reinheit,
f. puritas, munditia (
dän. renhed,
schwed. renhet,
nld. reinheid);
erst spät an die stelle des früher herrschenden reinigkeit
getreten. Adelung
verzeichnet nur letzteres, Campe
bemerkt unter reinigkeit,
es sei '
im gemeinen leben am üblichsten, dagegen reinheit
und reine
gehörten mehr der edleren sprache an'.
doch führt nld. reynheyd
schon Kilian
mit reynigheyd
auf; es begegnet auch vereinzelt im älteren nhd.: soll ich den geist zu gotte ziehen, auff das er bleib in reineheit.
erneuerung des alten Taulerliedes (1620)
bei Wackernagel
kirchenl. 2, 457, 6,
hat sich aber in älterer sprache nicht ausgebreitet. bedeutung: reinheit,
das zuerst mehr in übertragenem sinne angewandt wird, hat sich dann nach verdrängung von reinigkeit
über das gesamte bedeutungsgebiet des adjectivs rein
verbreitet: reinheit der luft, des tisches, des öls, des silbers, des blutes, der abstammung, des tons, des vokals, des reims, der sprache, des begriffs, der lehre, des herzens, des characters, der absichten, des geschmackes, des urtheils
u. s. w.; hier entfaltete Fanno alle weichheit, geschmeidigkeit und reinheit der bewegungen. Klinger 10, 28; indem er (
Byron) nun das erste menschenpaar seine ursprüngliche reinheit und schuldlosigkeit gegen eine geheimniszvoll veranlaszte schuld vertauschen ... läszt. Göthe 46, 225; sie (
die gelbe farbe) führt in ihrer höchsten reinheit immer die natur des hellen mit sich. 52, 312; jener trieb, die alten deutschen baudenkmale aus der vergessenheit zu ziehen, die bessern in ihrer reinheit darzustellen. 43, 397; wenn du. jemals die reinheit deiner seele verlörest! Iffland 6, 55; siebenfach bricht sich ihr (
der liebe) strahl, in wahrheit, in weisheit, in stärke, bricht sich in demuthssinn, reinheit und glauben und muth. Stolberg 2, 282; verarg' es nicht dem sohne alten stammes, der durch jahrhunderte die äste trieb, wenn er das altehrwürdige gesetz von der geschlechter reinheit nicht verachtet. Körner
Hedwig 2, 2; dann möge dem volk der erfolg darthun, wer schönere sittliche reinheit, wer mehr andacht den gemütern entlockt, ihr oder die weltliche dichtkunst. Platen 282
b; ja, gieb ihr (
der deutschen sprache) du die reinheit, die klarheit und die feinheit, die aus dem herzen stammt! Uhland
ged. 75.