rädlein,
n. rotula; mhd. redelîn, redel; rädle,
rotula. rotella Maaler 324
c;
in mehrfacher bedeutung, vergl. rad und rädchen. 11)
als kleines rad an einem fuhr-, trieb- oder uhrwerke: rädlin an den zapfen die durch die rollen oder wällen gond,
orbiculi, rotulae quae circum axiculos in trochleis versantur. Maaler
a. a. o.; mit dem köksilber treibt man vil wunders ... und macht man springendeu vingerl dâ mit und rädel, die selber laufent. Megenberg 477, 9; ein kleines rädlein zum goldspinnen. Amaranthes
frauenz.-lex. 2760; rädlein,
rotula Frisch 2, 81
a; sporn - rädlein, punctier-rädlein, teig-rädlein, pastetenrädlein 81
b.
schweiz. rädlein
ein scheibenförmiges schnittchen von der wurst: redli Seiler 236
b. 22) rädlein,
das glücksrad (
vergl.rad 3,
a sp. 36): was glück? sein rädlein rollet ab und
an. Arndt
ged. 372;
in verschiedenen festen wendungen. 2@aa) das rädlein wendet sich, dreht sich: mancher ladet viler leut ungunst auf sich, und wil seim herrn sehr wol dienen. es findet sich aber zuletst, dasz sich das rädlin umbwendet, kompt inn ungnad. Agr.
spr. 167
a; das wetter wird sich einmal ändern. das rädlein wird sich umbdrehen. Lehmann
floril. 1, 198;
in verblaszterem sinne: ach sie haben gut rhümen wider uns, sie hören uns, und wir müssen jnen beichten, solt man das redlin umbkeren, wie billich were, das sie uns auch müszten beichten .. Luther 1, 550
a,
wie den spiesz umkehren. 2@bb) das rädlein gehen lassen, das rädlein treiben,
wo die vorstellung von dem laufenden glücksrade (
vergl. Wackernagel
kl. schriften 1, 254
fg.)
und die vom bloszen gehen lassen und treiben einer thätigkeit sich durchziehen, s. unter gehen
theil 4
1, 2458: die schüeler die schieden davan mit urloub ir strasze .. und sich des gelückes rad und ir sêlden scheiben also lieszent treiben.
ges. abent. 3, 747, 470; und wil wol gleuben, das der teufel solchs thue, und helfe also das redlin treiben, das es also gehe und geschehe. Luther 3, 397
a; wann nun dieselbigen newen regenten das rädlin so stark treiben, sagt mann: das poldern, das bochen, der ernst, wirt ihm mit der zeit wol vergehn. Agr.
spr. 259
b; der mus nun solche tröster haben, die helfen aufwickeln und redlein treiben.
ein lustig gesprech der teufel (1542) 3
b; wie solchs gemein ist undern weiben, welch fleisziglich das redlin treiben, mutwilliglich jr männer hetzen. B. Waldis
Esop 3, 98, 12;
bair. das rädlein laufen lassen,
der sache ihren lauf lassen, es gehen lassen wie es geht, unbekümmert sein. Schm. 2, 50
Fromm.; kumt analsan wer fechten kan! lats redlin gan! Uhland
volksl. 656; beim malmasier, beim bier, beim wein, da musz das redlein umbgehn frei. Scharpffenecker
Acolastus B 3
a. 33) rädlein,
kleine kreisförmige bewegung (
vergl.rad nr. 9
sp. 41): rädlein, ein spiel oder lust der frölichen leute, im kreisz herum zu fahren oder zu tanzen. Frisch 2, 81
b; ein rädlein machen im tanzen,
saltare in orbem, praeeunte eo, qui restim ducit. ebenda; ein rädlein im tanze machen,
in gyrum saltando se agere. alias tanzrädlein
est orbis saltatorius, qui etiam vocatur ein reihen. Stieler 1500;
beim turnierreiten: und die fursten, den man leihen (
belehnen) wolt, ranten vor dem leihen auf dem markt in eim redlein vor den stul (
wo der kaiser sasz) und giengen doch zu fuszen auf den stul, da laih in der kaiser.
d. städtechron. 10, 381, 16;
beim schlittenfahren (
vergl. dazu auch rädchen
sp. 42): ein rädlein machen im schlittenfahren,
trahis in orbem vehi, sequentibus omnibus praeeuntem. Frisch
a. a. o.; gesell, spann auch den schlitten on! da must du gute rädlein machen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 106, 220. 44) rädlein,
von einem kinderspiel, das Frisch
aus eigener erinnerung schildert: rädlein, ein spiel der knaben, mit den ledern kleinen scheiben, worüber die brillenmacher ihre brillencirkel gebogen, welche (
sie) mit schnellkäulchen oder mit schussern (wie man sie zu Nürnberg nennt, wo auch dieses spiel am meisten bekannt ist), nachdem sie an etwas erde aufgerichtet sind, umschieszen und gewinnen. 2, 81
a. 55) rädlein,
kreis, ring, in welchem man zusammensteht; in der landsknechtssprache: der haubtman must die kriegsleüt üben mit redlen machen, mit in der ordnung herein treten
etc. Aventin.
chron. bei Schm. 2, 51
Fromm.; das rädlein führen,
hauptmann einer rotte landsknechte sein, vergl. rädleinsführer;
im freieren sinne, anführer, leiter einer menge: die besten der welt, die fornen dran seind, das rädlin fren, und in der gesatzfrumbkeit stecken bisz über die oren. S.
Frank chron. (1531) 422
a; ich kan auch nicht umbgehen von etlichen höhers standts, welche die rädle führen. Fronsperger
kriegsb. 1, 90
a. 66) rädlein,
in einem pflanzennamen: unser wild nardenkraut, das der gemein mann sanct Catharinen rädlen nennet und in allen fruchtäckern heufig wächset. Tabernaemont. 226 (
sonst Katharinenblume,
nigella arvensis).