modeln,
verb. formare, figurare; mhd. modelen,
in der gewerkssprache: ich form, ich model, ich miʒʒe.
minnes. 3, 126
a Hagen; nhd., ausarbeitend form und bild geben: jr wadt (
gewand) war allenthalben eng und an den leib gemodelt. Frank
weltb. 43
b;
in der neueren sprache in manigfach freiem sinne; transitiv, etwas modeln: wie ein baum vermögend sei, den nahrungssaft so zu formen und zu modeln. Kant 6, 71; dasz ich überlaut lachen muszte, hier zum erstenmale einen so decidirten männlichen engel zu finden, als seit ihrer entstehung noch keiner gemodelt und gemalt worden. Thümmel
reise 3, 45; Goethes geist hat alle menschen, die sich zu seinem zirkel zählen, gemodelt. Schiller
an Körner 1, 133; nun modelt Frankreichs witz das weite deutsche reich: es wird ein männlich volk den Sybariten gleich. Uz 2, 161; und gott verhüte, mein getreuer herr, dasz ihr die einsicht drehn und modeln solltet.
Shakesp. Heinrich V. 1, 2, and god forbid, my dear and faithful lord, that you should fashion, wrest, or bow your reading; etwas nach etwas modeln: es ist eben so nöthig, seine aufführung nach den vorurtheilen und dem geschmack derjenigen zu modeln, mit denen man lebt, als es nöthig ist, sich so zu kleiden wie sie. Wieland 1, 158; dasz alle meine begriffe nach diesem urbilde gemodelt waren. 2, 12; Shakespear und einige nach seinem vorbilde mit glück gemodelte vaterländische originale bezauberten das publikum. Gotter 2, xi; er würde nicht mich, sondern eine wolke lieben, die er nur nach meiner gestalt zu modeln belieben trüge. Göthe 14, 64; alle begebenheiten (
im romane) werden gewissermaszen nach ihren (
der romanhelden) gesinnungen gemodelt. im drama modelt der held nichts nach sich, alles widersteht ihm. 19, 181; dasz sie, anstatt sich in diesen zustand zu finden, unbewuszt den zustand nach sich modelte. 26, 36; dasz der mensch in der gegenwart, ja vielmehr noch in der erinnerung die auszenwelt nach seinen eigenheiten bildend modele. 32, 62; etwas auf etwas modeln: warum soll unser theater auf französische form gemodelt sein, da wir Deutsche sind? Klinger
theater 1,
vorrede s. 6;
intransitiv, an etwas modeln: hole dir aus den werkstätten der künstler ein bild der liebe, modele so lange daran, bis du deine vorstellung ... erhöht hast. Thümmel 3, 75;
reflexiv, sich modeln: gewohnt, sich nach dem geschmacke der fürsten zu modeln, und alle gestalten anzunehmen, unter welchen sie ihm gefallen ... konnten. Wieland 2, 281; mich nach den begriffen seines volks zu modeln. Klinger 5, 157; sie (
die wolke) theilt sich wandelnd, wogenhaft, veränderlich, doch will sichs modeln. Göthe 41, 251; nein, fragst du nach verdienst, so sieh den Porcius, er ists, bei dem man sich zum manne modeln musz; steif, ehrbar, ordentlich in seinem thun bedächtlich (
ist er). Haller
schweiz. ged. 112; sich modeln lassen: einer der sich durch gesetze und wohlstand modeln läszt. Göthe 16, 18; er ist von jenen feurigen naturen, .. die gern von dem zu jenem überspringen, und deren seele, wie gelindes wachs, sich modeln läszt von jeder stunde finger. Platen 172;
nebenbei ist auch modeln
in der sprache einzelner gewerke geblieben, wo es von eingewebten oder eingezeichneten figuren gilt: zeug und leinwand modeln,
als die damastweber, figuras intexere. Frisch 1, 667
b; gemodeltes band,
bei den webern, im gegensatz des glatten, gemodelter zeug,
wie der damast, zeug, leinwand modeln. Adelung; er kont nicht mit den gemodelten, labirintischen servieten und faziolen umbgahn.
Garg. 45
a; auf gemodeltem damast. Göthe 38, 228; ein kleineres gemodeltes tischtuch. J. Paul
Qu. Fixl. 112; neben dem schlummernden greis, an der andern ecke des tisches, deckte sie jetzo ein tuch von feingemodeltem drillich. Voss 2, 277; gemodelte buchstaben,
bei den schriftgieszern, schönschreibern, mit figuren versehene buchstaben. Adelung; so modelt der wilde mit abenteuerlichen zügen, gräszlichen gestalten, hohen farben, seine cocos, seine federn, und seinen körper. Göthe 39, 348.
Die umgelautete form neben der unumgelauteten ist schweizerisch: modelen, mödelen,
zierlich ausarbeiten, nett ausmessen, besonders als ausmodelen, ausmödelen,
von näherinnen. Stalder 2, 212; mödelen,
auch soviel wie bäscheln,
mit allerlei kleinen handarbeiten umzugehen wissen, flicken, schnitzeln. ebenda; und dies bildlich: aber wo ist der landmann, der das immer so genau zweg mödeln kann, dasz ihm immer exakt eben recht übrig bleibt, oder dasz er doch exakt genug hat. J. Gotthelf
schuldenb. 159;
zu diesem umgelauteten mödeln
bair. der mödler,
arbeiter (
schreiner, schlosser, maurer, zimmermann)
in der groszen schweinfurtischen stadtmühle, über welche der mödelmeister
gesetzt ist. Schm. 1, 1571
Fromm.