tummeln,
tümmeln,
vb. ,
lärmen, dröhnen, poltern, rasseln, knallen, pochen. herkunft und form. onomatopoet. wort wie tummern, dammern, dampern Schmeller-Fr. 1, 605.
vgl. 1tummel
und tummler (1 c).
im kompositum (pitumilonti
adtonitus ahd. gl. 1, 190, 31
St.-S.)
schon im 8.
jh., als simplex in glossenhss. d. 11.
jhs., dann erst wieder seit dem 14.
jh. bezeugt. in der schriftsprache bleibt das wort nur bis zum ersten drittel des 17.
jhs. lebendig; heute auf mundartlichen gebrauch im obd. und westmd. raum beschränkt; bair.-österr. überwiegend als '
knallen, pochen',
westd. als '
donnern'.
die umlautlose form tummeln, dummeln
findet sich sowohl auf obd. wie auf md. boden, vgl. die belege unten; dazu für den heutigen mundartlichen gebrauch im md. Weinhold
schles. 101
b;
rhein. wb. 1, 1558. —
auch die umgelautete form tüm(m)eln, düm(m)eln
begegnet in obd. und md. belegen (
s. u.),
heute jedoch vor allem im bair.-österr. und im anschlieszenden gebiet, vgl. Schmeller-Fr. 1, 605; Unger-Khull
steir. 182; Schöpf
tirol. 775; Bacher
Lusern 411; Schmeller
cimbr. 179;
bad. wb. 1, 590
neben umlautlosen formen, vgl. Martin-Lienhart
els. 2, 684. — timmeln, dimmeln,
mit entrundung, finden sich im westmd., vgl. unten und Follmann
lothr. 89; Autenrieth
pfälz. id. 33; Scholl
Ottweiler 96;
neben gerundeten formen auch im bair. und steir., vgl. Schmeller-Fr. 1, 605; Unger-Khull 182. —
im md. raum schon früh domilot (
glossenbeleg s. u.), dommelen Kehrein
Nassau 114; dõmlə
Fischer schwäb. 2, 454. —
anlautende media erscheint sowohl obd. wie auch md.: d(ü)mm(e)l(e)n, dommeln, dimmeln (
vgl. belege unten),
heute mundartlich im schwäb., vgl. Fischer 2, 452
und im md., vgl. rhein. wb. 1, 1558; Follmann
lothr. 89; Scholl
Ottweiler 96; Kehrein
Nassau 114;
bair. u. steir. auch media neben tenuis dam(m)eln, demmeln, dimmeln, dümmeln Schmeller-Fr. 1, 506; 605; Unger-Khull 155.
besondere varianten, mit eingeschobenem labial: tumpeln Weinhold
schles. 101
b; tümbln Bacher
Lusern 411;
vgl. Schmeller-Fr. 1, 605
und Weinhold
bair. gr. 131,
dazu einfaches thumben
Ambraser liederbuch 148
Bergmann; dompen Jensen
nordfries. spr. d. Wiedingharde 73; timpe
klingen, timp
klang Müller-Weitz
Aachen 245;
mit sproszvokal tumullen Albanus
päpstliche anatomia (1636) 193.
bedeutung und gebrauch. tummeln,
intransitiv und unpersönlich gebraucht, bezeichnet ein allgemeines dröhnen oder lärmen, das durch verschiedenartige, oft mehrfache ursachen bewirkt werden kann. 11)
ein entferntes, unbestimmtes geräusch oft unbekannter ursache; gern als subst. inf. oder mit unpersönl. subjekt, vgl. 1tummel;
aestuat tumilot (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 644, 14
St.-S., wohl nicht als wortgetreue übersetzung von aestuare, sondern in freier wiedergabe des von Virgil georg. 4, 263
gebrauchten akustischen vergleichs (
tum sonus auditur gravior ... aestuat ut clausis rapidus fornacibus ignis): (
gefangene sitzen in einem turm) do das her cham zue gerantt ... und sy das tumeln hortten, sy ruefften mit chleglichen wartten (1352) Seifrit
Alexander 3531
Gereke; do hort er eines tags in der kamer nahent bey seiner kamer ein tumeln (
clamores) und ein freylich geschray ... der chnecht ... sagt dem herren mit grosser forchtte also ... ewrer swester suon hat ein frauenpild notgezogt zu seinem willen und hat darumb mit ir gerungen, das ist die sach (
ursache) des tummelns und schreyens (
clamoris) Hartlieb
dial. miraculorum 239
Drescher; was bedeutet sich das geschrei der tumelnden stat
Wenzelbibel 3. kön. 1, 41 (
insonuit terra a clamore eorum ... et Joab ait: quid sibi vult clamor civitatis tumultuantis),
bei Jelinek
mhd. wb. 729
irrtümlich unter tûmeln '
taumeln'; was gehen in diesen nonnenklöstern vor greuliche sachen für, wie tumullen und ramblen darin die verfluchten incubi Franciscus Albanus
päbstische anatomia (1636) 193; und aus dem brausenden wogen des arabischen lärmens und tümmelns kochte von zeit zu zeit das wuth- und angstgeschrei eines gelangweilten eselhengstes ... hervor B. Goltz
kleinstädter in Ägypten (1877) 62; wieda freili herst tümmeln und welteln und knerrn, als warns urichti worn Stelzhamer
ausgew. dichtungen 3, 141
Rosegger. 22) '
donnern'; domilot
et circumtonat ahd. gl. 2, 42, 34
St.-S. (
Trierer hs. 11.
jh.);
vgl. adtonitus pitumilonti
ebda 1, 190, 31.
heute nur mundartlich tummle
n donnern Martin-Lienhart
elsäss. 2, 684; dimmele
n donnern, gewittern Follmann
lothr. 89;
für Heidelberg Ochs
bad. 1, 591; Autenrieth
pfälz. 33; Scholl
Ottweiler 96; dommelen Kehrein
volksspr. i. Nassau 114; tümmeln
donnern (
für Saarwerden) Klein
prov. wb. (1792) 2, 201; tümmeln
donnern und blitzen (
für Passeier) Frommann
zs. f. dt. maa. 4, 457. 33)
ein durch instrumente hervorgerufenes geräusch. mundartlich timmeln
und dümmeln
klopfen, lärmen Unger-Khull
steir. 155; tümbln
lärm machen durch schlagen, klopfen, schieszen usw. Bacher
Lusern 411. 3@aa) '
krachen'
von feuerwaffen: die bichsen ... machten überaus ain grosz knellen und dumlen, darvon die hertzogin und ire kind fast erschracken (
Augsb. um 1551)
städtechron. 23, 105;
vgl.dumeren
ebda 273; inmittelst ist darinnen in der statt auff ein neues ein grosz schiesen und tummeln und werden auff desz Türcken seiten ... alle erschlagen J. Ayrer
dr. 1811
lit. ver.; flux hörät i timmeln und schoissen
bei Schmeller-Fr. 1, 506; tümeln wil i drein, als wenn dä feind da wär
ebda. 3@bb)
klopfen, rasseln, schallen: (
auf die heerpauken) schlecht man mit klüpfeln, das es ser laut und helle tummelt (1511) Virdung
musica getutscht (1882) 24; auch haben es andere oft von ferne angesehen, wie der berg, darauff gemelter Antonius endlichen wegen der verfolgung der christen geflohen war, ganz und gar mit teuffeln umbgeben gewesen sei, welche geprüllet und mit rüstung getümmelt haben Sal. Gessner
christl. betrachtung des psalters (1599) G 7
b; fern, fernher dröhnte dumpf das tümmeln der schmiedehämmer von Vogelsang. tag und nach ttümmelten sie E. v. Handel-Mazzetti
Stephana Schwertner (1927) 1, 45; jetzt tümmelten schläge ans geschlossene tor, weithin hörbar durch die mittagsstille gegend
ebda 2, 285;
vgl. ebda 3, 503; 507; 1, 270; der hahnenkamp ... tümmelte mit der heugabel an der oberstube, dasz die hühner kreischend von ihren sitzstangen flatterten Rosegger
schr. (1895) I 11, 124.
lärm machen, poltern Unger-Khull
steir. 182; stampfts mit die füesz, tummelts an d'wänd, dasz uns do hören! E. v. Handel-Mazzetti
Stephana Schwertner (1927) 1, 270; hast du so getümmelt? Paula Grogger
Grimmingtor (1926) 174.
mundartlich: schlagen, klopfen Zingerle
Lusern 56; Bacher
Lusern 411;
hämmern, schlagen, lärmen Schmeller-Fr. 1, 506;
vgl. dammern, dampern, dämmern
ebda; dumrn
klopfen, anklopfen Gerbet
Vogtland § 186, 1; 147, 1; døymərn '
mit einem schweren hammer zuschlagen'
rhein. wb. 1, 1558.
die akustische vorstellung kann zurücktreten, '
schlagen': tümmeln
battere Schmeller
cimbrisch 179; ön Passawern auf d' sturmhaubn tümmeln, hörst Rudl, dös triff i aa Handel-Mazzetti
Stephana Schwertner (1927) 2, 31. 44)
das geräusch ist mit ungestümer bewegung verbunden oder von ihr verursacht; vgl. 'tummeln
ist ein getümmel mit schreyen und lauffen machen oder anrichten; tumultuare, far romore, romoreggiare' Güntzel
teutsch-italiän. (1648) 792;
reflexiv, in analogie zu 3tummeln: sich tummeln
einen lärm, ein getümmel verursachen ('
veraltet') Voigtel
wb. 3 (1795) 432;
mundartlich '
lärmen, tumult machen' Schöpf
Tirol 775.
so schon früh literarisch bezeugt: vor dem eingange des slafgadems tumelten sie und kunstlichen ein gereicze machten sie in sachen der erweknüsse, so das nicht von den weckenden, sunder von den schimpfenden Holofernes erwachte
Wenzelbibel Judith 14, 9 (
ante ingressum cubiculi perstrepentes excitandi gratia inquietudinem arte moliebantur, ut non ab excitantibus, sed a sonantibus Holofernes evigilaret),
bei Jelinek
mhd. wb. 729
irrtümlich unter tûmeln '
taumeln'; und er (
Jesus) kam in das haus des obersten der schule, und sahe das getümel, und die da seer weineten und heuleten, und er gieng hinein, und sprach zu jnen: was tummelt und weinet jr? (
quid turbamini et ploratis?)
Marc. 5, 39;
ebenso Zürcher bibel (1531); da ward ein ernstlich und grosz geschrey, sausen unnd tümmeln desz volcks, unnd kam das volck zu beyden seiten alles an einander und geschahe da ein groszes morden unnd blutvergieszen (
in der schlacht)
buch der liebe (1587) 332
b.
vielleicht hierher: dann narren hören doch gern schellen. laszt die centauros lust auch haben, wann die pferd schreien, dumlen, traben, die bauren, wann die hüner gachsen, so sie die eyer hören wachsen. oder wann villeicht muowt die kuoh, der ochs brelt und bläht geysz darzuo Fischart
w. 1, 374
Hauffen. 55)
lärmende zusammenrottung einer erregten, widersetzlichen menge, vielleicht unter einwirkung von tumult (
s. d., doch vgl. die entsprechende entwicklung bei geschälle 3,
teil 4, 1, 2,
sp. 3832).
der bedeutungsschwerpunkt liegt auch hier im lärmen, nicht in der bewegung: warumb dumlen die leutt also (
quare fremuerunt gentes) ... warumb tretten die kunige der erden also zusamen, und die fursten werden einisz widder gott und widder seynen Christum? Luther 10, 1, 1, 399
W. (
dagegen in der bibelübersetzung: warumb toben die heiden?
ps. 2, 1); die ungestümmigkeit des gepöfels, wölichs also tobt und tuommelt und dröet Melanchthon
kurtzer begriff (1524) 9; da dümelt das folck, nimpt waffen und laufft in die alt statt Joh. Cochlaeus
historia Alberti Krantz v. d. alten Hussen zu Böhmen (1523) C 2
b; noch nie ist ghort wordn in der helln ein solch geschwürm von allen seln, auch gedenkt solchs auflaufs nicht mer der schwerlicher zu stilln gwest wer ... sie tummeln, schreien, schnurn daher, sie grimgranen ie lenger mer (1542)
bei Schade
satiren u. pasquille 1, 127.
auf geistiges übertragen: gotliche warheyt will haben stille hertzen, die da zuhoren und lassen sagen, die aber polltern und tumlen, wollen selbs recht haben oder zuvor tzeychen und ursach wissen, die fahen sie nymmermehr Luther 10, 1, 1, 441
W. 66) dimmeln
mundartlich '
fluchen, böse werden'
bei Schmeller-Fr. 1, 605; dimmeln und tummelitzen '
fluchen'
ebda; Schöpf
Tirol 775.