schuhen,
verb. zu schuh,
calceare, mhd. schuohen, schuon Lexer
mhd. hdwb. 2, 821,
althd. scuohôn, scuohan Graff 6, 420,
mnd. schoen, schoien, scho(i)gen Schiller-Lübben 4, 110
a,
bisweilen frühnhd. und mundartlich noch heute schuchen,
aarg. schuene (
vom schwachen plur.),
s. die belege, schon von Stieler 1938
als selten bezeichnet, ebenso bei Kramer
dict. 2 (1702), 674
a, Steinbach 2, 519
und Adelung.
häufiger begegnet im späteren nhd. nur das adjectivisch gebrauchte partic. praet. geschuht (
s. dies oben theil 4, 1, 3974
und unten 1,
d),
verständlich und anwendbar sind aber auch andere formen noch heute. vgl. anschuhen,
beschuhen,
ausschuhen, entschuhen. 11)
mit schuhen (
mhd. auch allgemeiner: mit beinbekleidung)
versehen, bekleiden. 1@aa) die füsze schuhen: [s]wer eʒ (
das lamm) wolte nieʒen der s[ch]uohte die fuoʒʒe. Diemer
deutsche ged. des 11. u. 12. jh. 41, 14;
im bilde: schucht di fuʒ in der furbereitung deʒ ewangelium deʒ frides.
cod. tepl. Ephes. 6, 15 (Luther: an beinen gestiffelt),
ähnlich, mit dem dativ der person: daʒ man diu bein im schuohte.
jüng. Tit. 1506, 2. 1@bb) einen schuhen: de scolen in dem kalande na Michaelis alle jar cleden und schoyen twelf arme lude.
quelle von 1508
bei Schiller - Lübben 4, 110
a; den notroftigen to schoiende unde to bokledende.
quelle von 1532
ebenda; iʒ newart nie vrouwe baʒ geschôt.
Rother 2200; swer sie ûf dem geriutesolte geschuohet hân, zwô grôʒe rindes hiutemüest er ze schuohen hâ
n. Wolfdietr. D 7, 119, 4; in schuocht diu künigîn zehant.
Ecken liet 30, 5.
im vergleich: aim schûchteren dem ist er (
der meister ohne eigne tugend) aller vast gelîch, der ist manger schûch rîch ûf der achsel, secht ir wol, und am fûʒ ist nient ain sol (
sohle), daʒ er schûcht die andern man und ist selb der schûch â
n. liedersaal 1, 417, 11
Laszberg. mit instrumentalem zusatz: skuohta in mit crasefarwen skuohen,
calceos annexuit. Mart. Cap. bei Graff 6, 420,
freier, mit bezug auf anlegung von fesseln: schoit si mit den selven schoin, de si den wolden andoin, de min here und min vurvare durch si veinc und sante zo Are. Hagen
köln. chron. 2227.
mit zusatz localer art, in
und acc., in bezug auf beinbewaffnung: dar nâch wart er vil schiere in sîn îsergolzen geschuocht. Heinr. v.
d. Türlin
krone 2861; sie wurden in ir hosen geschuoht, die wâfen rökke wâren guot.
gesammtabent. 1, 375, 161
Hagen. sich schuhen: die geste schuohten sich vruo. Hahn
ged. des 12. u. 13. jahrh. 96, 25; wer sich dann eng schuocht, (
von dem sagt man) der hat die füsz gefangen. Hätzlerin 2,
nr. 13, 107 (
lieders. 3, 424, 112
Laszberg).
mit instrumentalem zusatz: ummeghorde dy unde schoe dy mit dynen schowen.
quelle bei Schiller - Lübben 4, 110
a;
mit in
und accusativ: dirre im die platen gurten tet, iener in die hosen schûhte sich.
Ludwigs kreuzfahrt 6204.
vom anlegen der rüstung überhaupt: er gienc ûf sîn palas, dâ ime schône bereit was ûf ein gulter sîn îsengewant: dar în schuocht er sich zehant.
krone 10470.
bildlich: in den text kan ich mich widder schuhen noch hoszen. Luther 14, 121, 27
Weim. ausg. 1@cc) affen schuhen
gebraucht H. Sachs
wie '
thoren zum besten haben, hinters licht führen, anführen'.
zu grunde liegt wol die erzählung, dasz affen gefangen würden, indem der jäger unter einem baum, worauf ein affe säsze, weite schuhe anlegte, zubände, dann wieder auszöge, liegen liesze und sich entfernte, worauf dann der affe auch die schuhe anlegte und so an der flucht verhindert wäre, wie das z. b. Keisersberg
bilg. 97
a berichtet: schuch mir nur den affen wol! 11, 227, 8
Keller-Götze; also musz man schuchen die affen und die filtzingen geitzhels straffen. 14, 232, 5; so musz man affen schuchen than. 20, 55, 32; als thun wir (
buhlerinnen) schühen die affen, es seyen leyen oder pfaffen. 21, 286, 21. 1@dd)
über das auch in neuerer zeit häufiger adjectivisch gebrauchte part. prät. geschuht,
mit schuhen versehen s. oben theil 4, 1, 3974.
hier mögen noch einige belege nachgetragen werden: do namen in sein freund also gekleydt und geschucht zu des toten weybes leychnam. Albr. von Eyb 3
a; die mägde sprangen frisch geschuht, als ob sie sich an diesem tage durchaus nicht beschmutzen wollten, von einem trocknen stein zum andern. Arnim 2, 212,
in bildlichen wendungen, mit bezug auf Eph. 6, 15: ih sendo dara calciatos pedes in preparatione evangelii pacis, kescuôhto fuôʒʒe ze furewarno dero predigo fridis. Notker
ps. 59, 10; ist unser leben guot, so sî wir wol geschuohet. Diemer
ged. des 11. u. 12. jahrh. 42, 15.
als gegensatz zu barfusz: trit ûf die erde barfuoʒ unde geschuohet âne sünde. Berth. v. Regensburg 1, 304, 22; der vote scal en sin geschoyt, der andere barvod.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 110
a.
mit in
und acc., mit bezug auf bewaffnung der beine: sîn harnasch schein als ein glas, geschuoht er in die hosen was, die wâren kleiner ringe.
gesammtabent. 1, 472, 640
Hagen. in der folgenden stelle freier wie '
gerüstet': zuo ritterschaft was ich geschuocht. Oswald v. Wolkenstein 13, 2, 7. 22)
schuhe, beinbekleidung anziehen: sie sprach: nu Hector tôt lît nu hôret anders niht dar zû, wen ritterglîch sîne colzen schû(n) helm ûf houbet, halsberge
an. Herbort v. Fritzlar
troj. krieg 14420; nu schuoht iur hosen. Liliencron
hist. volksl. 4, 70.
mit localem zusatz, an
und acc.: juncfrouwen clâr und gemeit schuohten îsrîn kolzen an den künec stolzen. Wolfram
Parz. 683, 17; zwô scharlachs hosen an sîniu bein man schuohte.
Lohengrin 863.
mit über
mit dativ und dativ der person: zwuo liehte hosen îserîn schuohterm über die ribbalî
n. Wolfram
Parz. 157, 8. 33)
schuhe machen, das schusterhandwerk betreiben, aargauisch schuene Hunziker 232,
am Ober - Inn schuechen Schöpf 650.
zu dem bedeutungsübergang vgl. die unter 1,
b angeführte stelle Wolfdietr. D 7, 119, 4.
wol von da aus freier auch '
schuhe machen lassen',
schwäb.: er schuhet (
wie schneidert, brotet, schmiedet) bei mir. Schmid 474.
ebenso erklärt sich wol durch diesen gebrauch die folgende gnomische wendung, in der das wort unpersönlich erscheint: wer sonst will umb gelts willen ein schalck werden, der sihet auff die summa nicht, sondern dencket, schuhet es nicht (
macht es keine schuhe), so flicket es doch. Mathesius
Jes. Christ. 110
a.