Oheim auch, bes in vertraulicher Benennung, ‘Ohm(e)’ (zB GWB1,193 Vs 40
u GWBB1,27,1
) bzw seltener ‘Öhm’ (zB GWB50,357
), DatPl ‘Öhmen’ GWB50,162 Vs 209
; deutlich stärker belegt als ‘Onkel’ 1
Onkel; mBez auf reale Personen, literar u mythol Gestalten; je einmal metaphor ‘jdn zu seinem zweiten O. annehmen’ u (wohl leicht iron) mBez auf Anna Amalias verwandtschaftliche Beziehungen zu Friedr II von Preußen: ‘ihr großer O.’ [
Goethe besucht in Palermo die Schwester Giuseppe Balsamos, deren Sohn u Tochter] Der junge Mensch..erkundigte sich nach seinem O., fragte nach dessen Reichthum und Ausgaben GWB31,141,4 ItR fing man an zu zweifeln, ob dieser Neffe Rameau's jemals existirt habe. Glücklicherweise fand man in Mercier's Tableau de Paris eine Stelle, welche sein Dasein außer Zweifel stellt, und sowohl vom O. als vom Neffen charakteristische Züge mittheilt GWB45,230,25 RamNeffeNachtr I [
Iphigenie über die Familiengeschichte der Atriden:] Tückisch hatte..|Thyest..|Dem Bruder einen Sohn entwandt und heimlich|Ihn als den seinen..auferzogen.|..Und sendet ihn zur Königsstadt, daß er|Im O. seinen eignen Vater morde GWB10,18 Iph
2 370 [
Julie an den kunstsinnigen Freund ihres Onkels, der ihr Kupferstiche mit Feen- u Geisterdarstellungen schickte:] Sie haben mir eine große Freude gemacht, ob ich gleich wohl sehe daß ich mir eine neue Ruthe aufgebunden habe, indem ich Sie zu meinem zweiten O. annahm. Als wenn mir der erste nicht schon genug zu schaffen machte! denn auch der kann es nicht lassen die Kinder über ihr Vergnügen aufklären zu wollen GWB47,137,19 Samml 2 36,304,25 AndenkAnnaAm 1807 N5
2,29,20 Versuche mGildemeister 19.11.98 22,73,22 Lj IV 13
[] uö mBez auf Goethes Familie; meist mBez auf Johann Jost Textor (1739-1792), den Bruder von Goethes Mutter; auch als Benennung in Vbdg mit Eigennamen Zuerst sollst du den Zuschauer [
‘The Spectator’] lesen laß dir ihn durch Hrn Ohme Textor von der Stadt Bibliotheck schaffen GWBB1,27,1 Cornelia [8.]12.65 vorzüglichen Männern, wofür ich..meinen Großvater und meine O-e [
Bruder u Schwäger der Mutter] zu halten hatte GWB26,72,28 DuW 2 schrieb man mir von Hause [
nach Leipzig], daß ich auf die Hochzeit meines O-s nothwendig ein Gedicht liefern müsse GWB27,137,19 DuW 7 Nach dem Tode des Großvaters war mein O. Textor in den Rath gekommen GWB28,189,13 DuW 13 Mein O. Schöff Textor war gestorben GWB33,159,4 Camp liebe Nichte..Freylich habe ich von Ihnen Liebes und Gutes genug vernommen, und wenn wir je zusammenträfen, würden Sie finden, daß mit dem O. auch ganz leidlich auszukommen ist GWBB20,289,15 Marie Anna Louise Nicolovius [27.1.09]
uö 2
als zeitübliche Bezeichnung eines entfernteren (älteren) Verwandten, Angehörigen, eines Freundes der Familie oä; einmal mBez auf Goethes Rolle in der Familie Willemer1) (selbst)iron mit der Nuance des Harmlos-Freundlich-Schrullig-Onkelhaften u in Anspielung auf Bed 4 [
Klagen über schlechte Witterung während des Frankreichfeldzugs] Man schilt..Jupitern einen Jakobiner..Auch kann ich Ew. Durchl. nicht bergen daß Leute die tiefer sehen geradezu Wielanden die Schuld alles dieses Unheils geben, weil er den König der Könige zum Demokraten gemacht und ihn von der Sache seiner O-e, Vettern und Gevattern Lbden Lbden, wenigstens auf einige Zeit abgezogen GWBB10,22,27 AnnaAm 25.9.92 [
Reineke über seinen Besuch bei den Meerkatzen:] Frau Muhme! sagt' ich zur Alten,|Vettern hieß ich die Kinder und ließ es an Worten nicht fehlen.|..Glücklich find' ich mich nun von solchen Öhmen zu wissen;|Denn zu Zeiten der Noth bedarf man seiner Verwandten GWB50,162 ReinF XI 209 [
Dolmetscher zu Graf Thoranc, der in Goethes Vaterhaus einquartiert ist:] die Hausfrau ist allen euren Wünschen zuvorgekommen, und die Kinder haben euch als ihren O. betrachtet GWB26,162,26 DuW 3 [
Bitte um Nachsicht für lange ausgebliebenen Brief] diese kann einem alten O., wofür ich denn eigentlich erklärt bin, von den lieben Mühlbewohnern und den theuren Angehörigen gar wohl gegönnt seyn GWBB49,88,2 JJ u MWillemer 22.9.31
uö 3
‘der O.’ uä; als namenähnliche Benennung (ansonsten namenloser u nicht näher bezeichneter) Figuren in ‘Wilhelm Meister’ a
in den ‘Lehrjahren’ Stiefbruder des Vaters der Schönen Seele bzw des Großvaters von Lothario, Natalie, der Gräfin u Friedrich Da die Freundin des sechsten Buchs [
der ‘Lehrjahre’] aus der Erscheinung des O-s sich nur so viel zueignet, als in ihren Kram taugt.. GWBB10,289,9 Schiller 18.8.95 Der O. hatte seine Plane [
zur vorteilhaften Verheiratung der jüngeren Nichte]..in der Stille durchgeführt GWB22,327,7 Lj VI Nachricht, daß der O. gestorben, daß Lothario hingegangen sei, die hinterlassenen Güter in Besitz zu nehmen GWB23,118,4 Lj VII 9 [
Wilhelm zu Natalie nach Lektüre der ‘Bekenntnisse einer Schönen Seele’:] So bin ich denn, rief er aus, in dem Hause des würdigen O-s! GWB23,165,13 Lj VIII 3 22,66,12u16 Lj IV 11 22,300,5 Lj VI 23,148,16 u 176,3 Lj VIII 2f
uö b
in den ‘Wanderjahren’ Onkel von Hersilie, Juliette u Lenardo [
Wilhelm gelangt zu einem Schloß mit ausgedehnten, musterhaft bewirtschafteten Ländereien u wird vom Hausherrn u seinen Nichten freundlich aufgenommen] Er wünschte den edlen O. in rein entschiedner Thätigkeit gerne näher zu kennen.. .. [
Juliette zeigt Wilhelm die Güter des Onkels:] Alles beruht auf Geist und Sinn meines trefflichen O-s GWB24,95,4 u 96,16 Wj I 6 Ein Bote vom O. traf ein mit der Nachricht, daß sämmtliche Gesellschaft auf ein nahes Jagdhaus zu Tische geladen sei GWB24,95,26 ebd Juliette..hatte geheirathet, einen Mann nach dem Herzen des O-s, durchaus in seinem Sinne mit- und fortwirkend GWB25
1,261,5 Wj III 14 24,71,6 Wj I 5 24,99,13 u 101,10u25 Wj I 6 25
1,166,11 u 167,4u18 Wj III 7
uö 4
als (literar) Typus bzw in Anspielung auf literar Klischees; je einmal mBez auf die Figur des komischen Alten im Lustspiel des 18. Jhs u mBez auf die Figur des Matthew Bramble in Tobias Smolletts pikareskem Roman ‘The Expedition of Humphry Clinker’ (1771) [
Muse des Dramas über das bürgerliche Schauspiel:] Ein Bürger kommt..|Mit Frau und Kindern häuslich eingezwängt,|..Die Tochter..|Ein muntrer Sohn..|Und was, an O., Tanten, dienstbaren Alten,|Sich Charaktere seltsamlich entfalten;|Das alles macht uns heiter, macht uns froh,|Denn ohngefähr geht es zu Hause so GWB13
1,118 ProlBln 1821 Vs 75 [
Hersilie stellt Wilhelm die Familie des Schloßherrn vor:] unser Personal..ist das ewig in Romanen und Schauspielen wiederholte: ein wunderlicher O., eine sanfte und eine muntere Nichte.. GWB24,98,16 Wj I 6 Wenn ich nun so für mich selbst..als ein wahrer O. in der deutschen Komödie, meinen Unmuth auslasse GWB47,139,25 Samml 3 [
nächtliches Hundegebell u Diensteifer der Nachtwächter quälen Goethe während seines Göttinger Aufenthalts] es blieb mir nichts übrig, als mit der Polizei in Unterhandlung zu treten, welche die..Gefälligkeit hatte..mehrere dieser Hörner um des wunderlichen Fremden willen zum Schweigen zu bringen, der im Begriff war die Rolle des O-s in Humphry Klinker zu spielen, dessen ungeduldige Reizbarkeit durch ein paar Waldhörner zum thätigen Wahnsinn gesteigert wurde GWB35,112,6 TuJ 1801 5
als bzw mBez auf (die) vertrauliche od Vertrautheit suggerierende Anrede (unabhängig vom Bestehen verwandtschaftlicher Beziehungen) a
in direkter, höflicher Anrede [
König zum Herzog:] Ja, lieber O. GWB10,248 NatT 34 [
Reineke zum Bären, der ihn besucht:] Werthester O.,|Seid willkommen!..|Seid zu jeglicher Stunde, mein O., willkommen!..Ei! was hab' ich gehört! versetzte der Braune, Herr O.! GWB50,18f ReinF II 34u38u60 [
Grimbart, der Dachs, sucht den Fuchs auf, um ihn vor den König zu laden:] O. Reineke, seid mir gegrüßt!.. ..Beide waren noch nicht ein Stündchen Weges gegangen,|Als zu Grimbart Reineke sprach: Mein theuerster O.,|Werthester Freund, ich muß euch gestehn, ich bebe vor Sorgen GWB50,35 u 37 ReinF III 199u255
uö b
‘jdn O. nennen’ oä; als Ausdruck geheuchelter Freundlichkeit in betrügerischer u/od manipulativer Absicht [
Kaiser:] Dort ziehn sie her die falschen Anverwandten,|Wie sie mich O., Vetter, Bruder nannten,|..Und nun gesammt sich gegen mich empörten GWB15
1,260 Faust II 10376 [
Reineke über Isegrim:] So hab' ich ihn immer|Scherzend O. genannt, und wir sind keine Verwandte GWB50,38 ReinF III 285 [
Reineke über seinen Besuch bei der Meerkatze:] Als ich ihr so viel Ehre geboten, wiewohl ich es anders|Meinte, bezeigte sie mir von ihrer Seite deßgleichen,|Hieß mich O., und that so bekannt, so wenig die Närrin|Auch zu meinem Geschlechte gehört. Doch konnte für dießmal|Gar nicht schaden sie Muhme zu heißen GWB50,162 ReinF XI 213 50,24 ReinF II 216
→ GWB
Fürst- GWB
Groß- Syn zu 1
Mutterbruder [] Onkel Vatersbruder zu 2 Anverwandte Verwandte zu 5 Bruder Vetter zu 5a Freund Gevatter 1) Am 17.7.1831 hatte Marianne vWillemer eine Äußerung ihrer Stieftochter über Goethe wiedergegeben: „Rosette [...] meint, so viel Liebe und Güte ließen sich kaum von einem Onkel erwarten” (Weitz 1965,257). Martina EicheldingerM.E.