verirrung,
f. abgehen vom richtigen wege. 11)
in sinnlicher bedeutung: ich war kaum von dieser wundersee hinweg, als ich bereits anfing in dem ungeheuren wald zu verirren .. ich ging ein gut stück wegs fort, eh ich meiner verirrung gewahr ward.
Simpl. 2, 82, 10
Kurz; (
er) folgt ihr einige tage später nach, verirrt sich aber einige mahl auf dem wege .. die erste verirrung bringt ihn zu einer gewissen Miss Wolf. Wieland (
Bunkliade) suppl. 5, 139. 22)
in übertragener bedeutung, abgehen vom richtigen denken oder wollen: von ihr ist es eine schuldlose verirrung, dasz sie mich liebt, von mir würde es eine treulosigkeit an der natur sein, wenn ich diese verirrung misbrauchen wollte. Thümmel 2, 176; die verirrung des sohnes und dessen krankheit erfuhr er zuerst; dann hörte er von einem urlaub, den er nicht begriff. Göthe 22, 105; irrungen und verirrungen, die daraus entspringen, theilten und bestanden die geschwister hand in hand. 25, 22; alle dergleichen anfängliche verirrungen, nachher vorsätzliche blendwerke, gründen sich darauf, dasz das logische verhältnisz von grund und folge mit dem realen verwechselt werde. Kant 10, 511; gott, dasz deine gefürchtete hand jetzt satan im abgrund mit diamantenen ketten der tiefsten finsternisz hielte, dasz die unsterbliche seele, die du erhabner Messias auch zu deiner ewigkeit schufst, von ihrer verirrung wiederzukehren, die theuren ihr übrigen stunden ergriffe! Klopstock
Mess. 3, 446.
mit näherer bezeichnung durch gen. oder präpos.: alle verirrungen des menschlichen verstandes, alle gräuelvollen scenen .. aller verlarvte betrug musz .. auf grundsätze der wahrheit führen. Herder
phil. u. gesch. 7, 15 (1820); die menschheit musz einmal dahin gelangen, dasz sie .. einsehen lerne .. dasz die fehler, die wir selbst, die bosheiten, die andre gegen uns begehen, verirrungen des menschlichen verstandes, krankheiten des menschlichen herzens seyn, die unsre heilende pflege erwarten.
zur lit. und kunst 12, 111 (1821); dem aufmerksamen bieten sie (
diese geistigen romane) einen reicheren schatz der warnung und unterweisung dar, als manche andre verirrung des geistes und des herzens. 12, 106 (1821); schamhafte reue über die verirrungen meiner verstockten sinne färbten nun meine wangen. Thümmel 4, 279; unnatürliche verirrungen des geschlechtstriebes. Hugo
naturr. (1819) § 226; diese sächelchen sind aus einer verirrung des kunsttriebes hervorgegangen. Heyse
kinder d. w. 3, 323; erst spät mag eine verirrung mit einem sehr nahe verwandten frauenzimmer, es mag ihr tod .. sein gehirn völlig zerrüttet haben. Göthe 20, 30.