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grasz

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grasz adj.

Bd. 8, Sp. 2014
grasz, adj. , ahd. grazzo, adv., mhd. graz, zur germ. wz. *grēt-, grat- 'spitzig, scharf sein' (vgl. Falk-Torp 139), welche ihrerseits eine dentalerweiterung von *grē- zu idg. *gher- 'hervorstechen' ist (Walde-Pokorny 1, 606; Pokorny 440). ob ein ahd. subtiliter grazliihho (9. jh.) ahd. gl. 1, 161, 14 St.-S. (vgl. auch krazlihor ebda 243, 32) dazu berechtigt, der germ. wz. *grat- auch eine bedeutung 'dünn, fein' beizulegen, wie sie sonst nur noch in nasalerweiterungen derselben wz. angetroffen wird (vgl. an. grannr, norw. grand), bleibt angesichts der ganzen glossenstelle: prahtit grazliihho (für garrit subtiliter) sehr fraglich. das wort grasz ist nur im md. und westl. obd., mit ausnahme des schweizer., nachzuweisen. für das nd. vergleichen sich die faktitiven bildungen mnd. gretten, grotten, swv. 'reizen' Schiller-Lübben 2, 145a, wozu mnd. grettich, adj. 'wütend' ebda 6, 144a und mnd. gretter 'anreizer' ebda 2, 145b, ferner nl. greten 'zum zorn reizen' woordenb. 5, 680, welchen bildungen nhd. 1gretzen (vgl. t. 4, 1, 6, sp. 204) entspricht. mit grasz, adj., verwandt sind ferner grasz, n. (s. d.) und die zu diesem gehörigen bildungen. dagegen besteht zu gretig (t. 4, 1, 6, sp. 204), 2grätig (s. d.) wohl keine beziehung. länge des vokals ist für das adj. nicht belegt und auch für das mhd. stm. graz 'wut' (Lexer 1, 1075: graz, grâz) nicht anzunehmen; die reimbelege (bei Nikolaus v. Jeroschin 21 812 Strehlke, Hermann v. Damen 112, 34 Onnen [= MSH 3, 169a]) beweisen nichts, da beide dichter zwischen a und â im reim nicht scheiden. dagegen ist für das vb. mhd. grâzen die länge gesichert, doch ist fraglich, ob dieses nicht eher zu got. grētan zu stellen sei, s. 1graszen. — umlaut des vokals bleibt für grasz literarisch vereinzelt (vgl. Moscherosch gesichte [1650] 1, 303), ist mundartlich im westl. obd. jedoch häufiger anzutreffen. über das verhältnis zu gräszlich s. dort.das wort ist in der älteren sprache nur vereinzelt, ahd. für Otfrid, mhd. für Rudolf v. Ems (alem.) und Johann v. Frankenstein (schles.), im 15. jh. ebenfalls alem. und schles. bezeugt. vom 16. jh. ab erfährt es eine intensivere verbreitung. neben dem mit ihm volksetymologisch in zusammenhang gebrachten gräszlich scheint grasz sich im späten 18. und frühen 19. jh. gleichwertig zu behaupten; Schiller undauch in seiner spätzeit — Göthe gebrauchen grasz unbedenklich, so dasz die von Adelung vers. 2 (1775) 780 vorgenommene (von Heynatz antibarb. 2 [1796] 73, nicht aber von Campe aufgegriffene) verweisung des wortes in 'niedere sprecharten' nicht verallgemeinert werden darf. auch ein veralten des wortes glauben Heynatz a. a. o. und Voigtel dt. orthogr. gramm. wb. (1793) 126a, kaum mit recht, schon vor 1800 feststellen zu sollen. erst seit der mitte des 19. jhs. wird grasz, durch die konkurrenz von krasz (s.krass u. unten 3) ohnehin gefährdet, von gräszlich mehr und mehr verdrängt.nach ausweis der maa.-wbb. ist das wort auf obd. boden dem schweizer. und bair.-österr. fremd: nur Hügel Wien 70a bucht ein (hierher gehöriges?) subst. grasz 'stolz, hochmut'. unter den lebenden maa. kennen das wort grasz, oft in ziemlich abweichenden sonderbedeutungen, die Nordharzer ma. (vgl. Damköhler 64a), das thür. (vgl. Hertel 109; Liesenberg 147), das siebenbürg. (vgl. Kramer Bistritz 38), das schwäb. (vgl. Fischer 3, 800), das elsäss. (vgl. Martin-Lienhart 1, 281b) und lothr. (vgl. Follmann 214a). für das hess. vgl. s. v. graszig. bei rhein. grasz 'rauh, trocken im halse' rhein. wb. 2, 1362 dürfte es sich kaum um unser wort handeln. 11) der wurzelbedeutung 'scharf, spitz' noch verhältnismäszig nahe. 1@aa) zufrühest, aber nicht über das ahd. hinaus, als ein intensitätsbegriff im sinne von 'eifrig, ernstlich, nachdrücklich', mit dem gradbegriff unter 3 in keinem zusammenhang: iuan fiant minnot, so gibiutit druhtin got; minnot io thie grazzo so wer soso iuih hazzo Otfrid II 19, 16 Erdm.-Schr.; ther wizod gibiutit grazzo, man sinan fiant hazzo, joh iagilicher manno sinan friunt minno ebda 11. 1@bb) 'heftig, zornig, wütend, wild', auf einen gemütszustand oder ein daraus entspringendes verhalten bezogen: Esau der wart vil graz. nu begunde grozen haz und umbrderlichin nit tragin von der selbin zit Esau dem bruodir sin Rudolf v. Ems weltchron. 5896 Ehrismann; er schickte bei tausend rüstiger hofeleute uf dise wagen, darumb ein grasz schlahen war Eschenlohr gesch. d. stadt Breslau 2, 188 J. G. Kunisch; ist aber die person zornig, als er sich dann zornig in der ersten red erzOegt, so solman die wort schneller, lüter vnd grasser lesen Terenz deutsch (1499) 8a. auch auf eine andauernde feindliche gesinnung bezogen, soviel wie 'gram': das L hat flusz on vnderlasz das ist ein E im worden grasz Gengenbach 6 Goedeke; (die tiere sind einander) gramm vnd grasz, neydig vnd häszig Paracelsus op. (1616) 2, 326 Huser. jünger in spuren nachlebend: er (Herakles) schlug den blaugeschuppten wächter, der grasz den baum (der Hesperiden) umwand J. H. Voss s. ged. (1802) 4, 194; vgl. 2, 187; gräss 'wild, böse' Fischer schwäb. 3, 800. älter vereinzelt anders nuanciert: auidus grasz (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 61a. 1@cc) viel häufiger, in einer speziellen anwendung von b, aussehen, gesicht, gesichtsausdruck, blick, auch stimme eines lebewesens kennzeichnend, wobei zur bedeutung 'wütend, wild, drohend' das für 2 charakteristische und von dort her wirkende moment 'schrecken erregend' mehr oder minder hinzutritt; seit dem 16. jh., deutlich noch bis ins 19. jh. nachwirkend. in festen verbindungen und, besonders älter, neben synonymen begriffen wie zornig, grausam u. ä. grasz sehen, ansehen, starren: leüt ..., die auch durch daz gesycht einen bezauberen, vnd ... zu letst tödten, in sonderheit wenn sye zornig oder grassz sehen (iratis praecipue oculis) Eppendorf Plinius (1543) 7, 6; wie er (ein geist) aber letstlichen doch weichen muest, hat er den grafen grasz und scheuzlichen angesehen Zimmer. chron. 24, 83 Barack; (in der kampfpause) lehnete sich Anaxius auff seinen degen, vnd sahe die Zelmana (eine Amazone, mit der er kämpft) gantz grasz vnd grausam an Opitz Sidneys Arcadia (1638) 686; was starrst du (ein gespenst) so grasz nach mir, dasz das herz im männerbusen sich mit bangem grausen wendet Grillparzer s. w. 4, 24 Sauer; gras gräszlich, entsetzlich. net sich esi (so) gras Haltrich siebenb.-sächs. volksspr. 30b. grasz aussehen: vnd befande, dasz er sehr zornig vnnd grasz aussahe Bastel v. d. Sohle don Kichotte (1648) 172; und sein geberde verstellet sich, er sahe zornig vnd grasz ausz (zu 1. Mos. 4, 5) Nürnberger biblia (1662); es kann nicht anders seyn, du mordetest ihn mir; so sieht ein mörder aus; so grasz, so stier (so should a murderer look, so dead, so grim) Shakespeare (1797) 1, 231. grasses (an)gesicht: der Julius, der einher tritt im harnisch, nach der kriegsleut sitt, erschrecklich von har, und von bart, mit grassem gsicht, uff mördrisch art Zach. Müntzer bepstl. gesch. (1566) 700; (sie) sahe derwegen die Gynecia mit so grassem gesicht an, als ob sie sich sehr beleidigt befinde Opitz Sidneys Arcadia (1638) 238; vgl. 875. jünger in freieren fügungen, aber auf gleicher linie: den Juden sieht der grasse teufel zun augen heraus, aber Stephani angesicht ist lustig und lieblich, wie eines engels angesicht Otho evang. kranckentrost (1641) 1138; lichthehr erschien der reiter rechts mit mildem frühlingsangesicht; grasz, dunkelgelb der linke ritter schosz blitz vom aug', wie ungewitter (der teufel) Bürger s. w. 70a Bohtz; und über ihrer blicke grassem feuer, dem rachendampf, der zähne weiszem zaum, fährst du, erhaben lächelnd, göttin Immermann w. 13, 132 Hempel. vereinzelt: und (satan) erhub in solcher wut, eifer, raserey und grimme, seine mehr als donnernde dumpflgt-brüllend grasse stimme Triller poet. betr. (1750) 1, 639; mundartlich leicht nuanciert: gräss finster, schrecklich: e grässer blick; gräss luejen Martin-Lienhart elsäss. 1, 281b; Follmann lothr. 214a; gràs düster, finster, vom blicke des menschen Kramer Bistritzer dial. 38. 1@dd) in den gleichen oder ähnlichen beziehungen wie unter c, aber als 'wild, starr, stier, grell' nicht den affekt des zorns, der wut, sondern andere affektbestimmte zustände, wie angst, verzweiflung, wahnsinn, voraussetzend. im ersten beleg freilich in der milderen, sonst kaum begegnenden bedeutung 'trotzig, selbstbewuszt': ein grassz vnnd etwas trutziges angesicht, und stelt sich etwas prAechtisch und stoltz, jedoch mit freündtlichem vnnd sänfftiglichem honlächlen (von Mohammed) Höniger sarracen. gesch. (1580) 7; mit graszem angesicht, verkehrten augen (von einem, der rache nehmen will, aber sich ängstlich stellt, weil er ohne waffen ist) buch d. liebe (1587) 187c; sehen sie mit den augen stürmig vnd grass die leuth an ... ist ein zeichen der taubsucht Paracelsus chir. (1618) 12. so namentlich in der sprache des jungen Schiller und von da her literarisch weiterwirkend, wobei freilich auch mit einwirkung von 2 b und 3 zu rechnen ist, gelegentlich auch die vorstellung vom 'weiszen' des auges (s.e) hineinzukreuzen scheint, so dasz der wortgebrauch hier etwas ausgesprochen komplexes bekommt: Franz ihm (dem diener) grasz nachstierend (szen. bemerkung; Franz vor dem selbstmord) Schiller 3, 189 G.; die augen grasz in einen winkel geworfen (szen. bemerkung) ders. 3, 455; zitiert bei W. Raabe s. w. I 5, 277 Klemm; bleifarb steht, verstört, die wimper grasz emporgeschlagen der bursche da; ... nur das ist klar, er starrt der welt vergessen in einen abgrund, den er zagt zu messen Geibel ges. w. (1883) 2, 277; lacht grasz auf (szen. bemerkung) Schiller 3, 34 G.; offensichtlich von 3 'krasz' her mitbestimmt: und die farbe seiner haut war von einer gelben mulattenschwärze, woraus das weisze eines schielenden auges bisz zum grassen hervortrat ders., a. a. o. 4, 74; hierher wohl auch: freylich ist auch das auge zu grasz. doch ist die gepackte stirne, der parallele rücken der nase ... ganz trefflich (über einen kopf nach Raphael) Göthe I 37, 338 W. 1@ee) nur älter vereinzelt auch in rein sachlicher bezeichnung sehr farbheller augen, wenn nicht auf das 'weisze' des auges zielend (vgl. dazu auch ob. d): etliche haben schwartze augen, die anderen braune. eins theyls rote. ettliche scharpfflyechte grasse augen, mit gryengelen rynglinen vmbgeben (aliis nigri, aliis ravi, aliis glauci coloris orbibus circumdatis) Eppendorff Plinius (1543) 11, 207; vgl. dazu: scharpffe, gryengelbe, lyechtgrasze augen ebda 206. 22) unter einwirkung des auf grasz 'heftig, wütend' bezogenen und zu gräszlich (s. d.) lautlich umgedeuteten mnd. greselik 'grauen erregend' vollzieht sich auch für grasz ein bedeutungswandel von 'wütend' zu 'schrecken, grauen erregend' bzw. 'schrecklich, furchtbar'. 2@aa) grasz als das an einem gegenstand oder vorgang haftende merkmal des grauenvollen, gräszlichen, abscheulichen und zugleich, unter anderem aspekt, die im sinne von 'mit schrecken, mit abscheu erfüllend' ausgelöste psychologische wirkung; seit dem 17. jh. nachweisbar: wer bistu, grasses vngethm (die personifizierte furcht) Lohenstein Arminius (1689) 2, 1568a; so ward für dieszmal auch aus ihrer (der sonne) purpur-röte, nachdem der tag verschwand, ein grasser blut-comete poesie d. Nieders. (1721) 1, 47 Weichmann; welch grasses angstgetöhn benebelt mein gehör Drollinger ged. (1743) 127; der kranke sasz noch ebenso im bette, wie ihn der doktor in der nacht gesehen; nur schienen beim tageslicht seine züge noch grasser, der ausdruck seiner augen, die schon zu erstarren anfingen, noch schauerlicher Hauff s. w. (1890) 3, 2, 201; doch jeder preist des jünglings heldenmuth mit grassen flüchen A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 215. gelegentlich ist die grenze zu dem rein objektiven gebrauch b schwer zu ziehen: von allen den thorheiten (der mystik), durch welche, stufenweis', der in seinem irdischen wesen befangene mensch sich der gottheit unmittelbar anzunähern und sich zuletzt mit ihr zu vereinigen gedenkt; da denn doch zuletzt nur widernatürliche und widergeistige, grasse gestalten zum vorscheine kommen (1819) Göthe I 7, 66 W.; wer mir den rücken kehrt, gleich liegt ihm schlapp hals, kopf und schopf hinschlotternd grasz im nacken ders., a. a. o. 15, 266; tief im busen eingetrieben, wo er (ein dolch) grasz zusammenhielt den durchnäszten braunen mantel Grillparzer s. w. 7, 165 Sauer; vgl. 174; substantiviert: in diesen letzten theilen des gedichtes geht die ganze behandlung aufs grasse und furchtbare aus bis ins ekle; sie will zerknirschen, buszfertig machen und zahm durch schrecknisz und drohung Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 128. gemildert soviel wie 'unlust, widerwillen erregend': so kalt, so grasz liegt alles vor mir — als wär die welt nichts Göthe I 11, 184 W.; o, das (leben ohne den geliebten) sieht mich grasz und elend an Immermann w. 16, 416 Hempel. 2@bb) als 'schrecklich, fürchterlich, entsetzlich' objektiv und ohne das unter a mitgegebene moment subjektiver wirkung. nur in jüngerem gebrauch und in schwer bestimmbarem grade wohl schon von 3 'krasz' her berührt: gott sandte seinen rohen kindern gesetz und ordnung, wissenschaft und kunst, begabte die mit aller himmelsgunst, der erde grasses los zu mindern (1816) Göthe I, 3, 172 W.; ihr habt gehandelt, wohl! das thor geht auf, und eine grasse zeit hält ihren einzug Grillparzer s. w. 9, 74 Sauer; vor dem ihrigen (d. i. vor ihrem patriotismus) graut mir, weil es die noch edle, noch unschuldige vorform ist von etwas schrecklichem, das sich eines tages unter den Deutschen zu den grassesten narrheiten manifestieren wird Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 187. speziell zur objektiven kennzeichnung seelischer zustände, des schreckens, des grauens u. ä., hier einer blosz steigernden funktion besonders nahe: wie, wenn der hirt im waldgebirg auf einen drachen trifft, und, grasz und grausend durch den ganzen leib, zusammen schrickt Bürger s. w. 151 Bohtz; im geflimmer sanfter sterne zuke dir des kindes grasser sterbeblick Schiller 1, 229 G.; todt lag es (das kind) da, und ich neben ihm in wütender grasser verzweiflung der junge Göthe 3, 643 Morris (im druck v. 1776: groszer); woher auf einmal das grasse erschrecken? Eb. König Thedel v. Wallmoden 245. im thüringischen und in einigen seiner randmundarten vielleicht von hier aus zu einer bedeutung 'grau, bleich, abgehärmt (aussehend)' entwickelt: gras, flekt. grasse, von der gesichtsfarbe kranker menschen: blasz, grau Damköhler Nordharzer wb. 64a; Liesenberg Stieger ma. 147; Hertel Thüringen 109. 33) in der nähe des unverwandten, aus lat. crassus entlehnten krasz (s.krass), und vielfach mit diesem wort verwechselt bzw. gleichgesetzt, dient grasz 'zur bezeichnung eines jeden hohen oder übertriebenen grades' Adelung vers. 2 (1775) 780. seit dem späten 18. jh. belegbar, doch deutet sich, noch vor dem aufkommen von krasz, ein grad- und mengenbegriff, wie er dem wort von 1 her nicht fernlag und wie ihn auch gräszlich (s. d. 3 b) annimmt, vereinzelt schon früher an: denn zum msziggang gehören entweder grasse zinsen, oder hohe galgen Jak. Döpler theatrum poenarum (1693) 705. zur vermischung mit krasz vgl.: mit unter aber gebraucht man grasz auch für grob. eine grasse antwort, ein grasser begriff oder eine grasse vorstellung. der gelehrte theil Niederdeutschlands spricht im letzten fall lieber krasz, doch so, dasz man dabei anerkennt, das wort sei nicht deutsch, sondern lateinisch Heynatz antibarb. 2 (1796) 73. in der kennzeichnung äuszerster erscheinungen, extremer zustände, soviel wie 'grob, grell, schlimm, stark': zu einer guten kopie der natur gehört beides, eine edelmüthige kühnheit, ihr mark auszusaugen, und ihre schwungkraft zu erreichen, aber zugleich auch eine schüchterne blödigkeit, um die grassen züge, die sie sich in groszen wandstücken erlaubt, bei miniaturgemälden zu mildern (1782) Schiller 2, 344 G.; in meinen augen knüpft sich bey Lavatern der höchste menschenverstand, und der grasseste aberglauben durch das feinste und unauflöslichste band zusammen (1782) Göthe IV 5, 301 W.; wie ein stabloses rohr der wüste beugt mich der sturm und grasser schmerz Kosegarten bei Campe 2 (1808) 444a; weil man ihm (dem könig) das leben der studenten ... mit gar zu grassen farben geschildert hat Laukhard leben (1791) 5, 54; (er) tadelt mich, dasz ich nicht schläfrig im zimmer sitze und brüte, sondern die freie natur suche, wie kinder die brust. freund, das find' ich doch grasz! Hebbel w. 6, 365 Werner; es passiert ihm, dasz er den Tigris nicht vom Euphrat unterscheiden kann ..., um nur ein grasses beispiel anzuführen Pauly-Wissowa real-encycl. 4 (1901) 1879; in grassem gegensatz ebda; sie haben es verstanden, mein lieber, einem grassen wort ('schmarutzertum'), das mir entschlüpfte, eine hohe, majestätische deutung zu geben Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 134. selten adverbial: da ich jetzt viele von seinen autos sacramentales gelesen habe, von denen viele grosz und hochpoetisch, manche willkürlich und einige ... oft grasz allegorisch oder kindisch sind Solger nachgel. schr. (1826) 1, 683.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    graszn.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    grasz , n. , ' fichten- und tannensprossen oder zweige, die zu viehfutter oder streu kleingehackt werden ' Schmeller-Fr.…

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grasz‑ als Erstglied (16 von 16)

Graszahn

RhWB

gras·zahn

Gras-zahn -tǫŋk Kemp-Grefr m.: in der RA.: Lott dech de Gr. uttrecke! nörgele doch nicht so.

Graszak

RhWB

Graszak Verbr. wie grasen m.: knurriger Mensch, bes. von dem Ehemann.

graszbaum

DWB

graszbaum , m. , zu grasz, n. ( s. d. ), nur bair.-österr. mundartlich: graszbaum, m., tannenbaum, der zur weihnachtszeit neben dem bauernge…

graszehnt

DWB

gras·zehnt

-zehnt ( hist. ) dt. rechtswb. 4, 1078. d d) eine kleine hierher gehörige gruppe von personalbezeichnungen zeichnet sich seit dem 15. jh. ab…

graszeichen

DWB

gras·zeichen

graszeichen , n. , legitimationsmarke für gepachtetes grasland; vgl. gras-zeichen sind ... auf blech-stücklein geschlagene ... zeichen, welc…

Graszeine

ElsWB

gras·zeine

Graszeine f. geläufige Bezeichnung für die gewöhnliche Zeine Hi.

graszeit

DWB

gras·zeit

graszeit , f. , der frühling als die zeit, in der das gras frisch und besonders saftig ist; vgl. grasmonat : doch gehen sie ( die pferde ) i…

graszen

DWB

gras·zen

graszen , vb. , fast ausschlieszlich mhd. (grâzen, mit gesicherter vokallänge ); frühnhd. und modern mundartlich nur vereinzelt bezeugt. sei…

graszettel

DWB

gras·zettel

graszettel , m. , erlaubnisschein zum grasrupfen oder -schneiden; vgl. Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 731 ; rhein. wb. 2, 1361; grâsezedl D…

graszgramen

DWB

graszgramen , subst. vb. , ' zorn, grimm ', unter einflusz von grasz ' zornig ' ( s. d. ) aus griesgramen umgedeutet ( vgl. teil 4, 1, 6, sp…

graszheit

DWB

graszheit , f. , ' zorn, heftigkeit ', abstraktbildung zu grasz, adj. ( s. d. 1 b), nur älternhd.: also so ein mensch vnd sunderlich die clo…

graszins

DWB

gras·zins

graszins , m. , grase-zinsen Zincke allg. öcon. lex. (1744) 118 , weidegeld; vgl. grasgeld , -pfennig: ex his tribus villis mutatus est cens…

Graszëheⁿd

Idiotikon

Graszëheⁿd Band 17, Spalte 837 Graszëheⁿd 17,837

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Cotta, M. (2026). „grasz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grasz/dwb?formid=G26347
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Cotta, Marcel. „grasz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grasz/dwb?formid=G26347. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „grasz". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grasz/dwb?formid=G26347.
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