schosz,
schoosz,
m. (
mit langer stammsilbe)
gremium; veraltet ist das f. die schosz;
mhd. schôʒ,
m., daneben diu schôʒe, diu schôʒ
und daʒ schôʒ
mhd. wb. 2, 2, 174
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 780;
gremium, schosz, schoszs, schos, schoysz, schoysze, schoes, schoesze, schose Diefenbach 269
c,
sinus, schossz, schosze, schoesz, schusz 537
b, schawssz
nov. gl. 340
b;
ahd. scôʒ, scôʒo, scôʒa Graff 6, 563;
nd. schôt Schiller-Lübben 4, 123
a. Richey 235.
brem. wb. 4, 679. Dähnert 411
b. Danneil 186
b. Mi 76
b. Woeste 230
b. ten Doornkaat Koolman 3, 139
a, schāt Schambach 181
a.
die grundbedeutung des mit nhd. schieszen
zusammenhängenden (
vgl. Grimm gramm. 2, 20)
wortes ist spitze, winkel, ende, daher ahd. drîscôʒ,
triangulus Graff
a. a. o., der vordere zum knie herabhängende theil der rumpfkleidung wurde nach seiner faltung und gestalt schôʒ
genannt; für diese ansicht ist von bedeutung die verwendung des mhd. gêr, gêre,
das wie schôʒ
ein '
keilförmiges zeugstück'
bezeichnete Lexer
mhd. handwb. 1, 869. Grimm
rechtsalterth. 158.
dem mhd. scôʒ,
m. entspricht ags. sceát
nach form und bedeutung, dem ahd. scôʒo
vergleicht sich sceáta,
m.; im altnord. ist das wort n. skaut,
goth. skauts
übersetzt κράσπεδον,
fries. skat, schat Richthofen 1021
a.
von der bedeutung ecke, zipfel aus erklärt sich die anwendung auf die vier zur richtung dienenden endpunkte der welt (
Gylfaginning cap. 8);
die ursprüngliche bedeutung von etwas, das nach dem saume hinstreicht, ist verblaszt zu regio in den ags. formelhaften verbindungen corþan, foldan sceát.
das oben erwähnte gêr, gêre
wird ebenfalls von einem strich landes gebraucht, vgl. Lexer
mhd. handwb. a. a. o. über das schwankende geschlecht des wortes s. Grimm
gramm. 3, 406.
das n. erscheint nur vereinzelt und in älterer sprache, dagegen hält sich das f. neben dem m. bis in die neue zeit. Maaler
verzeichnet nur weibliche form des wortes die schosz,
gremium, sinus 361
a; Schottel
dagegen gibt schoos,
m. gremius 1408; Stieler
führt beide an, der
und die schos 1912; die schoosz,
gremium; auch der schoosz. Gottsched
sprachk. (1757) 170. Steinbach 2, 496
bezeichnet das f. als die in Schlesien übliche form, bei Adelung
steht das m. fest, Campe
weist richtig das fem. den oberd. mundarten zu. vergl. Stalder 2, 347. Tobler 398
b. Hunziker 230. Seiler 263
b. Schm. 2, 480. Schöpf 644. Lexer 225
a. Schmid 477.
cimbr. wb. 228
b (
neben dem m.);
durch differenzierung der bedeutung (
s. unten)
wird in oberd. gegenden das fem. besonders gestützt. als schwaches masc. erscheint das wort im hessischen der schöszen Vilmar 367.
schwaches fem.: auff der schossen des kollers.
Lazarillo de Tormes (1617) 101. Luthers
gebrauch schwankt zwischen der
und die schosz.
in der bibelübersetzung gilt das masc., doch vergl.: und er nam jn von jrer schos.
1 kön. 17, 19;
in den schriften findet sich das fem. öfter: Lazari sein beth ist yetz in der schosz Abrahams. 12, 595, 24
Weim. ausg.; nun hat die seel weder hendt
noch füsz auch kainen schosz.
ebenda z. 41; wir fallen Christo in die schos. 14, 267, 7 (
vergl. auch unten).
einige andere beispiele für das fem. aus der älteren periode des nhd. sind: so senhen zwai klaini knäblin Esopum, die erschracken ser und wurdent schryen und fliehen in die schosz irer muoter und ir angesicht dar in verbergen. Steinhöwel
Äsop 42
Österley; die holdseligen blumen, aus ihrer (
der erde) schos herfür lokt. Butschky
Pathmos 730; (
die kinder) den müttern reiszen von der schosz. H. Sachs 3, 1, 188
c; und Jupiter des adlers ey, ausz seiner schosz wirffet entzwey. Rollenhagen
froschm. N 2
b; wann dich küssen, hälsen, herzen ich gemöcht in meiner schoosz. Spee
trutzn. 201
Balke; vergl. dagegen: die reine sonn zu morgen, in sanften haaren blosz, den brand noch trug verborgen in ihrem purpurschoosz. 34; der wendete seine augen nie von meiner schosz abe.
Lazar. de Tormes (1617) 120.
über Flemings
gebrauch (
meist das fem.)
s. das glossar von Lappenbergs ausgabe. bei den schlesischen dichtern ist das fem. besonders häufig, aber nicht ausschlieszlich gebraucht (
s. unter den belegen aus dieser periode): schütte deine blitzen auf die gekränckte schos. Chr. Gryphius
wälder (1718) 1, 278; Günther
z. b. hat die schosz
und der schosz
neben einander: (
was) eure schoosz für kinder trägt. 165; erwart ich mir statt deiner schosz den sarg. 326; in die schoosz Germaniens. 339; die tochter ihrer schoosz. 384; unter allen brüdern, die mir Calliope in ihrer schoosz geschenckt. 577; und wird ein mahl dein haupt dem glück im schoosze ruhn. 400; der besten in den schoosz. 393; den krantz aus meinem schoosze zu empfangen. 441; spielt in ihrem schoosze. 514;
das fem. begegnet bis zum beginne des 19.
jahrh. in der schriftsprache und wird dann endgültig durch das masc. verdrängt: durch dessen (
des thales) grüne schosz ... ein klarer bach mit holdem murmeln eilte. Brockes 1 (1739), 54; im schoosz der vaterstadt. Haller 176
Hirzel; in dessen treuer schoosz das herz entladen ruht. 178; diesz England die amm' und schwangre schoosz von königen.
Shakespeare Richard II 2, 2; dem horchenden kind auf der schoos. Geszner 3, 11; drängten sich an die schoosz der mutter. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 1, 183 (1790).
der plur. von schosz
lautet schösze,
bisweilen findet sich eine schwache form (
zum fem.): schooszen Birlinger
volksth. 2, 356;
schwacher acc. sing. zu schosz,
f.: gab ihren sohn, der freude lohn, der mutter auf die schooszen.
wunderhorn 2, 479
Boxberger. veraltet ist die schreibung schos (
oft bei Luther);
so schreibt Stieler 1912 (
bei Schottel 1408 schoos);
hierzu der plural schose, schöse,
vgl. Kramer
deutsch-italien. dict. (1702) 2, 643
c. Frisch 2, 221
b; Schiller
reimt schoose
dat. auf loose (schoose: rose 1, 228): noch liegen die loose dunkel verhüllt in der zukunft schoose.
braut von Messina 1, 3;
ebenso Herwegh: der dichter ist der sultan Scheriar, und liebt, wie dieser herr, das grandiose; der ruht auch zweimal nie im selben schoose.
ged. eines lebend. 1, 171 (1841); Adelung
tadelt diese schreibung als der aussprache widersprechend. schoosz (
zum unterschied von schosz,
tributum)
ist in der ausgebildeten neuhochdeutschen schriftsprache die gewöhnliche schreibung, doch schon Campe
erkennt schosz
im hinblick auf blosz, klosz
als berechtigt an. 11) schosz
als theil des gewandes; die bedeutung ändert sich naturgemäsz mit den wandlungen der tracht. im mhd. bezeichnet schôʒ
den langen, faltenreichen theil des gewandes, der über den unterleib herabfällt, in dem man etwas tragen oder verbergen kann, wenn man ihn aufhebt, bauscht: (
eine frau) mag ein schousz foll (
obst) wol uflesen. Grimm
weisth. 5, 232; wat, of ic di geve dinen scot vol disser erde.
d. chron. 2, 1, 260, 10; (
er brachte) tûsent unze in sîner schôʒe.
Flore 5152; dô nam vor in der gotes knecht gluende koln in die schôʒ und trûc die mit also blôʒ verren wec so hin abe zû sante Martînes grabe.
passional 647, 7
Köpke; ein schoosz voll (
brombeeren), den begehr ich nicht; ein hand voll hab ich genug.
wunderh. 2, 68
Boxberger. ein schosz machen, die schosz aufheben, den rock zuosamen fassen wie ein schosz,
ex toga facere sinum Maaler 361
a.
in neuerer zeit bezeichnet schosz
untere theile des obergewandes, die über die taille herabfallen oder von ihr abstehen; so bei der frauentracht: an den wämmessern musz nur ein einiger, und zwar gewickelter schosz seyn, wie die weiberhembder, die unten auff der seiten keine schlitze haben .. doch düncket es sie, es stehe hübscher, auch adelicher und fürstlicher, wann man die schösze ganz abschafft, und die hinderste sitzberge ein wenig geschleifft und eben gemacht werden.
Simpl. 3, 754 (1684); durch ein camisol mit kurzen schössen drückte sich der schönste wuchs und noch etwas mehrers aus. Möser
phant. 1, 4 (1775);
an männerröcken: die schose am wammes, wammesschose; vordere, hintere schose. Kramer
deutsch-ital. diction. (1702) 2, 643
c; schos, der theil vom kleid, so diesen vorderleib (
den schosz,
gremium) bedeckt; und hernach alle herabhangende theile hinten und vornen. Frisch 2, 221
a; rockschösze, frackschösze: etliche bröszlein so jhme auff der schossen des kollers lagen.
Lazarillo de Tormes (1617) 101; es (
das wams) hat keine ermel, wenn ich mir einen neuen leib und schösse dazu machen lasse, es solte ein fein wams noch werden. Schoch
studentenl. D 6
a; (
die hunde) zerfetzten dem männle, der sekundiren wollte, die schösze. Kl. Schmidt
kom. dicht. 157 (1802); er trug einen feierlichen schwarzen frack mit sehr breiten schöszen. Keller 1, 253; in seinem dunkelblauen kleide, dessen spitze schösze gegen die fersen schlugen.
nachl. 249;
niederd. rok mit lange, korte schooten. Schütze 4, 59,
vgl. Richey 236.
brem. wb. 4, 679; en'n bîn schâte hem, bî de schöæte krîgen,
bei den schöszen halten, fassen; hei let sek de schöæte nich afrîten,
er stellt sich nicht erst, als wolle er fort und liesze sich nur mit gewalt zurück halten, er bleibt von selbst Schambach 181
a. 22)
im mittelalter als theil der rüstung, das den unterleib, hüfte, oberschenkel deckende stück: und auch die burger mit jhren wapenröcken darüber (
über dem plattenharnisch) .. mit schossen und lipeisen.
Limb. chron. 21
Rossel (
zu 1351); durch schôʒ und ouch durch platen vil manger wart geletzet. Suchenwirt 8, 166; vür den satel in die schôʒ. 15, 75;
vgl. Wolfdietrich D V 15, 3
var. Schm. 2, 480. Schiller-Lübben 4, 123
b,
ebenso schœʒel
Germ. 24, 145;
im 16.
jh. verstand man nach Böheim
waffenk. 100
u. öfter unter schöszen
die an den harnisch angeschnallten, die vorderen oberschenkel deckenden, eventuell bis zum knie reichenden theile der rüstung, s. z. b. die abbildung 123
a. a. o. s. 114. 33)
in alemannischen gegenden hat schosz (
hier herrscht das fem.)
die bedeutung von schürze
entwickelt, was sich leicht erklärt, vgl. Schmid 477; seidene schooszen Birlinger
volksth. 2, 356. Stalder 2, 347. Tobler 398
b. Hunziker 230. Seiler 263
b. Frommanns
zeitschr. 6, 119, 26.
in besonderer bedeutung erscheint das wort im hessischen: schôszen,
m., die innere rocktasche, besonders auch die unter dem rocke der weiber angebrachte, angenähte oder angebundene tasche Vilmar 367. 44)
die weitere entwicklung der bedeutung von 1
her ist die, dasz die von dem schôʒe
bedeckte körpergegend mit in den begriff des wortes einbezogen wird; busen, schosz, geren,
gremium, quod est inter complexum fœmorum Henisch 569, 38; aber hinten hätt' er nicht vorgesehn, dasz da auch wieder leute stehn, gab einem zur linken in den schoos mit seinem hintern einen derben stosz. Göthe 13, 114.
gewöhnlich aber ist mit schosz
die vorstellung einer sitzenden person verbunden: bald von der vertiefung, welche im sitzen .. zwischen den schenkeln entstehet; einen schoosz machen, besonders von weiblichen personen, im sitzen die schenkel ein wenig von einander thun, damit eine vertiefung entstehe. Adelung; dô sluoc daʒ kint OrtliebenHagen der helt guot, daʒ im gein der hendeanme swerte vlôʒ daʒ bluot unt der küniginnedaʒ houpt spranc in die schôʒ.
Nibel. 1898, 3.
ebenso aber von männlichen personen in entsprechendem sinne, jemanden auf den schosz setzen
oder nehmen; etwas im schosze haben, auf dem schosze halten.
es kommt eine reihe bestimmter vorstellungen in betracht: 4@aa) das kind auf dem schosz, im schosz der mutter; in der mutter schos spielen Stieler 1912; es wächst auf im schosze der mutter; Christus auf dem schosze der Maria; daʒ bilde machentend si nach Jesus dem kindelin und nach der magt der muoter sin ... als si es hat uf der schossen. W. von Rheinau
Marienl. 88, 28; vrewe dich daʒ ûf dîner schôʒe saʒ der rîche got der grôʒe.
Mariengrüsze 477 (
zeitschr. f. d. alterth. 8, 289); diu scham alsam ein reineʒ kint in schœner vrouwen schôʒen spilt.
minnes. 2, 250
b Hagen; nach diesem ward es als ein christen-kind getragen mit freuden in die schosz der mutter und mit lust erzogen in der furcht des herren. Rist
Parn. 642; und das kindlein — in der mutter schoose lag es da in süszer goldner ruh. Schiller 1, 228; das kleine wesen — welch vergnügen! — im mütterlichen schoosz zu wiegen. 3, 167; es erschine in gemelten hellen, glanzenten wolkencirkel die königin der barmherzigkeit, bekleit mit einem glanzenten klait, gleich der claren sonnen, doch einen himelblauwen feurigen mantel
an. die hette ihr allerliebstes kind uf irer gebenedeiten schosz. sie erscheine süzent uf einer wolken als uf einem sessel.
Villinger chron. 57; der mutter in der schosz braten feigen an eim spieszlein essen. Paracelsus
op. (1616) 1, 268 A;
sprichwörtlich: die schosz macht grosz,
deutlicher: auf der mutter schosz werden die kinder grosz. Lehmann 190; immer näher als andere im schosze sitzen wollen. Schottel 1118
b;
das erschreckte kind flüchtet sich zum schosze
der mutter, s. die oben aus Steinhöwels
Äsop angeführte stelle; es trägt sein spielzeug in den schosz
der mutter: so freuet sich ein kind, das bunte kiesel am ufer findet, und einen nach dem andern mit jauchzen der mutter in den schoosz bringt. Lessing 8, 19.
in entsprechender anwendung, naturgemäsz seltener, schosz des vaters: wenn er euch auf dem schoosze sasz oder in die backen zwickte. Schiller
räuber 1, 1
schauspiel; wie das der teuffel hab geschwindt ein bösz und ungehorsam kindt dem vatter ausz der schos gerücket, solchs mit sich in die lufft gezücket. Stephanus
geistl. action (1568) C 8
b; was liegt in des vaters schoosze? ist's ein neugebornes wiesel? ist es ein alraunenmännlein? Immermann 12, 21
Boxberger; der vater erkannte in altgermanischer zeit das kind an, indem er das neugeborene auf seinem schosze
hielt, auf gleiche weise adoptierte er. Grimm
rechtsalterth. 465.
kl. schr. 6, 164. Weinhold
altnord. leben 260.
ein kind auf dem schosze reiten lassen
u. ähnl.; frei, im bilde, schosz
des wohlthäters: hab ich dich tollen hund vom koth in hof gebracht? und auf selbst-eigner schosz berühmt und grosz gemacht. A. Gryphius 1, 11. schosz der ältern: die kinder aus der eltern schosz reiszen. Steinbach 2, 496; beide ziehen sie auff, hertzen, küssen, und halten sie warm in bosen und schosz. Comenius
sprachenth. (1657) 599. 4@bb) schosz gottes.
die seligen sitzen oder ruhen im schosze
des himmlischen vaters, vor allen Christus: der eingeborne son, der in des vaters schos ist, der hat es uns verkündiget.
Joh. 1, 18; wölcher in verordneter zit nach gefallen götlichs rats usz der schosz sins vaters sich in disz jamertal genidert. Schade
sat. u. pasqu. 3, 3, 1; das ist Jhesus Christus Marien sone, der do ist von dem obersten throne usz des ewigen vatters schosz.
Alsfeld. passion 4556.
vom eingehen in die seligkeit, leben in der seligkeit: alle diu got vurchtentund nach im gerne wurchent riche ode armedie choment alle ze sinem barme, in sin schoʒe er si setzet.
genesis 45, 7
Diemer; dasz ich mit dir durch die himmel schwebe, wonnestrahlend und beglückt, wie du; und auf einem sterne mit dir lebe, und in gottes schoosze ruh. Hölty 64
Halm; und dann komm' ein himmelsbot' und trage deine seel' in gottes schoos. 161; wer nu ein christ ist, der hat gut sterben, dencket also, wenn die seele ausferet, so stehets vol engel umb her, die sie gott in die schos hinein tragen. Luther 4, 155
b.
die wendung in gottes schosze sitzen
wird formelhaft gebraucht: nicht anders meineten, denn sie seszen gott in der schos (
wären der gnade gottes völlig versichert). Luther 4, 151
b;
für glückseligkeit überhaupt: ach müssen diese leute nicht gott mitten im schosze sitzen. Weise
kl. leute (1679) 159; was vor ein glückseliger mensch daher tritt, wie tief er gott im schosze sitzen musz. 291.
wie hier so wird auch sonst die vorstellung von dem zustand im jenseits nicht mehr fest gehalten, sondern wir denken an das väterlich schirmende verhalten gottes zu uns im irdischen leben: ich will euch laben und erquicken, und bisz ins alter in meinem schosz tragen und bewaren. Mathesius
Sar. 4
a;
sehr oft bei P. Gerhardt: läszt gott ihm seine kinder, wann not und trübsal blitzen, in seinem schosze sitzen. 19, 20
Gödeke; der herr wird uns viel gutes thun, das land wird früchte geben, und die in seinem schosze ruhn, die werden davon leben. 22, 59; wenn die not wird viel und grosz, schliesz er dich in seinen schosz. 94, 42; dem ich in dem schosz gesessen, warum hast du mein vergessen? 129, 55; halt unser liebes vaterland in deiner schosz und starker hand. 208, 86; als dasz ich wider ihren trutz mich leg in deinen schosz und schutz. 289, 76; er nehme dich auf seinen schoosz, er geb' ins herz dir ein ... und lasse dich wahrhaftig grosz, wahrhaftig glücklich sein. Claudius 5, 160. schosz der engel,
schirmend und behütend: kinner fall'n engel in'n schōt,
sie fallen ohne sich schaden zu nehmen Danneil 186
b. 4@cc)
die jüdische vorstellung des seligen, der im schosze Abrahams ruht, ist in die christliche anschauung übergegangen durch das gleichnis vom armen Lazarus (es begab sich aber, das der arme starb, und ward getragen von den engeln in Abrahams schos.
Lucas 16, 22): dasz Abraham in dem evangelisten Luce am 16. seine schosz auszleget, und von den engeln die jenigen, so die seligkeit ererben sollen, auffnimpt. Gretter
erkl. der epistel Pauli an die Römer (1566) 243; thô her theses lîves solde gewandelen, tho wart sîn siele untfangen van godes engelen, the vôrden se mit sange ande rouche vile sôʒen zo then Abrahâmes scôʒon.
legendar in d. zeitschr. f. d. phil. 10, 159, 729; in truoc der engel vreude grôʒ ze himel in Abrahâmes schôʒ.
Barl. u. Jos. 86, 16; nu bist dû in Abrahames schôʒ worden der heiligen genôʒ. Lamprecht v. Regensb.
S. Francisken leben 4028; wand si füeren alsô drât in Abrahames schôʒ. Ottokar
reimchron. 16111; in die schoʒ her Abrahe fuor er und het guote rue. Suchenwirt 40, 166; mer woln in her Abrahams schosz alle liegen.
Alsfeld. passion 4690; quid faciemus nos? wie machen wir's, dasz wir kommen in Abrahams schoosz? Schiller
Wallensteins lager 8; so werd' ich auch wohl in Abrahams schosz bleistift und pinsel nicht werden los. Göthe 47, 166; vil (
sind), die aus seinen (
Abrahams) lenden kommen, aber wenig, die in seiner schos sizzen werden. Butschky
Pathm. 103. sitzen, ruhen wie in Abrahams schosz
als ausdruck höchster behaglichkeit. ähnlich: wenn er vollends in schönen phantasien sich des pastors Götze eingeweidewürmerkabinet ausmalte — und den himmlischen Abrahams schoosz, auf dem er darin sitzen würde. J. Paul
Katzenb. badereise 1, 5;
verblaszt ohne beziehung auf die seligkeit des gerechten: ich war auch nur drey schritte von der sakraments-leiter, auf der ich in den schoos Abrahams steigen sollte. Schiller
räuber 2, 3
schauspiel. 4@dd)
vorstellungen wie die unter b und c behandelten liegen den verbindungen schosz des glückes, der seligkeit
u. ähnl. zu grunde: er meint er sitzt dem glück im schos. Stieler 1912; sie könnte in dem schoosze der seligkeit nicht aufgehobner seyn. Lessing 2, 156; schlaff engel! schlaff voraus und liege im schoosze der zufriedenheit. Günther 279; kann nicht hier ein mann sich in der freude schoosz niederlegen. Wieland 9, 342; dieser mann, der so dem glück im schoosze sitzt. 18, 83; sprang der sklave der sorge in der freude schoos. Schiller 6, 270; der than von Cawdor lebt, und lebt im schoosze des glückes.
Macbeth 1, 5; von deinem volke los und seinem kampf und trachten müszt aller füll im schoosz dein einsam herz verschmachten. Geibel 3, 18,
anders gewendet: manchen monarchen, der etliche millionen köpffe unter ihm, aber seinen selbst eigenen nicht in der gewalt, sondern in der schos, des ungewissen glükkes ligen hat. Butschky
Pathmos 778. 4@ee)
in anderen übertragungen tritt der begriff des schirmenden, schützenden, des mütterlichen oder väterlichen hervor: er tuot uns auf sein schoʒʒe siner gt. Schönbach
pred. 2, 126, 23;
vielfach wirkt auf den gebrauch die später entwickelte bedeutung von schosz
als des bergenden mutterleibes ein (
s. unten unter 5): aus der schosz des vaterlandes weg reiszen. Steinbach 2, 496; von einem verirrten zügellosen leben in den schoosz der tugend und reiner liebe zurück zu bringen. Klinger
theater 1, 310; nicht im getümmel, nein, im schoosze der natur am stillen bach. Wieland 9, 28 (
Musar. 1); im schoos der freundschaft und natur legt er der sorgen bürde nieder. Gotter 1, 464; auf reich bebauter flur, in dem schoose herrlicher natur. Göthe 1, 84 (
s. dagegen unter 5,
g); die unfälle, die ihn zwangen, in den schoosz seiner ländlichen heimat zurückzukehren. Grillparzer 11, 230; in den schosz der familie zurückkehren
u. ähnl.: war ja diese ganze kunst dem dienste der frauen gewidmet und reinlich und friedsam, dasz ein sohn in ihrem schosze wohl geborgen schien. Keller
werke 1, 226;
eine feste verbindung ist schosz der kirche,
von dem schönen bilde der kirche als mutter ausgehend: in den schos der wahren kirche Christi wiederkehren; im schos der heiligen kirchen leben; kirchenschos Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 643
c; unde wolde strebin widir in der kirchin schôʒ.
N. v. Jeroschin 6121; ein muoter, haubt der gantzen welt die nit beschlisset iren schosz dem sunder irrend klein und grosz, der sich zuo ir in demuot ker. Brant
narrensch. s. 107
b Zarncke; ich kehrte in der kirche schoosz zurück, schwur meinen irrthum ab in seine hände. Schiller
M. Stuart 1, 6; der rechte weg zum heil führet durch den schosz der kirche. Müllner
schuld 4, 7; es wäre denn, es fühlte einer trieb, im schoosz der kirche — nun, sie wollen nicht. Grillparzer 7, 100; meine sehnsucht, einer kirche in den schoosz zu kommen, die uns so angenehm einwiegt. Thümmel
reise 4 (1794), 121; (
gen Rom) wo der himmelspförtner, sankt Peters statthalter, hauset, dem die schlüssel zur himmelsthür anvertraut sind, dasz er dich aufnehme in den schoosz der kirche. Musäus
volksm. 1, 117
Hempel. 4@ff)
im gegensatze zu wendungen wie der schosz gottes, Abrahams schosz
spricht man vom schosz des teufels: man soll nicht rückwärts gehen, sonst läuft man dem teufel in den schosz. Birlinger
volksth. 1, 278; daʒ du dich woldest engen und dîne sêle brengen Lucifer in sînen schôʒ.
zeitschr. für d. alterth. 7, 118, 325. 4@gg)
hündchen werden im schosze
gehalten und gehegt (
vgl. schoszhund): Îsôt die küneginne clâr des hundels kleine vordrôʒ; sie leget eʒ schône an ire schôʒ und nam mit ir wîʒen hant iren mantel von bliant und behulde eʒ dâ mite. H. v. Freiberg
Trist. 4582.
vgl. über diese sitte für das mittelalter Schultz
höf. leben2 1, 450,
anmerk. 2; einem hundelîn, daʒ lac in der schôʒe sî
n. Ottokar
reimchr. 78249; he nam en (
den hund) vaken up den schod unde gaff eme eten dat beste brod.
Reinke de vos 5107; ihr mädchen, nehmt diesz allemahl in acht, den kleinen hund, der eure schosz bewacht, müszt ihr zum beiszen nicht gewöhnen. Rost
schäferged. 10; zur rechten wiegt sich an ihr prinzessin Dindonette, ihr eichhorn Puck auf der schulter, im schoosz ihr türkischer hund. Wieland 4, 10 (
der neue Amadis 1, 11);
ein hase flüchtet sich in den schosz
des heiligen Franciscus: dô flôch er zem heiligen sân und leit sich ruowen in sîn schôʒ. Lamprecht v. Regensb.
S. Francisken leben 2525;
das einhorn schlummert im schosz
einer reinen jungfrau ein, s. goldene schmiede xxxii, 30.
frosch im schosz: do der frosch in die schosz kompt, so welt er gern in den puosen.
quelle bei Schm. 2, 480. 4@hh)
Johannes ruht beim heil. abendmahle auf dem schosz
des herrn (
so oft auf mittelalterlichen darstellungen),
nach Joh. 13, 23: erat ergo recumbens unus ex discipulis ejus in sinu Jesu; dorum einer von seinen jungern, der ruwet in der schoʒʒ Jhesus.
cod. Tepl., vgl. Schm. 2, 480
und unten schoszjünger. Luther
übersetzt: an der brust Jhesu. schosz
des freundes, des vertrauten, des schützers. komm du her, alter kanzler, und leih zum ausruhn heut mir deinen schoosz. Grillparzer 5, 127;
anders gewendet: o welch ein glück hat der, dem gar liegt in der schosz ein freund, dem sich ein mann kan kühnlich geben blosz. Logau 1, 235, 86.
Eberhard im bart, herzog von Würtemberg, rühmte sich, im tiefsten walde sicher im schosze
jedes seiner unterthanen übernachten zu können: dasz er sich ihrer (
der unterthanen) rühmen dorffte, er getraue in eines jeden seiner unterthonen schos seinen kopff zu legen und darinn sicherlich zu schlaffen.
Simplic. 2, 87
Kurz; dasz jn wäldern noch so grosz, ich mein haupt kann kühnlich legen jedem unterthan in schosz. J. Kerner.
von einem toten: daʒ wunde houbet (
des Vivianz) er zehant legt al weinde in sîne schôʒ. Wolfram v. Eschenbach
Willeh. 61, 29; so liegst du nackt und schmucklos, groszer könig, das haupt gelegt in deines dieners schosz. Grillparzer 5, 152.
man verbirgt das haupt im eigenen schosze
oder dem eines anderen aus scham, schmerz u. s. w. (Schiller 1, 324),
wirft sich in den schosz
eines andern, um dort tröstung, schutz zu finden oder sich hinzugeben; übertragen: um sich nicht dem seelenlosen materialismus in den schoosz zu werfen. Kant 2, 323. 4@ii) schosz
der geliebten, wendungen wie liegen, ruhen, schlafen in ihrem schosze
können zweideutig sein oder verhüllend die unter 5
behandelte bedeutung von schosz
enthalten (
Haml. 3, 1).
die arme des liebenden ruhen auf dem schosze
der geliebten: die wîle lâgen mîn arme ûf ir schôʒ: ach, wie suoʒe mir daʒ dur min herze gie.
minnes. 2, 279
b Hagen; sitzen, liegen, ruhen im schosze der geliebten; sie nimmt den geliebten auf ihren, in ihren schosz
u. ä.: der liebsten im schos sitzen. Stieler 1912; ja sie meinen sie hetten disz fest nit recht geeret, wan sie die füllerei underwegen lieszen, unnd legen sich den weiberen ynn die geren yn die schosz. Keisersberg
narrensch. 109
d; sonst da er dich noch liebte, noch in deinem schoose lag. Göthe 10, 144; er sach in einer barken einen schœnen ritter starken ... der hât sich in die schôʒ geleit einer schœnen juncvrouwen. Heinrich v.
d. Türlin
krone 26390; ich kêrte mich hin dannewert, swenne er sich leite uf iuwer schôʒ. mîn herze heiʒe trehene gôʒ. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 21287; der pabst, der liesz ihn (
den kaiser) stehn; er lag in seiner buhlen schoosz.
wunderhorn 1, 138
Boxberger; mein allerfeinst liebchen, nimm mich in deinen schoosz. 2, 323; drauff ist er (
herr Specht), jungfrau braut, in eure schoosz geflogen, in der er voll von lust ihm seinen sitz erkiest. A. Gryphius 2, 311; ich sank in deinen schoos. Göthe 1, 18.
in besonderer wendung: den leeren reimer, welcher, mit goldnem schnitt im schoos der schönen tochter der enkelinn zu ruhen träumte. Hölty 89
Halm; liebchen öffne deinen schoos, bleibt wohl einer hangen. Göthe 41, 28. 4@kk)
das weib im schosz, auf dem schosz
des mannes: sie ist dem edelman in den schosz über sich gesprungen und gehotzet, sprechend: ei, er kützelt mich.
Zimmerische chron.2 1, 458, 35; wenn mich ein guter freund auf den schoos nimmt, sagte Philine, so bin ich zufrieden, dasz wir eng und erbärmlich sitzen. Göthe 19, 31; alsdenn besinne dich auf gärten, grasz und linden, worunter meine schoosz dein schläffrig haupt gewiegt. Günther 635. 4@ll)
etwas wird jemandem in den schosz
gelegt und dadurch ihm als eigen zugewiesen; nimmt der vater das neugeborene kind auf seinen schosz,
so erkennt er es nach altgermanischem brauch als sein eigenes an, s. oben unter a. eine enkelin wird der groszmutter in den schosz
gelegt: der betrübten Naemi, welche er nach vielen auszgestandenen creutz und armuth in des vornehmen mannes, des Boas zu Bethlehem hause wiederumb erfreuete durch ihre schnur, die Ruth, und legte ihr einen solchen enckel in die schosz, ausz dessen henden hernach könige entsprossen sind. Schuppius 667;
gaben, geschenke: eine heimliche gabe stillet den zorn, und ein geschenck im schos den hefftigen grim.
spr. Sal, 21, 14; ein vol, getrückt, gerüttelt und uberflüssig mas wird man in ewern schos geben.
Luc. 6, 38, was zog er von seinem finger? ein'n ring von reinem gold gar fein, er warf den ring in ihren schoosz.
wunderhorn 1, 104
Boxberger; vom abgeschlagenen haupte des feindes: ihr sey erlaubt sein wie Jamblichens kopf in ihrer schoosz zuschauen. Lohenstein
Cleopatra 2, 417.
in bildlichen wendungen: gott hat jr (
der kirche) seine gewalt in die schosz gelegt, und als der frawen die schlüssel gegeben. Luther 4, 100
b; den verarmtesten die zwey schönsten blumen des irdischen lebens, hoffnung und geduld, in den schoos zu legen. Thümmel
reise 8 (1803), 304; sein herz ausschütten in den schosz des freundes. Adelung.
das mühelose des empfangens kann mehr oder minder hervortreten: dieser schatz wird uns für die thür bracht, und in die schos gelegt, on unser zuthun oder verdienst. Luther 2, 330
a; (
das evangelium) heist uns nur die schos herhalten und nemen. 3, 165
b; als ob gott der königin Christinae zepter und cron und das gantze königreich Böhmen in den schosz schütten wolte. Schuppius 385; (
das glück spricht:) mein füllhorn gosz ich dem verschwender in seinen schoos, so mütterlich. Schiller 1, 247. es fällt jemandem in den schosz,
er gewinnt es mühelos; es kommt einem in den schosz,
es kommt ihm zu gute: eʒ kumt dir gar in dînen schôʒ.
pass. 584, 20
Köpke, vgl. Reinaert II, 2190;
sprichwörtlich: der geluckigen brût regent it in den schôt. Tunnicius 298. 4@mm)
im Schwabenspiegel wird die vereidigung eines frôneboten
geschildert: so sol in der rihter nemen bi der hant, und sol in sezen uf einen stul, da ein kussin ufe lige, und sol im die heiligen (
die reliquien) uf sine schoʒe sezen (
damit er auf sie seinen amtseid leiste). 106, 2
Gengler; die gegenwart der heiligen zeugen beim eide sollte dem schwörenden recht deutlich werden. 4@nn)
jemandem etwas in den schosz legen,
damit er walte, urtheile, entscheide, helfe: juwe ghnade sint myner ere unde rechtes mechtich unde wil myn recht unde unrecht legen in juwer gnaden schot.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 123
a; vil milter got, nû sî dir al mîn ungemach ûf dîn erpermede geopfert in dîn schôʒe.
Lohengr. 683. 4@oo)
los in den schosz
geworfen: los wird geworffen in den schos, aber es fellet wie der herr wil.
spr. Sal. 16, 33;
im schosz
der götter ruht die entscheidung: es ruht ja mein los, wie deines, allwaltenden göttern im schosz. Leuthold
ged.4 264; schosz des zufalls: sey ein gewinnst noch so klein, er liegt dem zufall im schoosze. Thümmel
reise 8 (1803), 294;
christlich: das glück wohnt droben in dem schoosz des ew'gen vaters. Schiller
jungfr. von Orleans 3, 4. 4@pp) die hend in die schosz legen,
insinuare manus Maaler 361
a;
besonders im sinne von müszig sein: die hände in den schos legen,
otiosum esse, nihil laborare Frisch 2, 221
a; die hände, die hand ruht im schosze, die hände fallen in den schosz
u. ähnl.: den weibern ist nichts zu glauben, als diese drei ding: erstlich, wenn sie vor ihrer thüre sitzen und die hand in der schoosz haben liegen, wann man sie dann fragt, was macht ihr guts? und sie antworten: nicht viel; das ist ihnen wol zu glauben. Abr. a S. Clara
närrinnen 126; wie wir denn auch in der that die hände nicht in den schoosz legten.
Felsenb. 1, 66; mons. Plager, der seine hände auch nicht in den schoos legte. 2, 74; aber was nennen sie ruhig sein? die hände in den schoosz legen? Lessing 2, 186; die dieses moralische gute mit der hand im schoosze, als eine himmlische gabe von oben herab, ganz passiv zu erwarten meinen. Kant 6, 341; bei einer gefahr die hände in den schoosz zu legen. Grillparzer 15, 71; was steht ihr und legt die hände in schoosz? Schiller
Wallenst. lager 8;
als ausdruck der überraschung: die frouwe des werkes vergaʒ, ir hende enphielen in die schôʒ. K. von Fuszesbrunnen
kindheit Jesu 229;
schreck: ir wart in dem lîbe kalt daʒ herze, daʒ geloubent mir. ir liehten hende enphielen ir beide für sich in die schôʒ. Konr. v. Würzburg
herzemœre 483; sie duchte iʒ ginge ir an ir êre. ir hende vîln ir in den schôʒ. Bartsch
md. gedichte 466.
ausgelassene heiterkeit: lacht und schlegt die hend zusammen in sein schosz. Ayrer 4, 2527
Keller. 4@qq)
das haupt im schosz
verbergen: sîn houbet legt er in sîn schôʒ, er klagte, daʒ er was blôʒ. Ottokar
reimchr. 16721. 4@rr) in den schosz schauen
bei frauen als zeichen der verschämtheit: die ritter schauten muthig drein, und in den schoos die schönen. Göthe 1, 178. 55)
eine weitere begriffsentwicklung von schosz
ist die, dasz die bezeichnung die vorstellung des deckenden gegenstandes nicht mehr mit festhält, sondern sich auf den körpertheil, den unterleib selbst bezieht: meine nieren sind verzeret in meinem schos.
Hiob 19, 27. 5@aa) schosz
des weibes. schon unter 4,
i ist erwähnt, dasz in wendungen wie im schosze der geliebten ruhen, schlafen
u. ä. eine beabsichtigte unklarheit vorliegen kann. daneben findet sich aber auch unzweideutiger gebrauch, so dasz ausschlieszlich der körpertheil selbst gemeint ist: ir valsche liebe diust sô grôʒ, si bietet mangem iren schôʒ, und lacht in alsô lieplich an daʒ er von ir niht komen kan.
meisterl. der Kolm. handschr. 75, 187; ee ich zuo land kom in meins beibes schôsse. O. v. Wolkenstein 12, 4, 34; und die götter uns zum frommen wolten dasz jhr zarte schosz, achtend kaum Amors geschosz, würd von Hymen eingenommen. Weckherlin 348; Cupido ein mahl sehr verdrossen, dasz er hat so vil pfeil umbsunst auf meine Myrta losz geschossen, die niemahls achtet seiner kunst, erwöhlet jhre zarte schosz zu wunden, zornig, ein geschosz. 392; die winde reiszen loosz, weil Eolus sich legt in seiner liebsten schoosz. Fleming 152; unser bräutgam wird verjünget in der schoosz der schönen braut. 353; es ist ja deine schoosz der auszug aller zierde, der enge sammel-platz der schmeichlenden begierde. Hofmannswaldau
ged. (1695) 170; durch deine tulpen-schoosz, durch deine nelcken-brüste.
ebenda; man sih't auf unser brust den herbst mit äpffeln prangen; die schnee-gebirgte schoosz des winters bildung sein. Lohenstein
blumen (1680) 80; mir ist die kleine schosz ein irrdisch paradisz. Aszmann v. Abschatz
die schöne kleine (2.
schles. schule 1, 364
Bobertag); ihr schnöde greis' (
Susanna spricht), ihr irrt, dasz meine nackte schoosz, die keinen kitzel fühlt, für euch sey frey und blosz. Wernike (1763) 4; so wünscht in deiner schos ein kaiser selbst zu schlafen. 138; entschleusz die wollust-schwangre schoosz, gieb mir die schönen lenden blosz. Günther 300; ach, schönste Phyllis, hör doch unser musiciren und lasz uns eine nacht in deiner schoosz pausiren.
wunderhorn 1, 72
Boxberger. 5@bb) schosz
des weibes empfangend, tragend, gebärend: kain tier sæt seinen sâmen slâfend oder wachend auʒwendig seins weibes schôʒ, ân allein der mensch. Megenberg 117, 19; fruchtbar und fro zugleich ist jhrer weiber schosz. Weckherlin 254;
im bilde: die weiszheit, so mit dir genaue buhlschafft macht, bekennt auf deinen fleisz, der ihre schoosz geschwängert. Günther 548;
unfruchtbarer schosz: ich will dem Holofernes keinen sohn gebären. bete zu gott, dasz mein schoosz unfruchtbar sei. Hebbel 1, 74 (1891).
Christus barg sich im schosz
der heil. jungfrau: Crist Jêsus, den dîn lîp gebar, der leite sich in dîne schôʒ.
g. schmiede 275; (
die göttliche liebe) sie warf in ûʒ des vater herzen in sîner reinen muoter schôʒ. L. von Regensburg
tochter Syon 3092; schosz
der mutter, tragend: mein liebes kint hanget mer leider zu hoch (
Christus), das ich trug in minem schoisze.
Alsfeld. passion 6231; das turteltäublein, das du erschoszt, das trug meine mutter unter ihrer brust, das trug meine mutter in ihrem schosz und zog es mit ihrem blute grosz.
wunderhorn 1, 109
Boxberger; wer hat dich als ein kind getragen? disz hat der mutter schoosz gethan. Günther 93; wenn er mit ruchlos frechem übermuth den eignen schoos verletzt, der ihn getragen. Schiller
jungfr. von Orleans 1, 2; das kind, das ich im eignen schoosz getragen, das ich genährt an dieser meiner brust. Grillparzer 4, 229; und todt die beiden hoffnungsvollen kleinen, die ihm mein schoosz, seitdem verschlossen, trug. 5, 18;
kind im schosz,
frucht im schosz: ach mein kind! wenn ich dich entweder nie gebohren hette, oder wenn du in meiner schoosz gestorben werest. A. Gryphius
horribil. 14
neudruck; auch nicht im schoosze das knäblein (
entrinne) welches die schwangere trägt. Voss
Ilias 6, 58; das pochen des neulebendigen fühlen, das in dem lieblichen schosz immer sich nährend bewegt. Göthe 1, 375; ich trieb sie fort als metze schlecht mit ihrer armen frucht im schoosze. Immermann 13, 66
Boxberger; in freier übertragung: ist's, dasz die creatur ausz gott ist auszgeflossen: wie hält er sie dannoch in seiner schosz beschlossen? Scheffler
cherub. wandersmann 23
neudr.; schosz
gebärend, kind des schoszes
u. ähnl.: eher (
glaube ich), dasz die gräber befruchtet werden, und sich dem schoosze der leichen eine geburt entwickeln wird. H. v. Kleist 4, 109
Hempel; den gesegneten schooszen aber entspringen kleine muthige kobolde. Immermann
Münchh. 3, 201 (1841); die kinder seiner schoosz sieht er nach wunsch gerathen. Götz 3, 205; ein schöner jüngling reizender als keiner Auroras schoosz entflossen. Schiller 1, 320; ihres schooszes einz'ger sohn. Grillparzer 3, 28;
plur.: aus den schöszen sterblicher mütter. Klopstock
Mess. 2, 446. 5@cc)
hin und wieder wird schosz
in gleicher bedeutung beim manne gebraucht: sohn seines schoszes. 66)
bildliche und übertragene anwendung von schosz;
die vorstellung des bergens, umschlieszens (5)
liegt meist zu grunde, doch wirkt ebenso auch die unter 4
behandelte bedeutung des wortes ein (
einige solcher wendungen sind schon angeführt),
oft auch bleibt die vorstellung unbestimmt. eigenthümlich ist die anwendung in folgender stelle; auch hier ist das bergen, umschlingen wesentlich, indessen denkt man auch an den eigentlichen sinn von schosz: wer hatte kraft den mantel (
himmel) auszubreiten. der tausendfarbig über unsrem haupte flieszt, des lenzes hofnung und des herbstes schätze in seiner falten schoosz verschlieszt. Gotter 1, 402. schosz
im sinne von höhlung: aus dem schoosze goldner schilder läszt sie seidne röslein glänzen. Brentano
ges. schriften 3, 316. 6@aa) schosz
der erde, die keime empfangend, hegend, zum licht gebärend, nährend, dichterisch in gleiches verhältnis auch zu dem menschen gesetzt; in anderen wendungen tritt mehr die vorstellung des verborgenen innern, der dunklen tiefe auf; die erde empfängt, was sie gebar, zurück, in ihrem schosze
ruhen die toten (
daher auch schosz des grabes);
daneben auch in verblaszter anwendung oder mit beziehung auf die unter 4
behandelte bedeutung, besonders in dem sinne, dasz die erde rast, erholung gewährt: si ligt numehr in der schos der erden, so unser aller mutter ist. Butschky
hochd. kanz. 877; der sî in der erdin schôʒ begrûbe.
N. v. Jeroschin 9136; da wurden billich sie, beiszend der walstat schosz under die füsz getretten. Weckherlin 71; der hohe himmel liebt die tieffe schosz der erden. Fleming 151; itzt, wenn die schoosz der erden von eines mannbarn lufft geschwängert pflegt zu werden. 124; (
es müsse) deine (
eines ortes) feuchte schoosz mit kalten brünnen rinnen. 628; bekleidete mit blumen, kraut und gras im februar bereits die nackte schosz der erden. Brockes 1 (1739), 4; sie setzten sich an einen grünen hügel, dem mosz und rohr die schosz, ein wald den rücken, deckte. 22; die berg-crystallen gleiche bäche, von ihres eises banden los, versilbern Tellus grüne schosz. 23; es grünt der erde befruchtete schosz. Uz 14
Sauer; ein jüngling ruhet hier in unsrer mutter schoos. Gotter 1, 144; empfange mich, heiliges land, das ich zu lange vermisse, in den geselligen friedlichen schoos. Giseke (1767) 115; der schoosz der au, der wiesenklee, verlieh ihm süszre rast, als himmelbett' und kanapee. Hölty 14
Halm; die felder waren hart und weisz, der erde schoosz verschlossen. Stolberg 2, 7; um den reitz der erde zu genieszen, siehest du dich um, mein lieber freund, wo violen ihrem schoosz' entsprieszen. Göckingk 3, 108; wir flehten um trinkbare quellen, erde! dich an und was sendet dein schoos uns herauf? Schiller 11, 192; dem dunkeln schoosz der heil'gen erde vertrauen wir der hände that, vertraut der sämann seine saat. 11, 313; der fröhner, der sucht in der erde schoosz, da meynt er den schatz zu erheben.
Wallenst. lager 11; sobald ihn (
den samen) der erde stille befruchtender schoos hold in das leben entläszt. Göthe 3, 92; das lied der nachtigallen tönt nicht in seinem (
des grabes) schoosz. Salis (1821) 41; ich fühle, mein oheim, dasz ich hoffnungslos; bald geh' ich in der erde schoosz. Immermann 13, 146
Boxberger; im finstern schoosz der mütterlichen erde. Grillparzer 4, 221; dasz wir die reste suchen meines kindes und sie bestatten in der erde schoosz. 240; als ob die erde aller wesen fülle zurückgeschlungen in den reichen schoosz und mädchen draus gebildet, nichts als mädchen. 6, 32; schosz
allein im sinne von grab: schooszkind des glücks! was nützt dein luft'ger lustpalast, wann dich umfängt der klaffend enge schoosz. Rückert 11, 350. schosz
der klüfte, felsen u. ä., die verborgene tiefe bezeichnend: solche muscheln, sampt andern gestalten der meerthier, sollen zuzeiten in den löchern, schossen oder hölen der schroffen desz gebirgs, nahe am meer gelegen, gefunden werden. Forer
fischb. 130
b; so bricht aus tiefer höhlen schoosz das heer der winde brüllend los. Hagedorn 3, 130; wenn fürchterlich das kerkerschlosz klirrt in mein morgenlied, und wenn mein aug im felsenschosz nur elend um sich sieht. Schubart 1, 23 (1787); eine kluft, in deren schoosz tiefverhüllte, finstre mächte würfeln mit dem schwarzen loos über kommende geschlechte. Grillparzer 3, 123.
vom dunklen innern einer waldkluft: versunken lag im moose Merlin, doch tönte lang aus einer waldkluft schoosze noch seiner stimme klang. Uhland
ged. (1864) 314. schosz
des waldes: mit ehrwürdigem ansehn steht das einsame kloster in dem sichern schoosze der wälder. Zachariä
tagesz. 73 (1757). 6@bb) schosz
einer rose, die weiblich, mädchenhaft gedacht wird: kein Amor bettet je in ihren schoos. Hölty 47
Halm. 6@cc)
vom innern eines baumes: es stand in meinem hage ein eichbaum kronenlos; von jähem wetterschlage zerspalten war sein schosz. Geibel 3, 51. 6@dd)
wendungen, die sich auf gewässer, bach, flusz, see, meer beziehen; im mnd. bezeichnet schôt
das bett eines flusses, den schoszartig geschwungenen grund des meeres, es liegt also die unter 4
behandelte vorstellung zu grunde: dat volck ging dorch den drogen schot des Jordans,
mit anderen belegen bei Schiller-Lübben 4, 123
b.
dichterisch in hochdeutscher schriftsprache, schosz
eines flusses, aufnehmend, tragend (schosz
im äuszeren sinne genommen, s. oben unter 4): das stumme heer durchstreicht der Thetis feuchte schosz. von Zigler und Kliphausen
Adam an Evam (
zweite schles. schule 1, 338
Bobertag); und zu eines stroms gestaden kam ich, der nach morgen flosz, froh vertrauend seinem faden werf ich mich in seinen schoosz. Schiller 11, 381. schosz
des meeres (
nach 4
und 5): es glückt' auch manchem schwarzen hummer, zu plumpen in den feuchten schoosz. Immermann 13, 98
Boxberger; sie (
die welle) durfte aus dem dunkeln schoos sich heben. Herwegh
ged. eines leb. 1, 159 (1841);
als grab: empfangt mich dann, ihr wellen, faszt mich auf, und festumschlingend, senket mich hinab, in eures tiefen friedens grabesschosz. Göthe 9, 372. schosz
der wolken: und du, nahes gewölk, o senke du tiefere ruhe in die kühlenden schatten aus deinen schöszen herunter. Klopstock
Mess. 1, 560; der wolken schwarzer schoosz gieszt feuerströme aus. Wieland
Ober. 7, 18; liebevoll stiegst du (
sonne) früh aus dem rosigen schoose deiner wolken empor. Schiller 1, 214. schosz
der luft, des himmels, vergl. himmelsschosz
theil 4, 2,
sp. 1363. 6@ee) schosz
der nacht, des dunkels u. ähnl.: rosenwangichte phantasie, die du bilder ins herz deiner vertrauten malst, die vergangenheit aus dem schoos ihrer mitternacht rufst. Hölty 72
Halm; nach jenen frohen tagen, deren morgen aus froher nächte schoose steigt. Gotter 1, 178; und senke dich hinab in schoosz der nacht, dem dräuend du entstiegen. Grillparzer 4, 136; da du hervorriefst aus des dunkels schoosz mildglänzend Habsburgs leuchtendes gestirn. 5, 73. schosz
des morgens, des tages: der erdball wälzt sich grosz und trunken voll blüten und thieren in den glühenden schoos des morgens. J. Paul
Hesp. 1, 148; das doch lauter ist und klar, gleichwie der glanzvoll ofne schoosz des tages. Schiller
Tell 2, 2. schosz
der zeit, der vergangenheit oder zukunft: ihm ruhen noch im zeitenschoosze die schwarzen und die heitern loose. Schiller 11, 307; noch liegen die loose dunkel verhüllt in der zukunft schoose.
braut von Messina 325 (1, 3); als wenn ich in den schoosz vergangner zeit versenkt auf der geschicke leises wachsthum merke. Geibel 3, 34. 6@ff)
in ähnlicher weise auch sonst in bildlichen wendungen; schosz
der natur: (
der mensch) steigt eyffers voll empor und dringt sich in die schosz und gründe der natur. Opitz 1, 26.
hier also nach 5 (
vgl. dagegen 4,
e); wer weisz, was künftig noch, wo sich das all verliehrt, geschwängert von dem wort: es werde! des fruchtbarn chaos schoos gebiehrt? Creuz 1, 81 (1769). schosz
der verwesung: Christ ist erstanden aus der verwesung schoos. Göthe 12, 40. schosz
der traurigkeiten: der mangel der vollkommenheiten bracht aus dem schoos der traurigkeiten dich blassen neid herfür. Creuz 1, 96. schosz
der möglichkeit: schöner vortrefflicher deutscher iliaden, so wie eben auch griechischer, mag der schoosz der möglichkeit vielleicht noch genug in sich enthalten. Bürger 183
a. schosz
der gesellschaft, gemeinschaft, eines staates, einer nation u. ähnl., in doppeltem sinne: im schosze einer gesellschaft sich wohl fühlen
u. ähnl., hier liegt die unter 4
behandelte bedeutung zu grunde: mitten im schoose der raffiniertesten geselligkeit. Schiller 10, 286; dem aber sey nun wie's auch sey, er wohnt in unserm schoosz. Göthe 47, 122;
dagegen nach 5: aus dem schosze dieser gesellschaft entwickelte sich ein plan
u. ähnl.; wie die buchstaben in den schoosz Griechenlandes aufgenommen waren, und darinn künste und wissenschaften erzeugten. Hagedorn 3, 134; aus dem schosze der versammlung selbst erhob sich widerspruch; schosz
einer stadt, der städte: diese unser statt Marpurg, welche viel leute, so hundert jahr und drüber, in ihrem schosz wärmet. Schuppius 777; da sie (
die stadt Antwerpen) alle drey christliche kirchen in ihrem schoose hegte. Schiller 9, 29; weh, wenn sich in dem schoosz der städte der feuerzunder still gehäuft. 11, 317. schosz
einer burg: schon ist îhr (
Helena) alles eigen was die burg im schosz verbirgt. Göthe 41, 216. schosz
des herdes: als aber ich dem schosze des herdes mich genaht. 186.
auf das geistige innere des menschen bezogen: in unsern hertzschrein und in den schosz desz gemütes.
a. weish. lustg. 699;
vernunft, wissenschaft: mit aufgaben, die ganz aus ihrem schoosze entspringen. Kant 2, 52.
der poetische gebrauch von schosz
im bildlichen sinne und in übertragungen ist frei und durch die angeführten beispiele natürlich nicht erschöpft; vergl. noch: wodurch auch die secunde zur gnade gelangt in den schoosz des wohlklangs. Grillparzer 11, 272. 77)
besondere verwendungen, die sich auf die ursprüngliche bedeutung des wortes gründen, in technischer sprache: 7@aa)
bei den fleischern ist schosz '
das lappigte und dünne stück fleisch am rinde, das noch unter den lappen hängt' Jacobsson 4, 36
a. Stalder 2, 347;
vom rindfleisch aus der mitte neben den hüften bis zum rückgrat Schröer 204
b. 7@bb) schosz
in heraldischer sprache, spitzzulaufende, keilförmige abtheilung auf dem wappenschilde (
die älteste bedeutung des wortes ist hier festgehalten);
näheres bei Gritzner
heraldische terminologie 57.