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unwürdig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unwürdig adj. adv.

Bd. 24, Sp. 2255
unwürdig, adj. adv., theils gs. von würdig (s. d.), theils adjectivbildung zu unwürde. ahd. unwirdîg; mhd. unwirdec, -wirdic; as. unwerthig; mnd. unwerdich; mnl. onwerdich; nl. onwaardig; an. úverðugr; norw. uverdug; n. uværdig; schwed. ovärdig; engl. unworthy. das alte i der stammsilbe erscheint noch öfter im 17. jh. (unwirdig oder unwürdig Hulsius-Ravellus [1616] 385a), vgl.unwürde. sp. 2192 sind schon unwierdig, -werdig, -werthig erwähnt. die von Weigand 2, 472 aufgestellten synonyma s. oben sp. 2184. bei unterscheidung von u. und nichtswürdig durch Lessing 5, 25 M. (sie sind ... ein unwürdiger übersetzer des Horaz; sind sie deswegen ein nichtswürdiger?) oder Göthe 45, 27 W. (ich bin ein unwürdiger, ein nichtswürdiger) ist nur von bed. g ausgegangen. die bedd. greifen ineinander über. lat. indignus hat eingewirkt. a) dem adj. unwerth 1 entsprechend, nicht werth, unwerth, nicht vollwerthig, werthlos; vgl. unwirsch 1: alle bullen ... machen wir kraftlos ..., als die so sind argwenig, verdacht und unwirdig der achtung Eberlin v. Günzburg 1, 139 ndr.; weil es so ein lächerlichs ... spiegelwerk war, hab ichs der red unwürdig geschätzt Nas eins u. hundert 2, vorr. 5b; wir ... achten ihr ungeheure lehr ... unwirdig der widerlegung Nigrinus v. zäuberern (1592) 119; dieses landmeisters geburt ... ist dannoch nicht unwirdig zu gedenken Schütz hist. rer. prussic. (1592) 2, j 4b. vgl. unten g γ und h. ohne nähere bestimmungen, unwerth 2 entsprechend: und werden also die heuser und gründ so unwierdig und verschlagen, das schier niemand kains verkaufen mag (um 1590) österr. weisth. 10, 56; und solchs macht die kreuczer ... unwirdig copeib. der g. st. Wien 185; allerlei böse, geringe und unwürdige groschen Span speculum juris metallici (1698) 241; übermäszige preise, unwürdige waare Garve zu Cicero de off. 3, 88. vgl. preisunwürdig, unpreiswürdig; reparaturunwürdig. ein handwerk wird u., gerät in verfall, trägt nichts ein Schmeller-Fr. 2, 993. sonst im wesentlichen veraltet. b) rechtsungültig, nichtig, wie unwerth 2 e; vgl. bes. von unwürden: auch wo es darüber geschehe, so sol es doch alles unkreftig, unwürdig und nichtig sin Freiburger stadtrechte (1520) 66a; landgerichtsordn. (1521) 27; die rechtmäszigen contracte soll man halten ..., man könte dann sonderbare ursachen anzeigen, warum sie vor u. und unkräftig zu halten Hohberg georg. 3 (1715), 11a; entsetzung und unwirdigmachung ergangen urtail G. Ortolff d. päpstlich bull (1509) a 6a. veraltet. c) untauglich, untüchtig, ungeeignet, unfähig u. dgl.; heute wird bed. g eingemischt: es hat auch H. ... nit nach ordnung der geschlecht bischoff erwälet, sunder untüchtige und unwürdige dahin kummen lassen Hedio chron. germ. (1530) a 4b; bethädigung der unwirdigen oder abwesenden person (bei der musterung) Fronsperger kriegsb. 1, 175a; allzugeringe faust! unwürdiges papier! ich weisz Melindens mund nicht lebhaft abzuschildern Hoffmannswaldau-Neukirch 5, 228; dieser berühmte Opitz hat ... theils auch viele unwürdige nachfolger gehabt J. G. Neukirch anfangsgründe z. t. poesie (1724) 8; es fehlet so weit, dasz dergleichen unwürdige organisten etwas von der composition verstehen sollten Quantz anweisung d. flöte zu spielen (1789) 329; unwürdige regenten, beamte Fr. L. Jahn 1, 10 E.; Ranke s. w. 4, 70; es seyen öfters unwürdige in Bologna promovirt worden Savigny gesch. d.m. rechts 3, 206; lasz mich, dorische muse, die jahreszeiten im kleinen, jahreszeiten des tags, nicht ganz unwürdig besingen Zachariä 4, 4. d) unwerth 2 c, unwirsch 2 entsprechend. α) unedel, verächtlich, nichtswürdig, schimpflich, armselig, kläglich, gering u. ä., wie lat. indignus. Adelung faszte hier u. euphemisch als edlen ausdruck für niedrig, niederträchtig, unanständig auf; heute ist bed. g von d kaum zu trennen. von nicht persönlichem: schädlichen leben ist unwirdig Steinhöwel Äsop 149 Ö., kein rettungsmittel ist unwürdiger als eine schleichende verheimlichung Herder 19, 127 S.; Hannibals verfolgung ist u., Perseus tod gräszlich, Jugurthas grausam Niebuhr m. gesch. 3, 253; man soll ... alles vermeiden, was u., was gemein ist Göthe 22, 250 W.; u. wäre die behandlung G. Freytag 8, 71; servilismus und niedrige gesinnung sind in meinen augen u. und hassenswert Fontane I 4, 390. als attribut: ... fand er (d. hahn) ain kostliches bernlin an der unwirdigen statt (im mist) ligende Steinhöwel Äsop 80 Ö.; ein unwürdige myssetat (indignum facinus) Terenz (1499) 32a; ein unwirdiger (zu geringer) raub deinen pflaten (maus zum löwen) S. Franck sprichw. (1541) 1, 110a; Heyden Plinius (1565) 113; ach gott, der ist ein armer mann, der sein weib nicht ernehren kan. der isset gar unwürdigs brodt J. Ayrer dramen 4, 2794, 6 K.; verfahren, verdacht, anblick, jammern, mord, striemen, scharlatanerie, almosen, mährchen, sachen, ketten, raubbedürfnisz, kunstgriffe, thaten, ursache, sudeleien, betragen, schauspiel, rache, unterordnung, verhältnis, zumuthung, begegnung, rücksichten, egoismus, leben, sophistik u. s. w. Lessing 2, 330 M.; Cronegk 1, 43; Herder 3, 61 S.; 26, 255 S.; Shakespeare 9, 20; J. H. Vosz Odyssee 62 B.; krit. blätter 1, 131; Knigge roman 3, 50; Göthe 45, 263 W.; 22, 289 W.; 2, 43 W.; 2, 74 W.; 45, 53 W.; Schiller 1, 100 G.; 15, 1, 18 G.; J. G. Forster 4, 277; Pfeffel pros. vers. 6, 65; Immermann 15, 154 B.; Dahlmann franz. revol. 104; O. Jahn Mozart 1, 211; 2, 42; 4, 415; 3, 4; Nietzsche 1, 491; Bismarck gedanken u. erinn. 2, 128 volksausg.; M. v. Ebner-Eschenbach 2, 78; Mommsen m. gesch. 2, 95; ein noch unwürdigrer vorwurf allg. d. bibl. anh. 25/36, 3002; die unwürdigste und elendeste knickerigkeit Allmers marschenb. 1, 2, 159; seinen ganz unwürdig-schnöden tod Hebbel I 5, 222 W. sein voriger patron hat ihm auf eine sehr unwürdige weise mitgespielt IV 9, 37 W.; adv.: wie u. verräth man sie! Lessing 2, 334 M.; ich verliere die edelste zeit u. Winckelmann bei Justi 2, 2, 29; er habe gehört, wie u. man an seinem schwager bundbrüchig geworden sei Göthe 8, 127 W.; der u. behandelte Holtei erz. schr. 4, 20. von personen: ach, wie söllen wir unwirdige hertzen denn thuon? der ew. weisheit betb. (1518) 39b; mann, mensch, welt, sohn, verschnittener Barth weiberspiegel (1565) d 4b; Rist friedewünschend. Teutschland (1648) 16; J. V. Pietsch 325; Denis lieder Sineds 219; A. v. Haller Usong 51; ein ... mädchen, die ... sich noch nebenher von dem unwürdigsten liebhaber unterhalten lasse Göthe 21, 92 W.; ein ganz unwürdiger ... schüler der ... mahlerkunst Wackenroder herzensergieszungen 52; doch, unwürdiger gesellschaft müde, sucht er bald die stille zelle wieder Rückert 2, 459; stumme verachtung unwürdigen angreifers (der unter einem steht) gilt allzuleicht für schwäche Scheffel (1907) 2, 24. Pansner schimpfwb. 74b. β) als conventioneller ausdruck der bescheidenheit, demut, unterwürfigkeit, devotion; Murray 10, 404c, 2b; Poitevin 2 (1860), 83a: Martinus Luther, unwirdiger ecclesiast und evangelist zu Wittenberg, den allerliebsten freunden gottes ... zu S. Luther 15, 391 W.; ich Bern, in dem namen gottes unwirdiger abbt zuo Ow Öheim Reichenauer chron. 26 B.; ich mich ... begere ... dankbar für e. e. vielfältige guotthaten, mir unwirdigen bisz daher bewiesen, zuo erzeigen Heyden Plinius (1565) vorr. 4a; dein aller wintzigsten, unwürdigsten, armen knecht Guarinonius greuel (1610) dedicatio 5a; ich als biszhero in das zehende jahr gewesener gesellschaftssecretarius und verordneter ertzschreinhalter, auch unwürdiges mitglied Neumark palmbaum 5; Angelus Silesius seelenlust 180 ndr.; welcher weisz, dasz ein armer underthan einen fürsten oder herren seinem unwürdigen kind uber tauf und zu gevattern bittet? Moscherosch insomnis cura parentum 7 ndr.; ich habe die ehre, ein unwürdiges mitglied von derjenigen gesellschaft zu seyn, welche ... sich die wünschende gesellschaft nennt (spottend) Rabener 1, 160; mich aber empfehle ich als einen unwürdigen diener in dero beyderseitige gnade neue schauspiele (1771 ff.) 6, 1, 26; Holtei erz. schr. 5, 35; nur noch im scherz: durch deinen unwürdigen alten hallenser stubenbursch Raabe Horacker 72. adv.: der u. erwachsene S. v. Birken Donaustrand vorr. 4; beschlosse ich, ... mit meiner person die anzahl derer schäfere dieses bezirks u. zu vermehren Pegnitzschäferey (1645) 16. auf nichtpersönliches angewandt: empfahet diese krone von unsern unwürdigen händen engl. comedien (1624) D d 8b; ohren Grimmelshausen vogelnest 2, 340 K.; dieses schlechte hürtenlied, welches ich selber u. erkenne, so manche schöne hand zu küssen Neumark lustwald (1657) 1, 424; meine unwürdige underrichtung, zuneigung Duez vray guidon (1657) vorr. 2; 3; werkzeug Ziegler Banise 72; papier Richey bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 5, 220; wenn es mir daher erlaubt wäre, auch noch an diesen ort ein monument zu stiften, das inschrift, bild und meinen unwürdigen nahmen zusammen enthielte, so würde es mir zu groszem vergnügen gereichen Göthe IV 30, 22 W.; alterthümelnd: und mög euch ein unwürdig geschenk wenigstens den guten willen des euch stets getreuen gotteshauses beweisen Scheffel (1907) 2, 86. e) dem adj. unwerth 3 a β entsprechend: dem (bruder) wirde ich ain unwürdiger gast, so ich on den seckel komme Fortunatus (1509) 111 ndr.; mit einschlag von d: H. Sachs 9, 525, 19 K.; Fischer-Tümpel 3, 15. f) indignabundus, unwerth 3 a α, unwerthlich, -werthsam, unwirsch 3 entsprechend; mnd. wb. 5, 97b, 2; mnl. wb. 5, 1561 I; nl. wb. 10, 2191 f.; dedignatus Niger Abbas 1591; indignari, superbire unwürdig sein Diefenbach ml. hd. b. wb. 153: der kam unwirdiger (indignans) in sein haus erste d. bibel 5, 337, 59 K.; 1, 76, 59 var. K.; 5, 169, 61 K.; er truogs unwirdig 1, 159, 16 K.; ich bitte, sie wollen meine unwissenheit, wo sie ihr quartier biszher gehabt haben, nicht unwürdig aufnehmen Stranitzky ollapatrida 120 Wien. ndr.; ich hoff, ich miszverstand dein wort. unwürdig (unmut erregend) trafs an mein ohr Fouqué held des nordens 2, 40. veraltet. g) das vordringen der überwiegend sittlichen beurtheilung hat fast alle andern bedd. veralten lassen. α) als ausdruck religiösen denkens: hiemit wird gestraft der unglaube deryenigen, die aus närrischer andacht sich unwirdig zu beten achten und messen die wyrdigkeyt yhrs gebets nach sich selbs ..., und nicht nach der verheyszunge gottes. da mus denn wol eytel unwirdickeyt seyn Luther 17, 1, 250 W.; ob ich gleich ein sünder und unwirdig bin 32, 416 W.; von unwirdigen pfaffen 26, 286 W.; mit unwirdigem essen 26, 483 W.; wer unwirdig hie zu (zu gottes tisch) geht, fur das leben den todt empfeht Luther bei Wackernagel kirchenlied 3, 9; 1. Kor. 11, 27. 29; den unwirdigsten sünderen Hartmut v. Cronberg 67 ndr.; welchem zu wischen seine schu ich mich unwirdig achten thu Ringwaldt evangelia c 2a; es seyen seine gedanken ... des liechts und offenbaren glantzes unwürdig Dannhauer catechismusmilch 1, 3a; denn wird die gnade in uns erst recht grosz, wenn wir recht klein, recht u. werden Nicolai Nothanker 2, 6. β) in allgemein moralischer beziehung: aber süszer ist noch, schöner und reizender, in dem arme des freunds wissen ein freund zu seyn! so das leben genieszen, nicht unwürdig der ewigkeit! Klopstock oden 1, 85 M.-P.; mit der titulatur würdig spielend: ja, unwürdige väter des volks! Messias (1780) 93; der kleine knabe scheint kein unwürdiger spröszling seines geschlechts zu sein Göthe 18, 429 W.; die Westfranken ... verlassen ebenfalls den unwürdigen Karl Eichhorn staats- u. rechtsgesch. 12, 328; dem unwürdigsten manne folgte ein charakter von antiker einfachheit und stärke Dahlmann franz. revol. 31; er hatte sich als ein unwürdiger mensch gezeigt G. Keller 4, 229; man erklärt ihn doch für einen unwürdigen staatsbeamten W. H. Riehl d. d. arbeit 229. die persönliche würde, das sittliche selbstgefühl beleidigend: jegliche handlung und jeden gedanken, der deiner unwürdig, dich erniedrigt, ... sieht und hört und empfindet Serena Cronegk (1766) 2, 61; er hielt es also seiner nicht u., ... die neigung des prinzen ... zu unterhalten Wieland 3, 60 Gr.; eine frage, die bei uns doch jeder dorflümmel als seiner u. verschmähen würde Gaudy 2, 92; so ist es ... junger bürger und offiziers u., sich heimlich wegzustehlen G. Keller 6, 174; mir schien es u., dasz die nation ... dem könige eine in verfassungsparagraphen zahlbare rechnung überreichen wolle Bismarck gedanken u. erinn. 1, 36 volksausg. die bed. kann sich bis zu 'würdelos, entwürdigend' steigern: (der deist) läszt ihn (den schöpfer) vom unwürdigen thron in die schöpfung müszig herabsehn Giseke 37 G.; man tadelte ... diesen unwürdigen anschlusz des Versailler cabinets an Österreich Dahlmann franz. revol. 11; wegen unwürdigen lebenswandels muszte er (der prediger E. J. Koch) 1815 seines amtes entsetzt werden Scherer kl. schr. 1, 220; ... schlug ich dem könige vor, diese gelegenheit zu benutzen, um uns und die preuszische politik aus der ... unwürdigen lage herauszuheben Bismarck gedanken u. erinn. 1, 118 volksausg. anderseits schwächt sich die bed. ab, wenn u. 'nicht auf der höhe oder im range der aufgaben, des gegenstandes stehend, hinter ihnen zurückbleibend, untergeordnet' bezeichnet: s. oben Lessing 5, 25 M.; eine der aufgabe nicht ganz unwürdige arbeit Göthe IV 19, 7 W. substantiviert: wie Hercules will ich unwürdger den tod voll schmach, in mich verschlossen, sterben Göthe Iphigenie 1178; ob jeder seine geburtsrechte ... ausüben dürfe, entschied der censor und verstiesz den unwürdigen Niebuhr m. gesch. 2, 479; Schiller 12, 264 G.; er liesz sie ihr herz an einen unwürdigen hängen Immermann 1, 211 B.; spottend: der doctor ... liesz anaufhörlich die quellen reichlicher belehrung springen. aber dieser ganze segen rieselte über einen unwürdigen M. v. Ebner-Eschenbach 4, 260. nichts schädlicheres und eines philosophen unwürdigeres Kant 3, 248 ak. ausg. vor unwürdigem kann dich der wille, der ernste bewahren Schiller 11, 269 G.; das unwürdige seiner stellung O. Jahn Mozart 1, 487; man hatte die traurigste der künste gelernt, die ein volk niemals lernen soll, das unwürdige zu vergessen Treitschke hist. u. polit. aufs. 1, 30. adv.: darauf legte er ... das bekenntnis ab, dasz er sein amt u. versehen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 453; unwürdig seh ich mir an diesem hof begegnet Schiller 3, 344 G.; u. wählen 14, 68 G.; dieses büchlein sollte nicht u. die feuerprobe bestehen Göthe 28, 70 W.; eine u. drückende (last) Bennigsen nationallib. partei 102; vgl.auf die unwürdigste art Ritter erdkunde 1, 289; unwürdigerweise Hebbel br. 1, 87 W. γ) vom standpunkte einer sittlichen weltordnung betrachtet, etwas nicht verdienend: doch bin der ehrn ich gar unwirdig H. Sachs 2, 48, 7 K.; so hat diser heut nie aufgehört dir schmachred nachzesagen, deren du unwirdig Boltz Terenz (1539) 144b; mein mund ... pflag unwürdiger leut thun und ruhm fürzubringen Weckherlin 1, 412, 61 F.; ich bekenne mich so unverdienter zuneigung so begierig als u. Harsdörfer secret. 1, 11; ich bin der schönen predigen u., den ich kan dasz schlaffen nicht lassen E. Ch. v. Orleans 1, 159; die freybeuter, schnaphähne, buschklepper oder herrnlose soldaten sind der auswechselung u. v. Fleming soldat (1726) 317; fragen wir, was es denn sein soll, was diese welt so u. eines göttlichen schöpfers mache D. Fr. Strausz 6, 147. unwürdige augen, hände Weise polit. redner (1677) 54; Stifter 14, 105. die gartenliebhaberey läszt sich die edlern künste auf eine unwürdige art dienen Göthe 47, 310 W. (vgl. β). eim unwirdigen zuo flehe zuo kommen ist schand S. Franck sprichw. (1541) 1, 69b; welcher mensch die arbeit fleucht, der verdampt sich selbst als einen unwürdigen alles guten Lehmann florileg. (1662) 4, 42; unwillen, den die menschen am glück der unwürdigen ... haben Herder 15, 398 S.; gott im himmel! konntest du mir unwürdigem solch eine seligkeit bereiten? Göthe 8, 47 W.; der würdige wie der unwürdige IV 12, 23 W. adv.: der unverständigste der ganzen versammlung, u. mit ansehen, u. mit dem amt zu sprechen bekleidet Herder 22, 165 S. den hat man u. im verdacht Fischer schwäb. wb. 6, 280. t. t. erbunwürdig, -keit indignität bgb. 1506; Brockhaus 515, 600b. unverdient, unverschuldet, ungehörig (wohl nach lat. indignus): im Laocoon siehest du bei dem schmerz den unmuth, wie über ein unwürdiges leiden, in dem krausen der nase Winckelmann 1, 244; gepeinigte pferde bringen dir schnaubend ihre unwürdigen lasten S. Geszner (1777) 1, 131. δ) von den constructionen ist die altbezeugte und oben vielfach belegte mit gen. am häufigsten; seltener mit dat.: welches fürwar ... den menschen ... ganz u. ist Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 11; ich bin in eine mir unwürdige arbeit versenkt Winckelmann bei Justi 2, 1, 112; unserem höchsten gotte halte ich ein paar flügel ganz u. Herder 3, 252 S.; Niebuhr m. gesch. 3, 234; einen tand von gold ... hielt er ihren erhabenen gesinnungen durchaus für u. jahrb. d. Grillparzerges. 1, 130; es war ihm u. zu lauschen Auerbach 6, 11. noch seltener m. acc.: diese grosze ehre und digniteten ... bin ich unwirdig engl. comöd. 23 Cr.; di hohe fräundschaft, welche ich mich aller dinge u. schäzze, erwidern Zesen Rosemund 4 ndr.; der herr prof. Philippi ... ist diese gnade nicht u. Liscow 173. u. für Laube 2, 77; u. zu einem amt. m. inf.: u., den namen einer Römerin zu führen A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 23; Lessing 2, 279 M.; Göthe 24, 256 W.; Ranke s. w. 4, 278. m. abh. satz, eingeleitet durch dasz: Hiob 6344 Karsten; N. v. Wyle transl. 22 K.; findest du den armen H. u., dasz er des vertrauten umgangs mit deinem liebling theilhaftig werde? Holtei erz. schr. 7, 111. h) ohne rücksicht auf die sittliche hauptbed. steht u. oft als gewählter neben dem gewöhnlichern unwerth. zum übergreifen der bedd. von u. und unwerth s. oben sp. 2185: lise den newen Ciceronen, und so du es nit u. schätzest, gib andern copey davon Schwarzenberg Cicero (1535) 1a; ein altes, aber eines weisen aufmerkung nicht unwürdiges sprichwort Schupp (1663) 753; wie vieles erträglich in prosa, des mühsamen verses aber u. ist Ramler einl. in d. sch. wissensch. (1758) 1, 177; Lessing 10, 21 M.; ein gemälde, welches des namens nicht u. ist, den es tragen musz Nicolai reise 1, 156; gewölbe ..., die ... nicht u. sind, mit den römischen kloaken verglichen zu werden Archenholz England u. Italien 1, 1, 151; eine der auflösung nicht unwürdige frage Kant 3, 157 ak. ausg.; so ist denn die meinung einer näheren begründung nicht u., dasz ... Liebig chem. br. 274. i) nicht u., angemessene, würdevolle haltung nicht vermissen lassend; vgl. unwürde 7: er (Homer) ... zeigt uns die Helena selbst in einer zwar erniedrigten, aber nicht unwürdigen gestalt Herder 17, 178 S.; ich nehme nun alle meine gedanken zusammen, um unser viertes stück (der Propyläen) nicht u. (so dasz es sich sehen lassen kann) zu füllen Göthe IV 14, 86 W.; Sallust hat sie (die gröszte aller antithesen: Cäsar und Cato) nicht u. (wirkungsvoll) dargestellt Fr. Schlegel Athenäum 1, 2, 38; war nun ... die höchste gewalt nicht u. im sinne des ermordeten vertreten, so ... Ranke s. w. 9, 115; die Syrer ... schienen ... sich nicht u. von königen regiert zu werden Mommsen m. gesch. 2, 135. —
19311 Zeichen · 597 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unwürdig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unwürdig , -er, -ste, adj. et adv. 1. Nicht würdig im gemeinen Leben unwerth. Einer Ehre unwürdig seyn. Einem Unwürdigen…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unwürdig

    Goethe-Wörterbuch

    unwürdig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    unwürdig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|wür|dig adj. nia dëgn, indëgn (-s, -a).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unwuerdig

7 Bildungen · 5 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von unwuerdig 2 Analysen

un- + wuerdig

unwuerdig leitet sich vom Lemma wuerdig ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+wuerd+-ig

unwuerdig‑ als Erstglied (5 von 5)

unwürdigen

DWB

unwürdigen , veraltetes v.; mhd. unwirdigen; mnd. unwerdigen; mnl. onwerdigen; nl. onwaardigen ( veraltet ); vgl. engl. unworthy Murray 10, …

Unwürdiger

Wander

Unwürdiger 1. Eim vnwirdigen zu flehe kommen ist schand. – Franck, I, 69 b . Lat. : Ingenuitatem laedis, cum indignum rogas. ( Franck, I, 69…

unwürdigkeit

DWB

unwuerdig·keit

unwürdigkeit , f. , mangel an würdigkeit, deren gth. und substantivbildung zu unwürdig. mhd. unwirdecheit; mnd. unwerdicheit; mnl. onwerdich…

unwürdiglich

DWB

unwuerdig·lich

unwürdiglich , veraltetes adv., selten adj. ( ackermann a. B. 3, 8 var. B. ), nicht würdiglich ( s. d. ). mhd. unwirdelîche, -wirdeclich; mn…

unwürdigung

DWB

unwuerdig·ung

unwürdigung , f. , dedignatio Calepinus XI ling. (1598) 379 a ; Fischer schwäb. wb. 6, 280 ; dehonestatio Schmeller-Fr. 2, 993 : Heinrich v.…

Ableitungen von unwuerdig (2 von 2)

Unwürdige

GWB

Unwürdige [bisher nicht publizierter Wortartikel]

Verunwürdigen

Campe

Verunwürdigen , v. trs . unwürdig machen, unwürdig behandeln. Oberlin. D. Verunwürdigen. D. — ung .