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grinsen

mnd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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22 in 19 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grinsen vb.

Bd. 9, Sp. 379
grinsenvb. AA. form. das wort ist erst nhd. bezeugt und noch im 17. jh. ziemlich selten; erst ende des 18. jhs. in voller literarischer geltung; zu grunde liegt grinnen stv. (s. o.), von den mit hülfe der ableitungssilben -sen (aus -isôn) und -zen (aus -azzen, -ezen) zwei selbständige, ursprünglich wohl auch nach der bedeutung geschiedene verba grinsen und grinzen gebildet wurden; wenigstens bevorzugt die bedeutung 2 'weinen' bis in die neuere ma. die z-form. freilich greift schon im 17. jh. grinzen auf andere bedeutungen über (s. u. 1. 3), und dasz das nicht blosz orthographisch zu verstehen ist, beweist noch: wo die wüsten negerprinzen aus papiermanschetten grinzen L. Eichrodt lyr. kehraus (1869) 1, 16; noch zu anfang des 19. jhs. steht grinzen (für alle bedeutungen) hinter grinsen nicht weit zurück; erst in der 2. hälfte des jhs. schriftsprachlich erloschen; mundartlich noch heute: grinzen Frischbier 2, 526; krintsən neben grinsən Follmann lothr. 217a; krentsə stellenweise im elsäss. Martin-Lienhart 1, 278b. das wort scheint von haus aus md., den obd. maa. heute noch grösztentheils fremd, ebenso anscheinend den meisten nd.; auch literarisch erst seit dem späteren 18. jh. in Oberdeutschland sich ausbreitend. BB. bedeutung. das vb. hat seine grundbedeutung von grinnen, ist aber in seiner weiteren entwicklung sichtlich von dem vb. greinen beeinfluszt, in dem das vb. grinnen anscheinend untergegangen ist (s. o. grinnen). B@11) grundbedeutung ist 'knirschen': frendere grinsen Diefenbach 247a; seind voll heuchelei, verbeissen ihr murmeln, grintzen mit den zähnen wie die juden Abelin hist. antipodum (1631) 113; ballte die fäuste und grinste mit den zähnen Alexis Rol. v. Berlin (1840) 2, 164; sodann 'die zähne fletschen' und 'murren, knurren' u. ä. (wie bei greinen, s. sp. 58), ohne dasz sich diese beiden bedeutungen in jedem fall sondern lieszen; zunächst von thieren: schäumend grinzte sie (die hyäne) die zähne Pfeffel poet. versuche 5, 91; er ... rennt im grimme bäume über den grinsenden tieger maler Müller 1, 23; während dem essen ... grinsten sie (die hunde) wieder und liessen ein schwaches murren hören Stifter sämtl. werke 3, 329; de swine myt ereme grinsende unde pustende Schiller-Lübben 6, 144 aus Korner; seltener auf personen übertragen: doch, fordert sie ein kleid? so fängt er an zu grinsen, als wie ein junger wolf, der auf die lämmer laurt Neukirch ged. (1744) 202; wenn er dagegen nicht schimpfen mag, so grinst er dagegen Göthe 49, 264 Weim.; der verzweifelnde held .. mit dem tyrannischen fürsten rad an rad geflochten, grinsend, zähne fletschend Steffens was ich erlebte 4, 99; noch in moderner ma. knirschen, knurren, verdrieszlich sein Follmann lothr. 217a; gelegentlich bildlich: Antonios feder grinzte auf dem papier Aug. Lewald reisen 2, 280. B@22) 'das gesicht im schmerz verziehen' Weinhold schles. 30; daraus flieszt die bedeutung 'weinen', die (anders als bei greinen) nur im thür. sächs. voll entwickelt scheint: grinsen idem quod greinen, collachrymari, plorare Stieler 701; grinze sie, wie sie will; mein herz ist wie speck und nimmt keine weiberthränen an Chr. F. Weisze kom. op. (1778) 3, 25; vgl. 3, 36. 38; ich grinze auch nicht wie du und krieche nicht beständig hinter die liebe mutter Rabener sämtl. werke 6, 50; grinsen, grinzen weinen Bruns volkswörterb. d. prov. Sachsen 26b; grinsn Göpfert sächs. Erzgeb. 44; grinsen Hertel thür. 110; 'die grinst heiszt es allgemein auch in theilnehmendem sinne von einer weinenden' Müller-Fraureuth 1, 442; weinerlich reden, über kleinigkeiten wehklagen Albrecht leipz. 126a; auch im lothr. als 'weinen': er hat et krinzen un lachen in änem sack Follmann 217a. B@33) verbreiteter als ausdruck des entgegengesetzten affects: das gesicht zum lächeln verziehen; die grundbedeutung bleibt auch hier erkennbar, insofern grinsen vielfach ein bösartiges lächeln bezeichnet: heimtückisch lachen Heynatz antibarb. 2, 76; hämisch, unangenehm lächeln Brendicke Berliner wortsch. 130a; schadenfroh oder höhnisch lächeln Wöste 85a; ihr lächeln wie das grinzen eines schadenfrohen menschen Knigge roman m. leb. 3, 23; das hämische lachen (grinsen) ist feindselig Kant 10, 292; unabweisliche schmach, die uns ihr höhnisch lächelndes antlitz mit tückischem grinsen zukehrt Holtei erz. schr. 24, 227; überhaupt von unangenehmem lächeln: Alonso sah von seinem golde mit einem schielenden blick und einem grinsenden lächeln auf Tieck schr. 19, 480; sie (die helfershelfer) stehen in breiter schaar lächelnd oder grinsend beim usurpator Laube ges. schr. 4, 217; doch konnte diese specifische bedeutung verblassen zu 'thöricht lächeln': risu inepto res ineptior nulla est es ist nichts häszlichers, als wenn einer immer geht und grintzt Corvinus fons latin. (1646) 710; auch ihres tänzers schämte sie sich, der in einem fort grinste Ebner - Eschenbach 6, 22; sie grinsten verlegen und stieszen sich an Viebig schlaf. heer 100; schlieszlich auch, ohne scheltenden nebensinn, von einem breiten, das gesicht stark verziehenden lächeln: war aber einer unter den guoten schluckern, der het ein sonderliche arth, wann er grinsen, auf polnisch lachen wolt Lindener katzipori 141 lit. ver.; der immer vergnügt grinsende riese war ... ein anblick für götter v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens 452; der alte grinste über das ganze gesicht vor stolz und freude Polenz Grabenhäger 1, 70; wie lachen (s. th. 6, 24) auch mit dem acc. des inneren objects, doch mehr poetisch: es grinzte der tod ein scheuszliches lächeln Zachariä poet. schr. 6, 203; der magister grinzte ein triumphierendes lächeln C. F. Bahrdt pastor Rindvigius 1, 152; oder mit äuszerem object: wenn er beifall grinzte Voss nach Sanders; diese bedeutungsentwicklung läuft der gleichen bei dem nd. verbum grienen (s. greinen II) parallel und hat sich deutlich an ihr gestützt; dies grinsen bleibt deshalb auch dem obd. ziemlich fremd. B@44) der allgemeinste und entwickeltste gebrauch, auch obd. voll entfaltet, entfernt sich insofern am weitesten von der grundbedeutung, als das wort die function als ausdruck eines affects eingebüszt hat; das gewicht liegt nunmehr auf dem widrigen, erschreckenden, grausigen eindruck, den die verzerrung der gesichtszüge hervorruft: ich fühle mich aufgelegt, die ganze natur in ein grinsendes scheusaal zu zerkrazen Schiller 3, 151 G.; mich schreckten die grinsenden larven der ungeheuer E. Th. A. Hoffmann 1, 15 Grisebach; ähnlich in der oft gebrauchten wendung: aus seinem lachen wird ein grinsen Lavater physiognom. fragm. 1, 94; sehr häufig vom bilde des todes: ich nahm ihr den schleier, da grünzte, o weh! ein gräszlicher todtenkopf Kalchberg ged. (1793) 28; ab und zu mit object: schon steht ein macerirtes skelet und grinset hohläugig sein memento! Voss antisymb. 2, 296; hölle grinste sein angesicht da Sonnenberg nach Sanders; gerade diese bedeutung neigt sehr zu bildlichem gebrauch: man sah über keiner geheiligten thür das niederträchtige wort 'honoratiorenstube' grinsend dummheit ... bescheinigen Raabe leute a. d. walde 3, 191; gern neben reinen abstractis wie: dicht hinter ihm grinst noch die grause gefahr G. Schwab 362; hier grinste die wahrheit von den kahlen wänden Raabe Abu Telfan 2, 148; namentlich in verbindung mit gewissen adverbien: wohin ich sehe, grinzt mir die verzweiflung entgegen Kotzebue sämtl. dram. werke 3, 89; hinter den gebilden grinzte die verzweiflung hervor M. Hartmann wanderungen a. m. gefängnisse 74; weitergehendes nur in poetischer sprache: es grinzten auch zeiten, ha, wo die welt wär untergegangen, wenn helden nicht waren Sonnenberg Donatoa 1, 127; hervorzuheben ist ein besonderer gebrauch des part. praes.; zunächst 'widrig verzerrt' im eigentlichen sinne: sie kauerten nieder im grinsenden wahnwitz Droysen Alexander 474; aber vielfach unsinnlicher: mochte Marianel .. in fortwährender angst vor des barons angedrohten enthüllungen ... sich zur grinsendsten freundlichkeit für den hofmeister zwingen Holtei erz. schr. 14, 85; die büchlinge und grinzenden höflichkeitsbezeugungen der menschen Schopenhauer 2, 115 Grisebach; anders: denn obgleich die kinder der armen nicht schlimmer und etwa boshafter sind als die reichen .., so haben sie doch manchmal äuszerliche grinsende derbheiten in ihren gebärden G. Keller 1, 91; stereotyp sind auch verbindungen wie: den wiz zur grinsenden spottsucht erniedrigt Schubart leben u. gesinn. 2, 159; das von den jungen leuten allerdings mit grinsendem hohne behandelte ... examen Lagarde dtsch. schr. 273.
8596 Zeichen · 153 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    grinsensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    grinsen , sw. V. nhd. grunzen, grinsen, Mund verziehen Hw.: s. grensen (2) E.: s. grinnen W.: s. nhd. grinsen, sw. V., g…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grinsen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Grinsen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nur im Bergbaue üblich ist, wo man von dem Schwar…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    grinsen

    Goethe-Wörterbuch

    grinsen k- B3,46,10 , vereinzelt -z- 1) ; flekt öfter mit Synkope-Kennzeichnung -s’t(-); wiederholt subst 1 die Zähne se…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Grinsen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Grinsen , s. Lachen .

  5. modern
    Dialekt
    grinsen

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    grinse n [krentsə Co. ] grinsen, das Gesicht verzerren. Du meins t aü ch , wë nn m e r dich a n grinst, ze lacht m e r.

  6. Sprichwörter
    Grinsen

    Wander (Sprichwörter)

    Grinsen 1. Sieh nur, wie er grinst, sagte Gerrit, und klystirte seinen Affen. 2. Er grinst wie ein Hund, wenn er Têk (Te…

  7. Spezial
    grinsen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    grin|sen adj. (böse, höhnisch lächeln) grignoré (-rëia), se la rí coienan.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grinsen

4 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von grinsen 2 Komponenten

grin+sen

grinsen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grinsen‑ als Erstglied (2 von 2)

grinsenhaft

DWB

grinsen·haft

grinsenhaft , adj. u. adv. , von lächelnd verzerrtem gesicht: in dieser ... stellung lächelte sie mich zuerst grinzenhaft an Thümmel reise 9…

grinsenwinde

DWB

grinsen·winde

grinsenwinde , f. , lonicera xylosteum, heckenkirsche Pritzel - Jessen 220 ; Nemnich wb. d. naturgesch. 210 . grinser, m., quiritans Stieler…

Ableitungen von grinsen (2 von 2)

begrinsen

DWB

begrinsen , torvo vultu vituperare: die krone, der mein fürst mich würdig achtete, die meiner fürstin hand für mich gewunden, soll keiner mi…

vergrinsen

DWB

vergrinsen , verb. wie die schreibung grinzen neben grinsen, so auch vergrinzen, unter verziehen des gerichtes beseitigen, höhnisch ablehnen…