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Paul

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Paul

Bd. 15, Sp. 512
Paul, weltliche Fürsten, 1) P. I. Petrowitsch, Kaiser von Rußland, geb. 1. Okt. 1754, gest. 23. März 1801, Sohn des Groußfürsten Peter, nachmaligen Zaren Peter III., und seiner Gemahlin Katharina, bekundete in seiner frühen Jugend Offenheit und Geradheit des Charakters; doch schlugen diese Eigenschaften durch die despotische Erziehung seiner Mutter allmählich in Härte und Verschlossenheit um, die durch die Erinnerung an die Ermordung des Vaters verschärft wurden. 1773 ward er vermählt mit der Prinzessin Wilhelmine (Natalia Alexejewna) von Hessen-Darmstadt und nach deren Tode 1776 mit der Prinzessin Sophie Dorothea (Maria Feodorowna) von Württemberg, deren Bräutigam, Erbprinz (später Großherzog) Ludwig von Hessen-Darmstadt, gegen eine jährliche Pension von 10,000 Rubeln verzichtete. Katharina II. hielt P. von Regierungsgeschäften fern. 1781 machte er mit seiner Gemahlin unter dem Namen eines Grafen von Norden eine anderthalbjährige Reise durch Europa. Darauf lebte er von neuem in gezwungener Untätigkeit in Gatschina bei Petersburg. Eben damit umgehend, ihren Sohn zugunsten ihres Enkels Alexander testamentarisch von der Thronfolge auszuschließen, starb Katharina 17. Nov. 1796. P. zeigte am Anfang seiner Regierung Gutmütigkeit und Gerechtigkeitsliebe. Bald jedoch äußerten sich die Folgen des Druckes, den P. fast 40 Jahre lang ausgestanden. Die Furcht vor der französischen Revolution und das ihm anerzogene Mißtrauen verursachten polizeiliche Willkür, scharfe Zensurverordnungen, Verbot der Einfuhr fremder Bücher und des Eintritts fremder Reisenden und eine grausam strenge Disziplin im Heere. Pauls Willkür kannte zuletzt keine Grenzen. Ebenso launenhaft wie in der innern Politik zeigte er sich in der äußern. Die durch die Franzosen vertriebenen Malteserritter fanden Aufnahme in Rußland; ja P. ließ sich 16. Dez. 1798 trotz des Widerspruchs des Papstes zum Großmeister derselben wählen. Der Abscheu gegen die französische Revolution bestimmte ihn bald nach dem Frieden von Campo Formio 1798 zur Teilnahme am Kriege gegen Frankreich. Bald aber faßte P. wieder Mißtrauen gegen den Kaiser Franz II. und besonders gegen Pitt, und da Bonaparte dem Stolz des russischen Herrschers zu schmeicheln verstand, trennte sich P. 1799 von der Koalition; Ludwig XVIII. und alle Emigrierten, die in Rußland ein Asyl gefunden, mußten das Land verlassen. Die Mißstimmung Pauls gegen England erreichte 1800 den höchsten Grad, als die Engländer die indessen den Franzosen wieder entrissene Insel Malta ihm, als dem Großmeister des Ordens, nicht ausliefern wollten. Er legte Beschlag auf alle in russischen Häfen befindlichen englischen Schiffe und schloß mit Schweden, Dänemark und Preußen einen gegen England gerichteten Neutralitätsvertrag. Die despotische Regierungsweise und der Plan, den Prinzen Eugen von Württemberg, seinen Neffen, zu adoptieren und seine Gemahlin sowie seine Söhne Alexander und Konstantin verhaften zu lassen, veranlaßten eine Verschwörung, um P. zur Abdankung zu zwingen. Unter den 30 Verschwornen waren besonders tätig Graf Pahlen, Fürst Platon Subow, die Grafen Nikolaus und Valerian Subow, General Bennigsen und General Uwarow. Am 23. März 1801 abends ließ Pahlen die Truppen vor dem Michailowschen Palast auf stellen; die übrigen Verschwornen, die Subows an der Spitze, drangen nachts 11 Uhr in Pauls Schlafzimmer ein. Als der Kaiser die von Subow verlesene Abdankungsurkunde nicht sofort unterzeichnete, erdrosselten ihn die Verschwornen nach verzweifeltem Widerstand mit seiner eignen Schärpe. Maria Feodorowna hatte dem Kaiser neun Kinder geboren: Alexander (s. d. 17), der folgende Kaiser, Konstantin (s. d. 13), Alexandra (geb. 9. Aug. 1783, vermählt mit dem Erzherzog Joseph, Palatin von Ungarn, gest. 4. März 1801 in Ofen), Helene (geb. 1784, vermählt mit dem Erbprinzen Friedrich Ludwig von Mecklenburg-Schwerin, gest. 1803), Maria (geb. 1786, Großherzogin von Sachsen-Weimar, gest. 1859), Katharina (geb. 1788, Königin von Württemberg, gest. 1819), Anna (geb. 1795, verwitwete Königin der Niederlande, gest. 1865), Nikolaus (s. d. 2), Alexanders I. Nachfolger, und Michael (geb. 8. Febr. 1798, gest. 9. Sept. 1848). Ein schönes Denkmal ließ die Kaiserin ihrem Gemahl in Pawlowsk errichten. Vgl. Kobeko, Der Cäsarewitsch P. 1754–1796 (deutsch, Berl. 1886); Bienemann, Aus den Tagen Kaiser Pauls (Leipz. 1886); R. R., Kaiser Pauls I. Ende (Stuttg. 1897); Schiemann, Die Ermordung Pauls und die Thronbesteigung Nikolaus' I. (Berl. 1902); Graf Golovkine, La cour et le règne de P. I (Par. 1905); Mrs. Grant, Mother of czars: Sketch of life of Maria Feodorowna, wife of P. I., etc. (Lond. 1905). 2) Friedrich Wilhelm, Herzog von Württemberg, Reisender und Naturforscher, geb. 25. Juli 1797 zu Karlsruhe in Schlesien, gest. 25. Nov. 1860 in Mergentheim, Sohn des Herzogs Eugen von Württemberg (s. Eugen 2), Neffe des Königs Friedrich I. von Württemberg, erhielt am Hofe seines Oheims eine militärische Erziehung, trieb zugleich mathematische und naturwissenschaftliche Studien und trat 1815 als Hauptmann in preußische Dienste. Auf einer Reise nach Nordamerika (1822–24) durchforschte er besonders die Flußgebiete des Mississippi und Missouri und nahm dann seine Entlassung aus preußischen Diensten. Auf einer zweiten Reise (1829–32) besuchte er Mexiko und die südlichen Staaten der Union; 1839 bis 1840 beteiligte er sich an der von Mehemed Ali ausgesandten Expedition zur Erforschung des obern Nils. Auf einer dritten Reise nach Amerika (1849–1856) durchzog er es von Kanada bis zur Magalhãesstraße. Eine vierte Reise (1857–59) führte ihn nochmals nach dem untern Mississippi, von dort nach Australien und Neuseeland, von wo er über Ceylon und Ägypten zurückkehrte. Er veröffentlichte: »Erste Reise nach dem nördlichen Amerika« (Stuttg. 1835). 3) P. Alexandrowitsch, russ. Großfürst, geb. 3. Okt. 1860 in Zarskoje Selo als fünfter (jüngster) Sohn des Zaren Alexander II. und der Maria Alexandrowna von Hessen, vermählte sich 13. Juni 1889 mit Alexandra von Griechenland und nach deren Tod (24. Sept. 1891) morganatisch in Livorno 9. Okt. 1902 mit Olga, geschiedener Pistohlkors, geborner Karnowitsch. Weil diese Verbindung gegen das russische Hausgesetz verstieß, wurde sie vom Ministerium des kaiserlichen Hauses für nichtig erklärt und P. verbannt. Aber nach der Ermordung des Großfürsten Sergius (s. d.) fand im Februar 1905 die Rehabilitation statt: P. wurde als Generaladjutant seines kaiserlichen Neffen nach St. Petersburg berufen und seine Gattin, die 1904 durch den Prinz-Regenten Luitpold von Bayern zur Gräfin von Hohenfelsen erhoben worden war, in Gnaden angenommen.
6630 Zeichen · 122 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    PaulPN

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    Paul , PN Vw.: s. Pāwel (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Paul

    Campe (1807–1813)

    Paul , — s, — en , oder Paulus ; Vw. Paulchen , ein Mannstaufname. Der Apostel Paul oder Paulus .

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Paul

    Goethe-Wörterbuch

    Paul abgekürzt ‘P.’ FfA I 15 2 ,794,17 (vgl 3); Dat ‘P-en’ 38,56 Vs 40 1 als Eigenname a für den Apostel Paulus (vgl s v…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Paul

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +5 Parallelbelege

    Paul , Pauliner , Münze, s. Paolo .

  5. modern
    Dialekt
    Paulm.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Paul m. der PN. Paul; in Neckreimen: Paul Saul Suppenfräter Wo. V. 4, 239 b ; Paule Paule Pump, Mit 'n natten Strump 241…

  6. Sprichwörter
    Paul

    Wander (Sprichwörter)

    Paul 1. An Pauli Bekehrung (25. Jan.) dreht sich die Padde (Frosch) um. ( Seelow. ) – Boebel, 4. 2. An Pauli bekerungtag…

  7. Spezial
    Paul

    Ladinisch-Deutsch (Mischí)

    Paul [Pạul] nom.propr. m . Paul, Paulus ◆ san Paul Hl. Paulus. ✒ san Paul mëss ince ester bel sce an ó che bla mëtes bel…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit paul

88 Bildungen · 82 Erstglied · 5 Zweitglied · 1 Ableitungen

paul‑ als Erstglied (30 von 82)

Paul(us)

BWB

Paul(us) Band 1, Spalte 1,1419f.

Paul(us)

Idiotikon

Paul(us) N. Band 4, Spalte 1157 Paul(us) N. 4,1157

Paulatim

Herder

Paulatim , lat., allmälig; p. longuis itur , sprichwörtlich: allmälig kommt man weiter.

Paul-Braune

DWBQVZ

paul·braune

Paul-Braune s. beiträge zur geschichte der deutschen sprache und literatur.

Paulding

Meyers

paul·ding

Paulding (spr. paol-), James Kirke , amerikan. Schriftsteller, geb. 22. Aug. 1779 in Pleasant Valley (New York), gest. 6. April 1860 in Hyde…

Pauler

Idiotikon

pau·ler

Pauler Band 4, Spalte 1158 Pauler 4,1158

Paules

ElsWB

pau·les

Pa u les [Phâləs Büst Wh. Saarunion ] 1. männl. Vorname Paulus (selten) Saarunion . Zss. –bir. 2. dicker, unbeholfener Schmierfink Büst .

Paulette

Meyers

paul·ette

Paulette (franz., spr. po-. Droit annuel ), in Frankreich eine nach ihrem ersten Pächter, Charles Paulet , einem Sekretär Heinrichs IV., ben…

Paul, Herm

DWBQVZ

paul·herm

--- s. a. grundriß, der germanischen philologie, 1891—93 u. 1900—05. ---

Pauli, Carl

DWBQVZ

pauli·carl

--- die benennung des loewen bei den Indogermanen. ein beitrag zur lösung der streitfrage über die heimat des indogermanischen urvolkes. Mün…

Paulicĭaner

Meyers

Paulicĭaner , gnostisch-manichäische Sekte im Orient. Sie unterschieden einen bösen Gott, als Urheber der sinnlichen Schöpfung und des Juden…

Pauli, Joh

DWBQVZ

pauli·joh

[---] --- schimpf vnd ernst heiset das buoch mit namen. Straßburg 1522 (= schluszimpr.; vorr. 1519). — QV I —. [---] ---

Paulin

MeckWB

pau·lin

Paulin f. der PN. Pauline; in Neckreimen: Paulin Paulan Hett Hochtit dan Wo. V. 4, 441; Paulin Paulan, Lat de Käuh rut gahn 442.

Pauline

Idiotikon

Pauline N. Band 4, Spalte 1158 Pauline N. 4,1158

Pauline, fürstin, zur Lippe

DWBQVZ

--- fürstin Pauline zur Lippe und herzog Friedrich Christian von Augustenburg. briefe aus den jahren 1790—1812. hg. v. P. Rachel. Leipzig 19…

Pauliner

Campe

pauli·ner

Der Pauliner , — s, Mz . gl. 1) Eine Art Mönche, Paulsmönche . 2) Eine Sorte platter, rother und grüner oder gelber Äpfel.

Paulinertrank

Meyers

pauliner·trank

Paulinertrank (lat. Paulina potio ), im Mittelalter soviel wie Gift, vielleicht nach dem Mönch Paulinus, der Kaiser Heinrich VII. angeblich …

Paulinus

RhWB

pauli·nus

Paulinus m.: 1. der hl. P., in Trier bestattet; en Pulein  in St. Paulin. — 2. übertr. pǫulīnəs  a. scherzh. das Gesäss Bitb-Malbg . — …

Paulīnus von Aquilēja

Meyers

Paulīnus von Aquilēja , hervorragender Theolog aus der Umgebung Karls d. Gr., geb. zwischen 730 und 740 in Friaul, gest. 11. Jan. 802 in Aqu…

Paulinus von Nola

Meyers

Paulinus von Nola ( Pontius Meropius Anicius P.), Heiliger, christlicher Dichter und Kirchenschriftsteller, geb. 353 in Burdigala (Bordeaux)…

Paulinzelle

Meyers

pauli·n·zelle

Paulinzelle , Dorf in der schwarzburg-rudolstädt. Oberherrschaft, Landratsamt Rudolstadt, am Nordfuß des Thüringer Waldes und an der Staatsb…

paul als Zweitglied (5 von 5)

Fleederspaul

MeckWBN

Wossidia Fleederspaul f. die kleine Garnspule im Weberschiffchen aus Holunderholz Wa @ Wred.

Radspaul

MeckWBN

rad·spaul

Wossidia Radspaul f. Spindel des Spinnrades Ro Rostock@Allerstorf Allerst .

Schottspaul

MeckWBN

schott·spaul

Wossidia MeckWB Schottspaul f. Weberschiffchen und die darin liegende Spule; umgelautet: Schöttspaul (1975) Wa Waren@Kieve Kieve .

Ableitungen von paul (1 von 1)

paule

DWB

paule , m. der leuchterknecht, s. unter ölgötze 2, sp. 1279.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „paul". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/paul/meyers?formid=P02094
MLA
Cotta, Marcel. „paul". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/paul/meyers?formid=P02094. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „paul". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/paul/meyers?formid=P02094.
BibTeX
@misc{lautwandel_paul_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
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  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
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  urldate      = {2026-05-15},
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