Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
lette swM.
1.1 allg.
1.2 als Werkstoff
1.2.1 als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder gebrannt werden kann)
1.2.2 als Material zum Abdichten
2 ‘Schlamm, Morast’ , auch ‘Dreck’ (vgl. hor , leim 2 )
1 ‘Lehm(boden), Ton(erde)’, auch ‘feuchte Erde’ 1.1 allg.: ainen aker [...], der lit in dem letten bi dem vorgenande dorfe UrkCorp (WMU) 2316,9; cle von reyne [Regen] entspruzet, / swen er mit craft beguzet / des ertriches hertikeit, / milde wirt ez und gemeit. / [...] / diz ertriche ist lette [feuchte, fruchtbare Erde] Daniel 1748; [genauso ist die Lehre des Predigers] lette und nicht leim [Lehm, der das Wasser staut] ebd. 1770 1.2 als Werkstoff 1.2.1 als formbare Masse (die anschließend getrocknet oder gebrannt werden kann): [das Kind Jesus und seine Freunde] einen acker funden, / der was niulich ûf gegraben. / ûf den gesaz er mit dien knaben / und begunde den letten / berren und knetten [zu Vögeln] , / [...] / und leite si an den sunnen sâ, / daz si truckenden dâ WvRh 5772. 5776; KvFuss 2911; Pass I/II (HSW) 4948. – übertr. auf geschmolzenes Gold: do sÿ das kalb gar ungesund / hatten gemacht uss goldes letten / und das begunden an betten / fúr gott KvHelmsd 1485. – als Material zum Herstellen von Ziegeln: der uon adele was geborn, / der muͦse berien daz hore, / die hêrlîchen chnehte / den laim und den letten [durch Schlagen und Treten den Lehm zur Ziegelherstellung verdichten] Exod 130. – im Rahmen der Schöpfungsgeschichte bei der Erschaffung des Menschen (vgl. formavit igitur Dominus Deus hominem de limo terrae Gn 2,7, hier aus unterschiedlichen Erden): ûz hertem leime tet er gebeine, / ûz brôder erde hiez er daz fleisk werden, / ûz letten deme zâhen machôt er die âdare [Muskeln, Sehnen, Adern] Gen 197. 192 1.2.2 als Material zum Abdichten: do hiez si ir gewinnin / ein wol gezúnit koͤrbelin [für Moses als Säugling] , / [...] / mit zehim letten unde klebe / hiez si vil wol bestrichen das / fúr wazzer RvEWchr 8935 (vgl. Ex 2,3 et linivit eam bitumine ac pice) 2 ‘Schlamm, Morast’, auch ‘Dreck’ (vgl. hor , leim 2): wan der vogel mac niht hôhe vliegen, ob ime die vetiche mit lietemen bekleibet sint DvAOff 42; in leten wazzer manger [interl. zu in luto aquarum multarum ] PsM C 5,15. – im Bild der beschmutzenden, anhaftenden Sünden (vgl. 1lîm ): Martina div starke maget / [...] / sich gar erloset von ir clette / und darzvo von ir svnden lette Martina 47,32. 138,48
MWB 3,3 1091,34; Bearbeiterin: Baumgarte