Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Rune f.
Rune f.
Rune f. altes germanisches Schriftzeichen, ahd. rūna (8. Jh.), mhd. rūne ‘geheime Beratung, geheime Rede, Geheimnis, Geflüster’, asächs. rūna, aengl. rūn ‘Geheimnis, geheime Beratung, (zu deutendes Geheim-, Zauber)schriftzeichen, Schrift’, anord. rūn ‘Geheimnis, Zauber-, Schriftzeichen’, got. rūna ‘Geheimnis, Beschluß’ (germ. *rūnō). Dazu die Kollektivbildung ahd. girūni ‘Mysterium, religiöses Geheimnis’ (8. Jh.), asächs. girūni, aengl. (ge)rȳne ‘Geheimnis’, got. garūni ‘Beratschlagung’ sowie das unter raunen (s. d.) behandelte Verb. Die Herkunft ist ungewiß. Vergleichbar sind in jedem Fall air. rūn, kymr. rhin ‘Geheimnis’, so daß Entlehnung aus dem Kelt. vorliegen könnte. Geht man jedoch von alter Verwandtschaft der germ. und kelt. Formen aus und zieht ablautendes mhd. rienen ‘jammern, klagen, flehentlich bitten, beklagen, bejammern’, aengl. rēonian ‘klagen, murren, sich verschwören, planen’, norw. (mundartlich) rjona ‘schwatzen’ sowie außergerm. (trotz semantischer Bedenken) aind. ráuti, ruváti ‘brüllt, schreit’, griech. ōrȳ́esthai (ὠρύεσθαι) ‘heulen, heulend schreien, wehklagen’, lat. rūmor ‘dumpfes Geräusch, Ruf, Gerücht’, ravus ‘heiser’, aslaw. ruti, ŕuti, russ. revét’ (реветь) ‘brüllen’ heran, kann an eine Schallwurzel ie. *reu-, *rēu-, *rū̌- ‘brüllen, heisere Laute ausstoßen’ und (im Hinblick auf das Germ.) ‘brummen, murren, dumpfe Laute von sich geben’ angeknüpft werden. Ganz anders (1985), der Rune als ‘(in Stein) Geritztes’ zur Wurzel ie. *reu-, *reu̯ə- ‘aufreißen, graben’ stellen will. Das Substantiv mhd. rūne kommt bereits vor der Diphthongierung von ū zu au außer Gebrauch (mit Ausnahme des bis ins 19. Jh. fortlebenden schweiz. Raun, alem. Rūn ‘geheime Abstimmung, Stimmabgabe ins Ohr einer beeidigten Magistratsperson’). Im 17. Jh. wird Rune (mit altem Vokalismus) bei Beschäftigung mit der altnordischen Literatur in der gelehrten Sprache neu belebt, zunächst als Bezeichnung germanischer Sänger (Runen und Skalder, Schottel), dann der germanischen Schriftzeichen (Anfang 18. Jh.), neben Runbuchstabe.