trägheit,
f. ,
tarditas, pigritia. ahd. mhd. mnd. trâcheit;
diese umlautlose form herscht noch frühnhd. vor (
z. b. tragkait Keisersberg
predigen teutsch [1508] 9
b; trochheit, trockheit
ders. bilgerschafft [1512] 17
a; 103
a; tragheit Luther 1, 254
W.; 10, 2, 399; 15, 111
u. ö.; tragkeit, tragheit H. Sachs 1, 359
lit. ver.; 7, 357; tragkeit Wickram 3, 260
lit. ver.; noch bei Apherdianus
methodus discendi [1601] 130 trachkeit).
die umgelautete form ist zuerst und selten im 15.
jh. bezeugt (tregheyt
ignavia aus dem anfang des jhs. Diefenbach 285
a; trägkait
Hätzlerin 274; trägkait Niklas v. Wyle
translat. 113
lit. ver. neben trAvgkait 15),
auch im 16.
jh. noch nicht häufig (
z. b. trägheit C. Hedio
chron. Germ. [1530] 306
a; J. Maaler [1561] 405
a; trägheyt Fischart 3, 237
Hauffen; tregheit Ringwald
evangelia [1581] A 3
b),
herrscht dann aber ausschlieszlich (
jetzt ohne umlaut nur nd. traagheet, traagheit Dähnert
plattdeutsch. 493
b;
brem.-niedersächs. wb. 5, 95).
wie träge
wird auch trägheit
vornehmlich in der schriftsprache gebraucht; dialektisch findet es sich im nd. s. o., sonst dafür faulheit (
s. Fischer schwäb. 2, 303). AA.
von langsamer und mühseliger bewegung des körpers; schwerbeweglichkeit, schwerfälligkeit. tarditas tragheit Diefenbach 573
c;
seritas spadeheit
vel tracheit
ebda 529
c. A@11)
eigentlich von mensch und thier: die schœn hât ir (
der durstschlange) diu nâtûr geben, wider daz si ir trâchait hât geben, wan diu slang ist gar træg ze slingen von ainer stat zuo der andern Konrad von Megenberg
buch der natur 281
Pfeiffer; dasz die zamen (
thiere) allzeit vil mer solcher uberflüssigkeyt bey sich samlen durch die trägheyt, wann die in der wildtnisz sich mancherley bewegen und vielfältige ubung haben Ryff
spiegel der gesundtheit (1574) 16
b; sind auch arme und beine nicht schwächlich gebaut, so sind sie doch mehr fettreich als muskulös, und zwar ist korpulenz als folge von trägheit häufig Ratzel
völkerkunde 2, 119; bewegung ist eine hauptquelle der gesundheit, trägheit das grab derselben Vieth
encyclop. der leibesübungen 2, 14;
herbeigeführt durch übermasz in der nahrungsaufnahme: die wohltätige natur hat ... diesen übertretern ihres gesetzes (
durch zu starkes essen) die bleyerne trägheit zugesellt Klinger 11, 151,
durch erschlaffung, ermüdung des körpers: in den glossen für lassitudo Diefenbach 319
c;
fessitudo nov. gloss. 172
a;
sompnolentia gloss. 542
a;
torpor gloss. 589
a und nov. gloss. 368
a;
torpedo, torpiditas gloss. 589
a; dâ solte er vrâgen von dem grâl; versæze er aber daz ein mâl, daz sie ûz giengen und in wider viengen slâf und diu müede und trâgheit ûf sich lüede Heinrich v.
d. Türlin
krone 28489; '... allein ermattet sind von streiten deine glieder oder furcht beklemmet dich ...' 'nein, mich beklemmet und entmannt noch furcht noch trägheit' Bürger 168
Bohtz; gewisz waren die tage, da ich den berg erstieg, die mühevollsten, beschwerlichsten meines lebens; das empfind ich noch jetzt an dieser trägheit, dieser steifheit und zerschlagung der glieder J. J. Engel 2, 27; ich seh auf euch, mein herr, und frische dadurch die trägheit der erhitzten sohlen an Immermann 16, 182
Boxb.; auch intensiviert bis zu '
ermüdung': sie ... hette gewachet also lange, daz sie nu von getwange gebedes unde der erbeit geving soliche drakeit, daz sie mit slafe wart bedrat
leben der heil. Elisabeth 1642;
vgl. 1605;
so heute nd.: traagheet '
müdigkeit' Dähnert
plattdtsch. 493
b; traagheit '
mattigkeit'
brem.-niedersächs. wb. 5, 95.
bes. bestimmten thieren zugeschrieben: der esel, welcher sich kaum selbst für trägheit rühret, ... ist dennoch sehr beglückt Lohenstein
blumen (1680),
himmelschlüssel 44; die maulesel, welche man auf diesem wege reitet, sind von einer besonderen trägheit grafen zu Stolberg 6, 208; zu dieser häszlichen form ... kommt bei dem molche die trägheit Vischer
ästhetik 2, 133. A@22)
unsinnlicher in der übertragung auf leblose subjecte. A@2@aa) die trägheit der flüsse zumal längst dem untern theil ihrer bahn Benzler
deichbaulex. 1, 197.
noch abgezogener, träge A 2 b
entsprechend: indem die materie die freie
thätigkeit des geistes durch ihre schwerfälligkeit und trägheit beschränkt W. v. Humboldt 1, 349; in den ältesten sprachen ... ist geist der ausdruck unsichtbarer strebender gewalt, dagegen leib, fleisch, körper, leichnam ... die bezeichnung todter trägheit Herder 17, 80
S.; jener kraftaufwand, der um der selbstbezwingung der trägheit unsers fleisches willen an sich schon einen sittlichen gehalt hat W. H. Riehl
deutsche arbeit 7;
vom ackerboden: also kan die frühe zeitigkeit der (
reb-) frucht die spate trägheit des grundes ersetzen v. Hohberg
georg. cur. 1, 332; aber glücklich für das menschengeschlecht, wenn es keinen schlimmern feind zu bekämpfen gehabt hätte als die trägheit des ackers, den grimm wilder thiere Schiller 9, 129
G. A@2@bb)
in der physik terminus technicus für das beharrungsvermögen der körper vgl. O. D. Chwolson
lehrb. der physik (1926) 1, 1, 76; Mothes
illustr. baulex. 4, 363: allein man darf nur die verschiedenen sätze, die im anfange der eigentlichen (empirischen) physik vorkommen, nachsehen, als den von der beharrlichkeit derselben quantität materie, von der trägheit, der gleichheit der wirkung und gegenwirkung usw., so wird man bald überzeugt werden, dasz sie eine physicam puram ... ausmachen Kant 3, 40
akad.; liesze auf einmahl des mondes schwere nach, so würde er sich in einer geraden linie in der ebene seiner bahn vermöge seiner trägheit fortbewegen Lichtenberg
verm. schr. (1800) 7, 136; mit dem verlöschen der lebensthätigkeit behaupten die organischen atome ihren zustand, ihre form und eigenschaften nur in folge der trägheit; ein groszes, umfassendes naturgesetz beweist, dasz die materie für sich keine selbstthätigkeit besitzt Liebig
chem. briefe 148;
feste verbindungen kraft der trägheit, gesetz der trägheit,
die zu den zusammensetzungen trägheitskraft, trägheitsgesetz
geführt haben, s. unter C: das ix. hauptstück erkläret die kraft der trägheit in der materie,
vim inertiae, aus der kraft der monaden Gottsched
das neueste a. d. anmuth. gelehrs. 7, 553; Nicolai
lit. br. (1759) 3, 172;
allg. dtsche bibl. 2, 2, 284;
weitergreifend: (
Hemsterhuis) vergleicht die eigenschaft der seele, die sich dem zusammenströmen mit andern wesen widersetzt, der kraft der trägheit in der materie; und allerdings musz diese kraft der trägheit viel was anders und mehr sein als der grosze trupp mechanischer philosophen von ihr weisz Herder 15, 320
S.; mit B 1 a
sich kreuzend: die kraft der wirkung und die kraft der trägheit sind die zwo wurzlen, woraus alles (
d. h. empfindungen und triebe der seele) so schön folgt Göthe 38, 349
W.; in körperlichen wie in geistigen dingen herrscht dasselbe gesetz der trägheit Fontane I 1, 124. A@2@cc)
in der medicin von unzureichender thätigkeit der menschlichen organe u. ä., vgl. träge A 2 c: indem ich den antheil, welchen die haut und die schleimhäute an der erhaltung der normalen blutmischung haben, auf diese weise beschränke, weisz ich wohl, welchen anstosz ich bei den ärzten errege, die so oft in der trägheit der genannten organe den grund von verderbnissen der säfte suchen Sömmerring
v. baue d. menschl. körpers 6, 987; in der that litt der könig ... an trägheit der organe Laube 3, 131; eine grosze trägheit der absonderung (
des samens), welche in der verhältnismäszig schwachen inneren samenpulsader einen grund findet Sömmerring
a. a. o. 5, 375.
anders in der später mittelalterlichen medicin: catarrus tracheit Diefenbach 106
b,
vgl. die andere glossierung dumpf,
m., s. th. 2, 1523. BB.
in der anwendung auf ein geistiges und seelisches verhalten treten neben dem grundbegriff der langsamen bewegung meist bes. bedeutungscomponenten in den vordergrund. B@11)
schwerbeweglichkeit, schwerfälligkeit. B@1@aa)
auf veranlagung und gewohnheit gegründet. verschieden accentuiert; bald mehr im sinne geringer geistiger regsamkeit: socordia draegheit
vel dorheit Diefenbach
gloss. 539
c;
secordia traecheit
vel geckicheit 523
b; de tracheit mynes vorstandes (
a. d. j. 1473)
bei Schiller-Lübben 4, 604; und hett ich ettwas vergessen, das soll man miner unwissenhait und trakait zuolegen, wan ich doch das zuo weg bracht hab on menglichs hilff Richental
chron. d. Constanz. conzils 189
lit. ver.; das fatum, das uns drückt, ist die trägheit unsers geistes Novalis
schr. 2, 198
Minor; trägheit der phantasie Freytag 16, 215.
bald mehr als '
bequemlichkeit', '
energielosigkeit',
auch geradezu '
unthätigkeit': trägheit der seele macht die körperlichen bewegungen träg Schiller 1, 158
G.; mit snellecheit, fertigkeit
u. ä. contrastiert: der wein ... kêret von hôchvart in diemuot, von trâkhait in snellikait, von vorht in kuonhait Konrad v. Megenberg
buch der natur 352
Pfeiffer; vgl. Vintler
blume d. tugend 1517; (
er bat sie um) die physiognomie ihrer handschrift ..., um, wie er sie versicherte: 'die trägheit oder fertigkeit ihrer hervorbringenden kraft, die geradheit ..., reinheit oder schiefheit ihres charakters daraus zu entziffern' Klinger 3, 166; der versuch, 'die entstehung ... der arbeit an ihr gegenstück, die angeborene trägheit des menschen, anzuknüpfen K. Bücher
arbeit u. rhythmus4 4; die trägheit der blinden weltgemüther, welche nicht ehe an den todt gedencken wollen, bisz er vor der thür stehet Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 479; ihr menschen von beschränktem blick, die ihr trägheit und ruhe, mithin abthun des geschäftes liebt, ihr findet bequemeres nichts als eine vollführte schöpfung Herder 23, 534
S.; erkühne dich, weise zu sein! energie des muts gehört dazu, die hindernisse zu bekämpfen, welche sowohl die trägheit der natur als die feigheit des herzens der belehrung entgegensetzen Schiller 10, 298
G.; den wunden fleck auch der besten unserer einrichtungen ..., die trägheit nämlich und bequemlichkeit der mit diesen dingen beauftragten G. Keller 1, 171;
auch von einer vielheit von menschen gesagt: nun lag ihm im weg die incapacität, unfähigkeit und trägheit seiner Hebreern Dannhawer
cat.-milch 1, 4; sie (
die protestant. staaten) weckten die kräfte des landes, während der priesterliche absolutismus sie in trägheit und erstarrung hielt Häusser
deutsche gesch. 1, 44; dasz er (
Theoderich) die in den vorigen zeiten in eine trägheit versunkene fränkische nation glücklich zu neuen kriegen angefrischt habe
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 212.
spec. vom temperament, '
phlegma'
; mit gefühllosigkeit, gleichgiltigkeit
verbunden: so weit ... wären wir gekommen in der trägheit und gefühllosigkeit, dasz es schon an sich ein verdienst wäre, in heftiger leidenschaft zu seyn, damit nur etwas den stehenden pfuhl unseres lebens umrührte Solger
nachgel. schr. 2, 397
Tieck-Raumer; sie und ich können, dank sey unserer trägheit, den reizungen der knidischen Venus zusehn, ohne das schicksal des jungen menschen zu befürchten, dessen Lucian erwähnt Gerstenberg
schlesw. litbr. 130
lit. denkm.; in betracht des charakters dieser guten leute merkten wir bald, dasz ihre güte des herzens und ihre friedfertigkeit zum theil mit natürlicher trägheit verbunden war G. Forster 2, 302; die deutsche trägheit und gleichgültigkeit erregt die galle G. Forster 8, 283; die ursache der opposition (
war) in der natürlichen trägheit und der liebe zum alten zu suchen, da beides hauptzüge im charakter des Marschbauern sind Allmers
Marschenbuch 1/2, 72. B@1@bb)
durch beziehung auf die stimmung und den willen des subjects mit dem beisinn der unlust, des widerstrebens: eh das jahr umgelaufen, kann die sache so gestellt seyn, dasz sie durch bösen willen und trägheit nicht leicht wieder rückgängig zu machen ist Göthe IV 29, 174
W.; die herren ... fanden durch die trägheit und übelwilligkeit der bauern ihre willkür und gesetzlose eigenmächtigkeit gerechtfertigt Bienemann
altlivländ. erinnerg. 43; er (
der zorn) ist auch berechtigt, wenn er für einen wahrhaften zweck durch trägheit und ränke durchschlägt Vischer
ästhetik 1, 365; ihre vorsezliche trägheit im dienste lies den general der republik einen aufruhr befürchten Schiller 4, 138
G.; auch hütete er sich, da seine trägheit eine vorsätzliche war ..., unter die linie hinabzugehen, wo er weggeschickt worden wäre G. Keller 2, 132.
bei steigerung des affects an '
miszmut', '
verdrossenheit'
anklingend: accidia tracheit
ahd. gloss. 3, 223
b (
summ. Heinrici)
Steinm.-Siev.; auch bei Diefenbach 7
c; Diefenbach-Wülcker 875;
accidia ... quod est tristicia tragheit,
qua, dum quis laborat, virtus vertitur in tedium Diefenbach
mlat.-hd.-böhm. wb. 8;
eglon (=
egrimonia, accidia)
nov. gloss. 146
a; Diefenbach-Wülcker 875;
vecordia Diefenbach 608
b;
annuncient opera eius in exultatione unde maren sie siniu uuergh in freuui, nals in dragheite Notker 2, 462
Piper; er lat úch och geniessen der grundlosen geti sin und raiset uch ain brosemli hin von den genaden tischen, daz wilunt úch ervrischen in trakeit und unmuot. úch wirt so wol ze muot
d. sälden hort 3571; wenn diu melancoli ain oberhant nimpt und sich zeucht zuo dem haupt, sô kümpt dem menschen sweigen und betrahten und swærikait, wainen und trâkheit, vorht und sorg und klainmüetichait Konrad v. Megenberg
buch der natur 31
Pfeiffer; etliche menschen sitzend (
bei der andacht), etliche steend, ain tail geend hin und her, aber die weisz ist seltten nütz zuüben, es begäb sich dann, das ain mensche begriffen wär mit tragkait oder schwärmütikait, dem möcht es nutz sein, auff das er dester mundterer wurd Keisersberg
predigen teutsch (1508) 9
b; endlich soll er (
der saphir) ein gegenmittel gegen die schwermuth und trägheit seyn Adelung
magazin 2, 4, 128; eine gewisse trägheit und niedergeschlagenheit blieb aber demohngeachtet von dieser krankheit zurück K. Ph. Moritz
Anton Reiser 73
lit. denkm. B@22)
mit stärkerer hervorhebung des tadelnden sinnes: '
lässigkeit',
vor allem '
faulheit': tracheit
desidia, inertia, tepor ahd. gloss. 3, 234
a; 242
b; 262
a Steinm.-Siev. (
summ. Heinrici);
pigritia Diefenbach 434
b;
desidia gloss. 176
a;
inertia gloss. 295
c;
ignavia gloss. 285
a;
tepor gloss. 578
c;
pigritia tragkeit, faulkeit, müssigkeit, sorglose, läwigkeit ... Schöpper
synon. 29
b Schulte-Kemm.; ignavia faulheit, tragheit, zagheit, liederligkeit, hinlässigkeit Frisius (1556) 644
a;
gern mit faulheit
verbunden: van tracheyt unde vuelheyt Hans v. Ghetelen
dat narrenschyp 186
Brandes; alls wolt er (
gott) uns unser tragheyt und faulheyt erynnern und vermanen Luther 15, 111
W.; aus trunckenheit erfolgt die tragkeit und faullentz Wickram 3, 260
lit. ver.; thoren seynd es, welche durch faul- und trägheit berühmt zu werden gedencken Treuer
deutscher Dädalus 1 (1675) 108; wehe dem ..., der die trägheit sanft zu betten ist bemüht und den pelz der faulheit weich zu füttern Rückert 11, 477;
ebenso gern mit dem attribut faul: die vierde torhait zimpt nicht wol, als das ainer scheucht ain ding, das er tuen sol. das ist von übriger grosser lasshait. das selb haist man faule traghait Vintler
blume der tugend 2789; muosse ..., die ich lieber lesung der geschrift danne fuler träghait geben wolt
N. v. Wyle
translat. 113
lit. ver.; einer der aus fauler trägheit die himmelstrasze nicht lauffen mag Grimmelshausen 2, 483
Keller; dem fleisz
gegenübergestellt: ihrer (
der Normänner) trägheit bleibt kein mittel übrig, als mit ihrem blute den unterhalt zu erkaufen, den ihr fleisz nicht erwirbet Haller
Alfred (1773) 43; mitten aus dem fleisz und der einigkeit können vorwände der trägheit und des zwistes entspringen J. Grimm
th. 1, viii. B@2@aa)
als allgemeiner moralischer vorwurf: ziehet in iu selben zêren. die wîle daz er kint sî, lâzet in niht gên frî. muoze unt trâcheit wirt dike in alter lait
kaiserchronik 1644
E. Schröder; solche seine ruow und fridsam wesen haben im nachmals seine widerwertige für ein forcht und trägheit angezogen Achacius
chronica des Joh. Sleidani (1557) 378
a; es beklagt sich ... Julianus ... ab der tragheit seiner hauptleuten, deszwegen ihm bemelter keyser andere helffer zuoordnet, die etwas fruotiger waren Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 185
a; die trägheit der müszigen jugend, welche dem spielen und sauffen abwarten Harsdörffer
teutsch. secretarius 2, 718; diese (
mode) ist, dasz viele müttern aus einer puren trägheit das amt, ihre leibesfrucht zu säugen, fremden ammen ... abtretten Bodmer-Breitinger
disc. d. mahlern (1721) 2, 178; die trägheit ist eines fürsten gröszter fehler Haller
Usong (1771) 372; mag sich der unfähige einer schimpflichen trägheit ergeben Schiller 14, 236
G.; häufig verwandten begriffen coordiniert: von der unerkantnúst sin selbez ... kumet sumkait, trakait, urdrutze
s. Georg. prediger 331
Rieder; vil (
der obersten) von wegen ihrer selbstfahrlessigkeit und tragheit nicht allein gemeine sachen, sonder auch ihr eigen leben zumal ubergeben Xylander
Polybius (1574) 170; die hertzen ... geriethen darüber in trägheit und unachtsamkeit G. Arnold
kirchen- und ketzerhist. (1699) 2, 118
b; dasz jene worte von einer groszen gunst zeugen, wenn sie nicht das gegentheil enthalten, mich nämlich der trägheit und nachlässigkeit anschuldigen Nitzsch
dtsche studien 77;
sprichwörtlich: de in tracheyt den sommer henneslyt unde sammelt nicht in tor rechten tyd, em wert gheweigert, so he biddet mit flyt, des winters, wan he kummer lyd. Hans v. Ghetelen
dat narrenschyp 137
Brandes; trakheyt muosz offt mangel han und gebrachen lyden (
überschrift) Steinhöwel
Äsop 360
lit. ver.; tragkeit fyndt man in allen geschlechten vorusz inn dienstmägten und knechten S. Brant
narrensch. 92
Zarncke; vgl. Petri
der Teutschen weisheit (1605) t t 6
a; trägheit geht so langsam voran, dasz armut sie bald einholt
u. a. sprichwörter bei Lipperheide
spruchwb. 869
f. B@2@bb)
spec. im religiösen sinne, vornehmlich bis ins 18.
jh. gebräuchlich: daz wir gtú werch sont ben und sont da mitte die bOesen trakait weken
s. Georg. prediger 118
Rieder; wenn die andern teuffel ... fachten an die lewt zu sünden, ... zu trägheit, zoren und todtstechen H. Sachs 9, 487
lit. ver.; ach der groszen trägheit und faulheit in unserm stande, daz wir so bald abweichen von der liebe gottes J. Arnd
Thomas a Kempis (1631) 22;
als eine der sieben hauptsünden angesehen: hochfart, uncheusch, neid und has, trachait, trunchenhait und vras Suchenwirt 40, 18; die sieben todsünd, hoffarth
etc. (
werden eingeschlossen) im ersten und andern (
gebot), ... tragheit im dritten und wol in allen Luther 1, 254
W.; vgl. 7, 679;
häufig mit präpositionaler fügung: die werlt vil nahe, wiszent daz, ist in gotes dinste laz: an guten dingen drakeit, der ist vil, daz ist mir leit Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 493; das unsz nicht uberfalle ... die tragheyt zu dem gütten Luther 10, 2, 399
W.; verpeutet allen lust, anreitzung und neigung zu dem argen sampt allem verdrusz, schew und tragheit zum guoten
reformation von Cöln (1545) 53
b;
so bes. mit gottesdienst
verbunden: die drite undugent heisset trakeit an gotes dienste Berthold v. Regensburg 194
Kling; diese duoget (
die geistliche freude) verdrivet die groze sunde, die heizet traheit zuo godesdinste
die lilie 2
Wüst; wie wol tragheit an dem gottesdienst iederman obel an stot, so sollen die ordenszlüt nit träg sein, fuol und lasz Pauli
schimpf u. ernst 173
lit. ver.; tragkeyt zu gottis dienst Luther 7, 209
W.; o gott, wir bekennen und ist uns leyd unser trägheit, müsziggang und faulheit im gottesdienst Spee
güld. tugendb. (1649) 333. CC.
compositionen. trägheit
wird nicht allzu häufig im genetiv (
ohne das gen.-s
gelegentlich in poetischer diction s. -fülle, -last
und in älterer sprache s. -teufel)
mit substantiven als zweitem glied verbunden; zuerst 1610
belegt s. -teufel,
häufiger erst vom 18.
jh. an. die bedeutung B
ist am stärksten vertreten, A
nur in der physikalischen verwendung 2 b:
trägheitsausdruck: non so che dire (ich weisz nicht, was ich sagen soll), ist ebenfalls solch ein trägheitsausdruck, wo man sich ein wichtiges ansehen zu geben sucht K. Ph. Moritz
reisen e. Deutschen 3, 62;