lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

lunte

mnd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
15 in 15 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
11
Verweise raus
8

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

lunte f.

Bd. 12, Sp. 1307
lunte, f. , früher auch m. 11) lumpen, fetzen: also trug die königin Ester jre königliche krone, und sprach doch zu gott, du weist, das das zeichen meines prangens auf meinem heubt mir noch nie gefallen hat, und achte sein wie ein böse (nichtswerte, schlechte) lunten. Luther 1, 246b; (hemden und kittel aus leinwand) werden zurissen, darnach brauchet mans zum wischen, schmieret pflaster drauf, die leget man auf die wunden und schweren, item, die lunten nimmet man darausz, leget sie in stempfel auf der pappirmühl, zustösts klein, darausz macht man pappir. tischr. 221b. 22) docht für die lampe: und geschicht dem herzen gleich wie ein lüntten in der ampel, der brinnet erstlich hell, je lenger aber dasselbig wehret, je härter, verbrannter, ausgemergelter und erbrechlicher er wird, verleurt also von weil zu weil sein sterk. Wirsung arzneib. (1572) s. 566 (in der ausgabe von 1597 lunte). noch jetzt niederdeutsch lunte der docht Schambach 127b. 33) die bedeutung des zündstricks für die feuerwaffe tritt erst später auf, sie gründet sich auf die vorige, wie denn in einem Nürnberger vocabular von 1530 die flintenlunte noch als docht (zauche) genannt wird: ellychnium zoch sclopeti Dief. 199a; sie ist im 16. jahrh., wahrscheinlich vom Niederrhein her, empor gekommen, da sie sich zu dieser zeit bereits niederl. findet: lonte, fomes igniarius, igniarium, elychnium bombardicum, funis bombardicus, funale ignitum: spartea materia e lino stuppave convoluta, qua milites sclopetarii utuntur in alendo igne. Kilian; und von jener zeit ab allgemein geworden, auch in andere verwandte sprachen übernommen (engl. lunt, schwed. lunta, n. lunte): alte fässer, die leichtlich hinab laufen und zerbrechen, werfe man von oben herab auf die feinde. die ersten mit angezündten gespickten fewerwerk und schlägen, darunder töpfen, darinnen lunden gelegt, und von anderm fewerwerk angesteckt mögen werden. Kirchhof mil. disc. 44; eine starke leine oder seil, daran viel brennende lunten hangen, .. ein schlag voll pulver, von der nechsten lunden angezündet. 177; die zündruhte mit brennender lunten, solle bei dem stück (geschütz) unter wind in die erde eingesteckt stehen. Böckler kriegsschule (1668) 207; legt die musquet in die linke hand .. nembt mit zwei fingern (daumen und zeiger) den lunten ausz der linken hand. mit verwendeter hand blast den lunten hinter der pfann ab, probirt den lunten auf die pfann (commandoworte für die musketierer). 298; da ich nun (bei einem zweikampf) an meinem bestimmten ende mit doppelt-brennendem lunden in angeregtes feld trat. Simpl. 1, 281 Kurz; kamen .. sechs muszquetierer samt einem corporal mit fertigem gewehr und aufgepasztem lunden ins häuszlein. 446; ich sehe wol, der protector Cromwell verstehet besser, wie man mit seinen consiliis durchdringen könne, wann man 50000 schreiber bei sich hat, welche an statt des dintefasses muszqueten und brennende lunten brauchen. Schuppius 93; haben einen brinnenden lunden samt einen zunter ihr in die truhen gestecket. Abr. a S. Clara 1, 378; ein theil war auch mit donnerbüchsen bewaffnet, die man mit lunten losbrannte. Hauff Lichtenstein 3, 22; wenn eine seeschlacht lorbeern uns geschlungen um unsre lunten und um unsre säbel. Freiligrath dicht. 3, 102; die lunte hat einen scharfen geruch, der die anwesenheit eines schützen verrät, auch ohne dasz man ihn sieht: die hellebardierer hatten sich auf den bauch in das dickicht gelegt, die schützen standen weiter hinten, dasz man die brennenden lunten nicht riechen sollte. Schiller 1096b; die Preuszen schieben uns batterien unter die nase — fast riech ich die lunten. Grabbe Napoleon s. 175; daher sprichwörtlich die lunte riechen, auch nur lunten, lunte riechen, eine gefahr oder auch einen verborgenen sachverhalt wittern: er reucht lunte, odoratur discrimina rerum, animadvertit periculum. Stieler 1139; soll ich die wahrheit sagen: so wird Lelio lunte riechen, und sich nicht ausreden lassen, dasz da, wo sechs tausend thaler gelegen, nicht noch mehr liegen könnte. Lessing 1, 476; ich konnte nicht anders glauben, als Mark Anton habe lunte gerochen, und warnte und beschwur ihn mit bitten inständig, äuszerst auf seiner hut zu sein. Heinse Ardingh. 1, 132; ich bin zehnmahl gröber hintergangen worden als sie. sie haben wenigstens die lunte gerochen. Gotter 3, 415; und hier, glaube ich, war ich mit meiner ketzerei wirklich in einer etwas unangenehmen lage. ein stück von geistlichkeit hatte lunte gerochen und nahm mich sehr in anspruch. Seume spazierg. 2, 43; indem er die freimaurerreden, die er schreibe, genau durchlese und zu verstehen trachte: so merk er zuletzt allerhand wunderdinge und komme weit und rieche im ganzen genommen lunten. J. Paul uns. loge 3, 131; sie (die weisheit) nimmt, wie vor der zeit in Rom und Griechenland, die tochter ihrer schoosz, Hygeen, bei der hand, und will sie da, wo recht und wahrheit triumphiren, es geht zwar mühsam her, mit cron und scepter zieren; so sehr es auch forthin den alten trupp verdrieszt, der, weil er lunten riecht, voll groll und eifer nieszt. Günther 384; anders: er kan keine lunte riechen, abjicit, despondet animum, instrenuus miles est. Stieler 1139. 44) lunte, der brennend rote schweif des fuchses, gehört erst der neueren sprache an, denn um 1730 noch hat der fuchs in der weidmännischen sprache nur den schwanz (Nehring hist. pol. lex. 1736 4. anh. s. 94): herr Reineke stand dicht bei einem baume. augenblicklich zog ich meine kugel aus dem laufe, lud dafür einen tüchtigen brettnagel in mein gewehr, feuerte und traf so künstlich, dasz ich seine lunte fest an den baum nagelte. Münchhaus. 26; noch hat der fuchs die rechte weite, gelassen trabt er, schleppt den schweif, .. doch bald hebt er die lunte frisch. A. v. Droste-Hülshoff ged. 30. 55) die früheste bedeutung von lunte lumpen, fetzen, weist das wort zu mittelniederl. lunderen, defunctorie aliquid agere, tempus terere rebus ineptis, cunctari. Hoffmann gloss. belg. 68a, niederd. luntern, loddern, lodderig sein, lodderig einhergehen. Schambach 127, vgl. auch unten lunterei und lunterus; dies luntern aber scheint nichts als eine nasalierte nebenform zu lottern sp. 1217, während ein fränkisch-hennebergisches lunnern, jedenfalls aus luntern assimiliert, lodern, hell aufbrennen, lohen bedeutet (Fromm. 2, 79, 15); und es kommt hierdurch das subst. lunte in die verwandtschaft der wortreihen lod- sp. 1116 fgg. und lot- sp. 1209 fgg., die alle auf dem begriffe des zerlumpten, zerfetzten sich ausgebildet haben; vgl. loden sp. 1116, lodern sp. 1117, und lotter sp. 1210; ebenso ludel sp. 1230.
6622 Zeichen · 97 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    lunteF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    lunte , F. nhd. Lunte, Zündfaden, Zündstrick, Zündstock für die Feuerwaffe E.: Herkunft unklar, Kluge s. u. Lunte W.: s.…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Lunte

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Lunte , plur. die -n, ein Strick, welcher, wenn er angezündet worden, fortglimmet, und andere Dinge damit anzuzünden…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Lunte

    Goethe-Wörterbuch

    Lunte brennbarer Faden zum Entzünden von Flammbarem, Zündschnür [ alchemistische Versuche ] ich lernte sehr geschwind mi…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Lunte

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Lunte , ein stark gedrehter Faden aus Flachswerg, in Lauge von Buchenasche und ungelöschtem Kalk gekocht und an der Sonn…

  5. modern
    Dialekt
    Luntef. m.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Lunte f. , Lunten m. : ' Lunte ', Lunne f. [ Schandein Ged. 242], Lunne (lunə) m. [ LA-Venn Germh], Lunde (lundə) m. [ P…

  6. Spezial
    Lunte

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Lun|te f. (-,-n) corda da füch f. , corda da polber f. , corda da stlopeté f.

Verweisungsnetz

21 Knoten, 14 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 4 Kompositum 6 Sackgasse 11

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit lunte

39 Bildungen · 39 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

lunte‑ als Erstglied (30 von 39)

Lunte(n)

Idiotikon

Lunte(n) Band 3, Spalte 1345 Lunte(n) 3,1345

Luntendäsen

MeckWB

Luntendäsen m. Schnellwaage des Lumpenhändlers.

Luntendose

RhWB

lunten·dose

Lunten-dose lontəndū:s Sol 1870 f.: Schachtel mit angebrannten Spänen.

luntenfeuer

DWB

lunten·feuer

luntenfeuer , n. bei den feuerwerkern, feurige figuren und buchstaben, die durch angezündete lunten hergestellt werden. Jacobsson 2, 647 a .

Luntengarn

RhWB

lunten·garn

Lunten-garn lȳrtən- Rees-Ringenbg n.: Lampengarn, Docht in der Öllampe.

luntenhahn

DWB

lunten·hahn

luntenhahn , m. hahn an einem gewehr, in welchen die lunte eingespannt wird: von besonderem interesse ist auch ein gewehr mit der jahreszahl…

luntenhorn

DWB

lunten·horn

luntenhorn , n. werkzeug, worin die lunte, wenn sie angesteckt ist, verborgen wird. Jacobsson 2, 647 b .

Luntenkierl

MeckWB

Luntenkierl m. Lumpensammler, Produktenhändler; Kinderschreck: dei Luntenkierl steckt di in 'n Packen Wo. V. 3, 1033; wenn Zeug unordentlich…

Luntenkiste

Campe

lunten·kiste

Die Luntenkiste , Mz. — n , auf den Schiffen, eine Kiste, in welcher Lunten aufbewahrt werden.

Luntenpuster

Wander

lunten·puster

Luntenpuster Er ist ein Luntenpuster. – Frischbier 2 , 2488. Scherzhaft von einem Artilleristen.

luntenrecht

DWB

lunten·recht

luntenrecht , n. recht der schuszwaffe: lunten-recht helt rechtes recht, nur für lumpen-recht. wo gewalt zum herren wird, ist gerecht ein kn…

Luntenschauh

MeckWB

Luntenschauh m. wie Söckhas' Socken, deren Sohlen mit geteerter Leinwand benäht waren Barn. Warn. 266; mit dieser Fußbekleidung gingen die D…

Lúntenschlóß

Adelung

lunten·schloss

Das Lúntenschlóß , des -sses, plur. die -schlösser, eine veraltete Art Schlösser an den kleinen Feuergewehren, wo das Zündpulver vermittelst…

luntenschlosz

DWB

luntenschlosz , n. schlosz eines schieszgewehrs für einspannung der lunte eingerichtet: es wäre auch gut, dasz alle musquetierer sowol mit f…

Luntenschnur

LDWB2

lunten·schnur

Lun|ten|schnur f. (-, ...schnüre) corda da füch f. , corda da polber f. , corda da stlopeté f.