verwunden,
vb. ,
vulnerare, sauciare. seit dem 12.
jh. bezeugt (
s. u. 1;
mhd. wb. 3, 824; Lexer 3, 314).
mnd. vorwunden,
mnl. nl. verwonden.
frühe lexikalische nachweise: saucius verwondet (
md., 15.
jh.) Diefenbach
gl. 514
b;
livor vorwundet (
obd., 15.
jh.)
ebda 334
c;
colica verwunt ingederme
nov. gl. 100
a; verwunden
sauciare, vulnerare, voc. theut. (1482) kk 3
b;
voc. inc. teut. (
um 1485) ii 6
b;
vulnerare verwunden, verwundt machen Frisius (1556) 1423
a; 302
a; 331
b; 659
a;
consauciare verwunden, verletzen Calepinus
XI ling. (1598) 312
a; 333
b.
vorwiegend schriftsprachlich, niedere sprachschichten bevorzugen andere wörter, vgl.: 'verwunden ...,
in den gemeinen sprecharten blessieren' Adelung 4 (1780) 1571;
mundartlich wenig gebucht: verwunden ...,
nicht populär Fischer
schwäb. 2, 1419; verwonnen
lux. ma. 468; verwunnen Schumann
Lübeck 84. AA.
im eigentlichen sinn auf lebende wesen bezogen. A@11)
von verwundung durch waffen u. dgl., am häufigsten im kampf. A@1@aa)
ohne nähere bestimmung der art der verletzung: Tirrich der degen uerwundot in aue durh den helm
Rolandslied 8980
Wesle; vnd disen verwunten sy in das haubt
erste dt. bibel 1, 167
lit. ver.; umb unser sünd wart er verwund Hans Sachs 1, 314
lit. ver.; diszer Marcus Sergius ... ist in zweyen zügen 13 mal verwundt worden Eppendorff
Plinius (1543) 7, 21; der mensch ... warff sie unter sich, also dasz sie nackend und verwundet ausz demselbigen hausz entflohen
volksb. v. dr. Faust 128
Braune; es fielen etliche reuter aus der stadt, die versuchten jr heil, aber sie richteten nichts aus, jr zween aus der stadt wurden verwundet Rätel
Curäi chron. (1607) 344; vnd hast am creutz als wie ein dieb vnd mörder da gehangen, verhönt, verspeyt und sehr verwundt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenl. 3, 374; der herr von
N. ... ward in der schlacht bey Zorndorf verwundet Lessing 8, 3
L.-M.; den blutigen degen, womit er seinen freund in der trunkenheit verwundete Schubart
leben 1 (1791) 49; Laertes verwundet den Hamlet, drauf wechseln sie in der hitze des gefechts die rapiere, und Hamlet verwundet den Laertes
Shakespeare 3 (1798) 357; die marchese
V. ist von ihrem geliebten conte B. in einem anfall von eifersucht verwundet worden Jahn
Mozart (1856) 1, 360; dasz der getödtete raubschütz, durch den rücken in's herz geschossen, unmöglich bei offenem widerstande, vielmehr auf der flucht verwundet worden sei Holtei
erz. schr. (1861) 4, 34. A@1@bb)
mit angabe der schwere der verwundung: dann Arnolphus war ... seer verwundt vnd starb (15./16.
jh.) Brandis
landeshauptl. v. Tirol (1850) 12; denn er war hart verwundet
buch d. liebe (1587) 341
a; welchen Ulysses grober art hett in der schlacht verwundet hart Spreng
Äneis (1610) 33
a; wenn ... mein leichnam vom feinde sehr verwundet war
schausp. engl. comöd. 35
Creizenach; Ratbod, der noch dazu stark verwundet war
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 464; ob er ihn gleich schon übel verwundet hatte Göthe I 43, 26
W.; sein vater, der ... beym anfange des siebenjährigen kriegs so schwer verwundet ward, dasz er jahre lang darnieder lag Klinger
w. 8 (1809) 8; als ich ... schwer verwundet und hilflos in einem holze lag und zu sterben meinte Körner
w. 1, 134
H. verwundung mit todesfolge (in, bis in, bis auf, auf, zum tod verwunden): ir quam abe kûme daz vierde teil (die der lantgrâve mit grimme bestunt), etlîche doch in den tôt verwunt
Ludwigs kreuzfahrt 3056
N.; ihr wurden viel versehret, verwundt bis in den tod A. v. Arnim
s. w. 21 (1854) 317; da wer ein mann verwundet biss auff den todt
buch d. liebe (1587) 81
a; ein verruchter kriegs-knecht verwundt den armen knaben uff den tod (
vor 1572) Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 37; nachdem er ... einen braven jungen von stand im duell auf den tod verwundet Schiller 2, 16
G.; (
er) ward in belAegerung eines schlosses verwundt zum tod Stumpf
Schweizerchron. (1606) 250
a.
am häufigsten: mit dem schwert tOetlich verwunden Steinhöwel
de claris mul. 114
Dr.; Mitridate ist im gefecht tödtlich verwundet worden O. Jahn
Mozart (1856) 1, 280. A@1@cc)
sonst meint verwunden
oft verletzung ohne todesfolge: in dieser schlacht sind von allen theilen viel vmbkommen vnd verwundet Binhardus
thür. chron. (1613) 20; dasz ... fnffzig oder sechzig der kOenigl. schwedischen theils todt blieben, theils verwundet wurden Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 158; todt sind viel offizier, der oberst ist verwundt Ditfurth
volksl. d. preusz. heeres (1869) 83; zwei oder drei seiner gefährten waren gefallen und lagen noch da, andere waren verwundet G. Keller
ges. w. (1889) 4, 195. A@1@dd)
sehr häufig das adjektivisch gebrauchte part. prät.: er thet sich traurig vor jhm neigen vnd sein verwundten leib darzeigen Spreng
Ilias (1610) 69
a; ein verwundetes thier Göchhausen
notab. venat. (1741) 32; das verwundete stck (
wild) Heppe
lehrprinz (1751) 12; ein verwundeter leue Fouqué
zauberring (1812) 1, 68; Selbitz ist verwundet auf sein schlosz gebracht Göthe I 8, 104
W.; die leute, die lagen verwundet im lazarett Fontane
ges. w. (1905) I 6, 23.
substantiviert: als ... vil uff der walstatt verwund und todt ligen bliben, under welchen verwundten einer Martin Breyts spieszgesell gewesen Frey
gartenges. 137
Bolte; er sol auch keinen verwundten oder krancken in der munsterung passieren lassen Reutter v. Speir
kriegsordnung (1595) 9; als Christus vom verwundten red in Jericho Paracelsus
opera (1616) 1, 33
a; man trug sorge für die pflege der verwundeten Ranke
s. w. (1867) 9, 23; vier männer tragen einen verwundeten durchs haus Gerhart Hauptmann
weber (1892) 116. —
zusammensetzungen: