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sünden

mhd. bis nhd. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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7 in 6 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

sünden vb.

Bd. 20, Sp. 1139
sünden, vb. , peccare. als ursprüngliche -j-ableitung von suntia (ahd. sunteôn, suntôn, as. gisundion Heliand 5033, mhd. sünden) beherrscht das wort in gleicher bedeutung wie das jüngere sündigen (s. d.) den sprachgebrauch bis in die erste hälfte des 16. jh. seitdem eine zeitlang noch gleichberechtigt neben sündigen, im 17. jh. noch als spärlich belegte nebenform, aber nicht über die mitte des jh. hinaus Jes. Rompler v. Löwenhalt reimged. (1647) 8. nur die obd. mundarten bewahren, wenn auch nur in seltenem gebrauch, die ursprüngliche form als sünden Fischer schwäb. 5, 1959 und sünten Lexer kärnt. 246; Schöpf tirol. id. 729. im rein literarischen bezirk lebt sünden als bewuszt archaische form bei dichtern des 19. jh. wieder auf, meist im vers A. v. Arnim 21, 110; Tieck (1828) 1, 162; 2, 214 u. ö.; Fel. Dahn ged. (1908) 291. bedeutungsmäszig und in der anwendung gehen sünden und sündigen bis zum aussterben des älteren wortes völlig parallel. 11) religiös wie sündigen 1: wer suntota, these ode sine eldiron, thaz her blint wurdi giboran (quis peccavit, hic aut parentes eius, ut caecus nasceretur) Tatian 132, 1; der sundet aller meist in den heiligen geist H. v. Hesler apokalypse 15495 Helm; Adam sündet im paradeisz Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 24b; kirchlich: völliger ablasz, wieviel er gesündet, ihm, der den könig der ketzer erschlägt Fel. Dahn ged. (1908) 291; [] vor allem in der alten beichtformel tödlich sünden: wann alsbald ein mönsch wüszentlichen tötlich sündet, so möcht der tüfel den mönschen besitzen (15. jh.) Stretlinger chron. 94 Bächtold; die, die sie (brettspiele, karten) verkaufen, sünden alle tödlich Geiler v. Keisersberg narrenschiff (1520) 160b; sie sprechen, unser priester sünden tötlich, das sie den part lassen abscheren Schiltberger reisebuch 49 lit. ver. sprichwörtlich: wie man sünt, da büst man mit bei Schulze bibl. sprichw. 96: was die herren sünden, daz büszen die bawren Tappius german. adag. (1545) Bb 7. als gradbestimmung am gebräuchlichsten viel sünden: swer mit der werlde wesen wil, der muz sunden harte vil kl. mhd. erz. 3, 86 Rosenhagen; wie wol ich vil gesündet han, so hat mich doch gott nie verlan (1564 Bern) Uhland volksl. 1901; da aber die menschen doch viel gesündet, haben die reformatoren gemeint, es müsse doch an diesen prinzipien gelegen haben Görres in: neue Heidelberg. jahrb. 19, 155; seltener: welche senfte schmeichwort geben und untrüw sint, die sündent schwarlich in irem herzen Steinhöwel Äsop 175 lit. ver.; ich hab gesündt also seer! altdtsch. passionssp. aus Tirol 423 Wackernell; entsprechend sünde I D 4 c: den sünder, der offenbâr sündet Konrad v. Megenberg buch d. natur 173 Pfeiffer. 22) in der moralischen sphäre, wie sündigen 2: er müg nichts unrechts ton, er müg nit sünden bei Schade satiren 2, 133; die da irren und sünden Luther 1, 703 W.; wer willig drunken wirt und sündt, das recht ihm zweifach straf verkündt J. v. Schwartzenberg v. zutrinken 28 ndr.; erotisch in der formel mit jem. sünden: ob er in unkeuschheit mit frawen ye gesündet het Arigo decamer. 23 lit. ver. 33) in bestimmten verbalen funktionen entsprechend sündigen 5, ohne beziehungswort: Tatian 132, 1 (beleg s. o. 1); so mag sü denne ... sünden und nüt sünden Seuse 500 Bihlm. in den gleichen präpositionalen beziehungen, die auch sündigen während der lebensdauer von sünden entwickelt. zur bestimmung der person oder sache, gegen welche die sündliche handlung sich richtet, wie sündigen 5 b α: oba sunto in thir thin bruader (si peccaverit in te frater tuus) Tatian 98, 1; und also verzycht ein jeglich christgläubig mensch denen, die in yn sünden Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) b 6a; dasz die priester nit allein sünden in den himmel Paracelsus opera (1616) 2, 333 Huser. dü erst (sünde) ist der an got sündet St. Georgener pred. 192 R.; und zuo sünden an meinem herren (et peccare in deum meum) erste dtsche bibel 3, 177. wann ob dein bruoder sünt wider dich (si autem peccaverit in te frater tuus) erste dtsche bibel 1, 69; ir wider alle natürliche recht sündet Arigo decamer. 349 lit. ver. dastu hast gesündet gein gote grozeliche Rudolf v. Ems weltchron. 23242. fater, ih suntota in himil into fora thir (peccavi in caelum et coram te) Tatian 97, 3; ich sünd vor gottes angesicht J. v. Schwartzenberg memorial d. tugent in Cicero (1535) 110a. zur modalen oder instrumentalen kennzeichnung der handlung, wie sündigen 5 b β: das er mit mordt und ehebruch sündt ebda 105a; formelhaft: so oft er sündet mit werken, mit worten oder mit gedanken Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) a 1b; so einer nit sündet mit worten, derselbig ist ein volkummen mann bei Clemen reformationsflugschr. 3, 306; das her me gesuondit hette mit siner czungen (md., 14. jh.) bei Türk wortsch. d. pred.-samml. Dietr. v. Gotha 119; [] ich hab gesündet mit bösen berden vor dir, mein gott, und auch uf erden Murner schelmenzunft 66 ndr. ih hân gesundot in nîde (11. jh.) Müllenhoff-Scherer denkm. 1, 296; ein jeder mensch sündet am maisten in den werken Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) a 2a; wir mann in mancherlei begire schwerlich sünden Arigo decamer. 105 lit. ver. auch in pronominaler anknüpfung: nu dise sünden meldet der heilige geist, da du so dicke und so vil mite sündest Tauler pred. 73 Vetter; warin einer sündet, darin soll er büszen Pauli schimpf 91 lit. ver.; nieman dar an sündet der sich vor sinen vigenden wert Göttweiger Trojanerkrieg 14056. zur motivischen begründung der handlung, wie sündigen 5 b γ, vereinzelt: ich mein die alle, der ein yeder sündt uff gots barmhertzigkeit Murner narrenbeschw. 408 Spanier. mit persönlichem dativobjekt, zur bestimmung der betroffenen person, wie sündigen 5 c: dir habe wir gesundet Daniel 6317 Hübner; und ob si dir sundent (quod si peccaverint tibi) erste dtsche bibel 5, 279; dan ihm (gott) allein sundet man Eberlin v. Günzburg 1, 201 ndr. mit sächlichem accusativobjekt, wie sündigen 5 d, selten: das ich an euch gesndet han, das musz an disem schalk auszgan fastnachtsp. 537 Keller; da kam ein stimmlein aus dem offnen bilde: was hab ich, Genoveva, doch gesündet Tieck (1828) 2, 214. gelegentlich tritt an stelle des handelnden menschen ein teil seines wesens als subjekt auf, wie bei sündigen 5 e: vergib mir, das der torecht lib gesündet hat und übel getan schausp. d. mittelalt. 2, 221 Mone; so sei dir also, Octavian, verkündet, ... dasz kein gedanke gegen dich gesündet Tieck (1828) 1, 162. in passivischer construction, wie bei sündigen 5 f, vereinzelt: denn aber ist gesündet, wenn der mensch sines schöpfers gsatz verachtet oder nit achtet Leo Jud v. wahr. u. falsch. glauben (1526) d 8b. 44) nur mhd. ist ein reflexiver gebrauch sich sünden 'sich versündigen', vgl. auch sündigen 6: er sündet sich swer des niht geloubet kaiser Heinrich in: minnes. frühling 5, 37; vgl. Heinrich v. Morungen ebda 138, 25.
6913 Zeichen · 144 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    sündenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    sünden stn. das sündigen. ir hômûtigeʒ sunden Pass. K. 403,98. das sünden ie sî ganz menschlich narrensch. 14,7.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹sündenswv.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    1 sünden , swv. , Sünde begehen, sündigen.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sündenv., intrs

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    ✱ ✱ Sünden , v. intrs . sündigen. Davon der Sünder .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit suenden

190 Bildungen · 181 Erstglied · 4 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von suenden 2 Komponenten

suen+den

suenden setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

suenden‑ als Erstglied (30 von 181)

sündenaas

DWB

suenden·aas

sündenaas , n. , als bezeichnung des sündigen menschen, s. DWB sünde VII 3 a: kan man gleich in dieser zeit alle fülle reichlich haben vor d…

sündenablasz

DWB

suenden·ablasz

sündenablasz , m. , zu sünde I E 1: von einem protestantischen prediger läszt sich ... nicht behaupten, dasz er in dem punkte des sündenabla…

sündenamt

DWB

suenden·amt

sündenamt , n. : aber doch ist solch sündenampt und todampt gut und fast vonnöthen Luther 63, 16 Erl. —

sündenangst

DWB

suenden·angst

sündenangst , f. , die aus dem sündenbewusztsein erwachsende furcht vor gottes strafe: sie können alle ... dem beschwereten gewissen in ... …

sündenapfel

DWB

suenden·apfel

sündenapfel , m. 1) die verbotene frucht des paradieses, nach 1. Mos. 2 ( s. DWB sünde I A 3): bevor noch des erzvaters mund den sündenapfel…

sündenbabel

DWB

suenden·babel

sündenbabel , f. , jüngere übertragung aus offenb. Joh. 14-19; von sittlich verkommenen groszstädten, aber gern scherzhaft spöttisch. besond…

sündenbad

DWB

suenden·bad

sündenbad , n. , bildlich für taufe: da wir unter der sünden gefangen lagen ..., da sei Christus kommen und für uns in das sündenbad getrete…

sündenbahn

DWB

suenden·bahn

sündenbahn , f. : barbarisch auf die sündenbahn pflegt mich die welt zu leiten G. Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 45 ; so w…

Sündenbank

WWB

suenden·bank

Sünden-bank f. Anklagebank. Se sāt op dat Sünn’nbänksken ( Kr. Iserlohn Isl Is).

sündenbaum

DWB

suenden·baum

sündenbaum , m. , vgl. DWB sündenapfel . 1) nach 1. Mose 2 : dort aber ( im himmlischen Jerusalem ) ist kein solcher sündenbaum V. Herberger…

sündenbegriff

DWB

suenden·begriff

sündenbegriff , m. , neuerer theologischer terminus, nur im bedeutungszusammenhang sünde I: die richtigkeit des sündenbegriffs ist die haupt…

sündenbekenntnis

DWB

suenden·bekenntnis

sündenbekenntnis , n. 1) jüngere, nicht vor ende des 18. jh. belegte bildung nach sünde I C 2, in der bedeutung meist schon mehr oder wenige…

sündenberg

DWB

suenden·berg

sündenberg , m. bildlich für sünde: drumb reumet erstlich aus dem wege alle sündenberge V. Herberger hertzpostilla (1613) 1, 34 . einmalig: …

sündenbewusztsein

DWB

suenden·bewusztsein

sündenbewusztsein , n. , bewusztsein der sündhaftigkeit; im theologischen und seelsorgerlichen gebrauch: in seiner ( Karls d. Gr. ) ganzen k…

sündenbild

DWB

suenden·bild

sündenbild , n.; im mhd. vgl.: ich ( ein teufel ) was in einer wüsten wilde, da ich mit sunden bilde einen munch bekummert habe väterbuch 16…

Sündenblaß

Campe

suenden·blass

◬ Sündenblaß , adj . u. adv . von begangenen Sünden blaß, erblasset. Wir wollen jenes sündenblasse Antlitz Schel sehender Empörung hochroth …

sündenblüte

DWB

suenden·bluete

sündenblüte , f. , vgl. den ironischen gebrauch in der sünden (maien)blüte ( s. oben sünde VI 2): in seiner sündenblüte hat es ( Ruszland ) …

sündenbock

DWB

suenden·bock

sündenbock , m. 1 1) schimpfwort: ' schlimmer sünder ' ( s. DWB bock teil 2, sp. 202 f.; vgl. auch Mt. 25, 32 f. ), seit dem frühen 17. jh. …

sündenbrot

DWB

suenden·brot

sündenbrot , n. , durch sünde erworbenes brot, bezahlung für sünde: am feigsten ( floh ) der rechtgläubige kirchenheld, der an des bibliothe…

suenden als Zweitglied (4 von 4)

versünden

DWB

vers·uenden

versünden , verb. , vom 13.—16. jh. häufig, im 19. von den romantikern vereinzelt wieder aufgenommen, im ganzen aber seit dem 17. jh. durch …

Ableitungen von suenden (5 von 5)

besünden

Lexer

be-sünden swv. BMZ trans. für einen sünder erklären Ms. ( bei Hag. 2,160 b got sünde si niht ohne var. ).

¹entsünden

MNWB

1 entsünden , swv. , von Sünde reinigen.

gesünden

Lexer

ge-sünden swv. BMZ prät. gesunte sündigen Spec. Freid. Heinr. Berth. 66,32. Hpt. 9,15. Vet. b. 24,23.

versünden

DWB

versünden , verb. , vom 13.—16. jh. häufig, im 19. von den romantikern vereinzelt wieder aufgenommen, im ganzen aber seit dem 17. jh. durch …