unwürdig,
adj. adv.,
theils gs. von würdig (
s. d.),
theils adjectivbildung zu unwürde.
ahd. unwirdîg;
mhd. unwirdec, -wirdic;
as. unwerthig;
mnd. unwerdich;
mnl. onwerdich;
nl. onwaardig;
an. úverðugr;
norw. uverdug;
dän. uværdig;
schwed. ovärdig;
engl. unworthy.
das alte i
der stammsilbe erscheint noch öfter im 17.
jh. (unwirdig oder unwürdig Hulsius-Ravellus [1616] 385
a),
vgl.unwürde.
sp. 2192
sind schon unwierdig, -werdig, -werthig
erwähnt. die von Weigand 2, 472
aufgestellten synonyma s. oben sp. 2184.
bei unterscheidung von u.
und nichtswürdig
durch Lessing 5, 25
M. (sie sind ... ein unwürdiger übersetzer des Horaz; sind sie deswegen ein nichtswürdiger?)
oder Göthe 45, 27
W. (ich bin ein unwürdiger, ein nichtswürdiger)
ist nur von bed. g
ausgegangen. die bedd. greifen ineinander über. lat. indignus hat eingewirkt. a)
dem adj. unwerth 1
entsprechend, nicht werth, unwerth, nicht vollwerthig, werthlos; vgl. unwirsch 1: alle bullen ... machen wir kraftlos ..., als die so sind argwenig, verdacht und unwirdig der achtung Eberlin v. Günzburg 1, 139
ndr.; weil es so ein lächerlichs ... spiegelwerk war, hab ichs der red unwürdig geschätzt Nas
eins u. hundert 2,
vorr. 5
b; wir ... achten ihr ungeheure lehr ... unwirdig der widerlegung Nigrinus
v. zäuberern (1592) 119; dieses landmeisters geburt ... ist dannoch nicht unwirdig zu gedenken Schütz
hist. rer. prussic. (1592) 2, j 4
b.
vgl. unten g
γ und h.
ohne nähere bestimmungen, unwerth 2
entsprechend: und werden also die heuser und gründ so unwierdig und verschlagen, das schier niemand kains verkaufen mag (
um 1590)
österr. weisth. 10, 56; und solchs macht die kreuczer ... unwirdig
copeib. der g. st. Wien 185; allerlei böse, geringe und unwürdige groschen Span
speculum juris metallici (1698) 241; übermäszige preise, unwürdige waare Garve
zu Cicero de off. 3, 88.
vgl. preisunwürdig, unpreiswürdig; reparaturunwürdig. ein handwerk wird u.,
gerät in verfall, trägt nichts ein Schmeller-Fr. 2, 993.
sonst im wesentlichen veraltet. b)
rechtsungültig, nichtig, wie unwerth 2 e;
vgl. bes. von unwürden: auch wo es darüber geschehe, so sol es doch alles unkreftig, unwürdig und nichtig sin
Freiburger stadtrechte (1520) 66
a;
landgerichtsordn. (1521) 27; die rechtmäszigen contracte soll man halten ..., man könte dann sonderbare ursachen anzeigen, warum sie vor u. und unkräftig zu halten Hohberg
georg. 3 (1715), 11
a; entsetzung und unwirdigmachung ergangen urtail G. Ortolff
d. päpstlich bull (1509) a 6
a.
veraltet. c)
untauglich, untüchtig, ungeeignet, unfähig u. dgl.; heute wird bed. g
eingemischt: es hat auch H. ... nit nach ordnung der geschlecht bischoff erwälet, sunder untüchtige und unwürdige dahin kummen lassen Hedio
chron. germ. (1530) a 4
b; bethädigung der unwirdigen oder abwesenden person (
bei der musterung) Fronsperger
kriegsb. 1, 175
a; allzugeringe faust! unwürdiges papier! ich weisz Melindens mund nicht lebhaft abzuschildern Hoffmannswaldau-Neukirch 5, 228; dieser berühmte Opitz hat ... theils auch viele unwürdige nachfolger gehabt J. G. Neukirch
anfangsgründe z. t. poesie (1724) 8; es fehlet so weit, dasz dergleichen unwürdige organisten etwas von der composition verstehen sollten Quantz
anweisung d. flöte zu spielen (1789) 329; unwürdige regenten, beamte Fr. L. Jahn 1, 10
E.; Ranke
s. w. 4, 70; es seyen öfters unwürdige in Bologna promovirt worden Savigny
gesch. d. röm. rechts 3, 206; lasz mich, dorische muse, die jahreszeiten im kleinen, jahreszeiten des tags, nicht ganz unwürdig besingen Zachariä 4, 4. d) unwerth 2 c,
unwirsch 2
entsprechend. α)
unedel, verächtlich, nichtswürdig, schimpflich, armselig, kläglich, gering u. ä., wie lat. indignus. Adelung
faszte hier u.
euphemisch als edlen ausdruck für niedrig, niederträchtig, unanständig auf; heute ist bed. g
von d
kaum zu trennen. von nicht persönlichem: schädlichen leben ist unwirdig Steinhöwel
Äsop 149
Ö., kein rettungsmittel ist unwürdiger als eine schleichende verheimlichung Herder 19, 127
S.; Hannibals verfolgung ist u., Perseus tod gräszlich, Jugurthas grausam Niebuhr
röm. gesch. 3, 253; man soll ... alles vermeiden, was u., was gemein ist Göthe 22, 250
W.; u. wäre die behandlung G. Freytag 8, 71; servilismus und niedrige gesinnung sind in meinen augen u. und hassenswert Fontane I 4, 390.
als attribut: ... fand er (
d. hahn) ain kostliches bernlin an der unwirdigen statt (
im mist) ligende Steinhöwel
Äsop 80
Ö.; ein unwürdige myssetat (
indignum facinus)
Terenz (1499) 32
a; ein unwirdiger (
zu geringer) raub deinen pflaten (
maus zum löwen) S. Franck
sprichw. (1541) 1, 110
a; Heyden
Plinius (1565) 113; ach gott, der ist ein armer mann, der sein weib nicht ernehren kan. der isset gar unwürdigs brodt J. Ayrer
dramen 4, 2794, 6
K.; verfahren, verdacht, anblick, jammern, mord, striemen, scharlatanerie, almosen, mährchen, sachen, ketten, raubbedürfnisz, kunstgriffe, thaten, ursache, sudeleien, betragen, schauspiel, rache, unterordnung, verhältnis, zumuthung, begegnung, rücksichten, egoismus, leben, sophistik
u. s. w. Lessing 2, 330
M.; Cronegk 1, 43; Herder 3, 61
S.; 26, 255
S.; Shakespeare 9, 20; J. H. Vosz
Odyssee 62
B.; krit. blätter 1, 131; Knigge
roman 3, 50; Göthe 45, 263
W.; 22, 289
W.; 2, 43
W.; 2, 74
W.; 45, 53
W.; Schiller 1, 100
G.; 15, 1, 18
G.; J. G. Forster 4, 277; Pfeffel
pros. vers. 6, 65; Immermann 15, 154
B.; Dahlmann
franz. revol. 104; O. Jahn
Mozart 1, 211; 2, 42; 4, 415; 3, 4; Nietzsche 1, 491; Bismarck
gedanken u. erinn. 2, 128
volksausg.; M. v. Ebner-Eschenbach 2, 78; Mommsen
röm. gesch. 2, 95; ein noch unwürdigrer vorwurf
allg. d. bibl. anh. 25/36, 3002; die unwürdigste und elendeste knickerigkeit Allmers
marschenb. 1, 2, 159; seinen ganz unwürdig-schnö
den tod Hebbel I 5, 222
W. sein voriger patron hat ihm auf eine sehr unwürdige weise mitgespielt IV 9, 37
W.; adv.: wie u. verräth man sie! Lessing 2, 334
M.; ich verliere die edelste zeit u. Winckelmann
bei Justi 2, 2, 29; er habe gehört, wie u. man an seinem schwager bundbrüchig geworden sei Göthe 8, 127
W.; der u. behandelte Holtei
erz. schr. 4, 20.
von personen: ach, wie söllen wir unwirdige hertzen denn thuon?
der ew. weisheit betb. (1518) 39
b; mann, mensch, welt, sohn, verschnittener Barth
weiberspiegel (1565) d 4
b; Rist
friedewünschend. Teutschland (1648) 16; J.
V. Pietsch 325; Denis
lieder Sineds 219; A. v. Haller
Usong 51; ein ... mädchen, die ... sich noch nebenher von dem unwürdigsten liebhaber unterhalten lasse Göthe 21, 92
W.; ein ganz unwürdiger ... schüler der ... mahlerkunst Wackenroder
herzensergieszungen 52; doch, unwürdiger gesellschaft müde, sucht er bald die stille zelle wieder Rückert 2, 459; stumme verachtung unwürdigen angreifers (
der unter einem steht) gilt allzuleicht für schwäche Scheffel (1907) 2, 24. Pansner
schimpfwb. 74
b.
β)
als conventioneller ausdruck der bescheidenheit, demut, unterwürfigkeit, devotion; Murray 10, 404
c, 2
b; Poitevin 2 (1860), 83
a: Martinus Luther, unwirdiger ecclesiast und evangelist zu Wittenberg, den allerliebsten freunden gottes ... zu S. Luther 15, 391
W.; ich Bern, in dem namen gottes unwirdiger abbt zuo Ow Öheim
Reichenauer chron. 26
B.; ich mich ... begere ... dankbar für e. e. vielfältige guotthaten, mir unwirdigen bisz daher bewiesen, zuo erzeigen Heyden
Plinius (1565)
vorr. 4
a; dein aller wintzigsten, unwürdigsten, armen knecht Guarinonius
greuel (1610)
dedicatio 5
a; ich als biszhero in das zehende jahr gewesener gesellschaftssecretarius und verordneter ertzschreinhalter, auch unwürdiges mitglied Neumark
palmbaum 5; Angelus Silesius
seelenlust 180
ndr.; welcher weisz, dasz ein armer underthan einen fürsten oder herren seinem unwürdigen kind uber tauf und zu gevattern bittet? Moscherosch
insomnis cura parentum 7
ndr.; ich habe die ehre, ein unwürdiges mitglied von derjenigen gesellschaft zu seyn, welche ... sich die wünschende gesellschaft nennt (
spottend) Rabener 1, 160; mich aber empfehle ich als einen unwürdigen diener in dero beyderseitige gnade
neue schauspiele (1771
ff.) 6, 1, 26; Holtei
erz. schr. 5, 35;
nur noch im scherz: durch deinen unwürdigen alten hallenser stubenbursch Raabe
Horacker 72.
adv.: der u. erwachsene S. v. Birken
Donaustrand vorr. 4; beschlosse ich, ... mit meiner person die anzahl derer schäfere dieses bezirks u. zu vermehren
Pegnitzschäferey (1645) 16.
auf nichtpersönliches angewandt: empfahet diese krone von unsern unwürdigen händen
engl. comedien (1624) D d 8
b; ohren Grimmelshausen
vogelnest 2, 340
K.; dieses schlechte hürtenlied, welches ich selber u. erkenne, so manche schöne hand zu küssen Neumark
lustwald (1657) 1, 424; meine unwürdige underrichtung, zuneigung Duez
vray guidon (1657)
vorr. 2; 3; werkzeug Ziegler
Banise 72; papier Richey
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 5, 220; wenn es mir daher erlaubt wäre, auch noch an diesen ort ein monument zu stiften, das inschrift, bild und meinen unwürdigen nahmen zusammen enthielte, so würde es mir zu groszem vergnügen gereichen Göthe IV 30, 22
W.; alterthümelnd: und mög euch ein unwürdig geschenk wenigstens den guten willen des euch stets getreuen gotteshauses beweisen Scheffel (1907) 2, 86. e)
dem adj. unwerth 3 a
β entsprechend: dem (
bruder) wirde ich ain unwürdiger gast, so ich on den seckel komme
Fortunatus (1509) 111
ndr.; mit einschlag von d: H. Sachs 9, 525, 19
K.; Fischer-Tümpel 3, 15. f)
indignabundus, unwerth 3 a
α, unwerthlich, -werthsam, unwirsch 3
entsprechend; mnd. wb. 5, 97
b, 2;
mnl. wb. 5, 1561 I;
nl. wb. 10, 2191
f.; dedignatus Niger Abbas 1591;
indignari, superbire unwürdig sein Diefenbach
ml. hd. b. wb. 153: der kam unwirdiger (
indignans) in sein haus
erste d. bibel 5, 337, 59
K.; 1, 76, 59
var. K.; 5, 169, 61
K.; er truogs unwirdig 1, 159, 16
K.; ich bitte, sie wollen meine unwissenheit, wo sie ihr quartier biszher gehabt haben, nicht unwürdig aufnehmen Stranitzky
ollapatrida 120
Wien. ndr.; ich hoff, ich miszverstand dein wort. unwürdig (
unmut erregend) trafs an mein ohr Fouqué
held des nordens 2, 40.
veraltet. g)
das vordringen der überwiegend sittlichen beurtheilung hat fast alle andern bedd. veralten lassen. α)
als ausdruck religiösen denkens: hiemit wird gestraft der unglaube deryenigen, die aus närrischer andacht sich unwirdig zu beten achten und messen die wyrdigkeyt yhrs gebets nach sich selbs ..., und nicht nach der verheyszunge gottes. da mus denn wol eytel unwirdickeyt seyn Luther 17, 1, 250
W.; ob ich gleich ein sünder und unwirdig bin 32, 416
W.; von unwirdigen pfaffen 26, 286
W.; mit unwirdigem essen 26, 483
W.; wer unwirdig hie zu (
zu gottes tisch) geht, fur das leben den todt empfeht Luther
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 9;
1. Kor. 11, 27. 29; den unwirdigsten sünderen Hartmut v. Cronberg 67
ndr.; welchem zu wischen seine schu ich mich unwirdig achten thu Ringwaldt
evangelia c 2
a; es seyen seine gedanken ... des liechts und offenbaren glantzes unwürdig Dannhauer
catechismusmilch 1, 3
a; denn wird die gnade in uns erst recht grosz, wenn wir recht klein, recht u. werden Nicolai
Nothanker 2, 6.
β)
in allgemein moralischer beziehung: aber süszer ist noch, schöner und reizender, in dem arme des freunds wissen ein freund zu seyn! so das leben genieszen, nicht unwürdig der ewigkeit! Klopstock
oden 1, 85
M.-P.; mit der titulatur würdig
spielend: ja, unwürdige väter des volks!
Messias (1780) 93; der kleine knabe scheint kein unwürdiger spröszling seines geschlechts zu sein Göthe 18, 429
W.; die Westfranken ... verlassen ebenfalls den unwürdigen Karl Eichhorn
staats- u. rechtsgesch. 1
2, 328; dem unwürdigsten manne folgte ein charakter von antiker einfachheit und stärke Dahlmann
franz. revol. 31; er hatte sich als ein unwürdiger mensch gezeigt G. Keller 4, 229; man erklärt ihn doch für einen unwürdigen staatsbeamten W. H. Riehl
d. d. arbeit 229.
die persönliche würde, das sittliche selbstgefühl beleidigend: jegliche handlung und jeden gedanken, der deiner unwürdig, dich erniedrigt, ... sieht und hört und empfindet Serena Cronegk (1766) 2, 61; er hielt es also seiner nicht u., ... die neigung des prinzen ... zu unterhalten Wieland 3, 60
Gr.; eine frage, die bei uns doch jeder dorflümmel als seiner u. verschmähen würde Gaudy 2, 92; so ist es ... junger bürger und offiziers u., sich heimlich wegzustehlen G. Keller 6, 174; mir schien es u., dasz die nation ... dem könige eine in verfassungsparagraphen zahlbare rechnung überreichen wolle Bismarck
gedanken u. erinn. 1, 36
volksausg. die bed. kann sich bis zu '
würdelos, entwürdigend'
steigern: (
der deist) läszt ihn (
den schöpfer) vom unwürdigen thron in die schöpfung müszig herabsehn Giseke 37
G.; man tadelte ... diesen unwürdigen anschlusz des Versailler cabinets an Österreich Dahlmann
franz. revol. 11; wegen unwürdigen lebenswandels muszte er (
der prediger E. J. Koch) 1815 seines amtes entsetzt werden Scherer
kl. schr. 1, 220; ... schlug ich dem könige vor, diese gelegenheit zu benutzen, um uns und die preuszische politik aus der ... unwürdigen lage herauszuheben Bismarck
gedanken u. erinn. 1, 118
volksausg. anderseits schwächt sich die bed. ab, wenn u. '
nicht auf der höhe oder im range der aufgaben, des gegenstandes stehend, hinter ihnen zurückbleibend, untergeordnet'
bezeichnet: s. oben Lessing 5, 25
M.; eine der aufgabe nicht ganz unwürdige arbeit Göthe IV 19, 7
W. substantiviert: wie Hercules will ich unwürdger den tod voll schmach, in mich verschlossen, sterben Göthe
Iphigenie 1178; ob jeder seine geburtsrechte ... ausüben dürfe, entschied der censor und verstiesz den unwürdigen Niebuhr
röm. gesch. 2, 479; Schiller 12, 264
G.; er liesz sie ihr herz an einen unwürdigen hängen Immermann 1, 211
B.; spottend: der doctor ... liesz anaufhörlich die quellen reichlicher belehrung springen. aber dieser ganze segen rieselte über einen unwürdigen
M. v. Ebner-Eschenbach 4, 260. nichts schädlicheres und eines philosophen unwürdigeres Kant 3, 248
ak. ausg. vor unwürdigem kann dich der wille, der ernste bewahren Schiller 11, 269
G.; das unwürdige seiner stellung O. Jahn
Mozart 1, 487; man hatte die traurigste der künste gelernt, die ein volk niemals lernen soll, das unwürdige zu vergessen Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 30.
adv.: darauf legte er ... das bekenntnis ab, dasz er sein amt u. versehen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 453; unwürdig seh ich mir an diesem hof begegnet Schiller 3, 344
G.; u. wählen 14, 68
G.; dieses büchlein sollte nicht u. die feuerprobe bestehen Göthe 28, 70
W.; eine u. drückende (last) Bennigsen
nationallib. partei 102;
vgl.auf die unwürdigste art Ritter
erdkunde 1, 289; unwürdigerweise Hebbel
br. 1, 87
W. γ)
vom standpunkte einer sittlichen weltordnung betrachtet, etwas nicht verdienend: doch bin der ehrn ich gar unwirdig H. Sachs 2, 48, 7
K.; so hat diser heut nie aufgehört dir schmachred nachzesagen, deren du unwirdig Boltz
Terenz (1539) 144
b; mein mund ... pflag unwürdiger leut thun und ruhm fürzubringen Weckherlin 1, 412, 61
F.; ich bekenne mich so unverdienter zuneigung so begierig als u. Harsdörfer
secret. 1, 11; ich bin der schönen predigen u., den ich kan dasz schlaffen nicht lassen E. Ch. v. Orleans 1, 159; die freybeuter, schnaphähne, buschklepper oder herrnlose soldaten sind der auswechselung u. v. Fleming
soldat (1726) 317; fragen wir, was es denn sein soll, was diese welt so u. eines göttlichen schöpfers mache D. Fr. Strausz 6, 147. unwürdige augen, hände Weise
polit. redner (1677) 54; Stifter 14, 105. die gartenliebhaberey läszt sich die edlern künste auf eine unwürdige art dienen Göthe 47, 310
W. (
vgl. β). eim unwirdigen zuo flehe zuo kommen ist schand S. Franck
sprichw. (1541) 1, 69
b; welcher mensch die arbeit fleucht, der verdampt sich selbst als einen unwürdigen alles guten Lehmann
florileg. (1662) 4, 42; unwillen, den die menschen am glück der unwürdigen ... haben Herder 15, 398
S.; gott im himmel! konntest du mir unwürdigem solch eine seligkeit bereiten? Göthe 8, 47
W.; der würdige wie der unwürdige IV 12, 23
W. adv.: der unverständigste der ganzen versammlung, u. mit ansehen, u. mit dem amt zu sprechen bekleidet Herder 22, 165
S. den hat man u. im verdacht Fischer
schwäb. wb. 6, 280.
t. t. erbunwürdig, -keit
indignität bgb. 1506; Brockhaus 5
15, 600
b.
unverdient, unverschuldet, ungehörig (
wohl nach lat. indignus): im Laocoon siehest du bei dem schmerz den unmuth, wie über ein unwürdiges leiden, in dem krausen der nase Winckelmann 1, 244; gepeinigte pferde bringen dir schnaubend ihre unwürdigen lasten S. Geszner (1777) 1, 131.
δ)
von den constructionen ist die altbezeugte und oben vielfach belegte mit gen. am häufigsten; seltener mit dat.: welches fürwar ... den menschen ... ganz u. ist Bech
Agricolas bergwerkb. (1621) 11; ich bin in eine mir unwürdige arbeit versenkt Winckelmann
bei Justi 2, 1, 112; unserem höchsten gotte halte ich ein paar flügel ganz u. Herder 3, 252
S.; Niebuhr
röm. gesch. 3, 234; einen tand von gold ... hielt er ihren erhabenen gesinnungen durchaus für u.
jahrb. d. Grillparzerges. 1, 130; es war ihm u. zu lauschen Auerbach 6, 11.
noch seltener m. acc.: diese grosze ehre und digniteten ... bin ich unwirdig
engl. comöd. 23
Cr.; di hohe fräundschaft, welche ich mich aller dinge u. schäzze, erwidern Zesen
Rosemund 4
ndr.; der herr prof. Philippi ... ist diese gnade nicht u. Liscow 173. u. für Laube 2, 77; u. zu einem amt.
m. inf.: u., den namen einer Römerin zu führen A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 23; Lessing 2, 279
M.; Göthe 24, 256
W.; Ranke
s. w. 4, 278.
m. abh. satz, eingeleitet durch dasz:
Hiob 6344
Karsten; N. v. Wyle
transl. 22
K.; findest du den armen H. u., dasz er des vertrauten umgangs mit deinem liebling theilhaftig werde? Holtei
erz. schr. 7, 111. h)
ohne rücksicht auf die sittliche hauptbed. steht u.
oft als gewählter neben dem gewöhnlichern unwerth.
zum übergreifen der bedd. von u.
und unwerth
s. oben sp. 2185: lise den newen Ciceronen, und so du es nit u. schätzest, gib andern copey davon Schwarzenberg
Cicero (1535) 1
a; ein altes, aber eines weisen aufmerkung nicht unwürdiges sprichwort Schupp (1663) 753; wie vieles erträglich in prosa, des mühsamen verses aber u. ist Ramler
einl. in d. sch. wissensch. (1758) 1, 177; Lessing 10, 21
M.; ein gemälde, welches des namens nicht u. ist, den es tragen musz Nicolai
reise 1, 156; gewölbe ..., die ... nicht u. sind, mit den römischen kloaken verglichen zu werden Archenholz
England u. Italien 1, 1, 151; eine der auflösung nicht unwürdige frage Kant 3, 157
ak. ausg.; so ist denn die meinung einer näheren begründung nicht u., dasz ... Liebig
chem. br. 274. i) nicht u.,
angemessene, würdevolle haltung nicht vermissen lassend; vgl. unwürde 7: er (
Homer) ... zeigt uns die Helena selbst in einer zwar erniedrigten, aber nicht unwürdigen gestalt Herder 17, 178
S.; ich nehme nun alle meine gedanken zusammen, um unser viertes stück (
der Propyläen) nicht u. (
so dasz es sich sehen lassen kann) zu füllen Göthe IV 14, 86
W.; Sallust hat sie (
die gröszte aller antithesen: Cäsar und Cato) nicht u. (
wirkungsvoll) dargestellt Fr. Schlegel
Athenäum 1, 2, 38; war nun ... die höchste gewalt nicht u. im sinne des ermordeten vertreten, so ... Ranke
s. w. 9, 115; die Syrer ... schienen ... sich nicht u. von königen regiert zu werden Mommsen
röm. gesch. 2, 135. —