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tummeln

nhd. bis sprichw. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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13 in 11 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tummeln vb.

Bd. 22, Sp. 1724
tummeln, tümmeln, vb. , lärmen, dröhnen, poltern, rasseln, knallen, pochen. herkunft und form. onomatopoet. wort wie tummern, dammern, dampern Schmeller-Fr. 1, 605. vgl. 1tummel und tummler (1 c). im kompositum (pitumilonti adtonitus ahd. gl. 1, 190, 31 St.-S.) schon im 8. jh., als simplex in glossenhss. d. 11. jhs., dann erst wieder seit dem 14. jh. bezeugt. in der schriftsprache bleibt das wort nur bis zum ersten drittel des 17. jhs. lebendig; heute auf mundartlichen gebrauch im obd. und westmd. raum beschränkt; bair.-österr. überwiegend als 'knallen, pochen', westd. als 'donnern'. die umlautlose form tummeln, dummeln findet sich sowohl auf obd. wie auf md. boden, vgl. die belege unten; dazu für den heutigen mundartlichen gebrauch im md. Weinhold schles. 101b; rhein. wb. 1, 1558. —auch die umgelautete form tüm(m)eln, düm(m)eln begegnet in obd. und md. belegen (s. u.), heute jedoch vor allem im bair.-österr. und im anschlieszenden gebiet, vgl. Schmeller-Fr. 1, 605; Unger-Khull steir. 182; Schöpf tirol. 775; Bacher Lusern 411; Schmeller cimbr. 179; bad. wb. 1, 590 neben umlautlosen formen, vgl. Martin-Lienhart els. 2, 684. — timmeln, dimmeln, mit entrundung, finden sich im westmd., vgl. unten und Follmann lothr. 89; Autenrieth pfälz. id. 33; Scholl Ottweiler 96; neben gerundeten formen auch im bair. und steir., vgl. Schmeller-Fr. 1, 605; Unger-Khull 182. — im md. raum schon früh domilot (glossenbeleg s. u.), dommelen Kehrein Nassau 114; dõmlə Fischer schwäb. 2, 454. — anlautende media erscheint sowohl obd. wie auch md.: d(ü)mm(e)l(e)n, dommeln, dimmeln (vgl. belege unten), heute mundartlich im schwäb., vgl. Fischer 2, 452 und im md., vgl. rhein. wb. 1, 1558; Follmann lothr. 89; Scholl Ottweiler 96; Kehrein Nassau 114; bair. u. steir. auch media neben tenuis dam(m)eln, demmeln, dimmeln, dümmeln Schmeller-Fr. 1, 506; 605; Unger-Khull 155. besondere varianten, mit eingeschobenem labial: tumpeln Weinhold schles. 101b; tümbln Bacher Lusern 411; vgl. Schmeller-Fr. 1, 605 und Weinhold bair. gr. 131, dazu einfaches thumben Ambraser liederbuch 148 Bergmann; dompen Jensen nordfries. spr. d. Wiedingharde 73; timpe klingen, timp klang Müller-Weitz Aachen 245; mit sproszvokal tumullen Albanus päpstliche anatomia (1636) 193. bedeutung und gebrauch. tummeln, intransitiv und unpersönlich gebraucht, bezeichnet ein allgemeines dröhnen oder lärmen, das durch verschiedenartige, oft mehrfache ursachen bewirkt werden kann. 11) ein entferntes, unbestimmtes geräusch oft unbekannter ursache; gern als subst. inf. oder mit unpersönl. subjekt, vgl. 1tummel; aestuat tumilot (11. jh.) ahd. gl. 2, 644, 14 St.-S., wohl nicht als wortgetreue übersetzung von aestuare, sondern in freier wiedergabe des von Virgil georg. 4, 263 gebrauchten akustischen vergleichs (tum sonus auditur gravior ... aestuat ut clausis rapidus fornacibus ignis): (gefangene sitzen in einem turm) do das her cham zue gerantt ... und sy das tumeln hortten, sy ruefften mit chleglichen wartten (1352) Seifrit Alexander 3531 Gereke; do hort er eines tags in der kamer nahent bey seiner kamer ein tumeln (clamores) und ein freylich geschray ... der chnecht ... sagt dem herren mit grosser forchtte also ... ewrer swester suon hat ein frauenpild notgezogt zu seinem willen und hat darumb mit ir gerungen, das ist die sach (ursache) des tummelns und schreyens (clamoris) Hartlieb dial. miraculorum 239 Drescher; was bedeutet sich das geschrei der tumelnden stat Wenzelbibel 3.n. 1, 41 (insonuit terra a clamore eorum ... et Joab ait: quid sibi vult clamor civitatis tumultuantis), bei Jelinek mhd. wb. 729 irrtümlich unter tûmeln 'taumeln'; was gehen in diesen nonnenklöstern vor greuliche sachen für, wie tumullen und ramblen darin die verfluchten incubi Franciscus Albanus päbstische anatomia (1636) 193; und aus dem brausenden wogen des arabischen lärmens und tümmelns kochte von zeit zu zeit das wuth- und angstgeschrei eines gelangweilten eselhengstes ... hervor B. Goltz kleinstädter in Ägypten (1877) 62; wieda freili herst tümmeln und welteln und knerrn, als warns urichti worn Stelzhamer ausgew. dichtungen 3, 141 Rosegger. 22) 'donnern'; domilot et circumtonat ahd. gl. 2, 42, 34 St.-S. (Trierer hs. 11. jh.); vgl. adtonitus pitumilonti ebda 1, 190, 31. heute nur mundartlich tummlen donnern Martin-Lienhart elsäss. 2, 684; dimmelen donnern, gewittern Follmann lothr. 89; für Heidelberg Ochs bad. 1, 591; Autenrieth pfälz. 33; Scholl Ottweiler 96; dommelen Kehrein volksspr. i. Nassau 114; tümmeln donnern (für Saarwerden) Klein prov. wb. (1792) 2, 201; tümmeln donnern und blitzen (für Passeier) Frommann zs. f. dt. maa. 4, 457. 33) ein durch instrumente hervorgerufenes geräusch. mundartlich timmeln und dümmeln klopfen, lärmen Unger-Khull steir. 155; tümbln lärm machen durch schlagen, klopfen, schieszen usw. Bacher Lusern 411. 3@aa) 'krachen' von feuerwaffen: die bichsen ... machten überaus ain grosz knellen und dumlen, darvon die hertzogin und ire kind fast erschracken (Augsb. um 1551) städtechron. 23, 105; vgl.dumeren ebda 273; inmittelst ist darinnen in der statt auff ein neues ein grosz schiesen und tummeln und werden auff desz Türcken seiten ... alle erschlagen J. Ayrer dr. 1811 lit. ver.; flux hörät i timmeln und schoissen bei Schmeller-Fr. 1, 506; tümeln wil i drein, als wenn dä feind da wär ebda. 3@bb) klopfen, rasseln, schallen: (auf die heerpauken) schlecht man mit klüpfeln, das es ser laut und helle tummelt (1511) Virdung musica getutscht (1882) 24; auch haben es andere oft von ferne angesehen, wie der berg, darauff gemelter Antonius endlichen wegen der verfolgung der christen geflohen war, ganz und gar mit teuffeln umbgeben gewesen sei, welche geprüllet und mit rüstung getümmelt haben Sal. Gessner christl. betrachtung des psalters (1599) G 7b; fern, fernher dröhnte dumpf das tümmeln der schmiedehämmer von Vogelsang. tag und nach ttümmelten sie E. v. Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 45; jetzt tümmelten schläge ans geschlossene tor, weithin hörbar durch die mittagsstille gegend ebda 2, 285; vgl. ebda 3, 503; 507; 1, 270; der hahnenkamp ... tümmelte mit der heugabel an der oberstube, dasz die hühner kreischend von ihren sitzstangen flatterten Rosegger schr. (1895) I 11, 124. lärm machen, poltern Unger-Khull steir. 182; stampfts mit die füesz, tummelts an d'wänd, dasz uns do hören! E. v. Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 270; hast du so getümmelt? Paula Grogger Grimmingtor (1926) 174. mundartlich: schlagen, klopfen Zingerle Lusern 56; Bacher Lusern 411; hämmern, schlagen, lärmen Schmeller-Fr. 1, 506; vgl. dammern, dampern, dämmern ebda; dumrn klopfen, anklopfen Gerbet Vogtland § 186, 1; 147, 1; døymərn 'mit einem schweren hammer zuschlagen' rhein. wb. 1, 1558. die akustische vorstellung kann zurücktreten, 'schlagen': tümmeln battere Schmeller cimbrisch 179; ön Passawern auf d' sturmhaubn tümmeln, hörst Rudl, dös triff i aa Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 2, 31. 44) das geräusch ist mit ungestümer bewegung verbunden oder von ihr verursacht; vgl. 'tummeln ist ein getümmel mit schreyen und lauffen machen oder anrichten; tumultuare, far romore, romoreggiare' Güntzel teutsch-italiän. (1648) 792; reflexiv, in analogie zu 3tummeln: sich tummeln einen lärm, ein getümmel verursachen ('veraltet') Voigtel wb. 3 (1795) 432; mundartlich 'lärmen, tumult machen' Schöpf Tirol 775. so schon früh literarisch bezeugt: vor dem eingange des slafgadems tumelten sie und kunstlichen ein gereicze machten sie in sachen der erweknüsse, so das nicht von den weckenden, sunder von den schimpfenden Holofernes erwachte Wenzelbibel Judith 14, 9 (ante ingressum cubiculi perstrepentes excitandi gratia inquietudinem arte moliebantur, ut non ab excitantibus, sed a sonantibus Holofernes evigilaret), bei Jelinek mhd. wb. 729 irrtümlich unter tûmeln 'taumeln'; und er (Jesus) kam in das haus des obersten der schule, und sahe das getümel, und die da seer weineten und heuleten, und er gieng hinein, und sprach zu jnen: was tummelt und weinet jr? (quid turbamini et ploratis?) Marc. 5, 39; ebenso Zürcher bibel (1531); da ward ein ernstlich und grosz geschrey, sausen unnd tümmeln desz volcks, unnd kam das volck zu beyden seiten alles an einander und geschahe da ein groszes morden unnd blutvergieszen (in der schlacht) buch der liebe (1587) 332b. vielleicht hierher: dann narren hören doch gern schellen. laszt die centauros lust auch haben, wann die pferd schreien, dumlen, traben, die bauren, wann die hüner gachsen, so sie die eyer hören wachsen. oder wann villeicht muowt die kuoh, der ochs brelt und bläht geysz darzuo Fischart w. 1, 374 Hauffen. 55) lärmende zusammenrottung einer erregten, widersetzlichen menge, vielleicht unter einwirkung von tumult (s. d., doch vgl. die entsprechende entwicklung bei geschälle 3, teil 4, 1, 2, sp. 3832). der bedeutungsschwerpunkt liegt auch hier im lärmen, nicht in der bewegung: warumb dumlen die leutt also (quare fremuerunt gentes) ... warumb tretten die kunige der erden also zusamen, und die fursten werden einisz widder gott und widder seynen Christum? Luther 10, 1, 1, 399 W. (dagegen in der bibelübersetzung: warumb toben die heiden? ps. 2, 1); die ungestümmigkeit des gepöfels, wölichs also tobt und tuommelt und dröet Melanchthon kurtzer begriff (1524) 9; da dümelt das folck, nimpt waffen und laufft in die alt statt Joh. Cochlaeus historia Alberti Krantz v. d. alten Hussen zu Böhmen (1523) C 2b; noch nie ist ghort wordn in der helln ein solch geschwürm von allen seln, auch gedenkt solchs auflaufs nicht mer der schwerlicher zu stilln gwest wer ... sie tummeln, schreien, schnurn daher, sie grimgranen ie lenger mer (1542) bei Schade satiren u. pasquille 1, 127. auf geistiges übertragen: gotliche warheyt will haben stille hertzen, die da zuhoren und lassen sagen, die aber polltern und tumlen, wollen selbs recht haben oder zuvor tzeychen und ursach wissen, die fahen sie nymmermehr Luther 10, 1, 1, 441 W. 66) dimmeln mundartlich 'fluchen, böse werden' bei Schmeller-Fr. 1, 605; dimmeln und tummelitzen 'fluchen' ebda; Schöpf Tirol 775.
10212 Zeichen · 229 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Tummeln

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Tummeln , verb. regul. welches eine Nachahmung eines heftigen dumpfigen und ungestümen Lautes ist, und daher in mehrern,…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    tummeln

    Goethe-Wörterbuch

    tummeln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    tummeln

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    tummeln unt. 2 auch -ü- 1. taumeln, intrans.: hei tummelte ... ut de Dör Reut. 3, 237; dei Ollsch hett ümmer tummeln müß…

  4. Sprichwörter
    Tummeln

    Wander (Sprichwörter)

    Tummeln Er tummelt sich wie ein Schneider am Ostertage. – Parömiakon, 2387. Von einem eilfertigen, arbeitsamen, rüstigen…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tummeln

9 Bildungen · 1 Erstglied · 5 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von tummeln 2 Komponenten

tumm+eln

tummeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

tummeln‑ als Erstglied (1 von 1)

tummeln [sich ~]

LDWB2

tummeln·sich

tum|meln [sich ~] vb.refl. (sich hin und her bewegen) salté intoronn, scricé intoronn, besé intoronn.

tummeln als Zweitglied (5 von 5)

Bestummeln

Wander

bes·tummeln

Bestummeln Er ist bestummelt worden. Diese sprichwörtliche Redensart kommt in einer Fabel von Marner ( Sammlung der Minnesänger, II, 174 ) v…

Herumtummeln

Campe

herum·tummeln

Herumtummeln , v. trs . 1) Um etwas tummeln, im Kreise tummeln. 2) Hin und her tummeln, sehr tummeln; edler, umhertummeln . Ein Pferd herumt…

rantummeln

MeckWBN

ran·tummeln

Wossidia rantummeln herantaumeln: man möt toseihn, dat dat ('n narrsch Schap) nah de anner Hod' rantummelt Wa.

rundümtummeln

MeckWBN

rundum·tummeln

Wossidia rundümtummeln sich im Kreise bewegen: sei (Pferde) hebben rundümtummelt in de Koppel Gü Güstrow@Groß Roge GRoge .

Ableitungen von tummeln (3 von 3)

enttummeln

DWB

enttummeln , excutere: da mit einmal dröhnte der flügel gekrach und dem pfühl sie enttummelte beide. Voss Horaz sat. 2, 6, 112 .

vertummeln

DWB

vertummeln , vertümmeln , v. , in der neueren schriftsprache sehr selten. 1 1) zu sich tummeln, herumtummeln: 1@a a) wie dieses reflexiv Fis…

Zertummeln

Campe

Zertummeln , v. trs . durch Tummeln gänzlich in Unordnung bringen, unbrauchbar machen, verderben. Die Reiter haben die Wiese zertummelt , da…