rumpeln,
verb. lärmen, poltern, schütteln. ebenso mhd. mnd. rumpelen,
mittelengl. romblen,
engl. rumble.
zusammenhang mit rummeln,
mit dem es in vielen bedeutungen zusammenfällt, ist wol zweifellos, wenn es auch nicht mit ihm ohne weiteres identifiziert werden darf, wie ten Doornkaat Koolman 3, 68
b und Skeat 519
b wollen. den bedeutungsunterschied zwischen rumpeln
und rummeln
bestimmt das brem. wb. 3, 554
dahin, dasz rummeln
aufs gehör, und rumpeln
aufs gefühl wirkt; in niederdeutschen mundarten ist rumpeln
im allgemeinen seltener; dafür vielfach rummeln.
daneben in einzelnen mundarten rompeln. Schmidt 165.
über das westgerm. hinaus ist das wort nicht zu verfolgen. 11)
geräusch verursachen, crepare, suplodere Schottel 1389,
strepere, crepare, tumultum facere. Frisch 2, 136
b,
strepere .. rumpeln. Dief.
gloss. 555
c,
so besonders auf hochdeutschem gebiet Seiler 243
b. Lexer 211. Höfer 3, 52. Schöpf 569. Schmid 442. Jecht 89
a.
doch auch nd. rumpelen unde rumoren,
bei Schiller-Lübben 3, 530
b: und man sie (
die blase mit erbsen) dem hund an den wadel bindet, der lauft hin und her, als weit die ganze stat ist und tönet und rumplet und hat keine ruo. Keisersberg
brösaml. 2, 60
a; sie rumpelten, als dann geschicht, wa die herren us sint.
Terentius deutsch. 1499, 64
b; ich arme weisz nit, was ich jetz lang hye hör rumplen. 153
a; man hebt an zu trumeten, zu schieszen unnd zu rumpeln. Ayrer
Machumet 152
b (761, 26
Keller); dunket eʒ iuch alle guot, sô mache wir ein gewuofe, einen schal und ein geruofe und rumpeln under ein ander gar. Heinr. v. Freiberg
Tristan 2879; wer vögel fahen wil und rumpelt, dasz es kracht, desselben mutter hat kein kluges kind gebracht. Reinh. v. Freientahl (1700)
s. 114. etwas rumpeln hören: auff ein nacht begab sichs, dasz die frauw im hausz und nicht weit von der kammer etwas rumpeln höret. Kirchhof
wendunm. 1
s. 404
Österley (1, 367).
insbesondere: 1@aa) an der thür rumpeln,
anklopfen, besonders in geräuschvoller weise. Höfer 3, 52; als sie aber mancherlei speis genossen hetten, da kam der keller eilend geloffen und rumpelt an der thür. Steinhöwel
Äsop (1555) 31; und da sie zu der hauszthür kam, rümplet sie an der thür. Pauli
schimpf u. ernst 159
a.
bildlich: da ist es aus und gilt usz, wan der tod an der thür rumpelt. Keisersberg
evangelia (1517) 130
b;
klappern: in des kompt der kelner und rumpelt mit den schlüsseln an der thür. Luther 5, 272
b. 1@bb) auf instrumenten rumpeln: oder nimpt ein laut, die hat kaum drei seyten, da rumpelt er uff, unnd spottet mein damit. Er. Alberus
ehbüchlin B 2
a.
auch von den instrumenten gröberen klanges selbst: das kalbfell rumpeln hören. Kirchhof
milit. discipl. 209; auf der breiten tenne drehn paar an paar so nett, wo die musikanten stehn, geig' und klarinett — auch der brummbasz rumpelt drein. A. v. Droste - Hülshoff 170.
bildlich: nu merck seine gründe, damit er wil beweisen, das jr fasten recht und ein gottesdienst sey; er rumpelt auff der alten strofideln, und geiget sein gewönlich liedlein also. Nigrinus
widerleg. d. ersten centurie F. Joh. Nasen (1570) v 2
b. 1@cc)
vom donner: rumpeln
donnern Schöpf 569.
im bilde: die gethischen völcker, wanns donnert, schossen sie inn all macht und pfeiln dargegen, dem Jupiter solchen trotz zuwehren, seine rumpelende steinfässer umbzukern.
Garg. 181
b; und wönns dön tag (
am himmelfahrtsfeste) thuat rumplan wohl, so wearn olla nuss'n hohl.
s. Schöpf 570. 1@dd) rumpeln
vom poltern der gespenster, teufel u. dergl. (
vgl. rumpelgeist): nu aber der leidige teufel sihet, das sein poltern und rumpeln nicht mehr gelten wil, greifft er ein newes an, und hebt an jn seinen gliedern, das ist, in den gottlosen, zu toben. Luther 3, 101
a,
ebenso briefe 3, 61; der teufel musz rumpeln und poltern, dasz man sehe, wie er noch lebe, und was er vermüge; die welt ist sein rumpelspiel: will das rumpeln in den winkeln ausserhalb des leibs nicht helfen, so helfe das rumpeln in den schwärmerköpfen und wilden, wüsten gehirnen; es will doch gerumpelt seyn. 3, 62; auff der heiligen drey künig tag anno 1507 begunten sie sein thorheit zuo versuochen mit steinwerffen, rumpeln und dergleichen geberden als ein geist. Kirchhof
wendunm. 1
s. 498
Österley (1, 2, 48); nach langem, grausamen rumpeln füget er (
der falsche geist) sich in desz bruoders zell.
s. 499. 1@ee) es rumpelt (
kollert) mir im bauche. Höfer 3, 52. Pfister 239; rumpeln als winde im leib. Frisch 2, 136
b; er (
der most) ist wol lieblich und süsze, bleibet auf der zungen und rumpelt im bauche. Mathesius
Syrach (1586) 1, 55
b; herr, nun frasz ich zweyhundert pflaumen, tranck pier unnd puttermilch darzu. das macht mir im pauch ein unrhu und rumplet mir in meynem pauch. H. Sachs
fastn. sp. 1, 135, 83
neudruck; was rumpelt und pumpelt in meinem bauch herum? Grimm
kinder- u. hausmärchen nr. 5;
auch der bauch rumpelt: de buuk rumpelt mi.
brem. wb. 3, 554; pind es auf den nabel und loss es darob, unz der pauch rumpelt.
versuchung eines menschen (1489) 46
a; weinrautenwasser .. getruncken .. zertheilet die wind im leib, dienet wider das leibwehe, krimmen und därmgegicht, und vertreibet das kurren und rumpeln des bauchs. Tabernaemontanus 402 E.
ähnlich: vor das rumpeln und brodeln des lauffenden wassers umb das miltz, nimb pfefferkümmel zwo handvoll ... 138
b.
ähnliche wendungen im übertragenen sinne: also .. brauchen wir Teutschen viel guter fabeln und sprichwörter von wenig worten, die aber viel nachdenckens geben, und hafften und kleben lange, und podern und rumpeln im hertzen, als wenn man einem ein floch in ohr setzet. Schuppius 833; erst thuot die lieb recht in mir rumplen. Gengenbach
gouchmat 1068; im bauch rumpelt jm das latein, wolt nicht lenger verborgen sein. Nigrinus
Nasen esel D 3
a. 22, 2@aa)
sich mit geräusch bewegen, poltern, stolpern. Schm. 2, 99. Sartorius 104.
in diesem sinne im mhd. am häufigsten, s. Lexer
mhd. handwb. 2, 536—7: der edele künic Artûs tœrischte mit den anderen; rumpeln unde wanderen muoste er mit in hin und her. Heinr. v. Freiberg
Tristan 2904; er (
der bär) rumpelt stæte vür sich dar.
schretel u. wasserbär 112,
in zeitschr. für d. alterthum 6
s. 177; er ... cham her aus gestoben, gerumpelt und geflogen. Wittenweiler
ring 10, 22; wir ziehen durch die hecken und rumpeln in das holz. Uhland
volksl.2 287 (145, 3); so rumpelt si (
die schweinsmutter) mir her zwischen die pein.
fastn. sp. 333, 7.
zur bezeichnung der plumpen, ungeschickten bewegung: die spinne läszt die groszen hurnaussen durch jhr netze rumplen. Wirsung
Calistus L. daher, dahin, davon, herein rumpeln: aber die leichtfertigen schwermer rumpeln und stürmen einher. Luther 4, 261
b; mit disen worten liesz der falsch geist den bruoder in seim schweiszbad ligen, und rumpelt darvon mit freuden. Kirchhof
wendunm. 1, 488
Österley (1, 2, 48); so werden sie doch endlich in die hölle hinein rumpeln. Mathesius
Syrach (1586) 1, 137
b; jetzund wil ich rumpeln dahin und bringen das teuflisch gesind den obersten könig Lucifer. Heros
d. irdisch pilger (1562) 11
b.
bildlich: ach wie wolt ich beide unter jüden und christen, beide im alten und newen testament rumpeln (
umherfahren). Luther 3, 342
b; indem ich so dencke und bleibe, poltert und rumpelt wider mich hierein Hans Unvernunfft
d. Carlstad .. und lesst wider uns ein büchlin ausgehen. 8, 182
a.
von nicht federnden, holpernd stoszenden wagen (
vergl.rumpelkarre): ein newer (
wagen), mit dem man über stock und stein rumpelt. Lehmann 14. 2@bb)
besonders stürzen, purzeln. hinab-, hinunter rumpeln: er (
der pabst) ist mit seiner mesz und bann .. bisz ins fegfeuwr und die hell hinabgerumpelt. Kirchhof
wendunm. 1, 440
Österley (1, 2, 1).
so auch: (
der flusz) wühlt löcher in den grund, die unergründlich seyn, ja rompelt allerdings bisz an des Orkus schwöllen. Rompler 132. die treppen
oder stiege hinab rumpeln: darnach kam Pikolles, rumpelt die treppen herab, das die kinder nicht mehr wol in der stuben schlafen konten. Henneberger
erklär. d. preusz. landtafel (
Königsb. 1595) 435; ich gab ihm gleich hernach einen solchen stosz, dasz er die stege hinunter rumpelte und ein solches gebolder machte, dasz ich gedachte, er würde hals und bein zerbrochen haben.
Simpl. schr. 3, 369, 33
Kurz; so wird er gewisz die treppe hinunter rumpeln.
Pierot 1, 34; mir ist mein disackn auszgeschossen, der aber rumpelt nab die stiegen. H. Sachs
fastn. sp. 4, 32, 306
neudruck. so sprichwörtlich: sey nur frölich unnd lach nicht, fall die steg ein und
rumpel nicht.
Garg. 213
b. Lehman 2, 323. 33)
transitiv, etwas rumpeln,
mit geräusch bewegen, stoszen, schütten u. dergl.: wann die wiege auf der erden stehet, und hefftig gestossen und gerumpelt wird. Ettner
hebamme 816; fässer rumplen und bänk zerbrechen.
fastn. sp. 895, 35.
so besonders in nd. dialekten: rumpeln
schütten, stoszen Schütze 3, 315.
vom rütteln und stoszen eines nicht federnden wagens, besonders auf holprigem wege: ick heff mi deger möten rumpeln laten.
ebenda. über den haufen rumpeln: mit eim buch von guten wercken will ich zu ihn einstürmen und ubern hauffen rumpeln, dz ihr keyner entkummen soll. Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken M 7
b. 44)
mundartliche und technische bedeutungen: 4@aa)
coire, vom schweine; dann auch auf menschen übertragen: eine rumpeln. Schm. 2, 99. Lexer 211. 4@bb)
in mitteldeutschen mundarten: reiben, scheuern, waschen, besonders in roher und geräuschvoller weise. Albrecht 194. Jecht 89
a.
meist in der zusammensetzung abrumpeln. 4@cc)
bei den bergleuten: einen mit dem rücken auf das rumpelholz (
s. das.)
legen und darauf hin und her ziehen, als willkommen für neu eintretende und strafe für versehen. Jacobsson 3, 468
b. Veith 388.
daher auch freier: einen rumpeln,
zum besten haben. Schm. 2, 99. 4@dd)
bei den kammmachern: die zähne in einen kamm mit dem rumpel einschneiden. Jacobsson 3, 468
b. Brozenius
technologie (
Leipzig 1806) 1, 232. 4@ee)
auf einer rumpel spielen (
s.rumpel 2,
c). Schöpf 570. 55)
von diesem rumpeln
ursprünglich verschieden ist ein anderes, welches runzeln, in falten legen bedeutet: solte sich die Courage wol einbilden dörffen, ihre alte zusammengerumpelte haut .. widerumb weisz zu machen?
Simpl. schr. 3, 9, 8
Kurz. so noch mundartlich: in unregelmäszige falten legen; schlecht nähen, so dasz falten entstehen. Kehrein 1, 333.
ebenso niederl. rompelen, rimpelen
rugare. Kilian,
und engl. rumple.