Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
KIUSCHE adj.
a. enthaltsam. der nicht heiratet ist kiusche Mar. 72. der kiusche der ascete Parz. 459,22. sîn kiuscher wirt das. 472,12. dâ het der kiusche und der vrâʒ alle gelîche genuoc das. 238,28. daʒ wir alle ein kiusche leben vil gerne sulen vüeren und uns niht lâʒen rüeren die gar vertânen vrâʒheit Silv. 3894.
b. ruhig, sanftmütig. sagt mir mit kiuschen witzen mit ruhiger kaltblütiger besinnung Parz. 462,4. der kiusche und der vreche Gahmuret der wîgant das. 5,22. ein wolf mit alsô kiuschen sanftmütigen siten in die schâfes stîge siht als dô der marcrâve sæhe (er ist höchst ergrimmt) W. Wh. 129,14. daʒ vertruog er als ein kiuschiu maget und wart von im ouch niht geklaget das. 190,1. du solt kiuscher worte sîn unt stætes muotes (nicht heftig, jähzornig) unt stætes muotes MS. 2,254. a.
c. an vielen stellen, in denen eine frau oder ein mädchen gelobt wird, und zwar ins gesicht gelobt wird, daß sie kiusche sei, bezieht sich das lob gewis darauf, daß sie überhaupt sittsam, von geregeltem betragen sei. diu kiusche tugent hât sittsam ist Iw. 237.
d. doch soll nicht behauptet werden, daß es sich niemals ausschließlich auf den geschlechtstrieb beziehe. er was noch kiuscher denne ein wîp Parz. 26,15. sist kiuscher danne ein kint von siben jâren MS. 2,53. a.