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säuberlich

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

säuberlich adj. und adv.

Bd. 14, Sp. 1854
säuberlich, adj. und adv. Formales. ahd. gewährt in unsûbarlîh, adj., adv. sûberlîcho Graff 6, 71; mhd. sûberlîch, siuberlîch, adj., adv. sûberlîche, sûberlîchen, mnd. suverlik, adj., adv. suverliken. Schiller-Lübben 4, 481, mnl. suyverlick, munditer, nitide, pure, sincere, integre, caste Kilian. mundartliche nebenformen, alemannisch süferli(g) Hunziker 265. Seiler 284b, md. siberlich Alsfelder passionsspiel 2848 (s. die stelle unten). auch ohne umlaut sauberlich Garg. 73b. Bedeutung. säuberlich hebt noch mehr als sauber in seiner bedeutung das 'feine, zierliche, gefällige' hervor; in übertragung auf das sittliche kommt es nicht vor; als 'rein, frei von schmutz' ist es nhd. ungebräuchlich. 11) im eigentlichen sinne. 1@aa) frei von fremdartigen, anhaftenden oder zugesetzten bestandtheilen, rein, hell, klar (glänzend). in dieser bedeutung selten, jetzt fast ganz veraltet. der begriff des zierlichen tritt meist daneben auf: eine säuberliche frau, eine frau, deren sinn für ordnung und reinlichkeit in ihrem äuszern hervortritt; säuberlich (reinlich, fein und zierlich) gekleidet sein; an dem achten tage dô si ire frunt sêre weineten, dô irschein si in mit vile juncvrouwen, und ein sûverlîch (rein und zierlich) lemmechîn ginc bî ir. d. mystiker 1, 69, 31; ir töchter Israel weinet uber Saul, der euch kleidet mit rosinfarbe seuberlich (zierlich und schön), und schmücket euch mit gülden kleinoten an ewern kleidern. 2 Sam. 1, 24; diu kint von Ormanîediu truogen ir diu lieht. si heten ir gedienetdâ vor vil selten ieht. man vant dâ gerihtetwol drîʒic oder mêre vil sûberlîcher bette,dâ solten ligen der ritter tohter hêre. Kudrun 1325; dar ûfe lâgen golterdâ her von Arâbê, vil manger hande varwe,und grüene als der klê von listen harte tiurediu deckelachen rîche. rôt gelîch dem viureschein golt ûʒ den sîden sûberlîche (hell, glänzend). 1326; mnd. here, dut is gut eimkes beir, dat smecket wol, wêt ik vorwâr. och seit, wu suverlik (klar, ungetrübt) unde klar is dat in dusem glase. sündenfall 86, 2702 Schönemann. 1@bb) vom menschlichen körper gesagt, frei von häszlichem und entstellendem in bezug auf formen und gestalt, zugleich mit dem begriff des reinlichen, frischen aussehens, schmuck, hübsch, zierlich, fein. im dichterischen gebrauch recht häufig angewandt, die heutige sprache kennt säuberlich als schmuck, schön u. s. w. nur noch in dichterischer oder archaisierender anwendung: und ein schöne jungvrowe di irschein den kunigen in deme sternen unde hate ein süberlich kint in irme schôʒe. d. mystiker 1, 48, 3; si gap wol tûsent wîbenhêrlîche wât unde vil den meiden,daʒ kinden rehte stât, von borten und von gesteineund manegen pfelle rîchen. die minneclîchen vrouwenstuonden in ir wæte sûberlîchen. Kudrun 41; mnd. he (der tod) halet se wech allegader, dat hûsgesinde, ôk den sonen mit dem vader, wat mach dat menen, dat he sus jaget? he achtet nicht, dat dit suverlike kint wert beklaget. des dodes danz 1420 Bäthcke; nhd. nimmant kan sich vor mer vorbergen, der ie gewan das leben uff erden, hie sij jungk adder alt, sijberlich adder ungestalt, arm adder rich. Alsf. passionsspiel 2162 Grein; die ist gar ain seuberliche meit. fastn. sp. 585, 7; von der schönen seuberleichen frauen wurde er gar schön empfangen. bergreihen 72, 12 neudruck; wend ich mich zu der reichen, so trawrt die seuberliche, ich wil die reiche fahren lan, wil behalten die seuberliche. Ambras. liederb. 53, 21; gelber farb hat sie mich vermant, da sie mir begegnet die seuberliche, ich sehe sie gern, hat sie erkant, das macht mich freudenreiche. 57, 47; ich wil doch haben ein edelman, ein hübschen und seuberlichen. 69, 15; alle mein jung leben, das hat sich nun ergeben gegen einem frewlein seuberlich und schon. 247, 3; das seind die junkfraun schöne, das seind die junkfraun seuberlich. Uhland volkslieder 45; und wer das fäszlin noch so rein, so find man truosen drinnen, so welch jungfräwlin seuberlich sein, die sind von falschen sinnen. Garg. 92b; ein weib, so jung, so schön und säuberlich, dasz selbst der leckerste der prasser es schmausen möcht' aus salz und wasser. Bürger 90a; die (blümelein) trug sie gar hübschlich zu dem tanze; alle meine hoffnung muszt mir werden ganze, da ich sie sah, die säuberliche magd. des knaben wunderhorn 1, 143; ein mägdlein zu dem brunnen ging, und das war säuberlichen. 191; der graf kam heim gegangen bestäubt und ärmiglich; es hat ihn schön empfangen die fraue säuberlich. 366; er schickte aus nach weiblicher ehr und wollt erwerben freundschaft mehr gar fein in Frankenreiche, nach einer jungfrau seuberlich; man findt nicht ihres gleiche. 559. 22) in freierem gebrauch. 2@aa) frei von falschem, fehlern und mängeln, mit hervorhebung der darauf verwandten sorgfalt; in dieser bedeutung wird jedoch überwiegend sauber angewandt: säuberlich sprechen (auch = ornate loqui) Kilian; eine säuberliche schrift; das erste säuberliche exemplar, das mir vom buchbinder zukommt, erhalten sie sogleich. Göthe bei Jahn 356. von schmuckgegenständen gesagt, durch sorgfältige arbeit kostbar, zierlich: och wolde he mi doch laten leven dâr wolde ik alle mine suverliken klenode umme geven. des dodes danz 1320 Bäthcke; ich hon vorsmehet der wernde rich und eren gesmock siberlich umb die liebe mines herren. Alsf. pass. 2848 Grein. säuberlich als adv., sorgfältig, genau, leicht in die bedeutung 'vorsichtig, behutsam' übergehend: das spyl stot fast an einem man, der die kart wol uszgeben kan, gar süberlich er ir nach gat. P. Gengenbach 170, 7 Gödeke; da stellt er (Fridolin) jedes wiederum in ordnung säuberlich. Schiller 11, 253. die entwicklung des adv. geht weiter zur bedeutung 'gründlich, völlig' über: demselben die schmach seines herren seer verdrieszen thet, dasz jn Galmy der ritter den vordern tag so seuberlich von seinem sattel gehebt hat. Galmy 71; gesellen, nu haldet suberlich (fest). Alsfeld. passionsspiel 5620 Grein; halt an! halt an! du spröde! halt an und höre mich! dein dichtergen, ich wette! bedenkt sich noch gar säuberlich. Schiller 1, 352. 2@bb) von gefälligen umgangsformen gesagt, höflich, freundlich, rücksichtsvoll: seuberlich, blandus, benignus, lenis, mitis, modestus Stieler 1689; seuberlich mit einem ümgehen, omni comitate aliquem complecti. ebenda; auch milde, gelinde, sanft: seuberlich strafen, leviter, placide objurgare. ebenda; säuberlich mit den kindern um gehen, clementer liberos tractare Steinbach 2, 363; mit einem säuberlich verfahren, aliquem indulgenter habere. ebenda; und der könig gebot Joab und Abisai und Ithai und sprach, fahret mir seuberlich mit dem knaben Absalom. 2 Sam. 18, 5; darumb straffestu seuberlich die, so da fallen, und erinnerst sie mit zucht, woran sie sündigen. weish. Sal. 12, 2; hierauff gieng ich mit meinem weib wieder zu bett, welche sich gegen mir auffs allerhöchste bedanckte, dasz ich ihrentwegen so säuberlich mit ihrem bäszlein verfahren wäre und die sach so fein vermittelt, dasz sie gleichwohl noch vor den leuten bey ehren bliebe. Simpl. 4, 72, 28; in der spätern sprache im gebrauch abnehmend, heute nicht mehr als lebendig empfunden: Alexander ohnedem verfuhr mit dem Berengarius sehr säuberlich. Lessing 8, 347; und da keine krähe der andern die augen aushackt, so wagen die bösen nichts dabei, wenn sie einander über der that ertappen; sie haben ein augenscheinliches interesse, säuberlich mit einander zu verfahren. Wieland 8, 226. 2@cc) säuberlich, behutsam, vorsichtig: säuberlich zu werke gehn, etwas säuberlich anfassen, und in ähnlichen wendungen: und wie säuberlich, wie sanft, wie einschmeichelnd er, noch mit unter, bei diesem kitzlichen geschäfte zu werke geht! Lessing 10, 178; mit dem worte absurde sollten unsere laien überhaupt säuberlich verfahren. Hippel werke 11, 385; bedächtig, langsam: mndl. suyverlick gaen, lente, sensim, lento gradu incedere Kilian; so auch in der Baseler mundart Seiler 284b. sachte, sanft, leise: mndl. suyverlick spreken, submissa voce loqui Kilian; in der Aargauer mundart nume süberli! nur sachte! Hunziker 265; klopffe seuberlich an der thür! .. gedenck, wie du anklopffest, das es die nachpauren nit mercken! Albr. v. Eybe Menaechmi 96b; nu welsch landt ausgesogen ist, kommen si (die cardinäle) ynss deutsch landt, heben feyn seuberlich (fein sachte) an, aber sehen wir zu, deutsch landt sol bald, dem welschen gleich werden. Luther an den christl. adel d. nation 19 neudruck; weil er jr haupt und ehelicher bapst ist, und auff das er sie weniger oder gelinder und sauberlicher mit füszen trett. Garg. 73b; und weckte ihn gar säuberlich aus dem schlaff. Simpl. 4, 111, 14; süberlich in's dorf, die puren sind trunken! (sprichwort, vgl. sauber II, 4). Nicl. Manuel 271 Bächtold (Elsli Tragdenknaben 368); himmels fürsten finden sich, die die seelen säuberlich (sanft) gleichsahm in ihr' arme legen. Rist Parnasz 769. 2@dd) frei von störendem, ungestört, ruhig, still. Seiler 284b; dichterisch: wie nun der wehrte mann sehr christlich hat gelebet, in dem er falschheit, trug und lügen wiederstrebet; so hat er auch die welt verlassen dergestalt, das itz sein lobgesang für gottes thron erschalt. verständig, säuberlich und sanft ist er verschieden, er fuhr mit Simeon dem alten hin in frieden. Rist Parnasz 793; man kann dabei bequem und säuberlich in warmer stube sitzen und kein schuh wird nass! Schiller 13, 368 (Turandot 2, 1). 2@ee) säuberlich in der ältern sprache zu der bedeutung 'schön, nett, artig, anständig' u. ähnl. verblaszt: der sûberlichen mêre, die an den schûlbûchen stân, sach man zu grôʒe liebe in hân, wand ir vil gelogen ist. pass. 431, 58 Köpke; nû lât mich hie enbinnen sagen ein sûberlicheʒ wunder, daʒ im albesunder in den gezîten geschach. 509, 77; mnd. ik meine, dut sî ein sûverlik prophecîe, dâr god uns inne trôsten wil. sündenfall 2866 Schönemann; nhd. nun pfeif auf, pauker, juch heia o! mach uns ain seuberlichs denzlin behend, wan ich han noch sin an ein end, des ewr kainr nit wirt gewar, es füer in dan der teufel dar. fastn. sp. 335, 32. 2@ff) stattlich, ansehnlich, bedeutend, vom heere gesagt: si gewunnen sunderein sûberlîcheʒ her. Gudrun 1689, 2. mnd. ên sûverlîk heer Schiller-Lübben 4, 481a; nhd. in dieser bedeutung nicht mehr bezeugt.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Säuberlich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Säuberlich , adv. dem, was sauber ist, ähnlich, auf eine saubere Art. 1) * In der ersten Bedeutung des Beywortes sauber,…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    säuberlich

    Goethe-Wörterbuch

    säuberlich ohne Umlautung in der Fügung ‘sauber- und zierlich’; öfter mit intensivierendem Zusatz wie ‘fein’, ‘gar’ 1 so…

  3. modern
    Dialekt
    säuberlichAdv.

    Pfälzisches Wb.

    säuberlich Adv. : wie schd., saiweʳlich [BZ-Klingmst, Lambert Penns 149]. Südhess. V 87 .

  4. Sprichwörter
    Säuberlich

    Wander (Sprichwörter)

    Säuberlich 1. Süberli hiete, süberli tränke und süberli fahre werde dem Karrer viel Kummer und Sorgen erspare. ( Luzern.…

  5. Spezial
    säuberlich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    säu|ber|lich I adj. 1 (reinlich) nët (nëc, nëta) 2 (ordentlich) ordiné (-ná, -nada), prezis (-isc, -a) II adv. (behutsam…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit saeuberlich

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von saeuberlich 2 Analysen

saeubern + -er + -lich

saeuberlich leitet sich vom Lemma saeubern ab mit Suffixen -er und -lich, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Alternativen: sauber+-lich

saeuberlich‑ als Erstglied (1 von 1)

säuberlichkeit

DWB

saeuberlich·keit

säuberlichkeit , f. subst. zu säuberlich, mhd. sûberlîcheit, sûberlichkeit. 1 1) im eigentlichen sinne ' äuszere reinlichkeit ': seuberlichk…

Ableitungen von saeuberlich (1 von 1)

unsäuberlich

DWB

unsäuberlich , adj. adv. , gth. v. säuberlich. ahd. unsûbarlîh; mhd. unsûberlîche, adv.; mnl. onsuverlijc, -like. ohne umlaut J. Brenz predi…