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schandfleck

nhd. bis sprichw. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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8 in 8 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schandfleck m.

Bd. 14, Sp. 2145
schandfleck, m. , und schandflecken, nota turpitudinis, probrum, macula vitae. Stieler 497, mhd. schantvlecke, schwach, und schandenvlec, stark Lexer handwb. 2, 656. 658, mundartlich auch schandflecke, f. Frischbier 2, 257a. Bernd 247. zuweilen zu schampflek assimiliert Hunziker 217. es bezeichnet zunächst einen schändenden, entstellenden fleck, wird aber fast nur bildlich gebraucht. 11) bildlich für schande. in ausgeführterem bilde, sodasz die sinnliche bedeutung noch durchscheint: diser ursach halben, damit er disen schandflecken der gottlosigkeit abwäsche, liesz er sich hernach Pium, das ist den gotseligen nennen. Fischart bienenk. 212b; warum wolt ihr die schönsten mit so garstigen schandflecken verunehren? gespenst 330; untersuche ja alle umstände genau, bevor du einen menschen mit so einem abscheulichen schandflecke (dem vorwurf der undankbarkeit) brandmarken lässest. Lessing 1, 143; meine stirn ist von dem schandflecke von gestern geheilt. Thümmel reise (1791) 1, 236; in andern verbindungen: hat er nit mehr denn einmal seine pfründen betriebner schandtfläcken halber vom bischoff widerkauffen müssen? Kirchhof wendunm. 1, 328 Österley; die zung ist ein gefährliches messer, wormit man aufschneiden, auch zu zeiten, die ehr abschneiden, und zu zeiten den gemachten schandfleck wiederum abschneiden, und also loben und tadeln kan. Abele künstl. unordn. 39; um seinen fürsten und sein vaterland vor einem sonst unvermeidlichen schandfleck zu verwahren. Schiller 4, 118. eine im ältern nhd. bis in die classische zeit sehr beliebte wendung ist einem einen schandflecken anhängen, labem inferre, infamare, labeculam aspergere. Stieler 497: dein hertz hieng sich an die weiber, und lieszest dich sie bethören, und hiengest deiner ehre ein schandflecken an. Sir. 47, 22; unserm gantzen geschlecht eyn ewigen schandflecken anhencken. Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken K 4a; sie hat uns allen einen schandflekk angehängt: sie ist die erste von der familgie, die zur h- geworden ist. Tom Jones (Nürnberg 1780) 1, 260; sie hat sich einmal den vermaledeiten gaudieb in den kopf gesetzt, und sie wird sichs nicht ausreden lassen, dasz es nicht der sei, der ihnen den schandfleck angehängt hat. Thümmel reise 2, 315. 22) gegenstand, anlasz oder ursache der schande; etwas, dessen man sich zu schämen hat: die lügen ist ein heszlicher schandfleck, an einem menschen. Sir. 20, 25; ob er gleich sonst über die verwechselung eines wortes oder buchstabens als uber einen leidigen schandfleck einer ganzen vorlesung verzweifeln konnte. Göthe 18, 322. meistens von personen gesagt (vergl.schande 4, b): owê, daʒ ie dehein touf ûf dich kam, dû schantflecke aller dirre werlte! Berthold v. Regensburg 1, 205, 32; pfî, schantflec, daʒ hât dir alleʒ samt dîn unmæʒic munt verlorn und wirt dîn doch niemer rât. 2, 182, 10; die verkerete und böse art fellet von jm ab, sie sind schandflecken, und nicht seine kinder. 5 Mos. 32, 5; ich meine, das er (Luther) gott sey, wie wolt sonst sein schreiben und name so mechtig sein, das er aus bettlern, herren, aus eseln, doctores, ... aus schandflecken, herrliche leute machet? Luther 3, 514b; ein schandfleck ihres hohen hauses. polit. stockfisch 354; dieser schand-fleck der natur. Felsenb. 1, 322; der nachwelt sollen sie ein schandfleck seyn. C. F. Weisze lustspiele 1, 109; ich rath dir päser schanden fleck, dürch beicht und buosz dein sünd leg wegk. Schwartzenberg 141b; gesündiget hab ich, ich schandfleck diser erden. Weckherlin 322; vergieng nicht auf sein wort in siedend-heiszem baden, die brandstätt toller brunst, das weib der länder schaden, der menschen hohn und fluch, der schandfleck ihrer zeit. A. Gryphius 1, 32. 33) harte scheltworte, verweise, schimpfreden: einem ein gericht schandflecke anhängen. for e grosche schandfleck! fordern spaszvögel in Königsberg von den marktfrauen. Frischbier 2, 257a. Bernd 247.
3919 Zeichen · 57 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schandflêck

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Schandflêck , des -es, plur. die -en, eigentlich ein Schmutzfleck, so fern er ein Ding entstellet, eine verunstalten…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schandfleck

    Goethe-Wörterbuch

    Schandfleck den positiven Gesamteindruck beeinträchtigende Stelle, Schmutzfleck; meist übertr, einmal im Bild Er [ Wilhe…

  3. modern
    Dialekt
    Schandflëck

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Schandflëck m. ‘Macula’ Gol. 117; als Schimpfwort Pfm. III 2.

  4. Sprichwörter
    Schandfleck

    Wander (Sprichwörter)

    Schandfleck 1. Die Schandflecke fallen ihm aus dem Maule wie Pragelerbsen. »Dem Malcher fielen die Schandflecke aus'm Ma…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schandfleck

5 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von schandfleck 2 Komponenten

schand+fleck

schandfleck setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schandfleck‑ als Erstglied (4 von 4)

schandflecken

DWB

schand·flecken

schandflecken , verb. mit schande bewerfen, in schande bringen, schänden. 1 1) entstellen: und de behmischen kettersvruwen, de mit den manne…

schandflecker

DWB

schandflecker , m. schänder, schmäher, tadler: so traurige wahrsager wären nicht viel besser als schandflecker. denn jene hätten immer ander…

schandfleckig

DWB

schand·fleckig

schandfleckig , adj. mit schandflecken bedeckt: noch ein erschräcklich gschicht von dreyen spielern, denn bey sölchen ... schandfleckigen la…

Schandfleckung

DRW

schandfleck·ung

Schandfleckung, f. beleidigende Handlung oder Rede bdv.: Schändung (I) so sole gy H. sodan vorgerorde schantvleckinghe unde untucht noch ave…

Ableitungen von schandfleck (1 von 1)

beschandflecken

DWB

beschandflecken : wo bleibet unterdessen bei solchen ungöttlichen händeln, die gerechtigkeit, die liebe, das gewissen? wirds nicht alles dar…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schandfleck". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schandfleck/dwb?formid=S04315
MLA
Cotta, Marcel. „schandfleck". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schandfleck/dwb?formid=S04315. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schandfleck". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schandfleck/dwb?formid=S04315.
BibTeX
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  title        = {„schandfleck"},
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