scepter,
m. n. sceptrum, aus dem latein. entlehnt, erst für das 12.
jahrh. nachweisbar. mhd. und noch jetzt häufig zepter
geschrieben: sceptrum .. cepterstab ..
hd. cepter, scepter, zepter, ciepter, eyn sceptrum Dief.
gloss. 518
a, tzeptar
ceptrum Dief.-Wülcker 912, septer Frommann 2, 452
a (15.
jahrh.);
bis jetzt doppelgeschlechtig (
das masc. nach stab);
auch mit lat. endung ceptrum, sceptrum: ein gegerwe man dâ vore droech, rîch ende skône, ein ceptrum end ein krône. H. v. Veldeke
Eneide 8238
Behagel; von Juda wirt nimmir genomen daz chunechlich scheptrum.
genesis 1, 108, 20
Diemer. Bedeutung. 11)
im eigentlichen sinne, ein durch form, arbeit und verzierung ausgezeichneter stab als zeichen der herrscherwürde. 1@aa)
im engeren sinne, symbol der kaiserlichen und königlichen, später auch der fürstlichen gewalt, besonders der gerichtsgewalt: als die wichtigsten reichskleinodien erscheinen von alters her krone und scepter. Waitz
verfassungsgesch. 6, 223;
in formelhafter verbindung: krone (
theil 5, 2355) und scepter, scepter und schwert, scepter und diadem, stab
und ähnl.; meist tautologisch, aber auch gegensätzlich gebraucht und dann die verschiedenen zweige der herrschaft bezeichnend: Gahmuret der wîgant verlôs sus bürge unde lant, dâ sîn vater schône truoc zepter unde krône.
Parzival 5, 26; er truoc des rîches zepter und die krône. Walther 19, 10; daʒ ich ze Tenemarke trage den zepter und die krône. Konrad v. Würzburg
Engelhard 6197; eʒ lebte bî den jâren der rîche keiser Constantîn, und hete in dem gewalte sîn den scepter und die crône.
Sylvester 876; indehm der allmächtige die könige einsätzt, als bilder und spiegel seiner majestät, giebt er ihnen nebenst dem scepter auch das schwerdt in die hand. Butschky
Pathm. 686; nicht selten schlägt ihnen (
den fürsten) der donnerer den köstlichsten stein aus ihrer krohn und den scepter aus der hand. 719; bald dünkte mich, ich sey mehr als alle könige und der zepter war das geringste, was ich zu den füszen meiner gebieterin legen konnte. Rabener
sat. (1755) 1, 110; als nun ihr gemahl (
der kaiser) in der seltsamen verkleidung aus dem dome zurück gekommen, ... habe er wie zum scherz beide hände erhoben und ihr den reichsapfel, den scepter und die wundersamen handschuhe hingewiesen. Göthe 24, 319; man blättere nur in der hübschen Lüneburger chronik, wo die guten alten herren in wunderlich treuherzigen holzschnitten abkonterfeit sind .. die heilige keiserkrone auf dem treuen haupte, scepter und schwert in festen händen. H. Heine 3, 74
Elster. 1@bb)
das scepter
dem herrscher vorgetragen, vgl. scepterträger 2. scepter
im mittelalterlichen lehnsstaate (
s.lehen
theil 6, 537
und unten scepterlehen): mit dem scepter (
per sceptrum) werden nach dem Wormser concordate den geistlichen die regalien verliehen: es ist da vornehmlich an die gerichtsbarkeit zu denken, als deren symbol es diente. Waitz
verfassungsgesch. 6, 223; wan etslîch (
fürsten) widerwanden, die ir fürstîe schanden, sie enphiengns mit scepter odr mit vanen. Wolfr. v. Eschenbach
Willehalm 302, 7;
[] (
Wigamur) der von dem rîche lêhen nam mit zepter.
jüng. Titurel 4616, 5; die keiser liet alle geistlik vorsten len mit deme sceptre.
Sachsensp. landr. 3, 60, 1
Homeyer; der keiser sol lihen allen geistlichen fürsten ir reht mit dem zepter und allen werltlichen fürsten mit den vanen.
Schwabensp. 110, 4
Gengler. den übergang von der bedeutung krönungs- zu belehnungsabzeichen zeigt folgende stelle: frowe Larîe setzte im dô ûf sîn houbet schône die guldînen krone und bevalch in sîne hant, ir lîp, ir liute unde ir lant mit einem scepter guldî
n. Wigalois 9438
Pfeiffer. 1@cc)
häufig mit leichter übertragung scepter
als symbol himmlischer macht und herrlichkeit: der scepter und der diadem die zierent dich (
jungfrau Maria) âne endesdrum. Konr. v. Würzburg
goldene schmiede 516; dîn trinitât in vröuden stât, dîn cepter unt dîn trôn,dîn himel stelle.
minnes. 3, 92
a Hagen; aber von dem son, gott (
spricht er) ... das scepter deines reichs ist ein richtiges scepter.
Hebr. 1, 8;
Christus als könig vor Pilatus verspottet erhält ein rohrscepter: in solchim schinpfe lebt er (
Christus) nach kunges zit (
l. site) ein cepter von rôr in sîn hant gegebin. Hugo v. Langenstein
Mart. 35, 25
Keller; werlich uwer konigliche kron, her juddenkonig, die stet dir schone, und auch uwer kostlich gewant. sehet, nemmet den zepter in die hant.
Alsfelder passionssp. 5287.
aus der übertragung auf himmlische herrschaft ist wol die bedeutung des scepters als schutzmittel gegen des teufels macht abzuleiten: auf ainem swarzen stain ain mensch, daʒ in der rehten hant ein zepter tregt und in der andern ainen fliegenden vogel mit gestrakten flügeln und under dem pilden ain crocodill ist, der ist guot wider der teufel pannen. Megenberg 470, 30. 1@dd)
allgemeines symbol irgendwelcher herrschaft über untergebene, erst im nhd. herausgebildet: ein hoher minister oder ein printz, dem entweder die ordentliche wahl oder die natur selbst das scepter eingehändigt. Butschky
Pathm. (1677) 719; dasz das milde klima von Fehmarn ... auch familien aus Holstein angelockt, welche sich unter dein (
des bruders Ludwig Moltke) scepter gestellt haben, freut mich sehr. Moltke 4, 257; wie gern siedelte ich mich unter deinem amtmannsscepter auf einer kleinen hufe
an. 4, 251.
ähnlich: wir glauben oft den zepter zu führen, indessen uns der sclavenkittel ziert. Benzel-Sternau
bei Campe.
von empfindungen, zeittheilen, die als scepterträger hingestellt werden: eine junge wittwe liesz ihr angelegen seyn, den zepter der liebe und des regiments zugleich in ihren händen zu führen. Hoffmannswaldau
bei Steinbach; da, im krampfe des zorns, berührt er (
Jupiter) beide mit dem zepter der rache. Matthisson (1810) 1, 183; alsdann guckt schon der abend mit seinem stillen gefolge über den horizont hervor. in dichteren wolken, welche rund um den himmel sich setzen, verbirgt er sein zepter. Zachariä
tageszeiten 68.
personification des scepters,
indem es für seinen träger gesetzt ist: das scepter soll augen haben .. dann scepter und gewalt on weiszheyt ist nichts anders. dann ein blosz schwert in eines unsinnigen tyrannen handt. Agricola
sprichw. 324
a; ein scepter sol gerechte augen haben: denn menschen zu regiren ist das schwerste regiment. Butschky
Pathmos (1677) 263; das rechte auge aber, so an den sceptern und fürstlichen regimentsstäben musz haften, ist die klugheit. 799.
hierher gehören auch: und finde, wo ich seh, vom zepter bis zum pflug, zum schelten allzuviel, zum rühmen nie genug. Haller 88
Hirzel; so findt man wahre noth, wo man vergnügen suchet, der zepter wird so oft, als wie der pflug, verfluchet. 138.
schon in manchen der vorangegangenen belege rührt scepter
an die unter 2
angegebene übertragene bedeutung. in den folgenden stellen ist die übertragene bedeutung vorwiegend, ohne dasz die eigentliche überall ausgeschlossen wäre. 22)
übertragen, die würde selbst, herrschaft, macht bezeichnend (
s. 1,
c).
nur in gehobener sprache, zunächst eigens von weltlichen herrschern: [] ihr fürtreffliches geschlecht an sceptern stark und reich an cronen. Weckherlin 341; wer nach dem scepter stellt, reiszt alle schranken durch und sucht ein schrecklich ende. A. Gryphius 463
Palm; und bittet er (
könig Philipp) nicht jede schmeichelei, die ihm vielleicht im fiebertraum entwischte, dem zepter ab und seinem grauen haar? Schiller
don Carlos 2, 5; (
chor zu Beatrice:) mit glücklichen zeichen, glückliche, trittst du in ein götterbegünstigtes glückliches haus, wo die kränze des ruhmes hängen, und das goldene zepter in stetiger reihe wandert vom ahnherrn zum enkel hinab.
braut v. Mess. 1186; wie verlautet, wird das scepter gehn aus Habsburgs haus zu einem andern stamm.
Tell 5, 1; was groszes auch die welt gesehn, für deinen scepter ists geschehn. Göthe 13, 282; wie unsre brunnen immer treu gequollen, so unser herz dem, der das scepter führt. 253; es wird das scepter von Juda nicht entwendet werden.
1 Mos. 49, 10; sobald dem Edomiter das scepter genummen wirt, so soll es an sy reichen (
gelangen). S. Franck
weltb. cl
b; sieht man es denn dieser kindischen führung des zepters nicht an, dasz wir (
die frauen) nur für das gängelband taugen? Schiller
kab. u. liebe 2, 1.
in weiterem sinne, von machthabern überhaupt: der herr zerbricht das scepter der bösen. Reiszner
Jerus. (1574) 2, 55
a; und (
du) sahest doch, dasz auch die sonne den himmel räumt und das zepter der welt mit dem monde theilt. Schiller
Fiesko 3, 5; trotz deiner zufriedenheit unter dem scepter der Skjoldungen. Moltke 4, 234.
in festen redewendungen: das milde scepter eines weisen herrn, das scepter niederlegen, einem das scepter entreiszen, aus der hand spielen, übertragen
u. a.; könnte sie den zepter ungekränkt von dieser fremden aus der hand sich spielen lassen. Wieland
bei Campe. 33)
technisch, auf dem schiffe heiszen scepter
die eisernen stützen, welche in gleichen entfernungen rund um auf dem bord senkrecht stehen. Bobrik 747
b.