überlegen,
adj. u. adv. ,
zu mhd. überligen,
v., das die wbb. für das 11.
u. 13.
jahrh. nachweisen, s. mhd. wb. 1, 989
a; Lexer
handwb. 2, 1641;
nhd. seit dem 18.
jahrh. nur mehr im part. prät. in adjectivischer u. adv. function und in abgezogenen bedeutungen, die sich wie schon Adelung
bemerkte, aus der in mhd. überligen
enthaltenen vorstellung des ringkampfes entwickelten (
s. u. überliegen). 11)
gravatus, beschwärt, bemühet, beladen, belästiget, überlegen Schöpper
syn. (1550) g 7
a.
in dieser bedeutung von den wbb. bis ende des 18.
jahrh. gebucht, jedoch schon im 17.
jahrh. wenig gebraucht, und seit dem 18.
jahrh. schriftsprachlich unüblich. örter, die weit von tieffen thälern ligen, und nicht mit dicken dämpffen überlegen sindt Sebiz
feldbau (1579) 5; überladen, überlegen mit geschäfften,
carcato, affannato di molti negotii Hulsius (1618) 253
b; Yorik betrug sich anfangs eine zeitlang mit aller ersinnlichen tapferkeit, bis er, von der anzahl überlegen, endlich des elendes des krieges überdrüszig ... das schwerdt aus der hand legte Bode
Tristram Shandy 1, 71. 22)
lästig (
auf den südwesten beschränkt, s. Staub-Tobler 3, 1208): überlegen, mühsälig, hässig, unwert Frisius
dict. 1905
s. v. putidus; incommodus, molestus Calepinus
undecim ling. (1598) 703
b; 906
b;
importunus Megiserus
thes. 1, 680
c; 693
c;
beschwerlich Dentzler
clav. ling. lat. 296
a; er were ir ein überlegener nachpurer und hette ir muoter seligen allweg daz ir abgschrenzt und abgezogen
dokumente zur gesch. d. bürgermeisters Hans Waldmann 1, 144; lüsz, flöch und andere überlägne thier Gesner
thierbuch (1563) 79; so erbohte er sich alle unbilliche und überlegne beschwerden den seinen abzunemmen Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 382
a.
prädicativ: eim zeschaffen geben, eim überlägen seyn und unruow machen, einen beleidigen Frisius
dict. 863
a s. v. exhibere; ich will üch nit lang überlägen sin Th. Platter
selbstbiogr. 34; darbi ouch niemantz überal mit der narung beschwärlich noch überlegen ze sein J. v. Watt 1, 8. 33)
praevalens, die heute herrschende bedeutung. 3@aa)
mit dat der person. 3@a@aα) jemandem ü. sein: itzt fielen sie (
die Juden) Egypten zu, itzt Syrien, darnach ein königreich dem andern uberlegen war, und musten der nachbarschafft ubel entgelten Luther
vorrede zu Daniel 7, 364
Bindseil; und ein volck wirt dem anderen überlägen seyn (
vulgata: superabit)
Zürcherbibel (1531)
1 Mos. 25
c; mit denselbigen (
den sieben weisen) disputiert er, und war ihn allen weit überlegen Alberus
fabeln 20
neudr.; so seind sie den Wittenbergischen predicanten weit überlegen gewesen J. Nas
das antipap. eins und hundert 1, 202
b. mit etwas ü. (16.
jahrh.)
: si in lancem poneremus, sind sie uns uberlegen mit macht und krafft und vernunfft Luther 29, 31
Weim.; wie kumpt es, ... so sye (
die tiger) ym (
dem menschen) mit stercke ... überlegen seind Eppendorff
Plinius (1543) 8, 42; so were ihm doch der Murner mit verstande, list, und kunst in vielen stücken überlegen Rollenhagen
Froschmeuseler (1595) C 3
b; also wist auch in ewrem sinn, das ich der alten schlangen mit krefften überlegen bin Ringwaldt
evangelia M 1
a. in, an etwas ü.,
heute allgemein: in der kritik war die prinzessin ihrem gemal überlegen Bismarck
gedancken u. erinn. 1, 296
volksausg.; denen die mir ... an geschickligkeit überlegen sein Opitz
v. d. dtsch. poeterei 54
neudr.; sintemahl die erde dem mohnden zweymahl an grösze überlegen Lohenstein
Arminius 2, 1099
a; hiemit macht er sich auf gar trotzig und verwegen, dieweil er war dem fuchs an stärke überlegen
Reinicke Fuchs (1650) 59; er ... schlug mein heer, ist's auch an zahl ihm doppelt überlegen Körner 3, 188
Hempel; sie sind mir überlegen an rang, bildung, geist Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 326; an talent, charakter und vor allem an leidenschaft war er dem Tiberius entschieden überlegen Mommsen
röm. gesch. 2, 103; ich wüszte nicht, wer uns dieses pfand, das dem von uns erstrebten object an werth so viel überlegen ist, nehmen könnte Bismarck
gedanken u. erinn. 2, 36
volksausg. 3@a@bβ) jem. ü. werden: werdend aber die kinder Ammon dir überlägen (
vulgata: si praevaluerint)
Zürcherbibel (1531)
2 kön. 10
c; da wurden die Preussen mit der grossen mennige den brüdern überlegen Schütz
hist. rer. Prussic. (1592) 1 G 1
b. 3@bb)
ohne dat. 3@b@aα)
attributiv bei concreten: der überlegne feind erkennt sich für den sieger J. J. Schwabe
belustigungen 1, 297; mich reizt die willkühr überlegner geister S. Mereau
ged. 2, 36; unter den ungünstigsten umständen bot man dem überlegenen feinde trotz H. Steffens
was ich erlebte 5, 3; sich mit dem weit überlegenen Voltaire vergleichen Göthe I 45, 200
Weim. 3@b@bβ)
bei abstracten: wenn hausglück ein so überlegenes gefühl giebt, warum bist du herausgetreten? Iffland
theatr. werke 4, 158; der überlegene humor des dichters D.
F. Strausz
Schubarts leben 1, 7; überlegene körperkraft Holtei
erzähl. schr. 14, 7; willenskraft Görres
ges. schr. 2, 94; sein (
Reuchlins) gutachten ist ein schönes denkmal reiner gesinnung und überlegener einsicht Ranke 1, 185.
der bedeutung überheblich
sich nähernd: er machte seine überlegene wendung auf den fersen O. Ludwig 1, 211; mit sehr überlegener miene Fontane
ges. werke I 6, 16. 3@cc)
adverbiell: er (
Lichtenberg) musz sich mit ideen über seelenwanderung, nicht wie Lessing überlegen und ruhig tragen, sondern quälen Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 162; indem er ihn überlegen bei sich verlachte O. Ludwig 1, 238.