verwilligen,
v. ,
seit dem 15.
jh. belegt: Lexer 3, 308; Haltaus 1915.
in den frühnhd. wbb. gewöhnlich, z. b. Diefenbach 55
b; 56
b; 299
c; 384
b;
voc. inc. teut. i i 6
b; Alberus (1540) K k 2
a; 2
b; Calepinus
XI ling. 92
b;
[] 131
a; 135
a; Hulsius (1618) 261
b; Stieler
stammb. 2539; Kramer 2 (1702) 1391; 1392; Steinbach 2, 1022; Adelung 4, 1180.
die bedeutungsumschreibungen am vollständigsten bei Frisius:
admitto, annuo, assensor, assentio, astipulor, concedere in sententiam alicuius, cedo, consentio, impertio, paciscor, tribuo, accomodare voluntatem. auch mundartlich zuweilen gebucht: schweiz. id. 1, 910;
bair. Schmeller-Fr. 2, 891;
schwäb. Fischer 2, 1415 (
veraltet);
elsäss. Martin-Lienhart 2, 816;
lux. ma. 468. II.
nur in älterer zeit intransitiv. I@11)
einwilligen, seine zustimmung geben. I@1@aa)
ohne ergänzung: er verwilligt und beleyb bey dem mann
erste d. bibel 4, 406 (
lesart)
K.; die heuptleut yglicher besonder haben yhre unterthan gefragt, ob sie den bund wollen annemen, und als sie alle zugleich verwilliget haben und der sach eingangen, sind die heuptleut ... zu Mose komen Luther 16, 409
W.; sie schickten zu Neidharten aber einen herolt; der warbe, das er wo er anderst verwilligt, zu dem bischof mit gleit in ein gesprach kumen solt
Wilwolt v. Schaumburg 165
lit. ver.; die magt durch vil glatter wort und verheissen ires herren verwilget und empfacht von im ein kint Wickram 3, 10
B. I@1@bb) in etwas verwilligen. I@1@b@aα)
eine meinung, eine lehre annehmen, an sie glauben: wir verwilligen in ire lere Luther 28, 669
W.; sy hättend nit in unser meinung verwilliget Zwingli
dtsche schr. 1, 121; das derselb glaubig mensch verwilligt in göttliche kundtschaft, als in gewisse warhait, wiewol er dieselb nit endtlich begreyft Berthold v. Chiemsee 16
R. I@1@b@bβ)
einwilligen, dasz etwas geschieht: wie yecz zu Tulln ain landtag bey ew zu Wien ze halten furgenommen sey, darinn ir verwilliget sullet haben (1462)
copeybuch d. stadt Wien 346; das du verwilligest yn seditionem Luther 28, 368
W.; (
der schichtmeister entsetzt die arbeiter) auch ihres ampts ... und setzt andere an ihr statt, so die zwen geschwornen mit sampt dem bergmeister auch dareyn verwilliget habent Bech
Agricolas bergwerckbuch 73; denn die mutter weisz, dasz ihre tochter mit einem lieben und verständigen bräutigam wird vermählet, deszwegen sie endlich in ihr hinwegräisen verwilliget Rist
neuer teutscher Parnass (1652) 530. I@1@b@gγ)
eine bitte, ein gebet erhören, eine forderung bewilligen: wen daz glaubet man leichtlich, wo eynem also oft umb eyner sachen wirt angelegen, daz er entlich dareyn vorwillige Hutten 2, 189
B.; dasz er (
gott) nicht in sein gebet verwilliget hat Gretter
epistel Pauli an d. Römer (1566) 507; wier uns auf ein höheres, des ländtleins unvormögligkeit nach gaar nit einlassen, noch in einige höhere rechnung oder quotam vorwilligen können
acta publica 1, 36
Palm; weil aber der bischoff ... durchaus in das begehren nicht verwilligen wolte Hahn
staats-, reichs- u. kayserhist. 5, 87. I@1@b@dδ)
einen rat, vorschlag, einen vorgeschlagenen vertrag annehmen: so stehet er (
Adam) da, sihet zu und isset auch, verwilliget mutwillens yn des teuffels radt Luther 24, 90
W.; und der könig verwilliget in den vertrag, den Lysias mit Maccabeo und den Jüden gemacht hatte 2.
Macc. 11, 15; dasz sie in meinen vorschlag verwilligt Grimmelshausen 4, 567
Keller. I@1@b@eε)
einer versuchung, der neigung zum bösen nachgeben: in die wollust verwilligen A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) c 5
a; so fern ihr in das böse verwilliget im hertzen Moscherosch
insomnis cura parentum 66
ndr. I@1@cc)
mit infinitiv oder satzergänzung. I@1@c@aα)
sich bereit erklären oder sich verpflichten, etwas zu tun: es haben vorzeyten deutsche keyszer und fursten vorwilligt, dem bapst die annaten auf allen lehen deutscher nation einzunehmen Luther 6, 418
W.; dergleichen ... verwilligeten si auch, järlichen ain tomherrenpfrüent gen Ingestat zu raichen Aventinus
w. [] 5, 597; (
sie) beredten den richter, dasz er ihme audientz zu geben verwilligte Prätorius
Katzenveit (1665) h 2
b; er verwilligte zu bleiben und einmal mit jungen studenten lustig zu seyn Riemer
polit. maulaffe (1679) 109. I@1@c@bβ)
zustimmen, zulassen, gestatten: da habt ir ... also verwilgt mit worten, etlich mit schweygen, das man Luters christliche, nutzliche büchlin von erst hat verbotten Clemen
reformationsflugschriften 2, 185; wollets mit der that beweisen und die euren umb yhrer untugent willen straffen und bessern und nicht verwilligen, das sie andern so gros leid und unrecht thun Luther 23, 276
W.; endlich ... verwilligte er, ... dasz sie nach ihrem herrvattern ... abreisen solte A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 56. I@1@c@gγ)
anerkennen: ich verwillige und bekenne, dasz das gesetz gut, recht und heilig seye Gretter
epistel Pauli an d. Römer (1566) 409. I@1@dd)
mit dem dativ, einem seinen willen lassen, einverstanden sein mit dem, was er tut: di sulhe dink tunt, di sint werdig des tods, und nit allein di si tunt, wan auch di di da verwilligen den, di si tunt
codex Teplensis 2, 4
H. (
lesarten).
sich fügen: so dieselbig (
stadt) keinen oberhern wan den römschen keiser und iren bischof nach irer keiserlichen friheit wolt erkennen und hiebi dem ingetrungen gwalt des saffoyschen herzogen nit ganz noch willig verwilligen
V. Anselm
Berner chronik 4, 339
hist. ver.; Pontus war mit ihrer liebe umgeben, verwilliget gern ihrem geheisz und sang ein liedlein gar wol
buch der liebe (1587) 319
b. der sünde verwilligen,
ihr nachgeben: sund ist ynn eurem corper und bosze lust, sehet aber zu, das yhr sie zwinget und yhn nit vorwilligt Luther 7, 331
W.; dass der mensch seinen eygenen freyen willen gehabt und bey ihme gestanden ist, der sünden zu verwilligen Ayrer
hist. proc. juris (1600) 156. I@1@ee)
vereinzelt mit dem gen.: der alt priester hengt und verwilgot allergutwilligost des willen des junglings Oheim
chron. v. Reichenau 59
Barack. I@22)
auch reflexiver gebrauch ist auf frühnhd. zeit beschränkt. I@2@aa)
selten sich verwilligen,
sich einigen, vereinbaren: sie hetten sich zu beiden seiten verwilligt, ein früntlich gesprech zu halten Seb. Münster
cosmographie 71. I@2@bb)
mit etwas einverstanden sein: dan wie wol du Christum nicht selbs mit der handt erwurget hast, hastu dich doch im hertze darzu vorwilligt und eben sulche straff vorwircket als die, die das werck than haben Luther 9, 653
W.; also verwilliget sich Ulenspiegel, wa er die krancken nit grad macht, so solt er im nit ein pfennig geben
Eulenspiegel 25
ndr. I@2@cc)
sich zu etwas entschlieszen: des hab ich mich verwilligt durch irer beider manigvaltig genaden, so sy mir erzeygen täglich Hartlieb
Alexander (1473) 3
a; er wolte sie beyde vor hunger sterben lassen, wolt sie sich nicht verwilligen ihn zu nemmen
buch der liebe (1587) 344
b. I@2@dd)
sich zu etwas bereit erklären, zu etwas verpflichten: diser verwilliget sich, dasz er ... von seinem bapsthumb abtretten wolt Seb. Franck
chronica zeytbuch (1531) 308
a; (
ich habe) yn meinem ersten büchlein der deutschen musica, euch zugeschrieben, mich verwilliget und verheissen, auch eine instrumentalische musicam euch zu schicken Agricola
musica instrumentalis 5
E.; der edel Florio sich gegen seinem vatter verwilligt hett, den andern tag hinweg zu scheiden
buch d. liebe (1587) 127
a; darum er sich verwilligte, sieben jahr der schafe zu hüten J. Böhme
myst. magnum (1682) 534. I@33)
transitiv. I@3@aa)
vereinzelte gebrauchsweisen; einigen: verwilliget euere gemüter zu meiner meynung
Aymon v. Dordons süne (1535) c 1
b.
vereinbaren: und das ward under inen also verwilligt und zugelassen, und concordierten und ordinierten das also, dasz der rector die frag thun solt
[] Eulenspiegel 42
ndr. versprechen: dem hat sie 15 fl. verhaissen, wann er sie an im rech und in wund schlag. das hat er ir verwilget und auch mit dem werck verpracht (
Augsburg 1528)
chron. d. d. städte 23, 210. I@3@bb)
bewilligen, die einzige bedeutung, die noch in neuerer zeit lebendig ist, aber auch sie wird im 19.
jh. ungewöhnlich: das der man schuldig ist, solchs zu verwilligen und yhr die ehlich pflicht und kinder zu verschaffen Luther 10, 2, 278
W.; was soll ich eur mayestat thon für die erzeigt grosse wolthat, die sie mir heut verwilligt hat? Ayrer
dramen 212
K.; zuletzt wurde ihm auf sein freywilliges anerbieten und höfliches bitten verwilligt, dass er zu diesem imbs eine gute pastet holen möchte Grimmelshausen 2, 416
Keller; wenn der garnison ein freyer abzug verwilliget würde Lessing 18, 450
M.; einmal sind schon die wapen höchst verwilligte (
von höchster stelle verliehene) oder brüderlich beliebte charakterzeichen der personen, familien und länder Herder 3, 401
S.; der könig ... wollte niemals die verwegenen forderungen dieser beiden spitzbübchen verwilligen Göthe 44, 163
W.; ihm nie eine gunstbezeugung zu verwilligen Kotzebue
dram. w. 5, 255; ohne bedenken ward die sehr ansehnliche hülfe von 40000 mann zu fusz, 8000 mann zu pferd verwilligt Ranke 4, 172.
von verträgen und vertraglich gesicherten rechten: denn wer könne dem sieger die hände binden, dasz er die verwilligte abrede nicht breche Lohenstein
Arminius 1, 599; wann ein vertrag solcher gestalt einmahl verwilliget ist Hohberg
georg. cur. aucta 3, 1, 30; die vom kaiser und reich förmlich angenommenen und selbst von dem pabst Eugen IV. der nation verwilligten Kostnitzer-Basler dekrete
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 558; eine ergänzungsurkunde, die noch einige freiheiten ... in Schonen auf 6 jahre verwilligt Dahlmann
gesch. v. Dännemark 2, 22. zeit verwilligen: warumb ... gott dem Adam ein zeit der buesz verwilliget habe, dem Lucifer aber nit Äg. Albertinus
Lucifers königreich 72
L.; nach ablauf einer verwilligten bedenkzeit Raumer
Hohenstaufen 2, 114; major von P. benutzte die ihm nur verwilligten drei tage, um seine kleine armee in einen ... schlagfertigen zustand zu versetzen Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 2, 342. geld, steuern, einkünfte verwilligen: das werck nam Eulenspiegel an und wolt vier hundert gülden han. der landgraf der verwilligt disz, doch dasz er sich auch wol beflisz Fischart 2, 137
H.; ihrer einmahl verwilligten contributionen
acta publ. 2, 165
Palm; aus den zöllen, welche frühere oder spätere kaiser ihnen verwilligt hatten Ranke 2, 32; seiner witwe, welcher man eine pension von 1200 thalern jährlich verwilliget hat Lichtenberg
verm. schr. 4, 109; die heerstraszen werden von tage zu tage schlechter, je mehr geld das land zu ihrer besserung verwilligt Bode
Thomas Jones 6, 47; das honorar der hundert ducaten verwilligt man gern dem wackern künstler Göthe IV 39, 232
W.; als ... Clemens XII. ihm 1200 scudi verwilligte Justi
Winckelmann2 2, 1, 206. I@44)
der substantivierte infinitiv, vereinzelt auch noch in neuerer zeit: so wir dann daruber unser underthon verwilligen oder urthail hören Eberlin v. Günzburg 1, 131
ndr.; one dess herzogen verwilligen und zulassen Tschudi
chron. helv. 1, 78; (
ich) will nicht, dasz die bauern häuser bauen ohne mein verwilligen Gotthelf
ges. schr. 16, 267.