grasz,
adj. ,
ahd. grazzo,
adv., mhd. graz,
zur germ. wz. *grēt-, grat- '
spitzig, scharf sein' (
vgl. Falk-Torp 139),
welche ihrerseits eine dentalerweiterung von *grē-
zu idg. *gher- '
hervorstechen'
ist (Walde-Pokorny 1, 606; Pokorny 440).
ob ein ahd. subtiliter grazliihho (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 161, 14
St.-S. (
vgl. auch krazlihor
ebda 243, 32)
dazu berechtigt, der germ. wz. *grat-
auch eine bedeutung '
dünn, fein'
beizulegen, wie sie sonst nur noch in nasalerweiterungen derselben wz. angetroffen wird (
vgl. an. grannr,
norw. grand),
bleibt angesichts der ganzen glossenstelle: prahtit grazliihho (
für garrit subtiliter)
sehr fraglich. das wort grasz
ist nur im md. und westl. obd., mit ausnahme des schweizer., nachzuweisen. für das nd. vergleichen sich die faktitiven bildungen mnd. gretten, grotten,
swv. '
reizen' Schiller-Lübben 2, 145
a,
wozu mnd. grettich,
adj. '
wütend'
ebda 6, 144
a und mnd. gretter '
anreizer'
ebda 2, 145
b,
ferner nl. greten '
zum zorn reizen'
woordenb. 5, 680,
welchen bildungen nhd. 1gretzen (
vgl. t. 4, 1, 6,
sp. 204)
entspricht. mit grasz,
adj., verwandt sind ferner grasz,
n. (
s. d.)
und die zu diesem gehörigen bildungen. dagegen besteht zu gretig (
t. 4, 1, 6,
sp. 204),
2grätig (
s. d.)
wohl keine beziehung. länge des vokals ist für das adj. nicht belegt und auch für das mhd. stm. graz '
wut' (Lexer 1, 1075: graz, grâz)
nicht anzunehmen; die reimbelege (
bei Nikolaus v. Jeroschin 21 812
Strehlke, Hermann v. Damen 112, 34
Onnen [= MSH 3, 169
a])
beweisen nichts, da beide dichter zwischen a
und â
im reim nicht scheiden. dagegen ist für das vb. mhd. grâzen
die länge gesichert, doch ist fraglich, ob dieses nicht eher zu got. grētan
zu stellen sei, s. 1graszen. —
umlaut des vokals bleibt für grasz
literarisch vereinzelt (
vgl. Moscherosch
gesichte [1650] 1, 303),
ist mundartlich im westl. obd. jedoch häufiger anzutreffen. über das verhältnis zu gräszlich
s. dort. —
das wort ist in der älteren sprache nur vereinzelt, ahd. für Otfrid,
mhd. für Rudolf v. Ems (
alem.) und Johann v. Frankenstein (
schles.), im 15.
jh. ebenfalls alem. und schles. bezeugt. vom 16.
jh. ab erfährt es eine intensivere verbreitung. neben dem mit ihm volksetymologisch in zusammenhang gebrachten gräszlich
scheint grasz
sich im späten 18.
und frühen 19.
jh. gleichwertig zu behaupten; Schiller
und —
auch in seiner spätzeit — Göthe
gebrauchen grasz
unbedenklich, so dasz die von Adelung
vers. 2 (1775) 780
vorgenommene (
von Heynatz
antibarb. 2 [1796] 73,
nicht aber von Campe
aufgegriffene)
verweisung des wortes in '
niedere sprecharten'
nicht verallgemeinert werden darf. auch ein veralten des wortes glauben Heynatz
a. a. o. und Voigtel
dt. orthogr. gramm. wb. (1793) 126
a,
kaum mit recht, schon vor 1800
feststellen zu sollen. erst seit der mitte des 19.
jhs. wird grasz,
durch die konkurrenz von krasz (
s.krass u. unten 3)
ohnehin gefährdet, von gräszlich
mehr und mehr verdrängt. —
nach ausweis der maa.-wbb. ist das wort auf obd. boden dem schweizer. und bair.-österr. fremd: nur Hügel
Wien 70
a bucht ein (
hierher gehöriges?)
subst. grasz '
stolz, hochmut'.
unter den lebenden maa. kennen das wort grasz,
oft in ziemlich abweichenden sonderbedeutungen, die Nordharzer ma. (
vgl. Damköhler 64
a),
das thür. (
vgl. Hertel 109; Liesenberg 147),
das siebenbürg. (
vgl. Kramer
Bistritz 38),
das schwäb. (
vgl. Fischer 3, 800),
das elsäss. (
vgl. Martin-Lienhart 1, 281
b)
und lothr. (
vgl. Follmann 214
a).
für das hess. vgl. s. v. graszig.
bei rhein. grasz '
rauh, trocken im halse'
rhein. wb. 2, 1362
dürfte es sich kaum um unser wort handeln. 11)
der wurzelbedeutung '
scharf, spitz'
noch verhältnismäszig nahe. 1@aa)
zufrühest, aber nicht über das ahd. hinaus, als ein intensitätsbegriff im sinne von '
eifrig, ernstlich, nachdrücklich',
mit dem gradbegriff unter 3
in keinem zusammenhang: iuan fiant minnot, so gibiutit druhtin got; minnot io thie grazzo so wer soso iuih hazzo Otfrid II 19, 16
Erdm.-Schr.; ther wizod gibiutit grazzo, man sinan fiant hazzo, joh iagilicher manno sinan friunt minno
ebda 11. 1@bb) '
heftig, zornig, wütend, wild',
auf einen gemütszustand oder ein daraus entspringendes verhalten bezogen: Esau der wart vil graz. nu begunde grozen haz und umbrderlichin nit tragin von der selbin zit Esau dem bruodir sin Rudolf v. Ems
weltchron. 5896
Ehrismann; er schickte bei tausend rüstiger hofeleute uf dise wagen, darumb ein grasz schlahen war Eschenlohr
gesch. d. stadt Breslau 2, 188
J. G. Kunisch; ist aber die person zornig, als er sich dann zornig in der ersten red erzOegt, so solman die wort schneller, lüter vnd grasser lesen
Terenz deutsch (1499) 8
a.
auch auf eine andauernde feindliche gesinnung bezogen, soviel wie '
gram': das L hat flusz on vnderlasz das ist ein E im worden grasz Gengenbach 6
Goedeke; (
die tiere sind einander) gramm vnd grasz, neydig vnd häszig Paracelsus
op. (1616) 2, 326
Huser. jünger in spuren nachlebend: er (
Herakles) schlug den blaugeschuppten wächter, der grasz den baum (
der Hesperiden) umwand J. H. Voss
s. ged. (1802) 4, 194;
vgl. 2, 187; gräss '
wild, böse' Fischer
schwäb. 3, 800.
älter vereinzelt anders nuanciert: auidus grasz (15.
jh. obd.) Diefenbach
gl. 61
a. 1@cc)
viel häufiger, in einer speziellen anwendung von b,
aussehen, gesicht, gesichtsausdruck, blick, auch stimme eines lebewesens kennzeichnend, wobei zur bedeutung '
wütend, wild, drohend'
das für 2
charakteristische und von dort her wirkende moment '
schrecken erregend'
mehr oder minder hinzutritt; seit dem 16.
jh., deutlich noch bis ins 19.
jh. nachwirkend. in festen verbindungen und, besonders älter, neben synonymen begriffen wie zornig, grausam
u. ä. grasz sehen, ansehen, starren: leüt ..., die auch durch daz gesycht einen bezauberen, vnd ... zu letst tödten, in sonderheit wenn sye zornig oder grassz sehen (
iratis praecipue oculis) Eppendorf
Plinius (1543) 7, 6; wie er (
ein geist) aber letstlichen doch weichen muest, hat er den grafen grasz und scheuzlichen angesehen
Zimmer. chron. 24, 83
Barack; (
in der kampfpause) lehnete sich Anaxius auff seinen degen, vnd sahe die Zelmana (
eine Amazone, mit der er kämpft) gantz grasz vnd grausam an Opitz
Sidneys Arcadia (1638) 686; was starrst du (
ein gespenst) so grasz nach mir, dasz das herz im männerbusen sich mit bangem grausen wendet Grillparzer
s. w. 4, 24
Sauer; gras
gräszlich, entsetzlich. net sich esi (
so) gras Haltrich
siebenb.-sächs. volksspr. 30
b. grasz aussehen: vnd befande, dasz er sehr zornig vnnd grasz aussahe Bastel v.
d. Sohle
don Kichotte (1648) 172; und sein geberde verstellet sich, er sahe zornig vnd grasz ausz (
zu 1. Mos. 4, 5)
Nürnberger biblia (1662); es kann nicht anders seyn, du mordetest ihn mir; so sieht ein mörder aus; so grasz, so stier (
so should a murderer look, so dead, so grim)
Shakespeare (1797) 1, 231. grasses (an)gesicht: der Julius, der einher tritt im harnisch, nach der kriegsleut sitt, erschrecklich von har, und von bart, mit grassem gsicht, uff mördrisch art Zach. Müntzer
bepstl. gesch. (1566) 700; (
sie) sahe derwegen die Gynecia mit so grassem gesicht an, als ob sie sich sehr beleidigt befinde Opitz
Sidneys Arcadia (1638) 238;
vgl. 875.
jünger in freieren fügungen, aber auf gleicher linie: den Juden sieht der grasse teufel zun augen heraus, aber Stephani angesicht ist lustig und lieblich, wie eines engels angesicht Otho
evang. kranckentrost (1641) 1138; lichthehr erschien der reiter rechts mit mildem frühlingsangesicht; grasz, dunkelgelb der linke ritter schosz blitz vom aug', wie ungewitter (
der teufel) Bürger
s. w. 70
a Bohtz; und über ihrer blicke grassem feuer, dem rachendampf, der zähne weiszem zaum, fährst du, erhaben lächelnd, göttin Immermann
w. 13, 132
Hempel. vereinzelt: und (
satan) erhub in solcher wut, eifer, raserey und grimme, seine mehr als donnernde dumpflgt-brüllend grasse stimme Triller
poet. betr. (1750) 1, 639;
mundartlich leicht nuanciert: gräss
finster, schrecklich: e grässer blick; gräss lueje
n Martin-Lienhart
elsäss. 1, 281
b; Follmann
lothr. 214
a; gràs
düster, finster, vom blicke des menschen Kramer
Bistritzer dial. 38. 1@dd)
in den gleichen oder ähnlichen beziehungen wie unter c,
aber als '
wild, starr, stier, grell'
nicht den affekt des zorns, der wut, sondern andere affektbestimmte zustände, wie angst, verzweiflung, wahnsinn, voraussetzend. im ersten beleg freilich in der milderen, sonst kaum begegnenden bedeutung '
trotzig, selbstbewuszt': ein grassz vnnd etwas trutziges angesicht, und stelt sich etwas prAechtisch und stoltz, jedoch mit freündtlichem vnnd sänfftiglichem honlächlen (
von Mohammed) Höniger
sarracen. gesch. (1580) 7; mit graszem angesicht, verkehrten augen (
von einem, der rache nehmen will, aber sich ängstlich stellt, weil er ohne waffen ist)
buch d. liebe (1587) 187
c; sehen sie mit den augen stürmig vnd grass die leuth an ... ist ein zeichen der taubsucht Paracelsus
chir. (1618) 12.
so namentlich in der sprache des jungen Schiller
und von da her literarisch weiterwirkend, wobei freilich auch mit einwirkung von 2 b
und 3
zu rechnen ist, gelegentlich auch die vorstellung vom '
weiszen'
des auges (
s.e)
hineinzukreuzen scheint, so dasz der wortgebrauch hier etwas ausgesprochen komplexes bekommt: Franz ihm (
dem diener) grasz nachstierend (
szen. bemerkung; Franz vor dem selbstmord) Schiller 3, 189
G.; die augen grasz in einen winkel geworfen (
szen. bemerkung)
ders. 3, 455;
zitiert bei W. Raabe
s. w. I 5, 277
Klemm; bleifarb steht, verstört, die wimper grasz emporgeschlagen der bursche da; ... nur das ist klar, er starrt der welt vergessen in einen abgrund, den er zagt zu messen Geibel
ges. w. (1883) 2, 277; lacht grasz auf (
szen. bemerkung) Schiller 3, 34
G.; offensichtlich von 3 '
krasz'
her mitbestimmt: und die farbe seiner haut war von einer gelben mulattenschwärze, woraus das weisze eines schielenden auges bisz zum grassen hervortrat
ders., a. a. o. 4, 74;
hierher wohl auch: freylich ist auch das auge zu grasz. doch ist die gepackte stirne, der parallele rücken der nase ... ganz trefflich (
über einen kopf nach Raphael) Göthe I 37, 338
W. 1@ee)
nur älter vereinzelt auch in rein sachlicher bezeichnung sehr farbheller augen, wenn nicht auf das '
weisze'
des auges zielend (
vgl. dazu auch ob. d): etliche haben schwartze augen, die anderen braune. eins theyls rote. ettliche scharpfflyechte grasse augen, mit gryengelen rynglinen vmbgeben (
aliis nigri, aliis ravi, aliis glauci coloris orbibus circumdatis) Eppendorff
Plinius (1543) 11, 207;
vgl. dazu: scharpffe, gryengelbe, lyechtgrasze augen
ebda 206. 22)
unter einwirkung des auf grasz '
heftig, wütend'
bezogenen und zu gräszlich (
s. d.)
lautlich umgedeuteten mnd. greselik '
grauen erregend'
vollzieht sich auch für grasz
ein bedeutungswandel von '
wütend'
zu '
schrecken, grauen erregend'
bzw. '
schrecklich, furchtbar'. 2@aa) grasz
als das an einem gegenstand oder vorgang haftende merkmal des grauenvollen, gräszlichen, abscheulichen und zugleich, unter anderem aspekt, die im sinne von '
mit schrecken, mit abscheu erfüllend'
ausgelöste psychologische wirkung; seit dem 17.
jh. nachweisbar: wer bistu, grasses vngethm (
die personifizierte furcht) Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1568
a; so ward für dieszmal auch aus ihrer (
der sonne) purpur-röte, nachdem der tag verschwand, ein grasser blut-comete
poesie d. Nieders. (1721) 1, 47
Weichmann; welch grasses angstgetöhn benebelt mein gehör Drollinger
ged. (1743) 127; der kranke sasz noch ebenso im bette, wie ihn der doktor in der nacht gesehen; nur schienen beim tageslicht seine züge noch grasser, der ausdruck seiner augen, die schon zu erstarren anfingen, noch schauerlicher Hauff
s. w. (1890) 3, 2, 201; doch jeder preist des jünglings heldenmuth mit grassen flüchen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 215.
gelegentlich ist die grenze zu dem rein objektiven gebrauch b
schwer zu ziehen: von allen den thorheiten (
der mystik), durch welche, stufenweis', der in seinem irdischen wesen befangene mensch sich der gottheit unmittelbar anzunähern und sich zuletzt mit ihr zu vereinigen gedenkt; da denn doch zuletzt nur widernatürliche und widergeistige, grasse gestalten zum vorscheine kommen (1819) Göthe I 7, 66
W.; wer mir den rücken kehrt, gleich liegt ihm schlapp hals, kopf und schopf hinschlotternd grasz im nacken
ders., a. a. o. 15, 266; tief im busen eingetrieben, wo er (
ein dolch) grasz zusammenhielt den durchnäszten braunen mantel Grillparzer
s. w. 7, 165
Sauer;
vgl. 174;
substantiviert: in diesen letzten theilen des gedichtes geht die ganze behandlung aufs grasse und furchtbare aus bis ins ekle; sie will zerknirschen, buszfertig machen und zahm durch schrecknisz und drohung Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 128.
gemildert soviel wie '
unlust, widerwillen erregend': so kalt, so grasz liegt alles vor mir — als wär die welt nichts Göthe I 11, 184
W.; o, das (
leben ohne den geliebten) sieht mich grasz und elend an Immermann
w. 16, 416
Hempel. 2@bb)
als '
schrecklich, fürchterlich, entsetzlich'
objektiv und ohne das unter a
mitgegebene moment subjektiver wirkung. nur in jüngerem gebrauch und in schwer bestimmbarem grade wohl schon von 3 '
krasz'
her berührt: gott sandte seinen rohen kindern gesetz und ordnung, wissenschaft und kunst, begabte die mit aller himmelsgunst, der erde grasses los zu mindern (1816) Göthe I, 3, 172
W.; ihr habt gehandelt, wohl! das thor geht auf, und eine grasse zeit hält ihren einzug Grillparzer
s. w. 9, 74
Sauer; vor dem ihrigen (
d. i. vor ihrem patriotismus) graut mir, weil es die noch edle, noch unschuldige vorform ist von etwas schrecklichem, das sich eines tages unter den Deutschen zu den grassesten narrheiten manifestieren wird Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 187.
speziell zur objektiven kennzeichnung seelischer zustände, des schreckens, des grauens u. ä., hier einer blosz steigernden funktion besonders nahe: wie, wenn der hirt im waldgebirg auf einen drachen trifft, und, grasz und grausend durch den ganzen leib, zusammen schrickt Bürger
s. w. 151
Bohtz; im geflimmer sanfter sterne zuke dir des kindes grasser sterbeblick Schiller 1, 229
G.; todt lag es (
das kind) da, und ich neben ihm in wütender grasser verzweiflung
der junge Göthe 3, 643
Morris (
im druck v. 1776: groszer); woher auf einmal das grasse erschrecken? Eb. König
Thedel v. Wallmoden 245.
im thüringischen und in einigen seiner randmundarten vielleicht von hier aus zu einer bedeutung '
grau, bleich, abgehärmt (
aussehend)'
entwickelt: gras,
flekt. grasse,
von der gesichtsfarbe kranker menschen: blasz, grau Damköhler
Nordharzer wb. 64
a; Liesenberg
Stieger ma. 147; Hertel
Thüringen 109. 33)
in der nähe des unverwandten, aus lat. crassus entlehnten krasz (
s.krass),
und vielfach mit diesem wort verwechselt bzw. gleichgesetzt, dient grasz '
zur bezeichnung eines jeden hohen oder übertriebenen grades' Adelung
vers. 2 (1775) 780.
seit dem späten 18.
jh. belegbar, doch deutet sich, noch vor dem aufkommen von krasz,
ein grad- und mengenbegriff, wie er dem wort von 1
her nicht fernlag und wie ihn auch gräszlich (
s. d. 3 b)
annimmt, vereinzelt schon früher an: denn zum msziggang gehören entweder grasse zinsen, oder hohe galgen Jak. Döpler
theatrum poenarum (1693) 705.
zur vermischung mit krasz
vgl.: mit unter aber gebraucht man grasz auch für grob. eine grasse antwort, ein grasser begriff oder eine grasse vorstellung. der gelehrte theil Niederdeutschlands spricht im letzten fall lieber krasz, doch so, dasz man dabei anerkennt, das wort sei nicht deutsch, sondern lateinisch Heynatz
antibarb. 2 (1796) 73.
in der kennzeichnung äuszerster erscheinungen, extremer zustände, soviel wie '
grob, grell, schlimm, stark': zu einer guten kopie der natur gehört beides, eine edelmüthige kühnheit, ihr mark auszusaugen, und ihre schwungkraft zu erreichen, aber zugleich auch eine schüchterne blödigkeit, um die grassen züge, die sie sich in groszen wandstücken erlaubt, bei miniaturgemälden zu mildern (1782) Schiller 2, 344
G.; in meinen augen knüpft sich bey Lavatern der höchste menschenverstand, und der grasseste aberglauben durch das feinste und unauflöslichste band zusammen (1782) Göthe IV 5, 301
W.; wie ein stabloses rohr der wüste beugt mich der sturm und grasser schmerz Kosegarten
bei Campe 2 (1808) 444
a; weil man ihm (
dem könig) das leben der studenten ... mit gar zu grassen farben geschildert hat Laukhard
leben (1791) 5, 54; (
er) tadelt mich, dasz ich nicht schläfrig im zimmer sitze und brüte, sondern die freie natur suche, wie kinder die brust. freund, das find' ich doch grasz! Hebbel
w. 6, 365
Werner; es passiert ihm, dasz er den Tigris nicht vom Euphrat unterscheiden kann ..., um nur ein grasses beispiel anzuführen Pauly-Wissowa
real-encycl. 4 (1901) 1879; in grassem gegensatz
ebda; sie haben es verstanden, mein lieber, einem grassen wort ('
schmarutzertum'), das mir entschlüpfte, eine hohe, majestätische deutung zu geben Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 134.
selten adverbial: da ich jetzt viele von seinen autos sacramentales gelesen habe, von denen viele grosz und hochpoetisch, manche willkürlich und einige ... oft grasz allegorisch oder kindisch sind Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 683.