trampeln,
vb. ,
iterativbildung zu 1trampen (
s. d. sp. 1183);
parallel gebildet engl. trample;
zur frage einer mittelbaren entlehnung des provenc. trampol,
m., '
getrappel'
und it. trampoli,
m. pl., '
stelzen'
vgl. Gamillscheg
etym. wb. d. frz. spr. 862. 11)
calcitrare Dief. 89
b;
nov. gl. 66
a;
so schon spätmhd.; vgl. mhd. wb. 3, 83
b.
in den älteren wbb. selten aufgeführt Kramer (1702) 2, 1114
c; Ludwig (1716) 2000; Steinbach
vollst. dtsch. wb. (1734) 2, 837; '
zu wiederholten malen mit den füszen trampen' Adelung 4, 1026.
mundartlich über ganz Deutschland verbreitet; vgl. etwa Siebs
Helgold. 295
b; Jensen
nordfries. 638; ten Doornkaat-Koolman 3, 429
a;
brem. wb. 5, 96/7; Richey
id. Hambg. 311; Schütze
holstein. wb. 4, 274; Danneil
altmärk. 226
b; Vollbeding
nd. wb. 66; Dähnert
pomm. ma. 493
b; Fischer
Samland 156
b; Woeste
westfäl. 273
b;
Elberfeld. wb. 164
a; Damköhler
Nordharz. 195
b; Schambach
Götting.-Grubenhg. 233
a; Schmidt
westerwäld. 262; Kehrein
Nassau 1, 407; Crecelius
oberhess. 287; Hertel
Thür. 246; Follmann
lothr. 99
a; Blumer
nordwestböhm. ma. 31
a; Birlinger
augsbg. wb. 122
a; Unger-Khull
steir. 166
a; Lexer
kärnt. 67; Martin-Lienhart
els. 2, 758
a; Fischer
schwäb. 2, 315;
daneben notieren umgelautete formen trämpeln, trempeln Jungandreas
schles. zeitwortbildg. 75; Knothe
schles. ma. in Nordböhmen 186; Stauf v.
d. March
nordmähr. 93; Müller-Fraureuth 1, 238
a; Schöpf
tirol. 751. 1@aa)
häufig zur bezeichnung für den ungeschickten schritt plumper menschen oder thiere: einhertrampeln wie die groben bauren Kramer (1702) 2, 1114
c; man soll sich nicht betrinken, im tantzen sieht man es, man trampelt wie ein bär Henrici
ernst-, scherzh. u. satir. ged. 2, 422; man fand einen stoszzahn von einem fürchterlichen geschöpf, das wie ein trampelnder berg ausgesehen haben musz Vischer
auch einer (1879) 1, 261; ich lief früh mit der dämmerung schon durch die allee, wo all deine tritte in den kies geprägt und schön bereift waren; wär ich später gegangen, so hätten die marktleute drauf herum getrampelt Bettine
Cl. Brentanos frühlingskr. 1, 3;
übertragen: also sind die leute nicht rechter sinnen, welche die absolution verachten und lieber in ihren schandtaten daher trampeln Herberger
hertzpostilla (1613) 2, 356.
oft liegt der nachdruck auf dem dabei entstehenden dumpf hallenden geräusch: Franke (1674),
s. th. 5, 960
unter b; (
von einem ritter in schwerer rüstung) schon trampelts laut die langen wendelstiegen herauf Wieland
Oberon, ges. 3,
str. 46; noch gedenke ich des entsetzens, mit dem wir uns einmal vor einem trupp junger stiere unter die grosze kanalbrücke retteten, und die ungeheuer auf den losen brettern über unsern häuptern trampeln hörten Sophie Schwerin-Dönhoff
erinn. 68; ein trampeln und knicken und knacken, als ob ein reiterregiment im anzuge sei ... es war ein trupp hochgeweihter hirsche Laube
ges. schr. 2, 7. 1@bb)
gewöhnlich für das beabsichtigt heftige, unregelmäszig wiederholte aufstoszen der füsze auf den erdboden, mit dem keine vorwärtsbewegung verbunden ist: schläget händ wider händ, trampelt rümb auff der erd Tob. Hübner
d. andere woche (1622),
plagen 143; wan das wasser zu klahr ist, stampfen und trampeln sie so lange mit den füszen, bis es gelähmet und dicke genug ist Dapper
Africa (1670) 14
b; andere hätten vor lachen zerbersten mögen, wenn der esel zu schreien oder zu trampeln anfing J. B. Mencke 2
reden v. d. charlatannerie (1716) 165; mit dem vielen gehen und trämpeln der zimmerleute wird der boden so feste Döbel
neueröff. jägerpract. (1754) 3, 45; onkel Fritz, in dieser noth, haut und trampelt alles todt Wilh. Busch
Max und Moritz 37; er trampelte an der thürschwelle den schnee von den schuhen Rosegger
schr. I 2, 333; fing an, mit viel stoszen und trampeln die groszen stiefeln anzuziehen Frenssen
Jörn Uhl (1902) 44;
selten übertragen: gleich fatal ist ihr die trampelnd deklamierende passion, jenes pathos, das mit flatternd aufgelöstem haar einherstürmt Heine
w. 1, 435
Elster; auf ihren zartesten empfindungen war wie mit füszen getrampelt worden v. Polenz
Grabenhäger 1, 322.
diese absichtliche bewegung wird leicht zur körperlichen begleiterscheinung leidenschaftlicher gefühlsausbrüche: rasend schmeiszt er seinen hut zur erde, trampelt drauf, er tritt mit füszen die madonnen! Heine
w. 2, 358
Elster; die beiden jaherrn klatschten in die hände und trampelten vor seligkeit mit den füszen v. Gaudy
s. w. 2, 73; (
die zuschauer bei der ersten aufführung der '
räuber') schrieen und weinten, sie jubelten und röchelten, sie trampelten mit den füszen und rangen die hände v. Molo
Schillerroman 1, 191
volksausg.; abgeschwächter in ursprünglich studentischer sitte typische beifallsäuszerung: der professor trat ein und wurde mit trampeln begrüszt Paul Ernst
weg zum glück 117; der zweite platz (
im theater) benutzte seine stellung, um durch trampeln mit den beinen seine freude auszudrücken Fritz Reuter
w. 4, 223
Seelmann. übertragen fest geworden als ausdruck böswilligen übermuts oder verächtlicher geringschätzung: man sol den herrn nit auffm maul trampeln, noch ihnen auff den rock treten Petri
d. Teutschen weisheit 2, O o 4
r; weil Andreas eisgraue haare trägt, trampeltest du wie ein gassenjunge auf den gesetzen? Schiller 3, 65
G.; federspritzeln, ehr beklecken, ungeheueres geschnatter! wilde recken, wilde recken, trampelt nicht die welt noch platter Eichendorff
s. w. (1864) 1, 424; so lang man einen für gutmütig hält, trampelt ein jedes auf ihm herum Auerbach
schr. (1892) 13, 106; das geschlecht stirbt nie aus, welches sich dann am herrlichsten dünkt, wenn es mit unheiligen sohlen auf dem rasen trampelt, der die gebeine unserer väter deckt Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 433;
redensartlich: uff'm koppe rum trampeln lass ich mir nich! G. Hauptmann
biberpelz (1893) 56. 22) '
mit dem fusz sanft, ein wenig treten; trippeln': welcher den schooszhund in des herren händen spielen sahe, dasz er mit denn fordern füszen den herren auf den schoosz trampelte Treuer
dtsch. Dädalus (1675) 1, 618.
heute nur als trämpele
hochalemannisch Stalder
schweiz. 1, 296; Seiler
Basler ma. 83
b; Hunziker
Aargauer wb. 58. 33) '
langsam gehen',
mundartlich westdeutsch; meist als trämplen Schmidt
westerwäld. 262; Crecelius
oberhess. 287; Kehrein
Nassau 1, 407; Wegeler
Coblenzer ma.2 77; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 758
a; Fischer
schwäb. 2, 366.
vgl.trampler 2; tramplig,
sp. 1185. 44) '
zaudern; zögern' Müller
rhein. wb. 1, 1434; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 758
a; Fischer
schwäb. 2, 366. 55)
rotwelsch '
betrügen' Ostwald
rinnsteinspr. 155; Polzer
gaunerwb. 92
a; lasz dich von dem hallunken nicht trampeln und beschummeln P. Lindau
spitzen 142.