Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kiusche stF.
2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’
2.1 allg.
2.2 ‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen)
3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’
1 allg.: ia waren di herren edele / in cristenlichem lebene. / [...] si heten zucht unt scam, / chuske unt gehorsam, / gedult unt minne Rol 3422. 9061; ir magetlîcher kiusche scham / grôz weinens klage in benam, / daz si hæten getân / ob siez durh zuht niht hæten lân LvRegFr 4384; [Parzival] riet sîn manlîchiu zuht / kiusch unt erbarmunge Parz 451,5; si kom dicke ûz frouwenlîchen siten: / sus flaht ir kiusche sich in zorn ebd. 365,21. 472,16 u.ö.; ei Heimrîch von Narbôn, / waz was erblüet ûz dîner vruht / kiusche, milte, manheit, zuht! Wh 167,22. 190,11; ir wîplîch kiusche und ir scham / machte si rôt und dar nâch bleich Wig 8969; scham treit ir den spiegel, dâ von kiusche sî mit ganzer / tugende minnet KLD:BvH 5: 3,5; wizz, daz reht käusch sich gar hôch swinget über leipleich nâtûr BdN 363,4; sprichtt sannd Augustin: ‘wo wol leben ist, da ist seltten keusch’ SchlierbAT (LS) 1,197; waz rehtev chevsch si, da sprechent die hiligen vil vrag dar vber PrBerthKl 1,56; Konr 23,71; Erz III 36,370. – bildl./ personif.: der triuwen muome, der kiusche base / [...], die blunde Isôt HvFreibTr 6452; sô wol dir, hôchgeloptez adel [...], / mâz unde kiusche sint dîn ingesinde KLD:Kzl 16: 1,14; si hæte kiusche an sich gedruht / mit herzeclichem flîze KvWKlage 11,7; Frl 5:102,3; PrWack 31,59. – im Vergleich: an tat ein lewe, an kuͤsche ein meit TürlArabel *R 22,24; hie wellnt ein ander vâren / die mit kiusche lember wâren / und lewen an der vrecheit Parz 737,20 2 spez. bezogen auf Sexualität, ‘sexuelle Enthaltsamkeit, Keuschheit’ 2.1 allg.: div driv: kvsche, armvot, gehorsaim, die sint in allen orden, vnd die foderet got an dem ivnxsten geriht vor allen dingen von geislichen lvten SpitEich 2,10. 2,9; si was schamender kiusche bar, / si nam sich solhes lebenes an, / daz si lie deheinen man, / si gæb im ir minne solt, / was si sînem lîbe holt RvEBarl 10332; Spec 98,1; PrBerthKl 4,19 2.2 ‘Unberührtheit, Jungfräulichkeit’ (von Frauen): so zucket er Dinam unde fuͤret si sinen weck. unde besclâfet si und nimet ier. ier kuͥschi uͥber ier willen PrSchw 2,61; si behuotent ir chiuske unde ir magetuom, des habent si ewichlichen ruom AvaA 5,4; so vienc si dar zo, / daz si di kusche verkof / vnde kint ir magetvm verlos / mit bosen knechten Glaub 2269; Mai 236,26; HvNstAp 243. 15805. – von Maria: frouw aller fröude, ich lobe an dir daz dû den got gebære, / des tohter und des muoter dû bî ganzer kiusche wære KvWLd 32,47. 1,182; daz was die wandels vrie, / die iuncvrowe Marie, / die im zu mutere wart erkorn, / von der kusche er wart geborn / uns zu grozer selikeit Pass III 79,26; der prunn bedäutt unser frawen, diu ain prunn ist der käusch und aller rainikait BdN 484,5. 460,2; SM:EvS 1: 13,8; im Vergleich: Maria ein elefant was / an irre kusche als ich las Brun 4124 3 spez. bezogen auf Nahrungsaufnahme, ‘Maßhalten, Askese’ er [Trevrizent] hete gar versprochen / môraz, wîn, und ouch dez prôt. / sîn kiusche im dennoch mêr gebôt, / der spîse het er keinen muot, / vische noch fleisch, swaz trüege bluot Parz 452,20; er az vnt tranc genote, / der gar verlorne tote: / wie moͤcht in gefristen daz? / gefrumt het im chivsche baz Warnung 644
MWB 3,1 290,60; Bearbeiter: Hansen