schränken,
verb. kreuzweise setzen oder legen, flechten; ahd. screnchan, screnken,
mhd. mnd. schrenken,
mnl. schrencken
neben schrancken Kilian;
in engster etymologischer beziehung zu schräg
und schragen (
vgl. oben sp. 1618)
und zufrühest ganz sinnlich sowol auf holz- als flechtwerk bezogen, dann mannigfach erweitert. 11) schränken,
kreuzweise oder schräg setzen, vom zaun- oder gitterholz, auch vom brennholz: geschrenckte getter,
cancelli, geschrenckt,
cancellatim Dasyp.; schränken, creuzweis schräg über einander legen oder stellen, als gitter,
cancellatim ponere, figere, nexu reticulato clathrare Frisch 2, 222
b; geschrenkte zäune Schmeller 2
2, 609; die bäcker schränken das holz in den ofen,
wenn sie es kreuzweise über einander legen. Adelung; da lag das brennholz so accurat gesägt, gespalten und geschränkt. Göthe 20, 43; auff ein zusamb geschrenckten flosz. H. Sachs 1, 149;
bei glasmachern heiszt schränken, schrenken (Jacobsson 4, 49
a)
eine gewisse art der vereinigung eines glaskelches mit seinem fusze, wobei der letztere zunächst schräg angefügt wird; bei grundstücken, zaunwerk legen: dann schrencke man ein hag, etwan zwäntzig oder mehr schuch dick. Fronsperger
kriegsb. 1, 134
b; sie waren sonst eine so grosze bewunderin der bären und pfauen von taxus, womit in ihrer jugend die fürstlichen gärten geschränkt waren. Möser
patr. phant. 2, 324; doch sein (
des hages) leng nit weit umbfieng, es was geschrenckt mit list.
Hätzlerin 2, 59, 17;
bezogen auf anderes legen in ähnlicher art: die andern zwei schwerter kreutzweisz zum kreutzstreich darauff geschrenckt. Fischart
bienk. 29
b; die spiesze schrenken zum angriff. Schm. 2
2, 609 (
aus Aventin); die ritter kamen sich entgegen unverdrossen, die lantz' hatt' jeder schon geschrenket und geschlossen, aus festem eichenholtz zwei grosze starcke stück. D. v.
d. Werder
Ariost 22, 64, 6;
heraldisch: die stangen beide wâren ûf den helm durch liehten prîs geschrenket schône in criuzewî
s. K. v. Würzburg
turnei 420;
segnend: sus sî dô sundir bleichin des heiligin crûzis zeichin mit andâcht vor sich schrenktin und an dî vîende sprenktin. Jeroschin 20034;
in gewerblicher sprache: bey den sägeschmieden wird die säge geschränkt, wenn die zähne aus einander gebogen werden. Adelung; schränken den mülstain,
querfugen in denselben hauen Schmeller
a. a. o. 22) schränken,
im sinne des windens und flechtens durch einander, von wachsendem, zweigen, ästen: so naiget sich (
bei palmbäumen) der er zuo der sien und schrenket sein este zwischen ir este und ie der sien zwên este druckent sich zesamen und umbvâhent des ers ainen ast. Megenberg 337, 12; er (
corallus) ist auch den pœsen gaisten wider, und daʒ ist leiht dar umb, daʒ er dick kräuʒlot ist und sein est hin und her schrenkt. 439, 23; haselwurtz ist ein wolriechende wurtzel uber zwerch hin und her geschrenckt. Bock
kräuterbuch 49; verwickelt und geschrenckt wie die christwurtz. 131; dasz eppig überall sich um die erlen flicht, und um die dörner schrenckt. Lohenstein
in den auserles. ged. 1, 276; da wo die rose verliebt sich um die myrte schränkt. Wieland 5, 181 (
verkl. Amor 3, 60);
im bilde: ins feuer, dessen gluthgewalten ... aufquollen in busch- und baumgestalten, mit oben sich küssenden, schränkenden wipfeln, wolken halben rauchs auf den gipfeln. Rückert (1882) 12, 70;
von gewobenem, flechtwerk, so in der jägersprache: wenn nun (
beim jagen mit hohen tüchern) an ein tuch die ober- und unterleine angezogen und angebunden worden sind, wird der wechsel des andern tuches sogleich vom wagen gezogen, und an das andere tuch geknebelt, vorher aber die oberleine über die vorher angezogene oberleine einmal herum geworfen (geschlungen oder gewunden), welches in der jägersprache das schränken der leinen genannt wird. Jacobsson 6, 140
a; wenn aber .. die oberleinen mit einander geschrenckt werden, so hält eine in die andere recht fest. Döbel 2, 37
b;
und sonst: diesen brieff gab Solande der magd mit sammt seinen in golde geschrenkten namen (
namenszuge).
polit. stockfisch 267; es sind dieselben (
haare) künstlich in einander geschrenket und geflochten. Winckelmann 4, 140; trauteste. nim das gehenk, noch warm vom busen der freundin, zum andenken von mîr: mein nam' aus eigenem haar ist vorne geschränkt. Voss 1, 140;
bildlich: das gewebe unsers lebens und wirkens bildet sich aus gar verschiedenen fäden, indem sich nothwendiges und zufälliges, willkürliches und rein-gewolltes .. durch einander schränkt. Göthe 46, 122; die freundschaft meiner brust, die dieses schlechte blat (
gedicht) um deine kränzte schräncket. Günther 601;
rednerisch: des begonde ich dar ûf denken, waʒ man mochte schrenken rede her in diz mêre. H. v. Krolewitz
vaterunser 4636;
von reimen (
vgl. dazu unten schrankweise): (
dasz das sonnet) vielleicht wegen seiner hin und wieder geschrenckten reime, die fast einen andern laut als die gemeinen von sich geben, also sey getauffet worden. Opitz
poeterey 186
Witkowski; die letzten sechs verse (
des sonnets) aber mögen sich .. schrencken wie sie wollen. 187; hier (
in den vierzeilen) reimen sich der erste und letzte versz so weiblich sind zuesammen, und die mitleren zwei männlichen deszgleichen zuesammen. wiewol man auch einen umb den andern schrencken mag. 190; jungfern, solln sie tichter nemen, wollen sie versichert sein, dasz sie auch, wie in dem deutschen, so sind fertig im latein. sollen binden, sollen schrencken auff gut deutsch; doch gleichwol wissen, auf lateinisch, was gehöre, dasz die verse gehn auf füssen. Logau 3, 186, 74; ich sinn' und sinn' auch nur, und kan mit allem dencken nicht ein geschicktes wort in nette reime schräncken. Günther 711;
part. geschränkt,
von einer besondern art des strickens, verdreht, von hinten her: eine geschränkte masche Schmid
schwäb. wb. 478;
von da her auf unaufrichtiges, hinterhältiges wesen übertragen: zuo gleicher weisz sol ein mensch leren (
lernen) in jm selber haben solche warheyt das sein hertz, sein zung und seine hend eins seien .. derselb sol vor allen dingen fleisz ankeren das er sy uffrecht und schlecht, nit betrogen, krumm und geschrenckt. das nenn ich geschrenckt, do eines hat ein rechte zung, gibt guote wort, haltet sich in seiner red uff das recht ort, aber dabey ist sein hertz gantz falsch, hanget auf dye lincke sitten. Keisersberg
seelenpar. 91
d; wo personen sind, die geschrenckt, listige, bescheide, und zwifaltige zungen hond. 95
b; schränken,
figürlich, nicht gerad zu gehen, sich verstellen Frisch 2, 222
c (
mit beispielen aus demselben schriftsteller). 33) schränken,
von gliedmaszen: er satzt sich auff ein beth und schrenckt ein fusz uber den andern.
Aimon bog. A 2; schrencket auch zum behelff darwider (
gegen das wehen der winde) die füsz. Fischart
ehz. 530; (
er) blieb, die arme über die brust geschränkt, mit gesenktem haupte vor mir stehen. Wieland
Aristipps briefe 2, 53; Jâcôb die henteuber ein andere scranchte.
genesis in den fundgr. 2, 75, 30; swen liebes arme schrenken getwungenlich betastet, den mag wol nicht bekrenken unmuotes muot, sîn herze ruowlich rastet, H. v. Laber
jagd 148; das mich hoflîch mein schöner puel gên tag freuntlîchen schrencket. O. v. Wolkenstein 32, 3, 22; dann wie die leiber beyd hier waren hart vereint, zur ruh auch so geschrenckt die seelen kommen seynd. D. v.
d. Werder
Ariost 18, 167, 8; Diana steigt herab auf die gewölkten lüffte zu dem Endymion in Latmus düstre grüffte, der ihr der armen schnee um ihre brüste schränckt. Lohenstein
in den auserles. ged. 1, 267; nur hand in hand geschränket! J. E. Schlegel 2, 520; junger efeu kann am stamme nicht brünstger kleben, als sie um seinen leib die runden arme schränkt. Wieland 22, 249 (
Oberon 6, 4); aber darauf, die hände faltend, sprach Nala, geschränkt vor der brust sie haltend. Rückert (1882) 12, 15; schränken, die füsz über einander legen, wie die Turken, mit geschränckten füssen essen,
decussatim sub corpore positis pedibus sedere Frisch 2, 222
c; die saubre Lesbia sasz mit geschrenckten füssen, ihr netter finger war um schuh und strümpff bemüht. Hoffmannswaldau
auserles. ged. 6, 2;
bei jägern läufe schränken,
dem getöteten wilde kreuzweise falten; geschränkte flügel und füsze
bei hennen, wenn sie zum braten zugerichtet werden Schmid
schwäb. wb. 478. 44) schränken,
an das subst. schranke
näher anlehnend, eng einschlieszen, wie mit schranken umgeben (
vgl. dazu auch be-, ein-, um-, verschränken): der daʒ nicht bedenchet, der muoʒ immer sîn geschrenchet in der êwigen nôtschrange. H. v. Melk
erinnerung 932; mir wars wie dem kinde das ihr in enge windlen schränkt.
der junge Göthe 2, 30; eh die tieffe was geschrencket. H. Sachs 1, 273; natur, die solchen starcken klang in ein paar federchen, die kaum zu sehen, sencket, und einen das gehör bezaubernden gesang in solche dünne haut und zarten schnabel schrencket (
wie bei der nachtigall). Brockes 1, 62; wenn die sonne wald und feld in die warmen arme schrencket. 112; lasz uns unsres geistes kraft auf des nutzens menge lenken, die ein liebreich-weises wesen in so kleinen platz zu schräncken, in ein so verächtlich kraut (
das gras) die beschaffenheit zu senken, voller huld, entschlossen hat. 7, 623; der cörper rauhen stoff, wer schränkt ihn in gestalten, die stäts verändert sind, und doch sich stäts erhalten? Haller 78; wenn ihr den raum bedenkt, der die prinzessin und die kleinen und unsern kauz so nah zusammen schränkt. Wieland 18, 152; unkundig einst des kriegs, und leicht zu übermeistern, befleiszen sie sich jetzt, in reih und glied geschränkt, der schlauerdachten zucht, die unsre heere lenkt, Gotter 2, 418; in der mutter kühle brust fühle wurzelnd dich hinein, liebefasernd in ihr herz schränke dich und schweige still! Rückert
ges. ged. 1, 399 (
liebesfrühl. 1, 52);
in reimender verbindung mit renken (
theil 8, 805): nu schrenck und renckdich auff die benck.
Garg. 248
a;
unsinnlich, ausschlieszliche beziehung und benutzung hervorhebend: wer sein geldt nit auff wucher schrenck, und nimb nit miet, gab oder schenck. H. Sachs 5, 12
c. 55) schränken,
von einem schrägen, wankenden gange, wie sonst mhd. schranken (
vgl.schranken 2,
sp. 1638): schräncken, die füsse über einander setzen im gehen, mit den fusz-sohlen nicht in einer linie eines jeden fusses im gehen bleiben als ein betrunckener,
incertis vestigiis incedere, variari Frisch 2, 222
b; schräncken, hinken,
varicare 222
c (
aus der gemma gemmarum, schrencken Diefenb.-Wülcker 845);
in weidmännischer sprache von der gangart des hirsches: das schrencken des hirsches, da derselbe, wenn er gehet, mit seinen tritten von einander oder ausgekretet gehet, dasz man, zumahl beym schnee, meinet, es wären zwey thiere gegangen. Göchhausen
not. ven. 24; schränken thun die hirsche, indem sie nicht in gerader linie fortschreiten, sondern immer einen tritt auf die rechte und den andern auf die linke seite machen. Heppe
jagdlust (1784) 3, 804;
vergl. dazu das subst. schrank 4,
oben sp. 1632;
anders geschränkt stehen,
mit ausgespreizten beinen: ich sich dort junge wölfflein ligen, darob die wölffin steht geschrencket. H. Sachs 5, 251
a;
von der schiefen richtung her übertragen, ein überschreiten, übergehen in anderes bezeichnend: und alsô hebent geswistride die erste sippe, diu êlichen von vater und von mûter ân zweiunge sint geborn. ist aber zweiunge an den kinden, sô mugen si an einem lide niht gestên, und schrenkent an ein ander.
Schwabenspiegel 6, 1.