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triftig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

triftig adj. und adv.

Bd. 22, Sp. 509
triftig, adj. und adv. , 'treibend', hd. form für nd. driftig, das seit dem 14. jh. nachweisbar ist; seine gelegentliche umsetzung in hd. form ist mit 1triftig lautlich zusammengefallen und von den erklärern seit dem 17. jh. häufig mit ihm ineins gesetzt worden. driftig leitet sich ab von drift (s. trift, f., sp. 494). nur auf nd., fries. und nl. boden als ursprünglich bezeugt. das norw.-dän. und das schwed. haben das wort aus dem mnd. entlehnt, s. Falk-Torp 1, 155; Hellquist svensk et. wb. 100. formen: mnl. driftich Verwijs-Verdam 2, 406, neunl. driftig; fries. driftich, druftich Dijkstra 1, 293 (vgl. trift sp. 494); mnd. driftich, drifftich, driftigh, dryftig Schiller-Lübben 1, 578b; Lasch-Borchling 1, 1, 478; n.-norw. driftig 'tätig, fleiszig', schwed. driftig; nd. driftig, in hd. form triftig, trifftig. in nd. maa. drifdi Mensing 1, 863; dröftig Frischbier preusz. 1, 150; drifftig Schemionek Elb. 9. dazu dreftech lux. 70 und dreftig Hönig Köln. 36. bedeutung und gebrauch. der wortsinn von 2triftig bleibt im gegensatz zu 1triftig meist concret oder doch auf concreta angewandt. 11) 'treibend auf dem wasser', zu drift 'strömung, bewegung im wasser' (s. trift B 2), von gegenständen: se scholen hebben den drudden del des ghudes, dat drifftich worden were Dithm. urk. (1384) bei Schiller-Lübben 1, 578b; were ok, dat van schipbroke guod driftich wurde to unzeme lande unde ghebede (15. jh.) Bremer urkundenbuch 4, 525 Ehmk-Bippen; ebenso mit suffix-variante: gud van schipbroke driftachtich (1406) ebda 4, 446; driftaftich (1408) ebda 4, 488. vgl. mnl. driftich Verwijs-Verdam 2, 406; driftigh sand glarea Kilian (1605) 96b; t' hout (holz) is driftig, maar een steen is niet driftig Kramer nider-hochteutsch (1719) 1, 73a. — seit dem ende des 18. jh. als fachausdruck in der seemannssprache vermerkt; vgl. auch seedriftig, -triftig teil 10, 1, 75: 'driftig oder auch vlot, wenn etwas, so an, auf oder im wasser feste gewesen, treibend wird' Benzler 1, 123; triftiger anker 'dasz der anker nicht festhält und das schiff solchen mit fortschleppt' Röding allg. wb. d. mar. (1793 ff.) 2, 808; triftig raaken (vgl. driftig raken woordenb. d. ned. taal 3, 2, 3338) 'von einem schiff, welches vor anker triftig wird und auf solche weise auf den strand zu sitzen kömmt' ebda; vgl. noch Bobrik nautisches wb. (1850) 549b; Stenzel dtsches seem.-wb. (1904) 428; ... packte uns eine jähe bö ... auf eine so rauhe weise, dasz wir auf der hundsföttschen rhede triftig wurden und nur die wahl hatten, auf den strand geworfen zu werden oder in see zu gehen Edm. Höfer vergangene tage (1859) 201. in nd. maa. vor allem in gebieten längs der küste: dat schip is driftig Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 333; brem.-nieders. wb. 6, 43; Dähnert 88a. ähnlich im sinne von 'bewegt': de luft is heel drifdi Mensing schlesw.-holst. 7, 863, vgl. trift B 2 ende. 22) seltener vom viehtreiben (s. trift B 3). einige belege weisen hier über das nd. gebiet hinaus: it ne scal neman enne sunderleken herde (hirten) hebben. swe swin heft, de driftich sint (d. i. weidefähig), de scal he vor den herde driven (1349) Braunschw. urk. 1, 47 Hänselmann; so gebieden wir dengenen, de rintvleisch denkent zo hauwen, dat si geine rinder gelden ensoillen, de driftich sint up den weigen (auf den wegen getrieben werden) ind de zoi Coelne zo marte seulden komen (1407) Köln. zunfturk. 2, 122 Loesch; tsamen dryftig sin zusammen ausgetrieben werden Altenaer urk. (1574) bei Woeste westf. 58b. triftig 'mit vieh betrieben' (zu trift B 3 b a) wohl zufällig nur vereinzelt belegter ausdruck der jäger- und förstersprache: (junge vogelbeerbäume) werden an trifftigen örtern vom viehe abgefressen Döbel jägerpractica (1754) 3, 14. 33) 'sich umhertreibend', in spärlicher bezeugung; wohl zu treiben VI zu stellen: unde wente hir vele leddighes driftighes volkes is, ... den scal he upholden (anf. d. 15. jh.) urk.-b. d. st. Lübeck 6, 759, vgl. 2treibe, f., 2; item efft yemende van dessen vorgescr. ampten yennich driftich gudt tor handt queme, dar em ane mysduchte, dat schal he touen (anhalten) up enen warsaghen (bürgen) (1482) bei Schiller-Lübben 1, 578b; hierher mundartlich driftig vee 'auf dem land sich herumtreibend' Dähnert 88a. 44) 'eifrig treibend und drängend, kühn, leidenschaftlich', von menschen (vgl. trift 2 ende): als nu de borgher ... segen de wyesheit unde de driftigen moetheit des greven Adolfi Herm. v. Lerbeck Schaumb. chron. (15. jh.) bei Schiller-Lübben 1, 578b; vgl. nnl. driftig 'begeerig, verlangend, haastig, vervuld van plotselinge toornigheid of heftig ongeduld' woordenboek d. nederl. taal 3, 2, 3337 und mnld. drifticheit 'drift, haast, voortvarendheid' Verwijs-Verdam 2, 406. in hd. form (umsetzung aus dem nl.): printz Alexander hatte eine über die maszen trifftige, jähe und streithafftige natur, ware jedoch gleichwohl beliebt und dienstwillig dabei M. Krämer leben und tapffere thaten (1681) 274; dan wie man in widerspänstigen, hartnäkkigen geschäften, damit es ... keinen fortgang ... gewinnen wil, keines weges al zu triftig, frefelmüthig (zudringlich), verwegen und mit aller gewalt ... hartherzig (unnachgiebig) sein sol J. Neuhof die gesandtschaft (1666) 30a (unter nl. einflusz); driftig urgens, instans Schottel haubtspr. (1663) 1305; driftig, triftig, 'hitzig, eiferig, heftig' Kramer nider-hochteutsch (1719) 1, 73a; triftige begierde ardente, accesa, intensa voglia Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1143a; passion véhémente, ardente, violante Chr. Fr. Schrader deutsch u. franz. wb. (1781) 1383a; triftige neigung a strong or passionate inclination Chr. Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2021; triftiges suchen poursuite pressante dict. all.-franc. (1762) 915; triftig nach etwas seyn être âpre à qq. ch. ebda; vgl. mnd.: 2 walker weren so drifftich geworden up den newedder (ein kleiderstoff) to walkende (was verboten war) unde Gartman hadde dor de vinger gesen (1492 wollenweber-amtsbuch zu Wismar) jahrb. d. ver. f. nd. sprachf. 45, 52, vgl. auch Schiller-Lübben 3, 183b. trifftige bewegungen eager, instant, drifty, hot, ... driving ... suits, sollicitations Chr. Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2021. — mehr im sinne von 'eifrig, geschäftig': triftig 'negotiosus, insistens rei, quam agit Schottel 1434; triftig arbeiten travailler avec ardeur Chr. Fr. Schrader deutsch. u. franz. wb. (1781ff.) 1383. 'mit eifer betrieben': triftige bewerbungen calde pratiche Kramer 2 (1702) 1143a. 'drängend, unabweislich': triftiges geschäft affaire pressante Chr. Fr. Schrader dtsch. u. franz. wb. (1781) 1383. die nd. maa. führen diese anwendungen fort: hê hed so 'n driftigen natur, dat man sük bî hum in acht nämen mut, wen man gên strîd mit hum hebben wil Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 333; un de Schultenort is 'ne driftige ort ... (er) würd mi kein rauh laten, so würd hei mi tau driwen. ne, en richtigen ratsherr möt mit den lehnstaul tausam stimmen, up den'n hei in den rat sitt, beid möten bequem sin Fr. Reuter w. 7, 217 Seelm.; up de geest sünd de lüd banni drifdi un neri (auf die nahrung bedacht, sparsam, arbeitssam) Mensing 1, 863; als adv. 'eilig': de diek lang teen twe wagens, de fahren driftig to brem.-nieders. wb. 6, 43. als 'munter, mutwillig': ne ganze ban'n von lütte driftige quintaners un quartaners Fr. Reuter w. 6, 90 Seelm.; de jung is so driftig Dähnert 88a. mehr abschätzig 'durchtrieben, pfiffig' Colm. Schumann Lübeck (1907) 85; 'verschlagen, schlau, hinterlistig': man musz schon driftig sein und freundlich thun Frischbier preusz. 1, 150; ebenso Schemionek Elb. 9; Betcke Königsb. 23. 55) 'kräftig, fruchtbar', vgl. vegetatives treiben VI 4, teil 11, 1, 2, 70; mundartlich: driftiget land 'fruchtbares land' brem.-nieders. wb. 6, 43; dreftech 'kräftig entwickelt' lux. ma. 70; triftig 'stark' J. H. Schmitz sitten u. sagen des Eifler volkes 1, 232. 66) für sich steht: triftiger morast 'soviel wie dobbe' Mothes baulex. 4, 372.
8047 Zeichen · 238 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Triftig

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Triftig , -er, -ste, adj. et adv. eigentlich Trift habend. 1) * Von dem Nieders. Trift, Trieb, anhaltende Bestimmung der…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    triftig

    Goethe-Wörterbuch

    triftig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Triftig

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Triftig , ist ein Schiff, das treibt d.h. wenn es ohne Leitung dem Zuge des Windes oder der Wellen folgt.

  4. modern
    Dialekt
    triftig

    Bayerisches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    triftig Band 4, Spalte 4,500

  5. Spezial
    triftig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    trif|tig adj. 1 (glaubwürdig) credibl (-i, -a), plausibl (-i, -a) 2 (beweiskräftig, stichhaltig) fondé (-dá, -dada), che…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit triftig

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von triftig

trift + -ig

triftig leitet sich vom Lemma trift ab mit Suffix -ig.

triftig‑ als Erstglied (1 von 1)

triftigkeit

DWB

triftig·keit

triftigkeit , f. , adjectivabstract, von 1 triftig gebildet, dem auch die bedeutung entspricht ( doch sieh u. 3), im 15. jh. ganz vereinzelt…

Ableitungen von triftig (1 von 1)

untriftig

DWB

untriftig , adj. adv. , nicht triftig: zwar hat schon D. dieser erklärung widersprochen, aber aus untriftigern gründen Lessing 10, 137 M.; d…

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APA
Cotta, M. (2026). „triftig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/triftig/dwb?formid=T10884
MLA
Cotta, Marcel. „triftig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/triftig/dwb?formid=T10884. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „triftig". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/triftig/dwb?formid=T10884.
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