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Kaland

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MeckWB
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4 in 4 Wb.
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Kaland m.

Bd. 4, Sp. 42
Wossidia Kaland m. 1. ursprünglich eine religiöse Genossenschaft, die sich in den ersten Tagen des Monats, lat. calendae, versammelte und Geistliche und Laien zu ihren Mitgliedern zählte; aus fast allen Städten Mecklenburgs liegen urkundliche Belege für das Bestehen solcher Bruderschaften vor, sie sind erwähnt für HaHagenow@WittenburgWitt; Gü; GüGüstrow@BützowBütz; LuLudwigslust@GrabowGrab; Pa; PaParchim@PlauPlau; Ro; RoRostock@RibnitzRibn; Schö; Schw; Schw Gad; StaStargard@FriedlandFriedl; NBrand; WaWaren@PenzlinPenzl; Röb; Wi; WiWismar@NeubukowNBuk; Sternb; Warin; vgl. die Register zum UB.; D. Schröd. Erstl. 121 ff.; Jb. 36, 224 ff.; 44, 3 ff.; 59, 284; Beitr. Rost. 9, 33 ff.; Kühl 295; Masch Ratz. 23. In mehreren der genannten Städte bestanden verschiedene Kalande, so in Gü Jb. 44, 3 ff., in Ro und in Wi, wo mehrf. von den 'fratres calendarum minorum' die Rede ist UB. 21, 345; 22, 9; 'des groten, des minhren Calandes' (1543) D. Schröd. Erstl. 178; von dem Bürgermeister Johann Banzkow, der 1427 in Wi hingerichtet wurde, heißt es: 'he was in beiden kalanden' Jb. 55, 119. Über Zahl, Aufnahme und Qualifikation der Mitglieder erfahren wir: es durften nicht mehr als 30 Geistliche, 8 Laienbrüder und 12 bis 14 Witwen oder Jungfrauen, von denen die Jungfrauen in vollkommener Jungfernschaft und die Witwen in dauerndem Witwenstand verharren mußten, aufgenommen werden. Alle diese Personen mußten von ehrbarem Umgang ('bone conversacionis'), von tadellosem Lebenswandel ('laudabilis vite') und von unbescholtenem Ruf ('bone fame') sein, so daß von niemandem ein Vorwurf gegen sie erhoben werden konnte. Über die Aufnahme hatten die Priester zu entscheiden. Das Eintrittsgeld mußte binnen 14 Tagen nach der Zulassung entrichtet werden (Wi 1356) UB. 14, 49. Zweck des Zusammenschlusses war die Förderung und Führung eines christlichen und kirchlichen Wandels, sie sollten die Kranken trösten und pflegen, arme Brüder unterstützen und für ein würdiges Leichenbegängnis verstorbener Mitglieder Sorge tragen: 'ok escheden sine vründe nene boldeke ut nenen kumpanien; he was in beiden kalanden ..., de do alle sik an en nicht en kerden mit boldeken unde mit lichten, so de wise was' (Wi 1427) Jb. 55, 119. Weiterhin waren sie verpflichtet, an ihren Altären in der Kirche oft und gemeinschaftlich Messen zu hören, für ihr Seelenheil und das ihrer Angehörigen zu beten und der Toten in Seelenmessen und Memorien zu gedenken. Die Gastmahle, zu denen sie sich zweimal im Jahr zusammenfanden ('bis in anno decenter et sollerter conveniunt'), sollten zur Pflege von Eintracht und Brüderlichkeit beitragen. Viele dieser Gesellschaften führten den Namen von Heiligen, so der Kaland 'sunte Marien Magdalenen' in GüGüstrow@BützowBütz UB. 23, 31; in Pa erhält die Brüderschaft zum Heiligen Gregor und zum Heiligen Augustin 1345 ihre Statuten 9, 634. In WiWismar@SternbergSternb wird 1399 ein Haus 'ad ... fraternitatem kalendarum, communiter kalendas Militum nuncupatam' übertragen 23, 597. In Ro genoß der große oder Herrenkaland das höchste Ansehen, zu ihm gehörten außer den Kirchherren des gesamten Archidiakonats Ro vielfach die Landesherren sowie Bürgermeister und Rat der Stadt. Sein Bestehen läßt sich bis zum Jahre 1279 zurückführen. Als Kalendentage waren hier der Sonntag Trinitatis und der Sonntag nach Dionysius (9. Oktober) festgesetzt, an welchen Tagen je zwei Brüder der Reihe nach eine Mahlzeit auf ihre Kosten herrichten mußten, doch sollte nicht mehr gereicht werden 'als 1. Hühnerfricassee, 2. ein gutes Fleischgericht, 3. gebratene Hühner, 4. schmackhaft zubereitetes Gemüse mit Weizenbrot, hefenloses Bier und Käse' Beitr. Rost. 9, 38. Bei diesen Schmäusen sollten weder Gäste geduldet noch Possenreißer oder Musikanten zugelassen werden. Am Vorabend versammelten sich die Brüder zur Vigilie, am Morgen zur Messe. Nach der Mahlzeit fand Rechnungsablage des Dechanten statt. Bei späterem Zusammenbleiben 'propter consolationem post mensam' sollte 'Nützliches und Ehrbares über die Brüder und der Kasse Bedürfnis verhandelt werden.' Kranken Brüdern, die der Versammlung fernbleiben mußten, wurde etwas an Speise und Bier zugeschickt ebda. Nach Einführung der Reformation wurden die Kalande, die zum Teil ihrem eigentlichen Zweck entfremdet und deren Zusammenkünfte häufig in üppige Gelage ausgeartet waren (s. kaländern), aufgelöst und ihr Vermögen der Kirche überwiesen. In Ro gaben die Kalande 1532 ihre Einwilligung, daß ihre Einkünfte hinfort zur Besoldung der Kirchen- und Schuldiener verwendet wurden. Ansprüche des Rats auf die Kalandgüter wurden abgewiesen: 'dieweil auch die Calandgüter in Rostock zu Unterhaltung der Prediger mit gehören, so will erwehnter Rath gedachte Calandgüter der Oeconomey daselbst allsofort vollenkomlich abtreten und in denen, der Oeconomey zu Verfang und Schaden, hinführo nichts anordnen noch beschaffen' (1573) Bär. Gr.-Ges. 1, 110. 2. das Haus, in dem die Zusammenkünfte stattfanden: 'Mester Hans sit baven an, Her Hans sit unden, Wen wi in unsen Kaland werden gefunden' Laur. Schg. 3, 470; de kakelbunten Gäwels von den einen groten Kaland in de Mœhlenstrat Bri. 3, 51; 56; s. kaländern. 3. mod. nur in der übertr. Bedeutung Lärm, lautes, ausgelassenes Treiben: maakt nich sonn' Kaland zu lärmenden Kindern RoRostock@DierhagenDierh; ähnl. Zitat s. bakern1 (Bd. 1, 587). 4. FN.: de Kaland, Kalanden; Kalandsbrauk, -kamp, -see, -wiesen. — Mnd. kalant m. — Br. Wb. 2, 720; Dä. 66a; Kü. 2, 69; Me. 3, 13.
5304 Zeichen · 90 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kāland

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Kāland , des -es, plur. die -e, ein im Hochdeutschen größten Theils veraltetes Wort, welches ehedem in folgenden Bed…

  2. modern
    Dialekt
    Kalandm.

    Mecklenburgisches Wb.

    Kaland m. 1. ursprünglich eine religiöse Genossenschaft, die sich in den ersten Tagen des Monats, lat. calendae, versamm…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kaland

15 Bildungen · 12 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von kaland 2 Komponenten

kal+and

kaland setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kaland‑ als Erstglied (12 von 12)

kalandbruder

DWB

kaland·bruder

kalandsbruder , kalandbruder , m. mitglied eines kaland, auch kalandsbuhle, nollbruder genannt. weitere zusammensetzungen kalandsfest, kalan…

kalander

DWB

kalan·der

kalander , m. kornwurm, besonders in der gerste, curculio granarius, auch galander, klander, glander; nl. kalander Kil., franz. calandre. au…

kalandern

DWB

kaland·ern

kalandern , zwischen zwei hölzernen walzen und einer metallenen pressen, glätten: soll ich von den drei ständen kalandert werden und mich gl…

kālandes°bôle

MNWB

kaland·es·bole

kālandes ° bôle , m. , Kalandsbruder, Mitglied der Kalandsbruderschaft (Riedel I 19, 30). —

Kalandīse

WWB

kalan·dise

Kalandīse f. [ Rek Enr Alt] 1.1. (Pl.) Gesindel. Ek well met dä Klandisen nix te daun hebben ( Enr Hd ). — 1.2. junge Burschen, die Unsinn t…

Kalandsbrauder

MeckWB

kaland·s·brauder

Kalandsbrauder m. Mitglied eines Kalands: 'die Vicarii und gemeinen Kalandesbrudere zu Zwerin' UB. 23, 135; dann Zechbruder: all de annern K…

Kalandsbruder

Campe

kaland·s·bruder

† Der Kalandsbruder , die Kalandsgesellschaft, das Kalandshaus, der Kalandsherr, der Kalandshof, s. Kaland .

Kalandsbrüder

Meyers

kaland·s·brueder

Kalandsbrüder ( Fratres calendarii , Kalande , auch Brüder von der Gesellschaft des Heiligen Geistes ), eine der sogen. religiösen Brudersch…

Kalandsvetter

MeckWB

kaland·s·vetter

Kalandsvetter m. wie das Vor. : dor müßten jo nu all de Kalandsvettern un Hoppenbräuders dutzwis' rümme sitten achter de eiken Dischen un ho…

kalandīe

KöblerMnd

kalandīe , F. Vw.: s. klannīe L.: MndHwb 2, 502 (kalandîe)

kaland als Zweitglied (2 von 2)

Priesterkaland

DRW

priester·kaland

Priesterkaland, m. Bez. einer Priesterbruderschaft; auch deren Zusammenkunft vgl. Kalandsbrüderschaft [Übschr.:] regele vnde zeede der tom K…

Sommerkaland

DRW

sommer·kaland

Sommerkaland, m. Versammlung einer Kalandsbrüderschaft zu einem Termin im Sommer (I) sint wy ... over en geworden, wanner wy unse kaland beg…

Ableitungen von kaland (1 von 1)

kalande

KöblerMhd

kalande , st. F., sw. F. Vw.: s. kalende