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gröblich

nhd. bis spez. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gröblich adv.

Bd. 9, Sp. 420
gröblich, adv. und adj.; ursprünglich reine adverbialbildung zu grob, doch nicht für alle bedeutungsrichtungen des adj. gleichmäszig entwickelt. 11) nur für die beiden am reichsten entfalteten gebrauchsweisen bleibt gröblich bis in die jüngste zeit in parallele zum grundwort. 1@aa) entsprechend grob B 2 a, b als quantitätsbegriff, aber gewöhnlich neben verben ungünstiger sinnesrichtung, 'stark, heftig, schwer': so macht sich die grundbedeutung 'rauh' (s.grob A) geltend: (das pferd) fiel also gröblich, dasz der hertzog darunter kam und beyde sturben buch d. liebe (1587) 338a; welche .. gröblich sich verwundet befunden Prätorius Blockesberges verricht. (1668) 429; gern von gewissen affecten: do erschrac vil grobeliche der gute man Pafuncius väterb. 5222 Reissenberger; alle die, die gröblich betrübet und geengstiget werden Agricola 750 sprichw. (1534) o 7b; warumb ich mich nicht unbillich gröblich erzürne Ayrer hist. processus juris (1600) 368; ihr solt euch alle gröblich schämen Reinicke fuchs (1650) 147; im älteren nhd. mit gröszter häufigkeit neben begriffen wie: sündigen sie gröblich gegen das ander gebot theatr. diabol. (1569) 138b; (personen) so gröblich unrecht hetten thon H. Sachs 1, 133 Keller; das ich well mit unrechte fidem katholicam gröblich perawben U. Füetrer Merlin str. 5; weil es den evangelischen gleichsamb mitten im schosse lag und dieselbe gröblich incommodirte Chemnitz schwed. krieg 2, 190; sehr gröblich hat dieser das kloster geschädigt G. Freytag 9, 63; stereotyp auch: ich will .. der .. groben welt yetzt verschonen, die gleichwol gröblich verfürt ist Nas antipap. eins u. hundert 2, vorr. 4a; der .. mann, der sich so gröblich von seinen leidenschaften verleiten läszt Gerstenberg recens. 90 lit. denkm.; ward mein weiberherz gröblich bestrickt von seinen honigworten Shakespeare 9, 140; jünger scheinen die heute vielgebrauchten wendungen: geseze und proceszform gröblich verlezen v. Haller restaur. d. staatswissensch. 2, 242; wollte ich nicht bei der ... nachbarschaft auf das gröblichste anstoszen Hauff 3, 267; die unhöflichen .. sitten mancher junger galane, die uns so gröblich zu beleidigen pflegen Gottsched vernünft. tadler. 1, 234; aus dem adverbialen gebrauch erwächst gelegentlich ein adjectivischer, der aber selten bleibt: gröbliche uberfahrung solcher zuchtigunge M. Beuther v. Carlstat praxis rer. crim. (1565) 252a; daran theten sie ihme gröbliche gewalt und unrecht Ayrer hist. proc. juris (1601) 526; das unglück eines jeden zu erleichtern, der es nicht durch sein gröbliches verschulden verdient hatte Heinse 3, 119 Schüddekopf; sehr viel beschränkter und wesentlich älterer sprache zugehörig ist der rein quantitative gebrauch, ohne den beisinn des schweren oder schlimmen; in mhd. zeit auf md. boden nicht selten 'in groszer menge': er gap sô grobelîche, daz die kargen des verdrôz Ebern. v. Erfurt 684, ähnlich 3519; in wuohs grobelîchen zuo livl. chron. 8382 Pf.; 'in hohem grade': (er) began sich grobelich do vreun pass. H. 87, 74; dy heren ertin en groblich font. rer. bohem. 3, 16; ähnlich bis ins nhd.: und schlafet denn der mensch vil dester tiefer und groblicher sermones Thauleri (1508) 205b; welch manszbild sie anblicken war, der het sie gröblich lieb und hold H. Sachs 2, 170 Keller; noch im heutigen schweiz. gröbelig vil geld Staub-Tobler 2, 690. 1@bb) nicht minder häufig im anschlusz an grob D 5 'handgreiflich, augenfällig, deutlich': aber weil sie noch nit witzig sein worden, musz ich mit groben kopfen groblich reden Luther 6, 302 W.; fur er omnes mus mans (das gesetz) .. leyblich und gröblich treyben 18, 66; wir nemen (leyder) gröblich war des krysten glouben not Brant narrensch. 94, 10 Z.; dann er sie gröblich erdappet mit merern männern, die ehe gebrochen Nas antipap. eins u. hundert 2, g 4a; welches .. möchte die schand der heyligen römischen kirchen gröblich entdecken Fischart bienenk. (1588) 179a; so, als 'greifbar, plump', von haus aus auch in der überaus häufigen verwendung neben irren, lügen u. dgl.: wie gröblich sie sich auch irren Fischart 3, 73 Hauffen; o ir herrn und fürsten, das ir euch so gröblich lasset .. betriegen reform. flugschr. 2, 100 Clemen; (was mag gott meinen) das er den schwarmgeist so gröblich lest narren yn der schrift Luther 26, 427 Weim.; und noch in neuerer zeit: es ist nicht erlaubt, .. eine so neue geschichte so gröblich zu verfälschen Lessing 9, 279 M.; allein wie gröblich die ganze urkunde erdichtet ist Savigny gesch. d.m. rechts 1, 407; aber schon frühzeitig ins quantitative übergehend und mit a verrinnend: warumb leugstu so gröblich? Luther 18, 141 W.; wan weise leut narrn, so narrn sie gröblich Er. Alberus widder Jörg Witzeln (1539) l 1b; wo ich nicht gröblich irre, bin ich diese stunde so glückselig worden, dasz Bucholtz Herkuliskus (1665) 33; am gröblichsten aber würde sich derselbe (leser) irren, wenn Fichte 6, 44; im älteren nhd. sehr häufig gröblich fehlen, und zwar in allen verwendungsarten des verbums: Solon, in disem fehlst du gröblich H. Sachs 20, 239 Keller-Götze; sin anschlag doch so gröplich fält Brant narrensch. 15, 27 Z.; wie gröblich aber fehlte er wider seines reiches gemeinen nutzen? Harsdörfer teutscher secret. 1, 136; dasz er es mit unfleisz oder sonsten ausz büberey also gröblich versähe Kirchhof wendunm. 1, 158 lit. ver.; jung: kein vernünftiger mensch .. wird mich so gröblich unrichtig verstehn K. Fr. Cramer Neseggab 4, 584; aber sie (nordische wörter) .. werden zum theil gröblich miszverstanden Scherer kl. schr. 1, 719; die ansichten der geistig so hoch begabten, früher so gröblich unterschätzten Hottentotten Peschel völkerk. (1874) 270; als adject. recht selten: sehr gröbliche lügen er auf uns erticht Reinicke fuchs (1650) 371; verflucht die sinne, die so gröblichem betrug erliegen! H. v. Kleist 1, 307 E. Schmidt; zu glauben, solcherley gröbliche sophisterey werde nicht ... gleich beym ersten anblicke entdeckt Klopstock gelehrtenrep. 282; Heynatz antibarbar. 2, 77 polemisiert nicht ganz ohne grund gegen gröbliche irrthümer allg. dtsche bibl. 25, 2, 508. 22) in den anderen, selteneren gebrauchsweisen erscheint die bedeutung 'grob' mehr oder minder abgeschwächt zu 'nicht ganz grob, etwas grob'; freilich erst in jüngerer zeit; urspr. auch hier zunächst schlechthin adv. zu grob; vgl. inepte, imperite, inscite, incomposite .. barbare, rustice, rusticatim gröblich, wie ein ungeschickter, grober, ungelerter etc. Er. Alberus dict. (1540) 17b; noch bei Stieler: gröblich et gröbicht (wohl fehler statt gröblicht, doch s. o. gröbigkeit) id quod grob: asper, rudis, imperitus, incivilis, stammb. 706; aber schon bei Kramer: grossaretto, grossetto, grossettino, teutsch-ital. 1, 567b. 2@aa) am häufigsten noch im sinne von grob B 1 a: dise stuck soltu alle groblecht zerknitschen Ryff confectbuch (1548) 135b; gröblicht-zerstossenen pfeffer Hohberg georg. cur. (1682) 1, 214; gröblich zerkleinerte eichenrinde Muspratt chemie 3, 1197; etwas gröblich klein stoszen, stampfen; gröblich gemahlner kaffee 'ein wenig grob' Campe; entsprechend, aber sehr viel seltener, das adj.: sand ist ein klein zerschlagener ... stein, .. welcher kiesz .. geheissen wird, so er gröblich ist Comenius janua iv ling. (1644) 20; gröblichte kohlen Gruber math. friedens- u. kriegsschul (1697) 631; anders (vgl.grob D): darum musz man .. setzen, dasz die feuertheilgen in etwas gröblicht .. seien J. Chr. Sturm kurzer begriff d. physik (1713) 350. 2@bb) weiterhin, entsprechend grob C 2, mehr oder weniger entschieden als ausdruck schlechterer qualität: crasse compositum aliquid groblich, schlechtlich Frisius dict. (1556) 341a; gröbliches mehl, brot Campe; gröblich tuch, gröbliche leinwand panno grossaretto, tela grossetta Kramer teutsch-ital. 1, 567b; obgleich er in gröbliches tuch gekleidet war W. Alexis Shakespeare u. s. freunde 1, 19; entsprechend grob E: welche ... die wasser nit recht fleissig, sonder schlecht groblich ... distillieren H. J. Wecker von künstl. wassern (1571) a 2a; ebenso bei rein abstracter verwendung: von mangelnder feinheit, glätte, schärfe: etwas groblich und ungeschicktlich thun pingui Minerva aliquid facere Henisch 1747; verba duriter translata groblich, nit lieblich Frisius dict. (1556) 455a; impolite unseuberlich, unzierlich, groblich, rauchlich 660b; vgl.daneben mehrere gröbliche hexameter Scheffel 2, 213; was der trivial, gröblich, kritiklos nennt, nenn ich humoristisch Fontane familienbr. 1, 281; etwas abstehend: man beschimpft seinen feind nicht gröblich, sondern man verleumdet ihn mit kunst Lessing 4, 390 M. 2@cc) entsprechend grob F 5 von menschlicher gesittung; hier wird der intensitätsunterschied zwischen älterem 'grob' und jüngerem 'etwas grob' besonders fühlbar: rustice beuwrisch, groblich, ungeschicklich Frisius dict. (1556) 1171a; groblich baren und thun o. leben rudere Diefenbach 502c; so werft irs (das fischhaupt) gröblich undern disch Scheit Grob. v. 3542 ndr.; mit dem besonderen sinne von grob F 5 a: unanständige worte sind die niederträchtige, oft etwas gröbliches andeutende worte, die der pöbel braucht Leibniz dtsche schr. 1, 477; 'ungezogen': frech, voll gröblicher wort' und gedanken Bürger 1, 197a Bohtz; 'derb': 'der hat ja ein maul, wie eine laufende schuld!' sagte der kaplan, .. zu dem gröblichen volksausdrucke greifend G. Keller 3, 236; Graziano. was? sind wir hahnrey, eh wirs noch verdient? Porzia. sprecht nicht so gröblich Shakespeare 4, 147; er hat sich einmal darüber ziemlich gröblich ausgedrückt Ranke reform. gesch. 3, 212; ebenfalls schwächer als grob: weil sie im verkehre gröblicher waren als diese (die Franzosen) Laube 1, 3. 2@dd) nach grob F 6 'barsch, rauh, unfreundlich': aspere reuchlich, hertigklich, groblich Frisius dict. (1556) 125b; wie er ein mal viel anders hielt, das er jetzund so gröblich schilt Fischart nachtrab v. 1236 Kurz; namentlich im jüngeren nhd. recht häufig, immer in der farbe und meist auch in der stärke der bedeutung von grob unterschieden: (der tod) packt einen gar zu gröblich mit seinen eiskalten klauen an Bräker 2, 157; und recensenten fiengen an, mich gröblich anzutasten Miller ged. (1783) 69; sein werk verdient .. nicht, so gröblich behandelt zu werden Ayrenhoff 5, 176; milder: er wird mein gebet nicht gröblich abweisen Scheffel 1, 134; oft mit dem beisinn verletzter sitte, schicklichkeit: leute von rang können recht gröblich verfahren, wo sie nicht repräsentieren Iffland theatr. werke 5, 281; seit er so gröblich in die gruft des groszen Frankenkaisers eindrang Scherer lit. gesch. 59; ähnliche unterschiede auch beim adj.: ein lied des Nicl. Manuel, das überaus gröblich ausgefallen ist Ranke reform. gesch. 2, 199; milder: er hat mir neulich einen ganz gröblichen brief geschrieben Görres ges. br. 2, 248; noch deutlicher abgeschwächt: du gröbliches liebchen G. Keller 5, 354. —
10963 Zeichen · 204 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gröblich

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gröblich , adj. et adv. ein wenig grob, in der zweyten eigentlichen Bedeutung des Wortes grob. Etwas gröblich klein stoß…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gröblich

    Goethe-Wörterbuch

    gröblich 1 etwas grob Feinkörniger Granit .. [ anderer ] G-en Korns N13,277,1 An Freunde dGeognosie Plp 2 barsch, roh, v…

  3. modern
    Dialekt
    gröblichAdj.

    Pfälzisches Wb.

    groblich , gröblich Adj. : 1. 'leicht gefroren', growwlich (growliχ) [NW-Appth ( Bertram § 282)]. — 2. 'unfreundlich, em…

  4. Spezial
    gröblich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    gröb|lich adv. malamënter, da grou.

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Wortbildung

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Ableitung von groeblich

grob + -lich

groeblich leitet sich vom Lemma grob ab mit Suffix -lich, mit Umlaut-Wechsel.

groeblich‑ als Erstglied (1 von 1)

gröblichkeit

DWB

groeblich·keit

gröblichkeit , f. : grobelichkeit proceritas Diefenbach 461 b ; ' asperitas ': es ist auch keine gröbligkeit ( sc. im himmelreich ) Meyfart …

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APA
Cotta, M. (2026). „groeblich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/groeblich/dwb?formid=G28750
MLA
Cotta, Marcel. „groeblich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/groeblich/dwb?formid=G28750. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „groeblich". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/groeblich/dwb?formid=G28750.
BibTeX
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