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kiusche

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MWB
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13 in 6 Wb.
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Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)

kiusche stF.

kiusche stF. selten sw. ( Lucid 87,18 ) auch chiuske, chuske, alem. auch kiunsche, künsche. ‘Mäßigung, Selbstbeherrschung’, je nach Kontext unter stärkerer Fokussierung auf den Aspekt der Kontrolliertheit, Besonnenheit oder der (sexuellen) Enthaltsamkeit; auch allgemeiner ‘sittliche Reinheit, Sittsamkeit, Tugend’ 1 allg.
2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1 allg.
2.2 ‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen)
3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
   1 allg.: ia waren di herren edele / in cristenlichem lebene. / [...] si heten zucht unt scam, / chuske unt gehorsam, / gedult unt minne Rol 3422. 9061; ir magetlîcher kiusche scham / grôz weinens klage in benam, / daz si hæten getân / ob siez durh zuht niht hæten lân LvRegFr 4384; [Parzival] riet sîn manlîchiu zuht / kiusch unt erbarmunge Parz 451,5; si kom dicke ûz frouwenlîchen siten: / sus flaht ir kiusche sich in zorn ebd. 365,21. 472,16 u.ö.; ei Heimrîch von Narbôn, / waz was erblüet ûz dîner vruht / kiusche, milte, manheit, zuht! Wh 167,22. 190,11; ir wîplîch kiusche und ir scham / machte si rôt und dar nâch bleich Wig 8969; scham treit ir den spiegel, dâ von kiusche sî mit ganzer / tugende minnet KLD:BvH 5: 3,5; wizz, daz reht käusch sich gar hôch swinget über leipleich nâtûr BdN 363,4; sprichtt sannd Augustin: ‘wo wol leben ist, da ist seltten keusch’ SchlierbAT (LS) 1,197; waz rehtev chevsch si, da sprechent die hiligen vil vrag dar vber PrBerthKl 1,56; Konr 23,71; Erz III 36,370. – bildl./ personif.: der triuwen muome, der kiusche base / [...], die blunde Isôt HvFreibTr 6452; sô wol dir, hôchgeloptez adel [...], / mâz unde kiusche sint dîn ingesinde KLD:Kzl 16: 1,14; si hæte kiusche an sich gedruht / mit herzeclichem flîze KvWKlage 11,7; Frl 5:102,3; PrWack 31,59. – im Vergleich: an tat ein lewe, an kuͤsche ein meit TürlArabel *R 22,24; hie wellnt ein ander vâren / die mit kiusche lember wâren / und lewen an der vrecheit Parz 737,20    2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’    2.1 allg.: div driv: kvsche, armvot, gehorsaim, die sint in allen orden, vnd die foderet got an dem ivnxsten geriht vor allen dingen von geislichen lvten SpitEich 2,10. 2,9; si was schamender kiusche bar, / si nam sich solhes lebenes an, / daz si lie deheinen man, / si gæb im ir minne solt, / was si sînem lîbe holt RvEBarl 10332; Spec 98,1; PrBerthKl 4,19    2.2 ‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen): so zucket er Dinam unde fuͤret si sinen weck. unde besclâfet si und nimet ier. ier kuͥschi uͥber ier willen PrSchw 2,61; si behuotent ir chiuske unde ir magetuom, des habent si ewichlichen ruom AvaA 5,4; so vienc si dar zo, / daz si di kusche verkof / vnde kint ir magetvm verlos / mit bosen knechten Glaub 2269; Mai 236,26; HvNstAp 243. 15805. – von Maria: frouw aller fröude, ich lobe an dir daz dû den got gebære, / des tohter und des muoter dû bî ganzer kiusche wære KvWLd 32,47. 1,182; daz was die wandels vrie, / die iuncvrowe Marie, / die im zu mutere wart erkorn, / von der kusche er wart geborn / uns zu grozer selikeit Pass III 79,26; der prunn bedäutt unser frawen, diu ain prunn ist der käusch und aller rainikait BdN 484,5. 460,2; SM:EvS 1: 13,8; im Vergleich: Maria ein elefant was / an irre kusche als ich las Brun 4124    3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’ er [Trevrizent] hete gar versprochen / môraz, wîn, und ouch dez prôt. / sîn kiusche im dennoch mêr gebôt, / der spîse het er keinen muot, / vische noch fleisch, swaz trüege bluot Parz 452,20; er az vnt tranc genote, / der gar verlorne tote: / wie moͤcht in gefristen daz? / gefrumt het im chivsche baz Warnung 644

MWB 3,1 290,60; Bearbeiter: Hansen

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KIUSCHEadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +12 Parallelbelege

    KIUSCHE ( ahd. chûsci Graff 4,527 ) adj. vernünftiger überlegung, nicht blindem triebe folgend; in der ältern sprache be…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kiusche

18 Bildungen · 12 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

kiusche‑ als Erstglied (12 von 12)

kiuscheclich

Lexer

kiuschec·lich

kiuschec-lich adj. ib. keusch, rein, züchtig, sittsam Parz. Warn. Troj. 21831. Hpt. 9, 34. md. kûscheclich Elis. 8362 u. o. kiuschlich;

kiuscheclīche

KöblerMhd

kiuscheclīche , Adv. Vw.: s. kiuschiclīche

kiuschede

MWB

kiuschede stF. ‘Sittsamkeit, Tugend’ (vgl. kiusche stF.): mit kiuschede gurten sie sich wol, / ir liehtvaz wâren oleis vol, / hei, wie klâr …

kiuschegen

MWB

kiusch·egen

kiuschegen swV. ‘sexuell enthaltsam leben’ etlich sint chüsche di sich selber gechestigt habent oder chüschigent dvrch daz riche der himel […

kiuscheheit

Lexer

kiusche·heit

kiusche-heit stf. ib. s. v. a. kiuschecheit. der reinen megde kiuscheheit Freid. 2 7,16. magetuom und kiuscheheit, witwenkeuschheit ib. 75,2…

kiuschekeit

Lexer

kiusche·keit

kiuschec-heit , kiuschekeit stf. BMZ s. v. a. kiusche keuschheit, reinheit Gotfr. lied. Bph. 1276. 1416. 36. 73. 9816. W. v. Rh. 29, 21. 33,…

kiuscheloht

MWB

kiuscheloht Adj. ‘sittsam, tugendhaft’ (hier subst.): ach ymmer! was sol ich / tuͦn, du kuͤschelohter zart? / [...] / schol ich lenger din e…

kiusche als Zweitglied (4 von 4)

unkiusche

Lexer

un-kiusche adj. BMZ unenthaltsam, blinder leidenschaft folgend, unbescheiden, frech Parz. Barl. Otte. unkiuscheʒ herze Msf. 12,11. he was ei…

urkiusche

Lexer

ur-kiusche stf. BMZ dû urkiusche der vâlande Mai 172,16. die hss. haben urchousche, in der anm. wird urkust ( vgl. unkust) vermutet.

wunderkiusche

KöblerMhd

wunder·kiusche

wunderkiusche , Adj. nhd. „wunderkeusch“, sehr keusch Q.: WernhMl (vor 1382) (FB wunderkiusche) E.: s. wunder, kiusche (1) W.: nhd. DW- L.: …

Ableitungen von kiusche (2 von 2)

unkiusche

Lexer

un-kiusche adj. BMZ unenthaltsam, blinder leidenschaft folgend, unbescheiden, frech Parz. Barl. Otte. unkiuscheʒ herze Msf. 12,11. he was ei…

urkiusche

Lexer

ur-kiusche stf. BMZ dû urkiusche der vâlande Mai 172,16. die hss. haben urchousche, in der anm. wird urkust ( vgl. unkust) vermutet.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „kiusche". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kiusche/mwb?formid=90432000
MLA
Cotta, Marcel. „kiusche". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kiusche/mwb?formid=90432000. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kiusche". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kiusche/mwb?formid=90432000.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
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  year         = {2026},
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  urldate      = {2026-05-10},
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