wirf ihn wilden thieren vor Platen ges. w. 4 (1843) 120; 119. von hier aus auch ganz allgemein 'etwas der gefahr ausliefern': dasz ihr sie (eure kinder) ... dem verderben überwiesen, ja vorgeworfen habt Simrock dt. volksbücher 5, 13; hab ich mehrermals meinen leib gewagt und der gefährlichkeit vorgeworffen Kirchhof discipl. milit. (1602) vorr.; wil er des käysers grimm sein einig kind vorwerffen? A. Gryphius trauersp. 570 lit. ver.; mit einem tritt warf er den Rixinger den knechten vor Gaudy s. w. (1844) 3, 127; wenn die helden, so gott feierlich erhoben, dem schwert der heiden wehrlos vorgeworfen sind Treitschke hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 50. A@2@b@bβ) in herabsetzendem sinne wird vorwerfen gebraucht von speise, die menschen gegeben wird; beachte den gegensatz zu vorsetzen: men om (dem kranken) to lest sine spise vorwarp als eim hunde (anf. d. 15. jhs.) städtechron. 7, 188 (Magdeburg); von einem vorgeworffenen bissen erstickt niemand Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1334b; (der wirt) warf mir ... die abgeschälten überbleibsel einer schöpsenkeule vor Pfeffel pros. versuche (1810) 1, 182. im bilde: leben? — das ist der stein, als speis uns vorgeworfen Immermann w. 16, 351 Hempel; wenn man euren glanz will schauen, wirft man euch ein körnlein vor, und man lockt euch wie die pfauen Hoffmann v. Fallersleben ges. w. (1890) 4, 152; ein teil entbehrungsmüd sich um die brocken balgt, die ihm der freche sieger vorwirft ... Stefan George d. neue reich (1928) 37; von geistiger speise: hat Schakespear wirklich keinen weitern endzweck, als blos ein groszes stück nach dem andern aus der geschichte herauszuheben, und den klumpen, so wie er da ist, den zuschauern vorzuwerfen? Gerstenberg schlesw. lit.-br. 161 lit.-denkm.; von dem ochsigen menschenverstand, der da so ledern an der krippe steht und das ungeeignete futter sich vorwerfen läszt Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 1, 160; dann auch: einige sätze dem leser vorwerfen nord u. süd 3 (1877) 393. A@2@cc) etwas (sich) vor jemanden (vor etwas) hin werfen. A@2@c@aα) als sperre oder hindernis, vgl. dazu aus älterem sprachgebrauch die belege unter fürwerfen teil 4, 1, 935 (c): ein new corpus (korps) zurichten, solches dem feinde vorzuwerffen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 471; vorgeworfne hindernisse Ramler einl. in d. schön. wissenschaften (1758) 2, 39; und cherub Michael fährt nieder und rollt des vorgeworfnen steines last hinweg von seines königs (Christi) gruft Ramler lyr. ged. (1772) 364. refl. in der jägersprache: 'wenn man wild zu koupieren und ihm zu pferd zuvorzukommen sucht, so nennt man dies: sich vorwerfen' Hartig lex. f. jäger (1861) 575, s. auch Zeisz dt. weidmannsspr. (1932) 133 s. v. vorlaufen. A@2@c@bβ) als schutz oder deckung: ... indem er voll edelmuth sich dem bruder zum schilde vorwirft Wieland s. w. 26 (1856) 372; häufig vom schild (im eigentlichen sinne), den man vor sich bringt: (die ritter) wurffen die schilt fúr und schlugen sich sere druff und uff die helm Lanzelot 1, 234 Kluge; es ist zu spat, den schild fürwerffen, wenn man die streich hin hat Petri d. Teutschen weiszh. (1605) 2, 7a; der nährlich den schild vorgeworffen und die brust verwahret hatte Helwig Ormund (1666) 219; es (ein mädchen) warf den schild hoch in die höhe vor und schwang den spiesz Ayrenhoff s. w. (1814) 5, 275; vom schützenden schleier: ... ihr gesicht verhehlte ein vorgeworfner faltenreicher flohr Nicolai verm. ged. 4 (1780) 7. A@33) gelegentliche verwendungen. A@3@aa) jem. einen musterwurf als vorbild zeigen (s. teil 12, 2, 809 vi): vorwerfen ... vor einem andern ... werfen, damit er es sehe, oder damit er nachwerfe Campe 5 (1811) 521b. A@3@bb) als erster werfen (vor- temporal): vorwerffen, vorauswerffen; wer wirfft vor chi getta il primo Kramer teutschital. 2 (1702) 1334b (vgl. vorwurf II A 3). BB. von der räumlichen vorstellung (A 2) aus übertragen: einen geistigen gegenstand vor jemandes sinne bringen, vor augen 'werfen' (halten, rücken). diese bedeutung findet sich ansatzweise in verschiedenen schattierungen, geläufig wird jedoch allein der übertragene gebrauch in der negativen verengung 'verweisend vor augen rücken' (s. u. 5). B@11) als aufgabe vorlegen, zur beurteilung oder bearbeitung darbieten. der zusammenhang mit der sinnlichen grundbedeutung ist noch erkennbar: und in der selben wîse warf er (der hochmeister Dîterîch) mir vor der crônken bûch von Prûzin, ... und hîz dî sinne mîne mich darûf arbeitin unde in dûtsch bereitin Nicolaus v. Jeroschin kron. v. Pruzinlant 305 Strehlke; von fragen (problemen): wir vinden in der alten ê und an der schrift noch vrâge mê die man im vür sol werfen hie Konrad v. Würzburg Silvester 3573 Gereke; 3619; 4007; ein schwäre frag fürwerffen oder fürhalten ponere alicui quaestiunculam Frisius dict. (1556) 1100a. B@22) anzeigen, kundtun, erkennen lassen: die zit und ouch die stunde (seines todes) sinen brudern er (Martinus) vorwarf passional 609 Köpke; also kam er dar zuo, daz er wart gewarnet und wart ime fúr geworfen, daz in dem schine des selben bildes verborgen legi valscher grunt ungeordenter friheit und bedecket legi groze schade der heiligen kristenheit Seuse dt. schr. 327 Bihlmeyer; der priester erschrackt des hart der frag und auch des sehens (zuteil gewordene vision), das der edelman fürwarff Joh. Hartlieb dialogus miraculorum 211 Drescher. B@33) vorschlagen, zuweilen wohl auch als terminus beim wahlvorgang (vgl. vorwerfung 2 a): dasz hinfürter die neuen und alten vier burgermaister nach der jerlichen ratswahl 12 erbar menner von den zunften ... mögen fürwerfen (1552) städtechron. 32, 271 (Augsburg); bald wirdt mir für geworffen, soll den meszpriester lassen zu ime abhollen (ca. 1616) Hans Ulrich Krafft reisen und gefangenschaft 154 Haszler. B@44) vorbringen, geltend machen, anführen (vgl. vorwurf II B 1): allegare furwerffen mit worten der warheit und gezeugnisz Diefenbach gl. 23c; so seye (sagen die evangelischen) gott auch mächtig gnug, uns vor dem teuffel zu bewaren, ... wiewol nicht ohn, was von gottes allmächtigkeit wird vorgeworffen ..., so ist hin wider doch auch onwidersprechlich, dasz ... Kirchhof wendunmuth 2, 145 Ö.; dann auch 'als einwand vorbringen, entgegnen' (schon mit negativem beisinn): und ob sie (Eva) sich etwas wehrete und gottes gebot vorwarf, liesz sie sich doch gar leicht überreden J. Böhme s. w. 3, 191 Schiebler; ja, möchte mir jemand vorwerffen, das waren heilige gottergebene menschen Grimmelshausen Simpl. 12 Scholte; ich bild mir aber wohl ein, es werden etliche einwenden und vorwerffen, die Griechen haben vor zeiten ... Caro neue hall- u. thonkunst (1684) 55. B@55) verweisend vor augen rücken, tadelnd oder anklagend vorhalten (vgl. vorwerfung 2 b und vorwurf II B 2): und habe von Martino vernomen, das sy euch (Balthasar Ungerathen) vorwerfen mit rede das gelt, das mir gesanth ist (um 1420) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 2, 134; (dasz mir) mein voriges wesen werd auffgerücket und vorgeworffen Pape bettel- und garteteuffel (1586) H 1b; doch sie kamen nicht weiter, als dasz sie einander ihre gebrechen vorwarffen Chr. Weise drey kl. leute (1675) 37; meine vorwürfe? was habe ich ihnen (anrede) denn vorzuwerfen? Lessing 2, 102 L.-M.; wie oft muszte ich mir das verwünschte puppenspiel vorwerfen lassen Göthe I 21, 8 W.; dasz einer dem andern die ... begangenen fehler vorwarf Ranke s. w. 9 (1876) 75; er hat ihr vorgeworfen, dasz sie arm sei Fontane ges. w. I 1 (1905) 219; ihr werft mir vor, versetzte Adrian, ich spräche über die jugend von oben herab und schlösse mich nicht ein Th. Mann Faustus (1948) 187; auch im sinne behördlicher anklage: ich weisz nicht, inwieweit die behörde grund hat, ihnen (anrede) kurpfuscherische tendenzen und verfehlungen vorzuwerfen Gerh. Hauptmann Emanuel Quint (1928) 189; grausig ist die mischung von religion und verbrechen bei Gilles de Rais, der ... erstaunt ist, als seine richter ihm vorwerfen, dasz er ein ketzer sei Huizinga, herbst des mittelalters (1928) 255; die mir vorgeworfenen strafbaren handlungen Erich Kunter weltreise nach Dachau (1947) 156. reflexiv: meine ... schwachheit, die ich mir selbst vorwerfe Cronegk schr. (1771) 1, 103; nichts ist unleidlicher als sich selbst seine eigenen fehler vorwerfen zu müssen (6. 9. 1811) Beethoven s. br. 2, 35 Kalischer; wechselbezüglich: was wir die Nord- und Südländer sich vorwerfen hörten Keller ges. w. (1889) 2, 162; eine häufige wendung ist sich etwas (nichts) vorzuwerfen haben: ich habe mir mit ihnen (anrede) nichts vorzuwerfen, als dasz ... Lessing 2, 294 L.-M.; und was hast du dir vorzuwerfen? Lenz ges. schr. (1828) 1, 80 Tieck; dem gilt die treue über alles, nichts hat er sich vorzuwerfen Schiller 12, 346 anm. G.; Freiligrath gehört zu den wenigen ..., bei deren tod man sich ängstlich fragt, ob man sich nichts vorzuwerfen, sie nie beleidigt habe (11. 5. 1876) G. Keller br. u. tageb. 3, 164 Erm.; niemand hat sich das geringste vorzuwerfen, niemand hat irgendeine schuld! Hesse steppenwolf (1928) 141; sie hatte sich nichts vorzuwerfen Feuchtwanger Simone (1950) 67. vereinzelt auch sachbezogen '(an einer sache) etwas tadeln, aussetzen, bemängeln': man hat der Mesziade vorgeworfen, dasz sie nicht homerisch sei Gerstenberg recensionen 124 lit.-denkm.; indem sie ihr (der produktion der Franzosen) den mangel an geschmack vorwerfen Göthe I 45, 172 W.; der dem deutschen oft vorgeworfene umfang der wörter wirkt kaum störend van Dam handb. d. dt. spr. 1 (1944) 84; vgl. sachbezogenes vorwurfsfrei 'einwandfrei'.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vor wërfen

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    vor wërfen s. vor wërfen.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorwerfen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Vorwerfen , verb. irregul. act. S. Adelung Werfen , vor ein anderes Ding werfen. 1. Eigentlich, da denn dieses andere Di…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorwerfen

    Goethe-Wörterbuch

    vorwerfen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    vor wërfen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    vor wërfe n vorwerfen, Vorwürfe machen. I ch ha b m i r nix vor z e wërfe n Su.

  5. Spezial
    vorwerfen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    vor|wer|fen vb.tr. trá dant. ▬ jdm. etw. vorwerfen ti trá dant valch a valgügn.

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Cotta, M. (2026). „vorwerfen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vorwerfen/dwb?formid=V16480
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Cotta, Marcel. „vorwerfen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vorwerfen/dwb?formid=V16480. Abgerufen 11. May 2026.
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Cotta, Marcel. „vorwerfen". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vorwerfen/dwb?formid=V16480.
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