Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
lahmen
lahmen
lahm Adj. ‘bewegungsuntüchtig, behindert, matt, langweilig’, ahd. lam ‘lahm, gelähmt, abgestumpft’ (8. Jh.), asächs. mhd. mnd. mnl. nl. lam, aengl. lama, engl. lame, anord. lami ‘lahm, verkrüppelt’, schwed. lam. Das germ. (im Got. allerdings nicht bezeugte) Adj. führt zusammen mit einer baltoslaw. Wortgruppe aslaw. lomiti, russ. lomít’ (ломать) ‘brechen’, lit. lamìnti ‘zerknüllen, zerknittern, zureiten’, russ. lom (лом) ‘Bruch, Bruchstück’, lomóta (ломота) ‘Gliederreißen’ auf die Wurzel ie. *lem- ‘zerbrechen, zerbrochen’, an die vielleicht auch das Adverb griech. nōlemés (νωλεμές) ‘rastlos, unablässig, unaufhörlich, fest’ anzuschließen ist, falls es als eigentlich ‘nicht zusammenbrechend’, mit seltenem verneinendem n(e)-, ν(ε)- zu einem Substantiv *ólemos (ὄλεμος) gebildet, zu erklären ist. Im Ablautverhältnis zu lahm stehen innerhalb des Germ. mhd. (dehnstufig) lüemen ‘erschlaffen, ermatten’, nhd. (mundartlich) lumm ‘schlaff, matt’, wozu Lümmel (s. d.) gehört. Ausgangsbedeutung im Dt. ist ‘gliederschwach’; lahm wird vor allem auf funktionsschwache, kraftlose Füße und Beine, dann auf Menschen und Tiere mit entsprechenden Gliedmaßen bezogen, auch auf Äußerungen und Handlungen übertragen, vgl. lahme Ausrede, lahmer Protest, Vortrag. – lahmen Vb. ‘hinkend gehen, lahm sein’, mhd. (selten) lamen ‘lahm sein oder werden’, geläufig erst seit dem 18. Jh. lähmen Vb. ‘lahm machen, lahmlegen’, ahd. lemmen (9. Jh.), mhd. lemen, asächs. lemmian, aengl. lemian, anord. lemja ‘lahm schlagen’, Faktitivum (‘lahm machen’) zum oben genannten Adj. Lähmung f. (17. Jh.).