triftig,
adj. und adv. , '
treibend',
hd. form für nd. driftig,
das seit dem 14.
jh. nachweisbar ist; seine gelegentliche umsetzung in hd. form ist mit 1triftig
lautlich zusammengefallen und von den erklärern seit dem 17.
jh. häufig mit ihm ineins gesetzt worden. driftig
leitet sich ab von drift (
s. trift,
f., sp. 494).
nur auf nd., fries. und nl. boden als ursprünglich bezeugt. das norw.-dän. und das schwed. haben das wort aus dem mnd. entlehnt, s. Falk-Torp 1, 155; Hellquist
svensk et. wb. 100.
formen: mnl. driftich Verwijs-Verdam 2, 406,
neunl. driftig;
fries. driftich, druftich Dijkstra 1, 293 (
vgl. trift
sp. 494);
mnd. driftich, drifftich, driftigh, dryftig Schiller-Lübben 1, 578
b; Lasch-Borchling 1, 1, 478;
dän.-norw. driftig '
tätig, fleiszig',
schwed. driftig;
nd. driftig,
in hd. form triftig, trifftig.
in nd. maa. drifdi Mensing 1, 863; dröftig Frischbier
preusz. 1, 150; drifftig Schemionek
Elb. 9.
dazu dreftech
lux. 70
und dreftig Hönig
Köln. 36.
bedeutung und gebrauch. der wortsinn von 2triftig
bleibt im gegensatz zu 1triftig
meist concret oder doch auf concreta angewandt. 11) '
treibend auf dem wasser',
zu drift '
strömung, bewegung im wasser' (
s. trift B 2),
von gegenständen: se scholen hebben den drudden del des ghudes, dat drifftich worden were
Dithm. urk. (1384)
bei Schiller-Lübben 1, 578
b; were ok, dat van schipbroke guod driftich wurde to unzeme lande unde ghebede (15.
jh.)
Bremer urkundenbuch 4, 525
Ehmk-Bippen; ebenso mit suffix-variante: gud van schipbroke driftachtich (1406)
ebda 4, 446; driftaftich (1408)
ebda 4, 488.
vgl. mnl. driftich Verwijs-Verdam 2, 406; driftigh sand
glarea Kilian (1605) 96
b; t' hout (
holz) is driftig, maar een steen is niet driftig Kramer
nider-hochteutsch (1719) 1, 73
a. —
seit dem ende des 18.
jh. als fachausdruck in der seemannssprache vermerkt; vgl. auch seedriftig, -triftig
teil 10, 1, 75: 'driftig
oder auch vlot,
wenn etwas, so an, auf oder im wasser feste gewesen, treibend wird' Benzler 1, 123; triftiger anker '
dasz der anker nicht festhält und das schiff solchen mit fortschleppt' Röding
allg. wb. d. mar. (1793
ff.) 2, 808; triftig raaken (
vgl. driftig raken
woordenb. d. ned. taal 3, 2, 3338) '
von einem schiff, welches vor anker triftig
wird und auf solche weise auf den strand zu sitzen kömmt'
ebda; vgl. noch Bobrik
nautisches wb. (1850) 549
b; Stenzel
dtsches seem.-wb. (1904) 428; ... packte uns eine jähe bö ... auf eine so rauhe weise, dasz wir auf der hundsföttschen rhede triftig wurden und nur die wahl hatten, auf den strand geworfen zu werden oder in see zu gehen Edm. Höfer
vergangene tage (1859) 201.
in nd. maa. vor allem in gebieten längs der küste: dat schip is driftig Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 333;
brem.-nieders. wb. 6, 43; Dähnert 88
a.
ähnlich im sinne von '
bewegt': de luft is heel drifdi Mensing
schlesw.-holst. 7, 863,
vgl. trift B 2
ende. 22)
seltener vom viehtreiben (
s. trift B 3).
einige belege weisen hier über das nd. gebiet hinaus: it ne scal neman enne sunderleken herde (
hirten) hebben. swe swin heft, de driftich sint (
d. i. weidefähig), de scal he vor den herde driven (1349)
Braunschw. urk. 1, 47
Hänselmann; so gebieden wir dengenen, de rintvleisch denkent zo hauwen, dat si geine rinder gelden ensoillen, de driftich sint up den weigen (
auf den wegen getrieben werden) ind de zoi Coelne zo marte seulden komen (1407)
Köln. zunfturk. 2, 122
Loesch; tsamen dryftig sin
zusammen ausgetrieben werden Altenaer urk. (1574)
bei Woeste
westf. 58
b. triftig '
mit vieh betrieben' (
zu trift B 3 b a)
wohl zufällig nur vereinzelt belegter ausdruck der jäger- und förstersprache: (
junge vogelbeerbäume) werden an trifftigen örtern vom viehe abgefressen Döbel
jägerpractica (1754) 3, 14. 33) '
sich umhertreibend',
in spärlicher bezeugung; wohl zu treiben VI
zu stellen: unde wente hir vele leddighes driftighes volkes is, ... den scal he upholden (
anf. d. 15.
jh.)
urk.-b. d. st. Lübeck 6, 759,
vgl. 2treibe,
f., 2; item efft yemende van dessen vorgescr. ampten yennich driftich gudt tor handt queme, dar em ane mysduchte, dat schal he touen (
anhalten) up enen warsaghen (
bürgen) (1482)
bei Schiller-Lübben 1, 578
b;
hierher mundartlich driftig vee '
auf dem land sich herumtreibend' Dähnert 88
a. 44) '
eifrig treibend und drängend, kühn, leidenschaftlich',
von menschen (
vgl. trift 2
ende): als nu de borgher ... segen de wyesheit unde de driftigen moetheit des greven Adolfi Herm. v. Lerbeck
Schaumb. chron. (15.
jh.)
bei Schiller-Lübben 1, 578
b;
vgl. nnl. driftig '
begeerig, verlangend, haastig, vervuld van plotselinge toornigheid of heftig ongeduld'
woordenboek d. nederl. taal 3, 2, 3337
und mnld. drifticheit '
drift, haast, voortvarendheid' Verwijs-Verdam 2, 406.
in hd. form (
umsetzung aus dem nl.): printz Alexander hatte eine über die maszen trifftige, jähe und streithafftige natur, ware jedoch gleichwohl beliebt und dienstwillig dabei
M. Krämer
leben und tapffere thaten (1681) 274; dan wie man in widerspänstigen, hartnäkkigen geschäften, damit es ... keinen fortgang ... gewinnen wil, keines weges al zu triftig, frefelmüthig (
zudringlich), verwegen und mit aller gewalt ... hartherzig (
unnachgiebig) sein sol J. Neuhof
die gesandtschaft (1666) 30
a (
unter nl. einflusz); driftig
urgens, instans Schottel
haubtspr. (1663) 1305; driftig, triftig, '
hitzig, eiferig, heftig' Kramer
nider-hochteutsch (1719) 1, 73
a; triftige begierde
ardente, accesa, intensa voglia Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1143
a;
passion véhémente, ardente, violante Chr. Fr. Schrader
deutsch u. franz. wb. (1781) 1383
a; triftige neigung
a strong or passionate inclination Chr. Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2021; triftiges suchen
poursuite pressante dict. all.-franc. (1762) 915; triftig nach etwas seyn
être âpre à qq. ch. ebda; vgl. mnd.: 2 walker weren so drifftich geworden up den newedder (
ein kleiderstoff) to walkende (
was verboten war) unde Gartman hadde dor de vinger gesen (1492
wollenweber-amtsbuch zu Wismar)
jahrb. d. ver. f. nd. sprachf. 45, 52,
vgl. auch Schiller-Lübben 3, 183
b. trifftige bewegungen
eager, instant, drifty, hot, ... driving ... suits, sollicitations Chr. Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 2021. —
mehr im sinne von '
eifrig, geschäftig': triftig '
negotiosus, insistens rei, quam agit Schottel 1434; triftig arbeiten
travailler avec ardeur Chr. Fr. Schrader
deutsch. u. franz. wb. (1781ff.) 1383. '
mit eifer betrieben': triftige bewerbungen
calde pratiche Kramer 2 (1702) 1143
a. '
drängend, unabweislich': triftiges geschäft
affaire pressante Chr. Fr. Schrader
dtsch. u. franz. wb. (1781) 1383.
die nd. maa. führen diese anwendungen fort: hê hed so 'n driftigen natur, dat man sük bî hum in acht nämen mut, wen man gên strîd mit hum hebben wil Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 333; un de Schultenort is 'ne driftige ort ... (
er) würd mi kein rauh laten, so würd hei mi tau driwen. ne, en richtigen ratsherr möt mit den lehnstaul tausam stimmen, up den'n hei in den rat sitt, beid möten bequem sin Fr. Reuter
w. 7, 217
Seelm.; up de geest sünd de lüd banni drifdi un neri (
auf die nahrung bedacht, sparsam, arbeitssam) Mensing 1, 863;
als adv. '
eilig': de diek lang teen twe wagens, de fahren driftig to
brem.-nieders. wb. 6, 43.
als '
munter, mutwillig': ne ganze ban'n von lütte driftige quintaners un quartaners Fr. Reuter
w. 6, 90
Seelm.; de jung is so driftig Dähnert 88
a.
mehr abschätzig '
durchtrieben, pfiffig' Colm. Schumann
Lübeck (1907) 85; '
verschlagen, schlau, hinterlistig': man musz schon driftig sein und freundlich thun Frischbier
preusz. 1, 150;
ebenso Schemionek
Elb. 9; Betcke
Königsb. 23. 55) '
kräftig, fruchtbar',
vgl. vegetatives treiben VI 4,
teil 11, 1, 2, 70;
mundartlich: driftiget land '
fruchtbares land'
brem.-nieders. wb. 6, 43; dreftech '
kräftig entwickelt'
lux. ma. 70; triftig '
stark' J. H. Schmitz
sitten u. sagen des Eifler volkes 1, 232. 66)
für sich steht: triftiger morast '
soviel wie dobbe' Mothes
baulex. 4, 372.