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graszen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

graszen vb.

Bd. 8, Sp. 2020
graszen, vb. , fast ausschlieszlich mhd. (grâzen, mit gesicherter vokallänge); frühnhd. und modern mundartlich nur vereinzelt bezeugt. seit dem 16. jh. in der bedeutung 2 weitgehend von dem neu aufkommenden lautähnlichen, aber unverwandten grassieren (s. d.) vertreten, möglicherweise verdrängt. eine herleitung wird dadurch erschwert, dasz die mhd. belege für die bedeutung meist nur soviel erkennen lassen, dasz das wort eine affektäuszerung bezeichnet, von den wbb. als 'leidenschaftliche erregung durch laute oder gebärden ausdrücken, sich übermütig und anmaszlich gebärden u. ä.' umschrieben. die recht differenzierten mhd. belege lassen sich zwei bedeutungskomplexen ('schreien, weinen' und 'zornig sein, wüten, sich wild gebärden') zuordnen, denen sich auch die dürftigen frühnhd. und mundartlichen spuren des wortes einfügen. dementsprechend bieten sich für die etymologische herleitung zwei möglichkeiten an. man könnte das schwache vb. graszen an das got., an., as. als reduplizierend bezeugte germ. *grētan anknüpfen, für das durch das kausativum ahd. gruozen eine ursprünglich allgemeinere bedeutung 'schreien, tönen' zu erschlieszen ist. es wäre dann übertritt in die schwache klasse anzunehmen oder aber mhd. grâzen als intensivum in einem ursprünglichen sinne von 'heftig schreien, heftig weinen' aufzufassen. andererseits liesze sich graszen in einer ursprünglichen bedeutung 'wüten, zornig sein, wild sein' mit mhd. graz 'wütend, zornig, wild' zur germ. wz. *grēt-, grat- stellen. es könnte dann zu grasz, adj. (s. d.) im ablaut stehen. möglicherweise aber fallen in mhd. grâzen die verben beiderlei herkunft zusammen.über die im folgenden gegebenen mhd. nachweise hinaus s. weitere in mhd. wb. 1, 568b; Lexer 1, 1075. 11) von einer grundbedeutung 'schreien, weinen' her. 1@aa) von pferden soviel wie 'schnauben' oder 'wiehern': ir ros begunden grazzen (:lazzen) Herbort v. Fritzlar liet von Troye 14740 Fr.; vgl. Wolfram v. Eschenbach Willehalm 59, 17 L. vereinzelt mit der frz. ableitungssilbe -ieren: grâzieren unde scherren din ros man hôrte lûte Konrad v. Würzburg turnier v. Nantes 754 E. Schröder. 1@bb) 'weinen, klagen'. hierher?: und sprichest (du, Jesus, am kreuz) in der massen: 'trost sey den umbsteenden hie!' die red het hertes graszen kl. mhd. erz. 2, s. 178 Euling; vgl. schweizer. grāssen weinerlich tun, um etwas zu erzwingen schweiz. id. 2, 799. in ähnlicher bedeutung rhein. grässen rhein. wb. 2, 1363. ein schweizer. grazen 'mit heiserer kehle singen oder sprechen, gellend schreien oder weinen' schweiz. id. 2, 835 dagegen ist wohl wie mhd. grezzen 'schreien, krähen' jh. Titurel 4939, 1 Hahn; Hadamar v. Laber d. minne falkner 127, 2 Schmeller lautmalende bildung gleich krassen 'wie ein rabe schreien', s. t. 5, sp. 2069 oder krähen. 22) von einer grundbedeutung 'zornig sein, wüten, sich wild gebärden' her. 2@aa) allgemein in diesem sinne: idoch in der selben not daz wib noch tobete sere ... der (der frau innewohnende) tuvel wart do grazen, do in Syrus nicht uzwarf passional 409, 74 K.; vgl. 264, 96; der lîcham gots gebenedît, ... wart jêmirlîch durch iren nît behant, besulwit, angespît. sumelîche in vrâzen, etslîche durch ir grâzen in wurfin mit unwerde nidir ûf dî erde Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 23 543 Strehlke; so noch älternhd.: so du wenest eynen christlichen ernst haben, so hestu eynen grassenden hunt (in dir) Keisersberg bilgerschaft (1512) 141c; modern mundartlich anklingend: grasen unzufrieden, unwirsch sein, knurren, brummen, nörgeln. he grast wie ne rösege (rasender) hongk (hund) rhein. wb. 2, 1362. 2@bb) 'kämpfen, streiten': dâ was manc sunder grâzen (: gelâzen) (in einer schlacht) Wolfram v. Eschenbach Willehalm 402, 17 L.; wir leben friuntlich, ich und er, ze himel âne grâzen Heinzelein v. Konstanz 128, 61 Pfeiffer. 2@cc) 'gegen jmd. mit worten oder handlungen wüten, hart verfahren': (beim tode eines bischofs) ey nu wirt sere grazen der wolf uf dine schefelin passional 610, 10 K.; daz si den gelovben Cristes niht wolde lazin, schelten smehis grazin muoze div maget liden Hugo v. Langenstein Martina 109, 12 Keller 2@dd) 'wild nach etwas verlangen, gieren': wan er (der fürst) grazet nach eren hie, rehte als ein vederspil nach [den] vogel'en in den lüften der Meiszner in: minnesinger 3, 108a v. d. Hagen. 2@ee) 'sich wild gebärden, sich aufbäumen', von pferden: do Wildehelm daz ersach daz der knge schar uf brach gein sinem knge ze eren, daz ros begund er leren grazzen und springen Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 6265 Regel.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    graszenvb.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    graszen , vb. , fast ausschlieszlich mhd. (grâzen, mit gesicherter vokallänge ); frühnhd. und modern mundartlich nur ver…

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Zerlegung von graszen 2 Komponenten

gras+zen

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Cotta, M. (2026). „graszen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/graszen/dwb?formid=G26353
MLA
Cotta, Marcel. „graszen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/graszen/dwb?formid=G26353. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „graszen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/graszen/dwb?formid=G26353.
BibTeX
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