universität,
f.; lat. universitas;
afranz. universitet, -teit, -té,
prov. universitat.
mhd. (14.
jh.) universitêt,
stf.; md., mnd. universitête,
schwf. (in der schulen und universiteten Luther 19, 445, 16
W., universitet B;
veraltet)
; mnl. universiteit, -tet;
nl. universiteit;
mengl. universitee;
dän. schwed. universitet.
die nhd. schreibung mit ä
kommt im 16.
jh. auf und verdrängt im 17.
jh. die ältere. 11)
das adj. universitätisch (
s. d.)
bei Paracelsus
lehrt, dasz universitet
frühnhd. wie die entsprechungen im mnl. u. engl. das weltall bezeichnete. 22) '
gesamtheit, ganzheit',
individuell: Natorp
weltberuf 2, 52. '
allgemeinheit'
verzeichnung d. gebr. wörtern (
Hamburg 1748) 182.
im witz: er hat den herrn zum universitätserben (
universalerben) eingesetzt Hafner
lustsp. 2, 167.
vgl. universitas Westenrieder 603. 33)
im rechtlichen sinne '
corporative verbandseinheit' (Gierke
genossenschaftsrecht 3, 142; Denifle
universitäten 1, 29
ff.);
syn. corpus, collegium, societas, communio, communitas, consortium. Du Cange 8, 371
a; Haltaus 646. universitet ... all gemaine versamblung, die gantz gemain uberall Sim. Roth Q 8
a.
insbesondere von der verbandseinheit der professoren und scholaren des studium generale, universitas magistrorum et scholarium: an unsern jartag soll der schuell maister der grossen schuell mit ganzer universitet der maister, studenten und schueller bey sein und helffen zu singen (
urk. 1365) Kink
gesch. d. univ. Wien 1, 2, 23;
wie universitas
und studium (privilegiatum, generale)
deutlich geschieden (Denifle 1, 30): in der universitet und gefreytn schuln ze Wienn ... die schul ze W. und die universitet (1370) Kink 1, 2, 7; in der hohen gefreitten universitet und schul zu Wienn (1472) Prantl
gesch. d. Ludwigs-Max. univ. 2, 11, 34; ain hoch gemain schuol und universitet ... zu stiften und uffzurichten (1477)
urk. z. gesch. d. univ. Tübingen (1877) 31; rector und universitet der hohen schuol Riederer a 2
a (universitas studii;
umgekehrt den hohn schueln der u.
Sterzinger spiele 15, 737).
veraltet. zu 4
überleitend: gestifft ... ain hoche gemaine und wirdige und gefreyte universitet der maister, lerer und schüler in vir faculteten ewer schul hie zu Wienn (1454)
fontes rer. Austr. II 7, 14. 44)
die in germanischen ländern erfolgte gleichsetzung von universitas
und studium (Denifle 1, 36)
ermöglichte, dasz u.
zur bezeichnung der hochschule wurde (
vgl. universitet, gymnasium, academia Frisius, lyceum Frischlin, Schönsleder).
stilistische verbindungen von schule (
th. 9, 1928
ff.)
übertrug man auf das neue wort: die hohe u. Thym
Thedel v. Wallm. vorw.; eine u. stiften, aufrichten (
s. o. 3), gründen, aufheben, verlegen
u. s. w.; auf (
th. 9, 1931
γ) die u. gehen, ziehen (
polit. maulaffe 51), die u. beziehen (Schubart
leben 2, 74;
zu universitätsfahrt B. Weber
charakterbilder 27
vgl.gen schuole varn);
in fester artikelloser form (
umgangsspr.): seit der zeit, da Adams kinder auf universität gehen Göthe IV 1, 8, 6
W., auf universitäten gehen
gespr. 1, 84, Heine 2, 29; zur u. kommen, die u. besuchen; auf der u. sein (
vom studenten, vom lehrenden oder beamten: an) Steub
drei sommer 1, 52;
veraltet: auf der u. stehen
Sterz. sp. 25, 913 (
vgl. Zarncke
z. narrensch. 27, 27), auf (an) der u. studieren Parac. 2, 544,
gerichtsverfassungsges. § 2, auf universitäten leben Weise
erznarren 61
ndr.; auf die u. schicken
hinterpomm. hofgerichtsordn. 1683, 31, 7, auf universitäten bringen Nicolai
Noth. 1, 16; an der u. vorlesungen halten W. v. Humboldt
an Welcker 17, lesen, lehren, hören, seminarien an der u. Manes
versicherungslex. 1308; von der u. heimkommen Schweinichen 23, die u. verlassen Göthe
gespr. 1, 84; die u. blüht Rückert 1, 189
u. s. w. mundartlich, volkssprachlich (
bes. volksetymologisch)
gemodelte formen: uneversetät Fr. Reuter
bei Müller
lex. 143
b; up unversteten geit et her florikoes
facet. fac. 403; ohnverstäd
eselskönig 40; unverstät, unwiesztät Klenz
scheltenwb. 50; so bin ich auch nie auff den unverstandt gezogen und ein liberalibus worden Gryphius
lustsp. 319; Schoch
studentenl. 50
ndr.; unverstandsmühle,
universität, zs. f. d. wortf. 12, 292
b; ohnversität Hebbel 9, 51.
zur schreibung vgl. noch unifersitet
Sterz. sp. 15, 737; unniversität (
wie vielfach ausgesprochen wird) Schnabel
Felsenburg 25, 23
Ullrich; un'vers'täten (
im vers) Bürger 66
b.
nach verdunkelung des hergangs in der entwicklung der hier maszgebenden lat. ausdrücke ändert subjective etymologie und culturphilosophische forderung den inhalt des begriffs; z. b. eine jedemmann erlaubte oder gemein nützliche hohe schule
verzeichnung d. gebr. wörtern (
Hamburg 1748) 182,
die üblichste umdeutung ist die in eine universitas literarum.
insbesondere bezeichnet u. a)
den lehrkörper und die studentenschaft, die verwaltungsbehörden und universitätsangehörige aller art (
wie schule
auch die gesammtheit der mitglieder th. 9, 1935;
der rechtlich corporative charakter verblaszt): er Apel Vitczthum was ouch zu Erfforte vor deme rathe und der universiteten Stolle
thür. chron. 9;
Eulensp. 42
ndr.; hist. volksl. 3, 152, 732
L.; Stumpf
chron. 716
b; Schumann
nachtb. 223
B.; Garg. 236
ndr.; Pfeffel 7, 73; O. Ludwig 2, 402; dasz die halbe u. eingeladen sei E. Th. A. Hoffmann 3, 29. b)
das studium generale selbst, seinen inhalt, lehrgang, seine fächer, facultäten, universitätseinrichtungen u. dgl.: so hat es (
Bologna) auch ein studium oder universitet Kiechel
reisen 238; gutte reformation der universiteten Luther 6, 458, 39
W.; Wilw. v. Schaumb. 2; universitätsmethode
u. dgl. s. 5; universitätskosten,
kosten der universitätsausbildung, Siegwart (1777) 800;
auch wird die hochschule als ganzes (a
und b)
bezeichnet: die u. gilt nichts bei ... Hoffmannswaldau-Neukirch 1, 216. c)
ort, bezirk, gebäude: und lot man im die (
gulden) volgen in welche universitet er will Gengenbach 224
G.; das höchst ort des theils der statt, welchs die universitet heiszt
Garg. 233
ndr.; er ... schritt auf die u. zu Fontane I 1, 449; universitätstreppe Steffens 2, 6.
vgl.schule th. 9, 1933. d)
die an der u. zugebrachte zeit: nach beschlossener u. H. König
seltsame geschichten 45; zwischenzeit zwischen u. und der anstellung D.
F. Strausz
Schubarts leben 1, 5; universitätsjahre Rabener 3, 189, -zeit Göthe
gespr. 1, 268
u. dgl. e)
bildlich, scherzhaft, sprichwörtlich und sentenziös: dazu sind wir in die welt als eine u. und hohe schul kommen, dasz wir gott suchen sollen Dannhawer
catechism. 1, 207; dasz ihr auf gottes u. seyd Stilling 1, 174. Abr. a St. Clara
etwas für alle 1, 130; Tieck 3, 317. die u. des dorfes,
dorfschule Gaudy 4, 110; die Schöneberger u. Wander 4, 1461. wer nichts auf die u. bringt, bringt nichts mit herunter Blum
sprichw. 2, 110; Wander
a. a. o.; eine u. und keine bibliothek ist ein weinhaus ohne keller Hippel 4, 9. f) hauptuniversität Mathesius
Luther 60
a, W. H. Riehl
freie vorträge 2, 522, voll-, rumpf-, landes-, staats-, volks-, Wilhelms-
u. s. w. universität; lutherische (Thomasius
gedancken [1720] 1, 17), kleine, churbayrische (Birken
Donaustrand 26)
u. s. f. universität; die ehemalige u. von Cöln Göthe 49, 7, 24
W. 55)
als erstes compositionsglied: a)
in ä. zeit vielfach ohne s
in der compositionsfuge; z. b. universitätcandidat
pol. maulaffe 49, -kram Breitenfels
Swift (1756) 2, 153, -leben
anatome jocoseria (1667) 85, -studia Chr. Weise
pol. academicus 40, -verwandte (ohnverstäd verwandte)
eselskönig 40,
vgl.b. b)
in n. spr. durchweg mit s;
z. b. universitätsamtmann, -angehörige, -bediente, -bote (Chr. Reuter
Schelm. 122), -fieber, -krankheit,
abdominaltyphus Höfler 145
a, 763
b, -kind (weder Lessing, noch Schiller, noch Göthe universitätskinder
V. Hehn
bei Schiemann 157), -neffe (Klenz
scheltenwb. 49; Bartsch
zwölf aus d. Steiermark 43), -pedell (Heine 3, 18, 35), -professor (Thomasius
gedancken [1720] 3, 362), -pudel (Kluge
studentenspr. 132
a, Feuerbach
an Christ. Knapp 2, 135), -simpel (Auerbach
landhaus a. Rhein 1, 226), -stiefel (einen -menschen, welcher die universitätsstiefeln noch nicht ausgezogen hätte
F. Bernhardi
bambocciaden 1, 23), -verwandte ( v. Fleming
soldat 254, Aler 2, 2094
b;
zum begriff s. verwandt,
gewandt th. 4, 3, 5307
f. u. d. rechtswb.; vgl. kirchen- und schul-, bergwerks-, salzverwandte); universitätsbibliothek (Lessing 17, 359, 25), -bier (J. Paul 3, 65; 5, 111), -dorf (
zur dotation der u.
gehörig Krünitz 198, 49;
scherzhaft von einer u.
mit kleinstädtischländlichen verhältnissen); -art (Herder 5, 348), -gaukelei (2, 288), -wahn (9, 335), -zopf (Justi
Winckelmann 2, 1, 124); -freude (Storm 19, 22), -freund (Weisze
lustsp. 1, 246), -gedanken (
absichten, die u.
zu beziehen Musander
der studente in seinen probejahren 15), -leben (Herder 2, 288), -pöszchen (
studentenstreich, pedant. irrthum 69), -reife (
reife für die u., Alten
handb. f. heer u. flotte 2, 289; universitätsreif Hippel
lebensläufe 1, 210, -fähig Chr. Fr. Schulz
reise eines Livländers 1, 103); universitätsheit,
gelegenheitsbildung (dasz die universitäten ... wegen ihrer u. noch immer in derselben barbarey liegen Laukhard
leben 4, 280). c)
mit plur.: universitetenartzet Parac. 1, 816 A, -leben J. Paul 3, 115, -schwärmer Kramer (1702) 2, 700
b, -ton Laukhard 3, 93. —