Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hulde stF.
1.1 in Ausdrücken, die den (drohenden) Verlust der Huld thematisieren (häufig mit ~ verliesen/ verwürken )
1.2 in Ausdrücken, die das (Wieder-)Erlangen der Huld thematisieren (häufig mit ~ gewinnen/ verdienen )
1.3 in Ausdrücken, die Einverständnis/ Billigung thematisieren
1.4 in Ausdrücken der Emphase
1.5 wider jmds. (tuon) (hierher oder zu 2 ?)
2 ‘Treue(-pflicht)’
1 ‘Huld, Wohlwollen, Gunst’ lânt hie genâde vinden mich / und iuwer stæte hulde KvWHvK 205; ich warne uch da bi: / also liep u mine hulde si, / so ne sumet uns nicht mere / unde ne irret des richis ere Rol 1493; KLD:GvN 21: 3,9; Ägidius 1257; MF:Reinm 20: 3,5; vrouwe, lât mich haben / iuwer hulde und iuwern segen Wig 1291; ReinFu K,1728; got helfe mir, deich mich bewar, / daz ich ûz ir hulden kome niemer mê MF: Reinm 6a: 4,11; ob er in gotz zorne si oder in sinen hulden Tauler 235,26; PrOberalt 138,13; SM:Ro 5: 1,2; Mechth 7: 23,6. – ohne erkennbar hierarchische Komponente: swer denne den dîamant / treit an sîner linken hant, / der hât der liute holde Volmar 321. – personif.: so stige [erhebe sich der Minnende] unz im so wol geschehe, / daz er sich ir genahe / und diu Hulde von im enpfahe / den spiegel siner werdikeit StrFra 278. 285 1.1 in Ausdrücken, die den (drohenden) Verlust der Huld thematisieren (häufig mit ~ verliesen/ verwürken): si habent irwecchet minen zorn / mine hulde hant si uirlorn VMos 65,14; ir ist ûf mich vaste zorn, / ich hân ir hulde verlorn Iw 2226; Wh 204,25; Mechth 6: 37,55; Herb 8326; daz sint die mænige svnde, mit den wir vil dicke verworht haben die hvlde vnsers herren des almæhtigen gotes Spec 18,27; SpdtL 92,3; verstossen [...] von siner [Gottes] gnad und siner huld KvHelmsd 1306. – ich mein dîn wunnebernden hulde, / die dû mir hâst muotwillend âne recht verseit SM: Te 3: 3,9. – bî (jmds.) hulde(n) bei drohendem Verlust der Huld: bî gotes hulden swuor er dô KvHeimUrst 547; di burgeri sal min mani [soll man ermahnen] bi dis richis huldin Mühlh 164,24. 164,16; er gepot pey seinen hulden, / ob wir leben wolden, / das niemand nach im sande HvNstAp 16293; bî sîner hulde KvWHvK 707; AHeinr 1506. – ane (jmds.) hulde: únsir herre do besloz / das paradis mit huͦte groz / dem menschin vor durh solhin zorn / da ez hate alse gar virkorn / sin gebot, das er gebot / an sine hulde und an den tot RvEWchr 374 1.2 in Ausdrücken, die das (Wieder-)Erlangen der Huld thematisieren (häufig mit ~ gewinnen/ verdienen): si heten im gerne gewnnen / des kaiseres hulde Rol 8759; PrOberalt 91,5; SM:Wi 7: 2,10; Macer 64,18; wie wir gotes hulde und diu ewigen genad verdinen schuͤlen PrOberalt 40,9; Spec 30,20. 83,12; KLD:UvL 49: 1,2; niene fuͤrchte dïr, vil liebiv Maria, ia hastu hulde vnd genade erworven vor dem almehtigen got Konr 8,14; Rol 8656; MF:Reinm 30: 2,5; ich wil werben iemer umb ir hulde SM: JvW 5: 2,1; Wh 92,9; Crist gab sini unschuldi vir unsir schuldi: / tiuri choufter unsich widir zi der huldi SuTheol 144; laz in ze dinin hulden chom / durh diner swester ere! Rol 8766; Mechth 6: 16,47; Spec 48,15; da mite erzeige wir, daz vns Ihesus ze hulden braht het sinem vater mit siner martel Lucid 102,12; Wh 86,23; VMos 4,13; PrOberalt 90,10 1.3 in Ausdrücken, die Einverständnis/ Billigung thematisieren: – mit/ âne ~ : Eraclî, lieber sun mîn, / möhtez mit dînen hulden sîn, / ich schüefe dir ein bezzer leben Eracl 686; vrowe, ich wil mit hulden / reden ein wênic wider dich MF: Mor 33a: 3,1; ob ichs mit hulde reden soll HvNstAp 13862; Tr 1460; Brun 151; daz si mîniu lant / iht rûmen âne hulde NibB 251,4. – bî ~ : ich wil es iehen / bi dinen hulden Herb 8673; daz sprech ich bi uwerin huldin Brun 7190. 6592; mir ist, bî iuwern hulden, / diu brœde vorhte gar benomen AHeinr 1138; WhvÖst 8991. – in ~ : herre, welt ir / in hulden ein botschaft hœren mir? EnikFb 2708; du sprachen di zwelf herren, / were iz in des kaiseres hulden, / des rates wolten si gerne uolgen Rol 1091; sol daz in iuwern hulden sîn / [...], / sô wil ich iu entsliezen / ein verholnez mære Wig 5653. 2490; EnikWchr 2018 1.4 in Ausdrücken der Emphase: semir dine hulde, sprach Walthere, / irne lebit nehainer mere / wan ich al aine Rol 6545; getar ich for dinin hulden, / so wil ich gerne geunsculdigen / Genelunen min ohaim ebd. 8789; owê, herr, und ist er daz [ ein rehter Ôsterman ] , / wie kan ich gesweren baz? / bî liep sô hulden, ez wær wol / wær ir daz lant allez vol, / der sit und der gebære Helbl 1,537; nain, herre, bi iuren hulden! WhvÖst 4840; bî gotes hulde EnikFb 479 1.5 wider jmds. ~ (tuon) (hierher oder zu 2?): lat ivch riwen, daz ir widir gotis huldin getan habt Spec 81,23; ichn hân wider iuwern [Kalogrenants] hulden / mit mînem wizzen niht getân Iw 726; alle dinc, / die wider godes hulden sint MarldA 153; TrSilv 261; Lanc 503,8; SpdtL 161,16 2 ‘Treue(-pflicht)’ daz wir si [die Bürger der Stadt] der hulde, satzung und anwisunge mit doͤrfern und mit geriht [...] ledig und loz sagen UrkMühlh 406 (a. 1332); die buͤrgere schuͤln der hulde ledyg sin UrkMeissen 1,304 (a. 1319); die hulde diu da vorgenant ist [Treueverpflichtung der Burgleute] sol weren [...] uber driu jar MGHConst 3:485,27 (a. 1294); UrkDuderstadt 53 (a. 1342). – ~ swern/ tuon ‘Treue schwören’ alse man den kivnig kvͥset, so sol er dem riche hulde sweren SchwSp 60b; RvZw 240,3; si empfiengen al besunder / ir lêhen, ir liut unde ir lant / von ir hêrren Tristandes hant: / si swuoren hulde und wurden man Tr 5287; dem helde an manheit unvirzagit / swͦren si hulde und sichirheit RvEWchr 19014; Parz 200,4; Wig 9552. 11162; Greg 575; vrîe liute und des rîches dienstman die mugen vor ieglîchem rihter wol geziuge sîn und urteile vinden, durch daz si dem rîche hulde tuon ieweder nâch sînem rehte SpdtL 220,7; der sol dem hof vnd dem vogt hvlde tvͦn UrkCorp (WMU) 383,45; Tr 12575; HagenChr (G) 1643. – hier im Dat.: nû habt ir mînen hulden / gesworen hiut und mînen rât Ottok 620. – Lit.: G. Althoff, Huld. Überlegungen zu einem Zentralbegriff der mittelalterlichen Herrschaftsordnung, in: Frühmittelalterliche Studien 25 (1991), S. 259-282.
MWB 2 1776,43; Bearbeiter: Richter