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Porträt

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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Porträt

Bd. 16, Sp. 175
Porträt (franz. portrait, Bildnis, griech. eikon), Abbildung eines Menschen, entweder in einem plastischen Werk (Porträtstatue,-Büste,-Relief) oder in einem Gemälde. Je nach der Größe des Bildes unterscheidet man in der Malerei Kopfstück, Brustbild, Hüftbild (halbe Figur), Kniestück (P. vom Kopf bis zum Knie) und ganzes P. Nach der Haltung oder Wendung der Figur, besonders des Kopfes, bezeichnet man das Bildnis als von vorn (en face) oder von der Seite genommen (en profil) oder als Halb- (Dreiviertel-) Profil oder als Profil perdu, wenn die Wendung noch tiefer in den Hintergrund hineingeht. Studienköpfe nennt man die skizzenhaft, mehr zur Übung ausgeführten, mehr oder weniger frei behandelten Bildnisse. Die Porträtkunst war bereits im höchsten Altertum, bei den Ägyptern, sehr entwickelt (s. unten), wie die hölzernen Gräberfiguren der Verstorbenen und einige Genrefiguren (s. Tafel »Bildhauerkunst I«, Fig. 1, 5 u. 6) beweisen. Bei den Griechen gelangte sie erst in der alexandrinischen Zeit zur höchsten Vollendung (vgl. Mumienbildnisse). Die Republiken verboten sogar die Porträtstatuen, um die Regungen der Eitelkeit zu unterdrücken. Vollendete Leistungen der jüngern Zeit sind z. B. die Sophoklesstatue des Lateranischen Museums (s. Tafel »Bildhauerkunst III«, Fig. 8) und einige Alexanderköpfe. Auch Idealporträte, frei nach dem Wesen des betreffenden, dem Künstler nicht persönlich bekannten Individuums erfundene Charaktertypen, wußte die griechische Kunst meisterhaft zu gestalten (Statuen und Köpfe des Homer, Äsop etc.). Mit Lysippos und seinem Bruder Lysistratos, der zuerst Gesichtsmasken nach dem Leben abformte, drang die realistische Auffassung in die Porträtkunst ein, die von den Römern in virtuoser Weise ausgebildet wurde (Augustusstatue des Vatikanischen Museums [s. Tafel »Bildhauerkunst VI«, Fig. 6], Köpfe des Caracalla, Hadrian). Jetzt wurde neben der altgriechischen Porträtherme auch die in alexandrinischer Zeit erfundene Porträtbüste (s. Büste) weiter ausgebildet. Im spätern Mittelalter erwachte das P. zuerst in der Grabplastik zu neuem Leben. Unbedingte Naturtreue zeigen dann die Ölbildnisse von Jan van Eyck und seiner Schule. Auch in der italienischen Renaissance fiel den Bildhauern (Mino da Fiesole, Desiderio da Settignano, Rossellino u. a.) eine bedeutende Rolle in der Ausbildung zu naturalistischer Lebenstreue zu. Von den Malern des 15. Jahrh. sind Ghirlandajo, Botticelli, Antonello da Messina an erster Stelle zu nennen. Zur höchsten Blüte wurde das P. dann durch Leonardo da Vinci, Raffael, Sebastiano del Piombo, Tizian, Tintoretto gebracht, bei denen das ganze Wesen des Dargestellten im Moment der höchsten Steigerung zum Ausdruck gelangt. Schlichter, aber ungemein sein in der Charakterisierung und der Durchbildung der Einzelheiten sind die Bildnisse eines Dürer und Holbein. Im 17. Jahrh. traten besonders die Niederländer Rubens, van Dyck, Frans Hals, Rembrandt und der Spanier Velazquez hervor. Die niederländische Malerei brachte auch die sogen. Konversationsstücke und die Doelen- (Schützen-) und Regentenstücke auf, in denen die Porträtierten zu freien Gruppen bedeutungsvoll verbunden wurden. Seit dem 17. Jahrh. ist die Porträtbildnerei so sehr in den Vordergrund getreten, daß kein Figurenmaler oder Bildhauer von Bedeutung sich ihr entzogen hat. Von bevorzugten Porträtmalern der neuern Zeit sind die Franzosen David, Gérard, Ingres, Bonnat, Carolus-Duran, Benjamin-Constant, Besnard, die Deutschen Winterhalter, Magnus, G. Richter, Angeli, Lenbach, die Engländer Reynolds, Gainsborough, Lawrence, Millais, Watts, Ouleß, Herkomer, die Amerikaner Whistler und Sargent, der Schwede Zorn, der Däne Kröyer, die Ungarn Horowitz und Laszlo und der Pole Pochwalski zu nennen. Sammlungen von Porträten berühmter Personen des griechischen und römischen Altertums, namentlich von Büsten und geschnittenen Steinen, sind schon im Anfang der Renaissancezeit in Italien angelegt worden. Von da verbreitete sich diese Liebhaberei nach dem Norden, und im 16. Jahrh. fertigten Kupferstecher und Holzschneider bereits ganze Reihen von Bildnissen geschichtlicher Personen der Vergangenheit und hervorragender Zeitgenossen an. Die künstlerisch bedeutendste Sammlung dieser Art ist die »Ikonographie« des van Dyck (s. d., um 1630–1640). In neuerer Zeit ist das Sammeln von Porträten und ihre wissenschaftliche Bearbeitung wieder sehr in Aufnahme gekommen. Vgl. Visconti, Iconographie grecque (Par. 1808, 3 Bde.) und Iconographie romaine (das. 1818–33, 4 Bde.); Bernouilli, Römische Ikonographie (Stuttg. 1882–1894, 3 Tle.); Winter, Über die griechische Porträtkunst (Berl. 1894); »Allgemeines historisches Porträtwerk« (von 1300–1840, hrsg. von W. v. Seidlitz, Münch. 1893–97); Marquet de Vasselot, Histoire du portraiten France (Par. 1880); Pinset und d'Auriac, Histoire du portraiten France (das. 1884); Imhof-Blumer, Porträtköpfe auf römischen Münzen (Leipz. 1879) und auf antiken Münzen hellenischer und hellenisierter Völker (das. 1885); Lehmann, Das Bildnis bei den altdeutschen Meistern bis auf Dürer (das. 1900); I. Burckhardt, Das P. in der Malerei (in den »Beiträgen zur Kunstgeschichte in Italien«, Basel 1898); Williamson, History of portrait miniatures (Lond. 1904, 2 Bde.); I. Collier, The art of portrait painting (das. 1905); Leisching, Das Bildnis im 18. und 19. Jahrhundert (Wien 1906); die Porträtkataloge von Drugulin (Leipz. 1859–60, 2 Bde.) und Lutz (Hanau 1887 ff.). – Über das Recht am photographischen P. s. Photographie, S. 834. Literarisches P. heißt die Darstellung eines Menschen in Worten. Während beim ikonographischen P. (dem P. schlechthin) aus der körperlichen Erscheinung Schlüsse auf das geistige Wesen gezogen werden müssen, ist umgekehrt beim literarischen P. Intellekt, Gemüt und Charakter das Primäre, hinter dem der Körper zurücktritt. Erst die Vereinigung beider Porträtarten erschöpft das Bild einer Person. Gegenstand des literarischen Porträts im eigentlichen Sinne sind historische Personen in ihrem wirklichen Wesen, im weitern Sinn Idealtypen. Demnach sind Biographie, wo es Selbstzweck ist, und Geschichte, wo es sich der Generalidee unterzuordnen hat, sein eigentliches Feld, an das Epos, Drama, Roman etc. angrenzen. Das Ziel ist größtmögliche Ähnlichkeit und erschöpfende Wiedergabe aller wesentlichen und charakteristischen Eigenschaften. Psychologisch und historisch sind vier Entwickelungsstufen unterscheidbar: 1) die typisch-deduktive: der Porträtierte erscheint zunächst als Repräsentant seines Standes fast ohne Individualität; 2) die physisch-induktive: der Körper wird zuerst individuell erfaßt; 3) die psychischinduktive: die häufig widerspruchsvollen einzelnen Handlungen werden individuell erfaßt und motiviert. Dies Verfahren führt bei fortschreitender Analysierung der Seele zur 4) Stufe, auf der das Wesen deterministisch und organisch aus den aufgedeckten Grundtrieben der Psyche aufgedeckt wird. Das Altertum hat auf dem Gebiete des literarischen Porträts Vollendetes geschaffen, besonders durch die Griechen Platon, Isokrates und Xenophon, dessen »Agesilaos« die erste eingehende Charakteristik einer Menschenseele genannt werden darf, und durch den Römer Tacitus. Aus der Verfallzeit und dem Mittelalter ragen nur Einhard, der Biograph Karls d. Gr., und Dante hervor. Der Aufschwung begann erst mit den Humanisten, besonders Pius II., mit dem unbekannten Verfasser der »Vita Alberti« und mit Machiavelli. Seitdem dürfte von Männern wie Ranke, Mommsen oder Bourget wieder die Höhe griechischer Seelenanalyse und Darstellungskunst erreicht sein. Vgl. Ivo Bruns, Das literarische P. der Griechen (Berl. 1896); M. Kemmerich, Die Charakteristik bei Machiavelli (Leipz. 1902) und Zur Entwickelungsgeschichte des literarischen Porträts (in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung, 1903, Nr. 214 ff.); J. Fürst, Die literarische Porträtmanier im Bereich des griechisch-römischen Schrifttums (Leipz. 1902); Kircheisen, Die Geschichte des literarischen Porträts, Bd. 1 (das. 1904).
8018 Zeichen · 122 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Portrǟt

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Das Portrǟt , des -es, plur. die -e, (oder das Portrait, sprich Porträ, des -s, plur. die -s,) aus dem Franz. Portrait, …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Porträt

    Goethe-Wörterbuch

    Porträt häufig -ai- (ebenso in den folgenden Komposita); Pl meist -s, auch -e; mehrf im Tgb ‘Portr.’; Belege überwiegend…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Porträt

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Porträt (franz. portrait , Bildnis , griech. eikon ), Abbildung eines Menschen, entweder in einem plastischen Werk (Port…

  4. modern
    Dialekt
    Porträ(t)

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Porträ(t) [Portræ Rapp. ; Portərè M. ; Portrèt K. Z. ; Pl. –ər Dunzenh. Ingenh. ] n. Photographie, s. abmale n . — frz. …

  5. Sprichwörter
    Porträt

    Wander (Sprichwörter)

    Porträt Wult mal 'n mooj Porträt sehn, sä de Jung, do lêt he sîn'n Vader in 'n Speigel kîken. – Schröder, 622.

  6. Spezial
    Porträtn

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Porträt , n портрет , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit portraet

32 Bildungen · 32 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von portraet 2 Komponenten

port+raet

portraet setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

portraet‑ als Erstglied (30 von 32)

Porträtähnlichkeit

GWB

portraet·aehnlichkeit

Porträtähnlichkeit zu ‘Porträt’ 2a: Ähnlichkeit des Porträts mit der dargestellten Person Vorschläge zur Einleitung und Führung des Geschäft…

porträtartig

GWB

portraet·artig

porträtartig zu ‘Porträt’ 3: minutiös, detailgetreu abbildend; Subst ‘das P-e’ als Charakteristikum der niederländischen Malerei Die gewisse…

Porträtbüste

GWB

portraet·bueste

Porträtbüste Bindestrichschr B21,446,24 zu ‘Porträt’ 2b Das verflossene Jahr [ 1807 ] ist..an Kunstereignissen kein fruchtbares gewesen. Vie…

Porträtchen

GWB

portraet·chen

Porträtchen zu ‘Porträt’ 2b, im Vergl Hinter den wohlgeputzten Scheiben einer Wohnung..sahen wir eine von den lieblichsten Erscheinungen. Ei…

Porträtdose

GWB

portraet·dose

Porträtdose kleiner, kostbarer (Porzellan-)Behälter, meist für (Schnupf-)Tabak; mit dem Bildnis des Schenkenden verziert als beliebtes Ehren…

Porträter

GWB

port·raeter

Porträter Porträtmaler, mBez auf Schmeller B50,172 Matthisson [22.9.29?] K Var [ 〈Bildner ] Syn Bildner Bildnismaler Maler Porträtist Porträ…

Porträte, zusammengesetzte

Meyers

Porträte, zusammengesetzte , durch Photographie verschmolzene verschiedene Bilder derselben Person, Familie, Gesellschaftsklasse, von Stamme…

Porträtfach

GWB

portraet·fach

Porträtfach zu ‘Porträt’ 1; mBez auf Schmeller, in einem Empfehlungsschreiben B46,85,10 Luden 28.9.29 K Syn Bildnismalerei Porträt Porträtma…

Porträtform

GWB

portraet·form

Porträtform zu ‘Porträt’ 1 Topographieen. Merians weit umherschauende Arbeiten. Beide Arten gehen noch neben einander. Endlich, besonders du…

Porträtgemälde

GWB

portraet·gemaelde

Porträtgemälde -ähl- zu ‘Porträt’ 2 Diese Eigenschaften der Körper..sind die regelmäßigen Wirkungen von Licht und Schatten, und der Linien- …

Porträtgesicht

GWB

portraet·gesicht

Porträtgesicht zu ‘Porträt’ 2a; ‘tockierte P-er’: klarlinige, mit sicheren Strichen gezeichnete, identifizierbare Gesichtszüge Das Gemählde …

porträtieren

DWB

portraet·ieren

porträtieren , verb. porträte verfertigen, malen: ich habe ein mädchen porträtirt. Gutzkow ritter 4 3, 94.

Porträtist

GWB

portraet·ist

Porträtist Schönstens empfehle Herrn Schmeller einen sehr geschickten Portraitisten der sich Ihr Haupt für meine Sammlung ausbitten wird. Ic…

Porträtköpfchen

GWB

portraet·koepfchen

Porträtköpfchen Dimin zu ‘Porträtkopf’ Zu beykommenden Abdrücken [ von Siegeln ] bemerke Folgendes..Nr. 5 ein kleines P., dessen Verdienst d…

Porträtkopf

GWB

portraet·kopf

Porträtkopf zu ‘Porträt’ 2a; Kopf einer Person mit individuellen u identifizierbaren Gesichtszügen [ Satire auf Kunstfeinde: ] Ein Esel mit …

Porträtlandschaft

GWB

portraet·landschaft

Porträtlandschaft übertr, zu ‘Porträt’ 3 Der ächte Künstler wendet sich aufs Bedeutende, daher die Spuren der ältesten landschaftlichen Dars…

porträtmäßig

GWB

portraet·maessig

porträtmäßig zu ‘Porträt’ 2a; mBez auf die Erkennbarkeit u Lebensechtheit der (in Gruppenbildern) Dargestellten Entschiedene Portraitmäßige …

Porträtmalen

GWB

portraet·malen

Porträtmalen -ah- außer B38,105,11 zu ‘Porträt’ 1 verfehle ich nicht auch meinen verbindlichen Dank hinzufügen für die Sorgfalt welche Sie d…

Porträtmaler

GWB

portraet·maler

Porträtmaler auch -ah- zu ‘Porträt’ 1: auf Personenabbildung spezialisierter Künstler Ein P. hat mitunter eine böse Lage weil er meist nur U…

Porträtmalerei

GWB

portraet·malerei

Porträtmalerei -ah- zu ‘Porträt’ 1 Jener [ Wilhelm Hackert ] hatte sich der Geschichts- und P. gewidmet 46,140,6 Hackert 48,247,10 Vorschlag…

Porträtmalerin

GWB

portraet·malerin

*Porträtmalerin wird sie [ Luise Seidler ] eine der ersten P-nen, wie Goethe selbst sagt Gespr(He2,710) Knebel Mitte Jan 1812 Beatrice Frank…

Porträtmedaille

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portraet·medaille

Porträtmedaille Bindestrichschr als Dank u Anerkennung für verdiente Mitarbeiter od materielle Unterstützer, Förderer uä B29,320,1 JGLenz 26…

Porträtnatur

GWB

portraet·natur

Porträtnatur zu ‘Porträt’ 1, mBez auf die Erkennbarkeit hist Persönlichkeiten in Bildern mit relig Themen wie ich Ihre Könige sah, sprach mi…

Porträtseite

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portraet·seite

Porträtseite zu ‘Porträt’ 2b; Avers, Kopfseite einer Münze od Medaille es ist von je her die Gewohnheit zu einer gelungenen Portraitseite me…

Porträttäfele

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Porträ t täfele [Pòrtrètáfələ Obbruck K. Z. ] n. einfacher Photographierahmen mit Glas.