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kemenate

mhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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11 in 11 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kemenate f.

Bd. 11, Sp. 527
kemenate, f. ein mhd. wort, das die dichter in neuerer zeit alterthümelnd wieder aufgenommen haben, wie es die übersetzer aus dem mhd. beibehalten: kommt hervor aus euren kemenaten, brüder, rathet mir, ich möchte gerne frein. Göthe 13, 237, im maskenzug russischer nationen aus d. j. 1810, er hatte in den jahren vorher die Nibelungen genauer kennen gelernt (vgl. 32, 45. 29. 13, 229); mit binsen ist die diele schon bestreut und eingerichtet sind die kemenaten. Lenau dicht. nachlasz s. 107 (Helena); und als das morgengrau in die kemnate sich stahl. Annette v. Droste ged. 267, in einer ballade. Es ist aber auch auf lebendigem wege in die nhd. zeit gekommen, einzeln selbst bis in die gegenwart. 11) mhd. kemenâte, mnd. kemenâde, ahd. cheminâta, aus mlat. caminata (scil. camera), eig. zimmer mit einem caminus, daher auch it. caminata saal, frz. aber cheminée rauchfang (engl. chimney). vorrichtungen zur zimmerheizung hatten freilich unsre vorfahren schon lange (vgl. kieke, stube, durnitz, pfiesel, ofen), daher musz die roman. caminata sich durch eine anziehende verbesserung empfohlen haben, und das war gewiss die vorrichtung des caminus, der sich ja auch früh bei uns festsetzte, offene feuerstätte mit gutem rauchfang (doch vgl. schlot). Die kemenâte, wol von höfen, burgen, klöstern ausgegangen (vgl. Ducange), ist in der mhd. zeit bereits völlig heimisch, wie es scheint auch im bürgerlichen leben, und ist auch zu den slavischen nachbarn gekommen (s. 2, d), scheint aber dem scand. norden fremd geblieben. Es ist das heizbare wohnzimmer auf burgen, dann auch das gewöhnliche wohnhaus gegenüber dem alten haupttheil der burg, dem (meist wol unheizbaren) sal, palas, endlich auch gröszeren burgen gegenüber ein kleinerer burgstall, befestigtes haus. der begriff wohnzimmer galt im besondern vom frauengemach, auch vom schlafzimmer, krankenzimmer, es fällt aber auch mit kamer zusammen, als wohn- und geschäftszimmer des fürsten, herrn, selbst als schatzkammer, kleider- und waffenkammer u. a.; vgl. mhd. wb. 1, 795b, Schmeller 2, 295. Hier nur einige nähere nachweise: so daʒ wîp des kindes (d. h. zur niederkunft) z kemenâten sal gê, sô sal man disen brief (einen zauberspruch) schrîben und sal ir den lege uffe den lîp. zeitschr. für myth. 2, 77, hessisch aus d. 14. jh., wie schon in der genesis (fundgr. 2,) 51, 28 dô si sîn (des kindes) ze chemenâten gie, als verhüllender ausdruck wie unser 'niederkommen' (d. h. in die kammer gehen und sich legen müssen, vgl. sp. 110 unten). als gerichtszimmer, wie kammer sp. 113, weisth. 1, 312. 4, 487. Schilter 508b: an der kemenaten, genant camergericht, in dem gotzhus zu Sant Blasien. Mones zeitschr. 7, 109. 108. 22) seit der übergangszeit erfährt die fremde form allerlei schicksale, obwol auch die volle form sich noch lange findet: si (die liebenden) giengen da gedrat (schnell) hinein .. in ain kemenaten vein. Hätzl. 11b; ich gieng ains nachts von huse spat und kam für liebes (liebchens) kemenat. 305b. im 16. jh. auch kemmenate, z. b. bei H. Sachs. 2@aa) natürlich ist das schwinden des mittlern e: (man) schosz (bei der belagerung einer burg) 2 türn am zwinger ab und ein loch in die groszen kemnaten. Nürnb. chron. 2, 66 v. j. 1444, also die grosze neben anderen; kemnaten, caminata, cominata (vgl. d), et dicitur locus melior munitiorque in castro toto. voc. inc. teut., beide stellen meinen wol das hauptwohngebäude, zugleich vorzugsweise fest gegen belagerung (oder ganz gleich mhd. palas, sal?); kemnate, kempnat, conclave, caminata, kamer. voc. 1482 q 3a. diesz kempnat schon im anf. des 15. jh. (Schm. 2, 295). kemnat conclavum Diefenbachs wb. v. 1470 57. 72. 2@bb) das â ward auch zu ô (vgl. sp. 409): kemenote Dief. 93a, kemnot, kempnot Scherz 773, kemnotte camera Stieler 911; sie volgten ir und giengen trodt (mhd. drâte, rasch) hin in irs vatters kemminodt. Wickram Albrechts metamorph. (1545) 73c. 2@cc) das mn störte die aussprache. man entfernte es durch angleichung: kemmate Frisch 1, 509b, anderseits kennode (md.) testudo Dief. 581c (vgl. nennen). aber auch ml ward aus dem mn, die verschmelzung zu verhüten: kemlate bei Stieler 911 als alte form, kemlat Schilter 508b; a. 1472 den 19. jun. ist ein feuer .. aufgangen .. in der pergamentergasse hinter der kemmelatte (in Erfurt). J. Chr. Olearius rer. thur. synt. (1707) 2, 52. noch in Pommern kemlade Dähnert 224a (s. 3, c a. e.). 2@dd) merkwürdig ward auch das erste, kurze a zu o, z. b. chomenâte Schilter 508b, chomnat in einer hs. des 14. jh. von Wolframs Wh. 147, 28, auch im lat. des 15. jh. comineta, cominota Dief. 93a, 'testudo kommet' 581c. so bei den Slaven: altböhm. komnyeta Diefenb. wb. v. 1470 sp. 57, jetzt böhm. poln. russ. komnata kammer, zimmer, sloven. čumnata. 2@ee) man verlegte den ton nach deutscher weise, was an der kürzung des â sich verrät: mit sambt der kempnetten. Schm. 2, 295, 15. jh.; kemnete, kempnet Frisch 1, 509b, kemmet, kemit caminata Dief. 93a. wahrscheinlich gilt derselbe ton in dem oberd. gewöhnlichen kemat, auch kämmat (Frisch), kemmat, s. u. 3, a. vgl. kámmet, kámmete sp. 132, und kamerte sp. 98. 2@ff) man brauchte es auch als n.: N. bricht das eine kemmat zu Scherneck bis auf die gewelb ab und bauets wider auf. Hund bair. stammenbuch 2, 309 (Schm.), wol nach haus. vgl. 3, e. 33) Der nhd. gebrauch zeigt auch die bedeutung weitergebildet. 3@aa) kammer, zimmer, im voc. 1482 conclave (s. 2, a). schlafkammer, s. aus der Hätzl. unter 2. 'armarium ein kemnoten' Trochus (Lpz. 1517) O 5a unter andern kammern. so bei Luther kemnote, kemnot, verschlossenes gemach: so komen die poltergeister teglich in verschlossene kamer und kemnoten. 3, 459b, trotz der verschlossenen thüre; die sprachen sind die scheiden, darinne dis messer des geists steckt, sie sind das gefesz darinnen man diesen trank fasset, sie sind die kemnot darinnen diese speise ligt. 2, 474b in dem sendschr. an die rathherrn u. s. w.; die feldmaus zog mit ihr hin in ein herrlich schön haus, darin die stadmaus wonet, und giengen in die kemnoten (sing.), da war vol auf. 5, 272b, also speisekammer, als nachklang der mhd. bed. schatz- oder vorratskammer. Es lebt noch im süden, niederöstr. kémad kammer, wohn- und schlafgemach Castelli 182, in Kärnten kématn, kemmetn, auch speisekammer Lexer 157 (das. aus einem kärnt. voc. d. 15. jh. kemmat). schweiz. kämmete und kammete, kleines nebengemach, und wieder auch speisegewölbe (Stalder); vgl. bair. kammet sp. 109 unten. in Lüneburg dagegen heiszt noch jetzt kemnat ein groszes gesellschaftszimmer in alten kaufmannshäusern, salon. 3@bb) der übergang in kammer u. a. zeigt sich auch in der bed. 'conclave arcuatum' Stieler 911, gewölbtes zimmer; schon im 15. jh. wird testudo erklärt kemnat, kommet, kennode Dief. 581c, vgl. 'gewölbe' für gewölbter raum, z. b. speisegewölbe. 3@cc) als haus, s. Schmellers beispiele aus d. 14. 15. jh., hier unter 2, c und f: (das angezündete pulver) hat die kematen im kastenhof zurissen. Wilw. v. Schaumburg 71 (kastenhof zugleich als bestätigender beleg zu sp. 270); zu Aurolzmünster hat es im schlosz ein sonderen stock oder kemnat, heiszt man 'auf dem wasen'; Sulzenmosz (das schlosz) hab ich .. alles von grund auferbauen, an dem rechten stock oder khemat mehr nit als die 4 haupt- und innen die zwo schidmauer bevor gehabt (beibehalten können). Wig. v. Hund bei Schmeller. daher bis in neuere zeit: 'kemmate, kemmete, name verschiedener einzelner steinerner häuser und höfe, oder örter wo dergleichen gestanden haben'. Reinwald 2, 68, ähnlich Adelung. in Pommern kemlade, kemnad, das angebäude am hause längs des hofes Dähnert 224a. 3@dd) als festes haus, kleinere burg (vgl. den voc. inc. teut. unter 2, a): ein kemnada oder thurmlein, so man Frankenaw genennet. Dilich chron. 2, 98, er behandelt es gelehrt mit lat. endung; du (gott) bist mein fels und stark kemmet. Melissus ps. M 3b, wie 'feste burg' bei Luther. Danach denn oder nach c als ortsname, z. b. stadt Kemnath in der Oberpfalz, Kemnaten bei München (seit 1665 Nymphenburg); häufig dörfer, bair. Kemenaten, schwäb. Kemnat, östr. tirol. Kematen, schweiz. Kempten (14. jh. Kemnâton im habsb. urbarb.), ein bauerhof bei Bremen Kemnade, meist auffallend wolerhalten. auch Kemenadenberg hess. 15. jh. (jetzt Camberg), Keminadanberg 11. jh. Förstemann ortsn. 118, auch Keminata u. ä. häufig ahd., schon im 9. jh., s. Förstemann namenbuch 2, 349. 3@ee) die bed. schrank deutet sich an in dem kammet sp. 109 unten (als m. wie schrank, vgl. 2, f); vgl. ostfries. kammnett schrank Stürenb. 101b, der es jedoch als 'cabinet' auslegt. 3@ff) endlich ahd. 'chemenati camino' Graff 4, 400. Schm. 2, 296 zeigt eine vermischung mit kamin, nach dem ja die kemenate benannt war, wie im 15. jh. 'conclave schornstein' Dief. 139a. daher kämet, kemmat kamin, s. sp. 99.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KEMENÂTEswf. stf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    KEMENÂTE swf. heizbares gemach. ahd. cheminâta Graff 4,400. mlat. caminata . stf. Parz. 642,8. Nib. 224,1. Flore 887. 10…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kemenateF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    kemenate , F. Vw.: s. kemenāde

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    kemenatef.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    kemenate , f. ein mhd. wort, das die dichter in neuerer zeit alterthümelnd wieder aufgenommen haben, wie es die übersetz…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kemenate

    Goethe-Wörterbuch

    Kemenate (heizbare) Stube, Kammer; wohl nach der Lektüre des Nibelungenliedes altertümelnd verwendet 1) [ Er: ] Kommt he…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kemenate

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kemenate , s. Kemnate .

  6. modern
    Dialekt
    Kemenatef.

    Pfälzisches Wb.

    Kemenate f. : 1. 'Kammer, in der Durcheinander herrscht', Kemenat (kęməˈnād) [ KU-Eschau KL-Siegb ]. Das es die reinscht…

  7. Spezial
    Kemenate

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ke|me|na|te f. (-,-n) ciaminada (-des) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kemenate

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Ableitung von kemenate

kemenaten + -e

kemenate leitet sich vom Lemma kemenaten ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von kemenate 2 Komponenten

kemen+ate

kemenate setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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APA
Cotta, M. (2026). „kemenate". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kemenate/dwb?formid=K03520
MLA
Cotta, Marcel. „kemenate". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kemenate/dwb?formid=K03520. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kemenate". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kemenate/dwb?formid=K03520.
BibTeX
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