schmutzig,
adj. und adv. mit schmutz behaftet, nach den verschiedenen bedeutungen des subst.; als schmutzig
und schmotzig
seit dem 15.
jahrh. nachzuweisen (
vgl. unten und Germ. 28, 401): ausz einer schmotzigen beckelhaub trinken.
Garg. 223
a;
auch in der form schmuzicht,
pollutus, squalidus, foedus, immundus, putide, squalide, spurce, foede Stieler 1883; schmutzigt: rock, welcher ohne zweiffel im bauch desz wallfisches gantz schmutzigt und schmierigt worden war. Schuppius 400;
die schreibung schmuzig
zeigt entsprechende länge des stammvocals an, wie beim subst. (
s. dort). 11)
nach schmutz 1,
fett, schmalzreich, besonders im alemannischen sprachgebiet: der (
krammetsvogel) schmackt jm gar wol; er gedacht bei jm selbs: das sind gut schmutzig vogel! Wickram
rollw. 143, 6
Kurz; es ist gar ein schmutziger dienst für die pfaffenkuchen. Fischart
bienk. 113
b; schmutzige butterbrief. 146
b; aber wie vil nützlicher, schützlicher, hitziger, kützeliger ist uns der geruch und die kraft vom rebensaft, als dasz schwermütig schmutzig öl.
Garg. (1590) 38; wirt, hast nicht ein volles kar, gar schmutzig klar, sultz von ochssenfüsen? 182; das ist mit drinken yetz die art, syn schmutzigen mundt wüscht keyner jm, do mit das veiszt jm becher schwym. Brant
narrensch. 110
a, 98; ettlich die dnt also hofleren, das sie das brot vast wol beschmieren, mit schmutzgen henden, pfeffer bry, do mit es wol gesalbet sy. 149; das schmutzige maul
als bild behäbigen lebens: mich irgend hin setzen und mit einem schmutzigen maul zum fenster aussehen.
Simpl. 1, 300
Kurz. in der bedeutung fettig-schmierig, nach der folgenden bedeutung übergreifend: es will jm nit schmacken ausz den schwartzen schmutzigen hofbechern zu trinken. Fischart
Garg. (1590) 82; Kundel, unser magd .. so ist sie auch fein schmutzig fett, das allzeit ir anklebt das bett.
flöhhaz 1887. schmutzig
als fett im alemann. sprachgebiete erhalten: schmuzig
mit fett gekocht, als subst. das fett selbst Hunziker 226; schmuzig
fett Seiler 258
b;
schwäbisch schmotzig,
fett, schmierig Schmid 472;
als bezeichnung eines festtages: schmotziga, schmutziga donstig,
der feiste donnerstag, d. i. der donnerstag nach dem aschermittwoch Tobler 393
a. 22) schmutzig
nach der heute gewöhnlichen bedeutung von schmutz (
s. d. 3),
mit schmutz, unreinigkeit behaftet, gewählteres wort neben derberem dreckig,
seit 17.
jahrh. verbreitet: schmutzig,
maculosus Schottel 1405;
als schmotzig
und umgelautet schmötzig
voc. von 1618
bei Schm.
2 2, 562; schmutzige wäsche, schmutzige kleider, schmutzige hände, sich schmutzig machen. Adelung; eine schmuzige wohnung, stube, wand, schmuzige gläser, teller, schmuzig sein. Campe; schmutziges wasser; schmutzige straszen, wege; ein schmutziger mensch, schmutzige kinder; ein frouw hab an wie ein arm smutzigs cleid sie well. Keisersberg
bilg. 44
c; die schmutzige kuchen- und stinkende stallratzen (
küchen- und stallbediente).
Simpl. 3, 149
Kurz; aus diesem schmutzigen märznebel. J. Paul
Hesp. 2, 194; mit schmutzigem bart. Hebel 2, 143; es war eine gelbe schmutzige flüssigkeit. Freytag
soll u. haben 2, 271; ihn hüllt' ein schmutziger leibrock.
Odyss. 24, 227;
schmutz bewirkend: es ist schmutziges wetter,
wo man sich leicht schmutzig macht. Adelung; schmutzige arbeit,
bei der man sich beschmutzt. 33)
nach dem übertragenen sinne des subst., mehrfach. 3@aa)
allgemein von unsauberm, sittlich tief stehendem, der achtung barem; noch frisch bildlich in einem sprichworte: denn wer das schmutzge anfaszt, den besudelts. H. v. Kleist
werke 1, 35 (
Schroffenst. 2, 2);
auch in der redensart schmutzige wäsche vor allen leuten waschen,
sich unsaubere handlungen öffentlieh vorrücken; den beitritt zum bündnis musz man von cabinet zu cabinet verhandeln, sonst giebt es schmutzige wäsche im bunde.
briefwechsel Gerlachs u. Bismarcks s. 165;
verblaszter, von menschen, handlungen, dingen: das ist eine schmutzige geschichte; moral und .. religion, die, ob sie schon in heiligem kleide kommen, über die befleckung des blöden und schmuzigen haufens nicht erhaben sind. Schiller 2, 348; meisterstücke aus der naiven gattung werden daher gewöhnlich die plattesten und schmutzigsten abdrücke gemeiner natur. 10, 504; lassen wir diesen elenden sein schmutziges handwerk treiben. 14, 226 (
parasit 3, 1);
besonders auf geiz, eigennutz bezogen: ein schmutziger mensch,
schnöde geizig oder gierig, auch in den mundarten: schmutzig,
schmarotzerisch, eigennützig Schöpf 633;
baslerisch e schmuzige mâ,
filzig, geizig Seiler 258
b; da der autor selbst drucken läszt: so ist nicht zu vermuthen, dasz er aus schmutziger gewinnsucht es daran (
an sauberkeit des druckes) werde fehlen lassen. Lessing 11, 182. 3@bb)
von zotigem, unflätigem: schmutzige reden führen, ein schmutziges bild. Adelung; schmutzige ausdrücke, bücher, schmutzig schreiben; wenn es leute giebt, die sich an dem schmutzigen witz des herrn Blumauer erbauen und erlustigen können. Schiller 10, 477. 44) schmutzig
in der sprache der kunst: beim maler ist schmutzig
eine farbe, welche dem auge miszfällt, und aus einer üblen farbenbrechung oder aus einer mischung feindschaftlicher farben, z. b. des lasurs und zinnobers, entsteht. Jacobsson 4, 13
a; eine farbe schmutzig machen,
ihr durch brechung mit andern, welche dunkler oder grauer sind, schein, glanz und lebhaftigkeit benehmen. ebenda; schmutzige schrafflerung
bei kupferstechern diejenige, welche in einem kupferstiche eben die wirkung thut, als ein federzug mit tinte auf papier, welches durchschlägt, schmutziger abdruck,
voll kleiner fehlerhafter streifen. ebenda; allgemeiner von stumpfen, verwischten, nicht klaren farben: sordidus, squalidus schmutzig Nemnich 4, 1328. 1352;
bestimmend zu andern farbenbezeichnungen: sordide albus, schmutzig weisz,
sordide virescens, schmutzig grün
u. s. w. 1328;
luridus, schmutziggelb 3, 464; schmuziges glas (
nicht rein durchsichtig). Campe; ein schmuziges gelb, roth, blau.
ebenda.