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Untere

mhd. bis spez. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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7 in 6 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Untere

Bd. 4, Sp. 895
Untere, das Beywort des vorigen Nebenwortes, Comparat. der doch wenig gebraucht wird, untererer, zusammen gezogen unterer, Superl. unterste. 1. Eigentlich, wo es den der Oberfläche der Erde oder ihrem Mittelpuncte gewöhnlicher Weise nähern Theil eines Dinges bezeichnet, im Gegensatze des Ober. Die untere Fläche eines Dinges. Der untere oder unterste Stock im Hause. Die untern Zimmer. Der untere oder unterste Mühlstein. So auch die Zusammensetzungen Untertheil, Unterbett, Untergestell, Unterhemd, Unterkleid u. s. f. Ingleichen von Ländern und Erdflächen, näher nach dem Ausflusse der Flüsse oder dem Meere zu, tiefer liegend; wofür auch wohl nieder üblich ist. Der untere Teich, Es. 22, 9. Das untere Thor. Das untere Deutschland, Nieder-Deutschland. In den Zusammensetzungen ist in den meisten Fällen nieder üblich. Nieder-Ungarn, Nieder-Sachsen, Nieder-Schlesien, Nieder-Lausitz, der Nieder-Rhein, Nieder-Baiern u. s. f. Doch sagt man Unter-Italien, Unter-Österreich, die Unter-Elbe u. s. f. alles im Gegensatz der mit ober zusammen gesetzten Nahmen gleicher Art. Der größte Haufe der Deutschen Sprachlehrer hat sich durch die Endung -er verleiten lassen, dieses Beywort für den Comparativ eines Wortes zu halten, dem die erste Staffel fehle. S. Hinter, Nieder, Ober, wo dieser Irrthum bereits widerleget worden. Es ist ein eigenes vollständiges Beywort, welches ehedem überhaupt niedrig bedeutete, und alsdann des Comparativs und Superlativs eben so sehr fähig war, als dieses. Jetzt, da es nur im engern Verstande von dem dem Mittelpuncte der Erde nächsten Theile eines Dinges gebraucht wird, fallen die beyden folgenden Grade der Natur der Sache wegen größten Theils weg, und es scheinet, daß man den Superlativ unterste nur um des Nachdruckes willen behalten hat, obgleich unter den untern Dingen allerdings noch Grade Statt finden, in welchem Falle denn der Comparativ, um des Wohlklanges willen, in den Primitiv zusammen gezogen wird, S. Ober, wo eben dieses bereits angemerket worden. Dieser Superlativ ist es aber auch allein, welcher in der adverbischen Form gebraucht werden kann, ob es gleich auch hier nur im[] gemeinen Leben üblich ist. Das oberste zu unterst kehren, es unten kehren. Zu unterst auf dem Boden, in dem Keller, für ganz unten. In den übrigen Staffeln ist es als ein Nebenwort nicht üblich; denn da, wo das Gegentheil Statt zu finden scheinen möchte, z. B. er sank unter, da ist es die zu dem Zeitworte gehörige Präposition. 2. Figürlich. 1) Der Würde, dem Range nach, im Gegensatze des ober, wofür in vielen Fällen aber auch nieder üblich ist. Die untern Classen in der Schule, die niedern; im Gegensatz der obern. Die untere Gerichtsbarkeit, wofür nieder üblicher ist. Die untern Schulen, häufiger die niedern. Die unterste Stelle bekleiden. Die untern Götter, in der Mythologie der Griechen und Römer, im Gegensatze der obern. Die untern Kräfte der Seele, zum Unterschiede von den obern. Wohin auch viele Zusammensetzungen gehören, eine Person oder Sache zu bezeichnen, welche von geringerm Range oder Würde ist, als eine andere gleicher Art, wo nieder nicht so gewöhnlich ist. Der Unteramtmann, Unterstatthalter, Unter-Lieutenant, Unterrichter u. s. f. im Gegensatze der mit Ober zusammen gesetzten Wörter dieser Art. Der Unterkönig, der Vice-König, Franz. Vice-Roy. 2) Der Gewalt nach, besonders in dem substantiven Ausdrucke die Untern, Personen, welche andern untergeben sind, deren Verhalten der Einschränkung anderer ausgesetzt ist; im Gegensatze der Obern. Hart gegen die Untern seyn, gegen die, welchen man zu befehlen hat. Der Singular ist in dieser Bedeutung seltener. Von einem Untern übertroffen werden. In der Deutschen Spielkarte ist der Untere, der Bediente, Franz. Valet, in einigen Gegenden der Knecht, welcher in der Französischen Karte der Bube heißt. Anm. Dieses Beywort ist von dem veralteten unt, und der adjectivischen Endung -er gebildet, welche auch die Beywörter obere, hintere, äußere, vordere, niedere u. s. f. bilden hilft, welche von den meisten Sprachlehrern, denen diese Ableitungssylbe unbekannt ist, fälschlich für Comparative gehalten werden.
4140 Zeichen · 64 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    untere

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    untere , untern s. undern.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    untêreadj.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    ° untêre , adj. : widerlich, „ Mennich de is to male vnthere: De sik vppe hergenscheyt vordrynket , Eyn bedeler, de de a…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Untere

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Untere , das Beywort des vorigen Nebenwortes, Comparat. der doch wenig gebraucht wird, untererer, zusammen gezogen unter…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    untere

    Goethe-Wörterbuch

    untere [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    untere

    Südhessisches Wörterbuch

    untere Band 6, Spalte 125-126

  6. Spezial
    untere

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|te|re adj. 1 (niedrig) bas (basc, bassa), inferiur (-s, -a) 2 (unter gelegen) dessot.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit untere

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Ableitung von untere 2 Analysen

un- + tere

untere leitet sich vom Lemma tere ab mit Präfix un-.

Alternativen: unt+-er+-e

Zerlegung von untere 2 Komponenten

unt+ere

untere setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

untere‑ als Erstglied (30 von 100)

unterechte

WWB

unter·echte

un-te-rechte Adv. [verstr.] sich nicht wohl fühlend, krank, kränklich. Wat was mien Mann daor unterechte ( WmWb ).

untereck

DWB

unte·reck

untereck , n. , ecke des unteren schildrandes in der heraldik: das rechte, linke u. v . Querfurth wb. d. herald. terminologie 114 ; Müller-M…

Únterêgen

Adelung

unter·egen

Únterêgen , verb. reg. act. ich ege unter, untergeegt, unter zu egen, unter die Erde egen. Den Samen unteregen. Daher das Unteregen.

untereggen

DWB

unter·eggen

untereggen , trennbares v. ; nl. ondereggen. vgl. übereggen . pectinare segetem untereigen B. Faber thesaurus (1587) 599 a (eigen obers. wb.…

unterehe

DWB

unte·rehe

unterehe , f. , nebenehe: J. Moore abrisz des gesellschaftlichen lebens (1779) 427. unüblich. —

untereidam

DWB

unter·eidam

untereidam , m. , ehemann der enkelin: G. Nigrinus v. ehestand (1585) M i b . —

untereigenthum

DWB

unter·eigenthum

untereigenthum , n. , dominium utile der rechtswissenschaft ( vgl. obereigenthum th. 7, 1084): Kant 6, 244 H.; marken, deren echtes eigen de…

Untereigentum

DERW

unter·eigentum

Untereigentum, N., ›Rechtsstellung des Untereigentümers (z.B. Lehnsmannes) eines im geteilten Eigentum stehenden Ge- genstandes‹, Kant vor 1…

untereinander

DWB

unter·einander

untereinander , adv. , in dem die präposition unter mit einander ( th. 3, 143; 144 p) zusammengerückt ist; vgl. an-, auf-, bei-, durch-, geg…

untereinandergehen

DWB

untereinander·gehen

untereinandergehen , v. : da wegen der ... königlichen vermählung alles untereinanderginge Lohenstein Arm. 1, 286 a ; mit wüste u. gehendem …

untereinandergieszen

DWB

untereinandergieszen , -hacken , -klopfen , -kneten Hohberg georgica 1, 368 ; J. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 49 ; Gäbelkover arzneib…