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Kānon

ahd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
18 in 16 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Kānon

Bd. 10, Sp. 565
Kānon (griech.), im allgemeinen soviel wie Maßstab, Richtschnur; Regel, Vorschrift; bedeutet in der Musik die strengste Form der Nachahmung, bei der zwei oder mehr Stimmen dieselbe Melodie ausführen, aber nicht gleichzeitig, sondern in kurzen Abständen nacheinander, so daß ein mehrstimmiger Satz entsteht, der doch durch die Bewegung einer einzigen Stimme gegeben ist und durch eine einzige Notenreihe ausgedrückt werden kann mit Andeutung in der Notierung, bei welcher Note und in welchem Intervall eine neue Stimme einzusetzen hat, z. B. (Zarlino): Diese Vorschrift war es, die von den Kontrapunktisten des 16. Jahrh. K. (Richtschnur) genannt wurde; besonders beliebt waren damals rätselhafte Anweisungen für die Auflösung des Kanons (Rätselkanon). Allmählich ging dann der Name K. auf die Komposition selbst über, deren alter Name Fuga (s. Fuge) oder Conseguenza war. Je nach dem Intervall, in dem die zweite Stimme folgt, unterscheidet man den K. im Einklang (bei dem die Stimmen tatsächlich dieselben Töne vortragen) vom K. in der Oktave (bei dem die zweite Stimme die Melodie eine Oktave höher oder tiefer bringt), oder in der Unterquinte, Oberquinte, Quarte, Ober- und Untersekunde etc. Der drei- oder mehrstimmige K. verbindet in der Regel mehrere der genannten Arten. Weitere Arten des Kanons entstehen durch Verlängerung oder Verkürzung der Notenwerte in der nachahmenden Stimme (Canon per augmentationem oder per diminutionem) oder durch Umkehrung aller Intervalle (al inverso, per motum contrarium), so daß, was dort stieg, hier fällt, oder gar so, daß die zweite Stimme die Melodie von hinten anfängt (Canon cancricans, Krebskanon). Der K. läuft entweder in den Anfang zurück, in welchem Fall er oft in Kreisform notiert wird (Kreiskanon, Fuga circularis, Canon infinitus), oder er kann zwar repetiert werden, hat aber durch Fermaten angedeutete Schlußnoten oder einen angehängten freien Schluß (Coda). Der Doppelkanon ist die kontrapunktische Verbindung zweier Kanons. Seine höchste Blüte feierte der K. in den Meisterwerken der niederländischen Kontrapunktisten des 15. und 16. Jahrh.; doch hat er bis in die neueste Zeit hinein noch eingehende Pflege gefunden und wird neben der Fuge vor Abschluß der Kontrapunktstudien von der Schule tunlichst berücksichtigt. Von Bach haben wir 9 Kanons in den »30 Variationen«, eine Reihe andrer in der »Kunst der Fuge«, von Mozart 23, von Weber 8 Kanons; außerdem seien genannt Klengels »48 Kanons und Fugen«, Kiels »15 Kanons im Kammerstil«, Weitzmanns »Musikalische Rätsel«, die Kanonsammlung in Spohrs Autobiographie und die kanonischen Kompositionen von Otto Grimm und S. Jadassohn. Die Lehre vom K. findet sich meist in denselben Büchern abgehandelt wie die des doppelten Kontrapunktes und der Fuge (s. d.). Vgl. Klauwell, Der K. in seiner geschichtlichen Entwickelung (Leipz. 1877). – Die Alten nannten das Monochord K., weil vermittelst desselben die mathematischen Intervallbestimmungen (Oktave = 1/2 der Saitenlänge etc.) bestimmt wurden; deshalb wurden auch die Pythagoreer, deren musikalische Theorie auf dem K. fußte, Kanoniker genannt, im Gegensatz zu den Harmonikern (Aristoxenos und seine Schule), die von der Mathematik in der Musik nicht viel hielten.
3241 Zeichen · 38 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    kanonst. m.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    kanon st. m. ; mnl. canon; ae. canon; aus lat. canon. canone: dat. sg. S 64,4 ( Priestereid, 9. oder 10. Jh. ). canones …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    kanonm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    kanon , m. eine schriftart, bei den buchdruckern; kanon teutsch, canonicus Germanicus, kanon canonicus major Stieler 345…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kanon

    Goethe-Wörterbuch

    Kanon überwiegend C- 1 Richtschnur, Maßstab a theol: exklusive Aufstellung der für den rechten Glauben bzw die kirchlich…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kanon

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Kanon , kanonisch etc., s. Canon , canonisch etc.

  5. modern
    Dialekt
    Kanonf.

    Lothringisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Kanon [khànón fast allg.; khànoun D. Si. ] f. Kanone. — Zss.

  6. Sprichwörter
    Kanon

    Wander (Sprichwörter)

    Kanon Vier Kanon sind allein in der Welt: Canon volo, Canon nolo, Canon jubeo, Canon oportet. Ich will, ich will nicht, …

  7. Spezial
    Kanonm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Kanon , m канон , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kanon

176 Bildungen · 174 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

kanon‑ als Erstglied (30 von 174)

Kanon(eⁿ)

Idiotikon

Kanon(eⁿ) Band 3, Spalte 309 Kanon(eⁿ) 3,309

Kanon(eⁿ)chänel

Idiotikon

Kanon(eⁿ)chänel Band 3, Spalte 311 Kanon(eⁿ)chänel 3,311

Kanon(eⁿ)wageⁿ

Idiotikon

Kanon(eⁿ)wageⁿ Band 15, Spalte 747 Kanon(eⁿ)wageⁿ 15,747

kanonade

DWB

kanon·ade

kanonade , f. franz. canonnade: eine batterie .. von welcher einundzwanzig geschütze die stadt vier stunden lang mit ununterbrochener kanona…

Kanonen

Campe

○ Х Kanonen , v. I) intrs . mit Kanonen schießen (canoniren ). Man kanonte von beiden Seiten mit vielem Nachdruck. II) trs . mit Kanonen bes…

Kanonenboot

SHW

Kanonen-boot Band 3, Spalte 1087-1088

Kanonenfett

SHW

Kanonen-fett Band 3, Spalte 1087-1088

Kanonenofen

SHW

Kanonen-ofen Band 3, Spalte 1087-1088

Kanonenrohr

SHW

Kanonen-rohr Band 3, Spalte 1087-1088

kanonenvoll

SHW

kanonen-voll Band 3, Spalte 1087-1088

kanon als Zweitglied (1 von 1)

Mühlkanon

DRW

Mühlkanon, m. Abgabe von Mühlen (I) vgl. Mühlenzins (I) [Übschr.:] anbefehlung besonderer fuͤrsorge fuͤr richtigen einzug des muͤhlcanons 16…

Ableitungen von kanon (1 von 1)

kanone

DWB

kanone , f. 1 1) geschütz mit längerem rohr, das gewöhnliche feldgeschütz, im gemeinen leben aber jetzt der gesamtname für die geschütze, wi…

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Cotta, M. (2026). „kanon". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kanon/meyers
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Cotta, Marcel. „kanon". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kanon/meyers. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „kanon". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kanon/meyers.
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